{"id":2498,"date":"2014-10-29T16:47:02","date_gmt":"2014-10-29T14:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/apps.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=2498"},"modified":"2014-10-29T16:47:02","modified_gmt":"2014-10-29T14:47:02","slug":"predigthilfe-vom-16-november-2014-titus-3-1-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-16-november-2014-titus-3-1-7\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 16. November 2014 &#8211; Titus 3, 1-7"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jahresthema: In Gottes N\u00e4he leben<\/strong><br \/>\n<strong>Predigtthema: Geistlich leben (Alternativvorschl\u00e4ge s. unten)<\/strong><br \/>\n<strong>Predigttext: Titus 3,1-7<\/strong><\/p>\n<p><strong>1 Erl\u00e4uterungen zum Text<\/strong><br \/>\n<strong>1.1 Beobachtungen<\/strong><br \/>\nNachdem Paulus im Brief an Titus gemeindeinterne Themen angesprochen hat (Tit 1-2), r\u00fccken nun im vorliegenden Predigttext gemeindeexterne Fragestellungen in den Blickpunkt. Das Verhalten der Glaubenden gegen\u00fcber Staat und Gesellschaft (3,1) \u2013 letztlich gegen\u00fcber allen Menschen (3,2) \u2013 soll die G\u00fcte und Menschenfreundlichkeit Gottes widerspiegeln (3,3ff). Dieser Anspruch wird wieder im Zuspruch Gottes verankert (vgl. Predigthilfe vom 02.11.2014, Abschnitt 2.1 und Predigthilfe vom 09.11.2014, Abschnitt 1.1), n\u00e4mlich im Evangelium von Gottes menschenfreundlicher Zuwendung (3,4). Paulus konzentriert sich mit seinen Ausf\u00fchrungen auf praktische Fragen der Lebensgestaltung. Auf eine theologische und ethische Begr\u00fcndung des Staates verzichtet er an dieser Stelle (vgl. R\u00f6m 13,1-7).<br \/>\nObwohl Paulus Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber dem Staat anmahnt, entspricht es nicht seiner Intention, den Staat zu verabsolutieren. Seine Argumentation l\u00e4uft eher auf eine Relativierung des Staates hinaus. Die Erl\u00f6sungshoffnung der Christen (Hoffnung auf ein ewiges Leben) bedeutet ja auch das Ende des Staates mit seinen Institutionen (3,7). Staat und Gesellschaft haben also nur vorl\u00e4ufigen Charakter und sind kein Heilsziel.<\/p>\n<p><strong>1.2 Menschenfreundlichkeit gegen\u00fcber Staat, Gesellschaft und allen Men-schen (3,1f)<\/strong><br \/>\nPaulus fordert auf zur Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber den politischen Machthabern (Doppel-ausdruck: Herrschaften und Gewalten). Das Verb \u201eerinnern\u201c signalisiert, dass diese Aufforderung nicht grunds\u00e4tzlich neu ist. \u201eErinnern\u201c geh\u00f6rt in den Zusammenhang des Ermahnens (vgl. 2Tim 2,14; 2Petr 1,12; Jud 5) und meint: \u201eins Gewissen reden\u201c, \u201evor Augen halten\u201c.<br \/>\nDie geforderte Unterordnung (3,1) zielt nicht auf passive Unterwerfung unter den Staat, sondern auf aktive Verwirklichung christlichen Handelns in allen \u00f6ffentlichen Beziehungen. Der geschuldete Gehorsam (3,1) bezieht sich auf Gesetze und Anweisungen staatlicher Beh\u00f6rden, die zu befolgen sind. Durch die Bereitschaft zum Guten (3,1) unterst\u00fctzen Christen den Staat, dessen Aufgabe es ist, das Recht zu wahren und die gute Ordnung zu sch\u00fctzen. Ein Widerstandsrecht gegen\u00fcber dem Staat kann aus diesen Mahnungen nicht abgeleitet werden. Paulus reflektiert den Normalfall, nicht die Konfliktsituation.