{"id":2502,"date":"2014-11-06T15:45:01","date_gmt":"2014-11-06T13:45:01","guid":{"rendered":"http:\/\/apps.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=2502"},"modified":"2014-11-06T15:45:01","modified_gmt":"2014-11-06T13:45:01","slug":"predigthilfe-vom-23-november-2014-titus-3-8-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-23-november-2014-titus-3-8-15\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 23. November 2014 &#8211; Titus 3, 8-15"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jahresthema: In Gottes N\u00e4he leben<\/strong><br \/>\n<strong>Predigtthema: Geistlich dienen (Alternativvorschlag s. unten)<\/strong><br \/>\n<strong>Predigttext: Titus 3,8-15<\/strong><\/p>\n<p><strong>1 Erl\u00e4uterungen zum Text<\/strong><br \/>\n<strong>1.1 Die Themen<\/strong><br \/>\nAm Ende des Briefes werden zwei Personengruppen in den Blick genommen:<br \/>\n\u2022 Erste Gruppe: Alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind. Sie sollen lernen, mit guten Werken hervorzutreten, weil das f\u00fcr Nichtchristen n\u00fctzlich ist (3,8).<br \/>\n\u2022 Zweite Gruppe: Alle, die sich mit Spekulationen und Streitereien hervortun. Sie sind zur\u00fcckzuweisen, sofern sie sich nicht ermahnen lassen, denn ihr verdrehtes Treiben n\u00fctzt niemandem (3,9-11).<br \/>\nDie Stellungnahme gegen\u00fcber beiden Gruppen l\u00e4sst durchblicken: Die Gemeinde ist nicht um ihrer selbst willen da, sondern um der Menschen willen. Was in der Gemeinde gelehrt, gelernt und gelebt wird, soll den Menschen dienen. Anderen-falls verfehlt Gemeinde ihr Dasein.<br \/>\nAbgeschlossen wird der Brief mit pers\u00f6nlichen und konkreten Mitteilungen (3,12-14), Gr\u00fc\u00dfen (3,15) und einem Gnadenwunsch (3,15).<\/p>\n<p><strong>1.2 N\u00fctzlicher Glaube<\/strong><br \/>\nDer Predigttext setzt ein mit der Formulierung (3,8): \u201eZuverl\u00e4ssig ist das Wort.\u201c Luther hat mit seiner \u00dcbersetzung die Intention dieser Formulierung pr\u00e4zise er-fasst: \u201eDas ist gewisslich wahr.\u201c Das vorausgehende Wort von der G\u00fcte und Men-schenfreundlichkeit Gottes (3,4-7) wird bekr\u00e4ftigt. Diese Bekr\u00e4ftigung dient der Vergewisserung des Glaubens.<br \/>\nDas Bekenntnis zum Evangelium (3,3-7) hat Paulus im Wir-Stil formuliert. Darin bringt er seine Verbundenheit mit der Gemeinde zum Ausdruck, die im Evangelium ihre Grundlage hat. Nun wechselt Paulus in den Ich-Du-Stil, d. h. Paulus tritt in die Kommunikation mit Titus ein. Titus wird angehalten, mit Nachdruck auf dem Evangelium einschlie\u00dflich aller Ermahnungen zu bestehen. Solche Vergewisserung verfolgt ein Ziel (\u201edamit\u201c): Alle Gl\u00e4ubigen sollen darauf bedacht sein, sich um gute Werke zu bem\u00fchen. Weshalb ist das so wichtig? Es ist gut und n\u00fctzlich f\u00fcr die Menschen. Die Glaubenden sind den Menschen verpflichtet \u2013 nicht nur den Menschen innerhalb, sondern auch au\u00dferhalb der Gemeinde (vgl. 3,2). Das entspricht der Intention des Evangeliums, denn die Gnade Gottes ist allen Menschen erschienen (2,11).<br \/>\nPaulus fordert nicht nur zu guten Werken im ethisch-moralischen Sinn auf, sondern zu einem Handeln, das von G\u00fcte gepr\u00e4gt ist und anziehend auf andere Menschen wirkt. Das hier verwendete Wort \u201egut\u201c kann auch bedeuten: \u201enobel, sch\u00f6n, kostbar, recht\u201c. Mit dieser Tendenz wird das Handeln der Glaubenden von der Frage geleitet: Was n\u00fctzt und hilft anderen Menschen?