<br \/>\nDrei weitere Forderungen schlie\u00dfen sich an: Niemanden verleumden (beleidigen), nicht Streit suchen (friedliebend agieren) und g\u00fctig (freundlich, nachsichtig) sein. Sie beziehen sich nicht nur auf das Verhalten gegen\u00fcber dem Staat, sondern ge-gen\u00fcber allen Menschen, die ja in der Regel keine Christen sind. Christen begegnen Nichtchristen (Heiden), indem sie nicht nur auf \u00dcberheblichkeit und Aggressionen verzichten, sondern sich um positive zwischenmenschliche Verhaltensweisen be-m\u00fchen. Gerade auf diese Weise demonstriert die Gemeinde modellhaft, wie das Zusammenleben von Menschen in Staat und Gesellschaft menschfreundlich gestaltet werden kann.<\/p>\n<p><strong>1.3 Menschenfreundlichkeit als Markenzeichen Gottes (3,3-7)<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die genannten Mahnungen liefert Paulus eine Begr\u00fcndung (\u201edenn\u201c): Christen (\u201ewir\u201c) haben in derselben heillosen Situation gelebt wie die (noch) heidnischen Mitb\u00fcrger (3,3). Die katalogartig benannten Merkmale nichtchristlichen Lebens (Unwissenheit, Drang nach Selbstverwirklichung und Lebensgenuss, heillos gest\u00f6rte zwischenmenschliche Beziehungen) dienen nicht dazu, Nichtchristen herabzuw\u00fcrdigen. Vielmehr erinnern sie an die tiefe Verlorenheit der eigenen fr\u00fcheren Existenz.<br \/>\nAus dieser Verlorenheit hat einzig und allein Gottes G\u00fcte und Menschenfreundlichkeit gerettet (3,4f). Der Begriff \u201eMenschenfreundlichkeit\u201c (nicht Liebe!) kommt im NT nur an dieser Stelle vor. Sie ist bezogen auf Gott, unseren Retter (vgl. 3,6: Jesus als Retter). Das \u201eErscheinen\u201c der G\u00fcte und Menschenfreundlichkeit Gottes verweist auf Jesus Christus. Er ist zum Heil der Menschen erschienen (vgl. 2,11; 2Tim 1,10). In seinem Kommen ist Gottes freundliche Zuwendung sichtbar geworden. Alle Ermahnungen zu einem mitmenschlichen Verhalten finden darin ihre Begr\u00fcndung.<br \/>\nZugang zu Gottes Heil gewinnen Menschen nicht aus eigenem Bem\u00fchen (durch Werke der Gerechtigkeit), sondern aufgrund von Gottes rettendem Erbarmen (3,5). Christen leben nicht davon, sich selbst vor Gott rechtfertigen zu m\u00fcssen. Sie wer-den von Gott gerecht gemacht (vgl. 3,7). Gottes Heilshandeln ver\u00e4ndert Menschen so, dass sie mit Gott verb\u00fcndet leben k\u00f6nnen. Zwei Formulierungen weisen darauf hin:<br \/>\n\u2022 \u201eBad der Wiedergeburt\u201c ist ein Bild der Taufe. Das Stichwort \u201eBad\u201c (Waschung) begegnet nur noch Eph 5,26 im Kontext von Reinigung. Das Stichwort \u201eWiedergeburt\u201c erscheint nur noch Mt 19,28 im Kontext des letzten Gerichts durch den Menschensohn. Die in der Taufe sichtbar bezeugte Wiedergeburt verbindet mit dem auferstandenen Christus, durch den Gott alles Geschaffene aus dem Missbrauch durch S\u00fcnde und Tod retten will.<br \/>\n\u2022 \u201eErneuerung des Heiligen Geistes\u201c umschreibt das Leben der Heiligung durch die P\u00e4dagogik der Gnade (vgl. 2,11). Erneuerung ist eine Wirkung des Heiligen Geistes, der dazu anleitet, das neue Leben (Wiedergeburt) in Entsprechung zur Menschenfreundlichkeit Gottes zu gestalten.<br \/>\nBeide Formulierungen unterstreichen: Wassertaufe und Geisttaufe geh\u00f6ren zu-sammen (vgl. Joh 3,5; 1Kor 6,11). Das Wort von der Ausgie\u00dfung des Heiligen Geis-tes (3,6) erinnert an die Erf\u00fcllung alttestamentlicher Prophetie (Joel 3,1; Apg 2,17f.33). Die f\u00fcr die Endzeit verhei\u00dfene Gabe Gottes (vgl. Apg 1,8) ist der Gemein-de in reichem Ma\u00df geschenkt. Davon lebt die Gemeinde, also nicht vom Haben, sondern stets vom Empfangen. Der Heilige Geist vergegenw\u00e4rtigt Christus, den neuen Menschen, in dessen Bild Glaubende umgestaltet werden.