<br \/>\n<strong>1.3 Nutzloser Irrglaube<\/strong><br \/>\nDem Guten und N\u00fctzlichen der Glaubenden (3,8) wird das Unn\u00fctze und Nichtige der Irrgl\u00e4ubigen gegen\u00fcbergestellt (3,9). Zwar sind Irrlehrer keine dummen Leute, aber sie disqualifizieren sich, weil sie mit Auseinandersetzungen, Genealogien, Uneinigkeit und Streit \u00fcber die Tora (Gesetz) jeden Wirklichkeitsbezug verfehlen. Was Irrlehrer zu bieten haben, bringt nichts, hilft niemandem, stiftet Verwirrung und zersetzt Gemeinde. Dieses Verhalten wird als \u201et\u00f6richt\u201c bzw. \u201eunsinnig\u201c bewertet, weil es Gott widerspricht. Gott hat seine Tora als Einweisung in die Vollz\u00fcge des Glaubens und Lebens gegeben, nicht als Gegenstand endlosen Streits, der zu Zerw\u00fcrfnissen f\u00fchrt. Offensichtlich sammeln einzelne Irrlehrer ganze Kreise um sich, um sie in fruchtlose Diskussionen zu verwickeln. Vor solchen nichtigen Streitereien und Wortgefechten warnt Paulus auch an anderer Stelle (vgl. 1Tim 1,4-7; 1Tim 6,4f; 2Tim 2,14; Tit 1,10).<br \/>\nDieses sektiererische (h\u00e4retische) Agieren innerhalb der Gemeinde kann nicht toleriert werden. Wer Gemeinde nicht baut, sondern eher zersetzt, soll gewarnt und zurechtgewiesen werden (3,10). Wenn aber mehrfache Ermahnungen scheitern, m\u00fcndet die Zurechtweisung in eine Abweisung ein. Abweisen ist nicht mit Ausschluss aus der Gemeinde gleichzusetzen. Vielmehr wird das heillose Agitieren der Irrlehrer begrenzt. Gemeinde braucht Schutz gegen\u00fcber den Kr\u00e4ften, die Gemeinde zersetzen. Darum sind klare Grenzen notwendig.<br \/>\nMit drei Pr\u00e4dikaten wird der sektiererische Irrlehrer gekennzeichnet:<br \/>\n\u2022 Der Irrlehrer ist pervertiert (verdreht, verwirrt) \u2013 eine Formulierung, die nur an dieser Stelle im NT vorkommt.<br \/>\n\u2022 Der Irrlehrer s\u00fcndigt (tut Unrecht).<br \/>\n\u2022 Der Irrlehrer hat sich durch sein Verhalten schon selbst verurteilt (\u201eer hat seine Verurteilung durch sich selbst in sich\u201c nach Schlatter) \u2013 auch diese Formulie-rung kommt nur hier im NT vor.<br \/>\nPervertierung als Widerspruch gegen Gott f\u00fchrt zur Selbstverurteilung.<\/p>\n<p><strong>1.4 Pers\u00f6nliche Nachrichten und Gr\u00fc\u00dfe<\/strong><br \/>\nMit pers\u00f6nlichen Nachrichten und Gr\u00fc\u00dfen wird der Brief abgeschlossen. Kommu-nikation (Anteilnehmen und Anteilgeben) und Vernetzung haben f\u00fcr die Gemein-den einen hohen Stellenwert.<br \/>\nArtemas und Tychikus sollen Titus auf der Insel Kreta abl\u00f6sen, weil Titus in Nikopolis dringend gebraucht wird. \u00dcber Artemas ist nichts N\u00e4heres bekannt. Er wird nur hier im Titusbrief erw\u00e4hnt (3,12). Der Name \u201eArtemas\u201c ist eine Kurzform von Artemidoros mit der Bedeutung: \u201eGeschenk der Artemis\u201c. Tychikus stammt aus der Provinz Asien. Er gilt als \u201eDiener\u201c \u2013 ein Hinweis auf seinen Dienst f\u00fcr die Gemeinde und f\u00fcr Paulus. Mehrfach wird er im Neuen Testament erw\u00e4hnt (Apg 20,4; Eph 6,21; Kol 4,7; 2Tim 4,12).<br \/>\nNikopolis (\u201eSiegesstadt\u201c), Hauptstadt der Region Epirus, Hafenstadt am Mittel-meer, lag im S\u00fcdwesten der Balkanhalbinsel. Heute geh\u00f6rt diese Region teils zu Griechenland und teils zu Albanien. Als freie Stadt hatte Nikopolis eine gewisse Bedeutung durch die Aktischen Spiele (sportliche Spiele nach olympischem Vor-bild). Hier plante Paulus einen l\u00e4ngeren Winteraufenthalt. Er ben\u00f6tigte dringend die Unterst\u00fctzung von Titus, um in der Region Epirus zu missionieren.<br \/>\nZenas gilt als Rechtsgelehrter, n\u00e4mlich als Tora-Experte (Gesetz, Wegweisung). Er wird sonst nirgends im Neuen Testament erw\u00e4hnt. Apollos, ein Judenchrist aus Alexandria, wird mehrfacht erw\u00e4hnt (Apg 18,24-28; 19,1; 1Kor 1,12; 3,4-6.22; 4,6; 16,12). Er war ein begabter Redner und bewandert in der Tenach (Schriften des Alten Testaments). Priszilla und Aquila hatten ihn unterwiesen und in Korinth konnte er viele Anh\u00e4nger gewinnen. Vermutlich kamen beide \u2013 Zenas und Apollos \u2013 als durchreisende Evangelisten auf die Insel. Sie \u00fcberbrachten Titus den an ihn adressierten Brief. Titus wurde beauftragt, die beiden f\u00fcr die bevorstehende Win-terreise gut ausstatten. Das Ziel der Reise ist nicht bekannt.<br \/>\nNoch einmal nimmt Paulus das Thema der guten Werke auf (3,14; vgl. 3,8). Ein un-fruchtbares Dasein ist f\u00fcr Glaubende keine Option. Gelegenheiten f\u00fcr ein helfendes und n\u00fctzliches Tun gibt es genug \u2013 z. B. die Gastfreundschaft und Unterst\u00fctzung f\u00fcr durchreisende Missionare und Mitarbeiter von Paulus.<br \/>\nSchlie\u00dflich \u00fcbermittelt Paulus Gr\u00fc\u00dfe von Personen seiner Umgebung (3,15). Wer diese Personen sind, wissen wir nicht. Sie werden nicht namentlich erw\u00e4hnt. Unter den damaligen Reisem\u00f6glichkeiten und Kommunikationsbedingungen hatten Gr\u00fc\u00dfe eine ungleich gr\u00f6\u00dfere Bedeutung als in Zeiten von Facebook und E-Mail.<br \/>\nDer abschlie\u00dfende Gru\u00df verweist noch einmal auf die Gnade. Das Evangelium von der Gnade Gottes bleibt Grundlage f\u00fcr die vielen Ermahnungen des Titusbriefs (vgl. 2,11ff; 3,4ff).<\/p>\n<p><strong>2 Hinweise zu Lehre und Leben<\/strong><br \/>\n<strong>2.1 Glaube und Werke<\/strong><br \/>\nMit Nachdruck bringt Paulus den Glauben mit guten Werken in Verbindung (3,8.14). Glaube ohne gute Werke wird zur fruchtlosen Farce (3,14; vgl. Jak 2,17). Gleichzeitig betont Paulus: Der menschenfreundliche Gott rettet den gottlosen S\u00fcnder allein aus Barmherzigkeit, nicht aus Werken (3,4f). Auf der einen Seite sind also die Werke des Menschen gefragt, auf der anderen Seite werden sie abgewie-sen. Diese Spannung ist durchzuhalten: Der Mensch glaubt nicht, weil er gute Wer-ke tut, sondern er tut gute Werke, weil er glaubt.<br \/>\nGlaube ist stets Glaube an den g\u00fctigen und menschenfreundlichen Gott. Allein aus Gnade \u2013 also ohne Zutun eines Menschen \u2013 hat Gott sein \u201egutes Werk\u201c getan: Die Vers\u00f6hnung der Menschheit in Jesus Christus, ihre Erneuerung und Vollendung im Heiligen Geist (vgl. 3,4-6). In dieses eine gute Werk zieht der Gott Menschen hinein. Er f\u00fchrt sie zum Glauben an Jesus Christus (Rechtfertigung) und bewegt sie in diesem Glauben zu guten Werken (Heiligung). Glaube an Jesus Christus und gute Werke aus Glauben nehmen teil an dem einen guten Werk Gottes \u2013 der Vers\u00f6hnung, Erl\u00f6sung und Vollendung der Welt.