<br \/>\nGottes Menschenfreundlichkeit weckt Hoffnung. Die mit dem Heiligen Geist Be-schenkten sind \u201eErben\u201c des ewigen Lebens (vgl. 1,2). Diese Hoffnung f\u00fchrt nicht zum R\u00fcckzug aus Staat und Gesellschaft, sondern stimuliert zum Engagement. Die Hoffenden bleiben aber realistisch und suchen nicht das Letzte im Vorletzten.<br \/>\nAbschlie\u00dfend sei noch bemerkt: Der Abschnitt 3,4-7 besteht aus einem einzigen Satz. Deutsche \u00dcbersetzungen lassen das nicht immer erkennen.<\/p>\n<p><strong>2 Hinweise zu Lehre und Leben<\/strong><br \/>\n<strong>2.1 Existenz in Staat und Gesellschaft<\/strong><br \/>\nDie staatliche Ordnung ist eine von Gott gewollte und eingesetzte Ordnung (vgl. R\u00f6m 13,1-7; Mk 12,13ff par u. a.). Das gilt unabh\u00e4ngig von der Staatsform und be-trifft auch nichtchristliche Regierungen. Die r\u00f6mischen Staatsverh\u00e4ltnisse waren eher als Despotie und keineswegs als Demokratie zu begreifen. Christen f\u00fcgen sich in diesen von Gott gesetzten Rahmen ein \u2013 aus Vernunft und aus Glauben. Inspiriert von der Menschenfreundlichkeit Gottes sind sie herausgefordert, den Menschen in Staat und Gesellschaft wohltuend menschenfreundlich zu begegnen. Auch in totalit\u00e4ren Systemen hat dieser Menschen zugewandte Einsatz eine unverzichtbare Bedeutung f\u00fcr Opfer und T\u00e4ter. Opfer erfahren Zuspruch und T\u00e4ter m\u00fcssen sich mit entlarvenden Verhaltensweisen auseinandersetzen.<br \/>\nDer Hinweis auf alle Menschen (3,2) leitet dazu an, hinter allen Ebenen staatlicher Machtstrukturen mit Milit\u00e4r, Polizeiorganen, Justiz, Beh\u00f6rden usw. zuerst die Men-schen wahrzunehmen. Ihnen gilt das konstruktiv-kritische Engagement der Chris-ten, das im Evangelium verwurzelt ist. Mit einer Verweigerungshaltung gegen\u00fcber dem Staat k\u00f6nnen sich Christen nicht auf die Bibel berufen. Verweigerung hat nur dann ein Recht, wenn sich der Staat absolut setzt und seine Kompetenzen \u00fcber-schreitet. Diese Konfliktsituation wird aber im Titusbrief nicht thematisiert.<br \/>\nJeder Christ ist gefordert, sich mit seinen F\u00e4higkeiten authentisch in die Gestaltung von Staat und Gesellschaft einzubringen. Es bieten sich unz\u00e4hlige Bet\u00e4tigungsm\u00f6glichkeiten in den Bereichen Politik und Recht, Bildung und Erziehung, Wirtschaft und Verwaltung, Wissenschaft und Technik, Diakonie und F\u00fcrsorge usw. Letztlich geht es darum, die Menschenfreundlichkeit Gottes ins Leben hinein zu \u00fcbersetzen und transparent werden zu lassen. Weil Christen in Gottes geliebter Welt leben, engagieren sie sich f\u00fcr Staat und Gesellschaft. Weil Christen auf Gottes kommende Welt hoffen, verlieren sie sich nicht im Engagement f\u00fcr Staat und Gesellschaft. In dieser Spannung positionieren sich Christen als B\u00fcrger zweier Welten, die sich zuerst und zuletzt dem menschenfreundlichen Gott verpflichtet wissen.<\/p>\n<p><strong>2.2 Existenz im Umbruch<\/strong><br \/>\nErwachsene kommen zum Glauben. Bestes Beispiel sind die Christen auf Kreta, die noch nicht lange zur Gemeinde geh\u00f6ren. Oder viele Menschen in unserem Land, die schon lange zur Gemeinde geh\u00f6ren oder neu dazu sto\u00dfen. Wie auch immer \u2013 sie erleben einen so grundlegenden Umbruch in ihrer Lebens- und Glaubenswelt, dass sie sich nicht scheuen, zwischen \u201evorher\u201c und \u201eheute\u201c, zwischen \u201efr\u00fcher\u201c und \u201ejetzt\u201c zu unterscheiden (3,3ff). Solche Umbr\u00fcche, Paulus nennt sie Wiedergeburt, geschehen