<br \/>\nDas Handeln (gute Werke) derer, die glauben, steht damit unter einer positiven Zielrichtung: Teilnahme am gro\u00dfen und guten Werk Gottes. Das Leben der Glau-benden ist also nicht in erster Linie negativ bestimmt \u2013 vom Unterlassen und Ver-meiden des Alten. So notwendig der Bruch mit dem Alten ist, so stellt er stets die Kehrseite einer positiven Zielrichtung dar, die von den gro\u00dfen universalen Zielen Gottes bestimmt ist: von Gottes Reich und seiner Herrlichkeit.<br \/>\nHalten wir also fest: \u201eWir erlangen Gottes Leben ohne Werke, allein durch den Glauben, aber ohne durch den Glauben gewirkte Werke verlieren wir es. Denn im letzten Gericht werden wir gerichtet allein nach den Werken\u201c (G. Gloege).<\/p>\n<p><strong>2.2 G\u00fcte und Menschenfreundlichkeit<\/strong><br \/>\nDas Neue Testament kennt mehrere griechische W\u00f6rter, die mit \u201egut\u201c \u00fcbersetzt werden k\u00f6nnen. Deshalb ist das Wort \u201egut\u201c in der Formulierung \u201egute Werke\u201c in seinen Bedeutungsnuancen zu erfassen. Im Neuen Testament kommt es ungef\u00e4hr 100mal vor. Das Wort \u201egut\u201c wird f\u00fcr alles Sch\u00f6ne und Gewinnende, f\u00fcr W\u00fcrdevolles und Ansehnliches gebraucht. Auch Anmut und G\u00fcte klingen mit. Das Wort \u201egut\u201c zielt auf das Brauchbare, also nicht nur auf das Dekorative, sondern auf das N\u00fctzli-che.<br \/>\nDemnach dient das Wort \u201egut\u201c im Neuen Testament zur Beschreibung der guten, sch\u00f6nen, n\u00fctzlichen und angenehmen Dinge des Lebens (vgl. Mt 3,10: gute Fr\u00fcch-te; Mt 13,8.23: guter Boden; Lk 6,38: gutes, gro\u00dfz\u00fcgiges Ma\u00df; R\u00f6m 7,16; 1Tim 1,8: das gute Gesetz). Das Wort \u201egut\u201c steht f\u00fcr gewinnende G\u00fcte, die nicht nur das Ge-wissen befriedigt, sondern wohltuend auf andere Menschen wirkt.<br \/>\n\u201eGute Werke\u201c zielen also nicht in erster Linie auf ethische Tadellosigkeit, sondern auf ein gewinnendes und menschenfreundliches Handeln. Andere Menschen sollen das Verhalten der Glaubenden als angenehm erfahren \u2013 als Hinweis auf den g\u00fcti-gen, menschenfreundlichen Gott. Christlicher Glaube soll Menschen in attraktiver, anziehender Gestalt und nicht absto\u00dfender Form begegnen. Die gewinnende Lie-be eines christlichen Lebensstiles ist ein st\u00e4rkeres Argument f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdig-keit des Evangeliums als tadellose Perfektion. Gute Werke in diesem Sinn sind ein Ausdruck der Liebe.<\/p>\n<p><strong>2.3 Irrlehre und Zersetzung<\/strong><br \/>\nIrrlehre begegnet als innergemeindliches Ph\u00e4nomen und zersetzt Gemeinde. Sie provoziert endlose Auseinandersetzungen und Streitereien. Dadurch wird Gemein-de in ihrem Dienstauftrag behindert. Nicht selten drohen Zerw\u00fcrfnisse und Spal-tungen (3,9-11). Deshalb ist Gemeinde gen\u00f6tigt, sektiererische Tendenzen zu er-kennen und darauf zu reagieren. Weil es oft schwer f\u00e4llt, Irrlehre und rechte Lehre zu unterscheiden, sind brauchbare Kriterien n\u00f6tig. Letztlich ist alle Lehre an Jesus Christus zu messen. Was hei\u00dft das?<br \/>\nSektiererisch ist jede Bewegung, die christlich sein will,<br \/>\nohne in Lehre und\/oder Leben streng auf Jesus Christus bezogen zu sein,<br \/>\nf\u00fcr die also entweder Christus nicht der alleinige Erl\u00f6ser,<br \/>\noder die von ihm zeugende Schrift nicht die einzige Offenbarungsquelle,<br \/>\noder die in ihm angebotene Gnade nicht der ausschlie\u00dfliche Weg zum Heil,<br \/>\noder der auf ihn gerichtete Glaube nicht die ausreichende Sicherheit ist.<br \/>\n(nach Reinhold Pietz)<br \/>\nIrrlehre hat also stets die Tendenz, Jesus Christus als alleinigen Heilsbringer zu unterlaufen, zu verdunkeln oder infrage zu stellen. Letztendlich geht es um den pervertierten Versuch, mit menschlichen Mitteln das Heil in den Griff zu bekom-men.<br \/>\nDie genannten Kriterien leiten Gemeinde dazu an, das zurechtweisende Gespr\u00e4ch zu suchen, um Irrlehrer f\u00fcr das Evangelium zu gewinnen. Ist dies jedoch nicht m\u00f6g-lich, sind klare Abgrenzungen n\u00f6tig. Stets ist zu bedenken: Die Auseinanderset-zung mit Irrlehre kann nur im Wissen um die eigene Gef\u00e4hrdung gef\u00fchrt werden.<br \/>\nDas Agieren der Irrlehrer in den Gemeinden auf Kreta macht durchaus nachdenk-lich: Wenn Schriftauslegung nur theoretische Er\u00f6rterungen oder gar nutzlosen Streit ausl\u00f6st, wird die Intention der Bibel verfehlt. Schriftauslegung verfolgt das Ziel, Menschen in die Praxis des Glaubens und Lebens einzuweisen. Insofern haben wir darauf zu achten, dass unser eigener Umgang mit der Bibel den Bezug zur Wirk-lichkeit von Glaube und Leben im Blick beh\u00e4lt \u2013 jenseits von fruchtlosen Diskussio-nen. Unsere pietistischen V\u00e4ter haben immer gro\u00dfen Wert darauf gelegt, dass biblische Verk\u00fcndigung in die Praxis des Glaubens hineinf\u00fchrt. Auch die Predigt zu Tit 3,8-15 braucht diesen Wirklichkeitsbezug.<\/p>\n<p><strong>3 Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/strong><br \/>\n<strong>3.1 Predigtziel<\/strong><br \/>\nDurch eine praxisnahe Verk\u00fcndigung sollen die Predigth\u00f6rer angeregt und angeleitet werden, im Vertrauen auf den Gott der Gnade den eigenen Glauben mit menschenfreundlicher, gewinnender G\u00fcte zu verbinden, bei gleichzeitiger Distanzierung von nutzlosen, Gemeinde zersetzenden Streitereien.<\/p>\n<p><strong>3.2 Themen- und Gliederungsvorschlag<\/strong><br \/>\nHandle, wie du glaubst!<br \/>\nInhaltlicher Aspekt: Der Glaube an einen g\u00fctigen, menschenfreundlichen Gott pr\u00e4gt unser Handeln und die Begegnung mit Menschen. Das kann in dreifacher Weise entfaltet werden:<br \/>\n\u2022 Gewinnend<br \/>\nInhaltlicher Aspekt: Der Glaube in seiner wohltuenden, Menschen gewinnenden Art (3,8.14).<br \/>\n\u2022 Orientierend<br \/>\nInhaltlicher Aspekt: Der Glaube in seiner kritischen, orientierenden, Irrglaube entlarvenden Funktion (3,9-11).<br \/>\n\u2022 Verbindend<br \/>\nInhaltlicher Aspekt: Der Glaube in seiner kommunikativen, gemeinschaftsf\u00f6r-dernden Ausrichtung (3,12-15).<\/p>\n<p><strong>3.3 Beispielgeschichte<\/strong><br \/>\nEine Mutter bringt ihre kleine Tochter zu Bett und betet mit ihr das Abendgebet. Die Kleine sagt immer erst zwei oder drei Versgebete und f\u00fcgt dann eine eigene kleine Bitte hinzu. An diesem Abend h\u00e4lt sie einen Moment inne und setzt dann folgende Bitte hinzu, die nachdenklich machen kann: \u201eLieber Gott, mache alle b\u00f6-sen Menschen gut und alle guten Menschen nett.\u201c (Nach: Hermann W. Gockel, Kein Leben ohne Freude, S. 37)<br \/>\nDiese Geschichte ist geeignet, die Diskrepanz von Glauben und Leben zu reflektie-ren. Welche Gedanken werden durch diese kleine Geschichte provoziert? Wie kommt es, dass Christen gut sein k\u00f6nnen, aber nicht nett, sondern eher unaussteh-lich? Inwiefern k\u00f6nnen Gutsein und Nettsein sogar als Gegens\u00e4tze wahrgenommen werden?<br \/>\nWoran liegt, wenn sich Menschen zum christlichen Glauben bekennen und doch so leben, dass es f\u00fcr andere eher absto\u00dfend als anziehend wirkt? Was kann Christen helfen, als Gottes \u201egute Menschen\u201c auch nett zu sein \u2013 freundlich, hilfsbereit, ge-winnend?<\/p>\n<p><strong>3.4 Fragen zur Predigtvorbereitung<\/strong><br \/>\n\u2022 Welche M\u00f6glichkeiten haben Christen, durch das eigene Verhalten die Men-schenfreundlichkeit Gottes transparent werden zu lassen?<br \/>\n\u2022 Welche \u201eguten Werke\u201c sind bei uns (in unserer Gemeinde) dran? Welche Gele-genheiten entdecken wir zu g\u00fctigem, hilfreichem Handeln in und au\u00dferhalb der Gemeinde? Was muss ver\u00e4ndert werden, wenn menschenfreundliches Handeln nur auf die Gemeinde beschr\u00e4nkt bleibt?<br \/>\n\u2022 Welche Fragen k\u00f6nnen in unserer Gemeinde zu nutzlosem Streit f\u00fchren? Inwie-fern sind wir gef\u00e4hrdet, uns zu sehr mit uns selbst zu besch\u00e4ftigen? Was kann uns helfen?<br \/>\n\u2022 Ein Bild: Der Blick in den R\u00fcckspiegel ist notwendig, um das Ziel zu erreichen? Inwiefern kann aber der Blick zur\u00fcck (Geschlechtsregister) die Wahrnehmung gegenw\u00e4rtiger Herausforderungen behindern?<br \/>\n\u2022 Wie gehen wir untereinander mit Ermahnung und Zurechtweisung um? Trauen wir uns als verantwortliche Mitarbeiter, andere (gewinnend) zurechtzuweisen, wenn es die Gemeindesituation erfordert?<br \/>\n\u2022 Was k\u00f6nnen wir tun, damit Glauben und Leben nicht auseinanderfallen? Woher gewinnen wir die Motivation und die Kraft zu freundlichem und gewinnendem Verhalten?<br \/>\n\u2022 Welche Akzente k\u00f6nnen wir setzen, um in Zeiten des Individualismus (\u201ejeder macht sein Ding\u201c) den Willen zur Gemeinschaft zu f\u00f6rdern?<\/p>\n<p><strong>3.5 Praktischer Impuls<\/strong><br \/>\n\u201eHausaufgabe\u201c f\u00fcr die Predigth\u00f6rer: Wem kann ich in der kommenden Woche etwas Gutes tun? Wer hat meine freundliche Zuwendung besonders n\u00f6tig?<\/p>\n<p>Christoph M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahresthema: In Gottes N\u00e4he leben Predigtthema: Geistlich dienen (Alternativvorschlag s. unten) Predigttext: Titus 3,8-15 1 Erl\u00e4uterungen zum Text 1.1 Die Themen Am Ende des Briefes werden zwei Personengruppen in den Blick genommen: \u2022 Erste Gruppe: Alle, die zum Glauben an [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45],"tags":[],"class_list":["post-2502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-titus"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-28 22:14:43","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2502"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}