tats\u00e4chlich \u2013 nicht nur an den R\u00e4ndern der Gemeinde oder in pathologischen Ausnahmef\u00e4llen. Nicht nur bei jungen Leuten, sondern auch bei Menschen mittleren oder fortgeschrittenen Alters. Bei nur wenig oder gut gebildeten Menschen. Bei Menschen mit und ohne Pr\u00e4gung durch die Gemeinde. Bei Menschen in Krisen und auch bei solchen, denen es offensichtlich gut geht. Umbr\u00fcche machen Menschen des Lebens froher oder des Glaubens an Jesus Christus gewisser. Mit der Unterscheidung von einst und jetzt ereignen sie sich in sehr unterschiedlichen Zusammenh\u00e4ngen:<br \/>\n\u2022 Menschen in der Kerngemeinde, die schon immer da waren, finden zu unge-ahnter Freude, Gewissheit und Belebung.<br \/>\n\u2022 Menschen ohne religi\u00f6se Vorgeschichte entdecken das Evangelium als das ganz Neue und Befreiende.<br \/>\n\u2022 Menschen in distanzierter, aber treuer Verbundenheit mit den Gemeinden nehmen erstmals wahr, welche Sch\u00e4tze es hier zu heben gilt und wie wertvoll und pr\u00e4gend geistliche Gemeinschaft sein kann.<br \/>\n\u2022 Menschen, deren Glaubensreise abbrach, finden wieder Anschluss.<br \/>\nMenschen, die Jesus vertrauen, sind auch Menschen, die sich Jesus mit ihrem Le-ben anvertrauen. Glaube in diesem Sinn ist immer radikal. Er r\u00fchrt an die Wurzel der Existenz. Neues l\u00f6st Altes ab. In der Konsequenz geh\u00f6rt dazu auch ein neues verantwortliches Verhalten, das sich von bisherigen gottvergessenen Verhaltens-weisen distanziert.<\/p>\n<p>2.3 Existenz in Verantwortung<br \/>\nDie Begegnung mit Gottes Menschenfreundlichkeit fordert zur Antwort heraus. Weil Gott in seiner Menschenfreundlichkeit den ganzen Menschen sucht, kann die Antwort des Menschen nur eine ganze, also das ganze Leben umfassende Antwort sein. Dieses Leben als Antwort nennen wir \u201eVerantwortung\u201c. Weil Gottes Men-schenfreundlichkeit in Christus sichtbar geworden ist, hei\u00dft verantwortlich leben: Wir treten vor Christus f\u00fcr die Menschen ein und treten vor den Menschen f\u00fcr Christus ein.<br \/>\nWer zu Christus und zu den Menschen steht, ist gen\u00f6tigt, christusgem\u00e4\u00df und situationsgem\u00e4\u00df zu handeln, also verantwortlich zu agieren. Paulus steckt den Rahmen ab, in dem verantwortliches Handeln m\u00f6glich wird (3,1f). Wer sich z. B. verantwortlich in die Politik einbringt \u2013 vom Gebrauch des Wahlrechts bis zur Aus\u00fcbung eines Amtes \u2013 wird nicht zwangsl\u00e4ufig, aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in Konfliktsituationen geraten. Zum Beispiel: Wer nicht w\u00e4hlen geht, weil keine Partei den eigenen Vorstellungen entspricht, beg\u00fcnstigt dadurch oft extreme Parteien und richtet damit Schaden an. Wer verantwortlich handeln will, wird Parteiprogramme studieren und vergleichen. Die Partei, die der eigenen Auffassung am n\u00e4chsten kommt, kann dann gew\u00e4hlt werden \u2013 auch wenn nicht jede Position akzeptabel erscheint.<br \/>\nWenn Paulus auffordert, durch die Bereitschaft \u201ezu jedem guten Werk\u201c den Staat zu unterst\u00fctzen (3,1), dann ber\u00fchrt diese Aufforderung auch die Stellung zum Mili-t\u00e4reinsatz (und viele andere Bereiche). Wer sich einem Bundeswehreinsatz gegen Gewalt und Unrecht verweigert, kann damit Schuld auf sich laden. Andererseits kann es auch nicht selbstverst\u00e4ndlich sein, sich zum T\u00f6ten ausbilden zu lassen, nur weil es eine Wehrpflicht gibt. Konflikte in der Welt lassen sich letztlich nicht mit Waffengewalt l\u00f6sen. In der Verantwortung vor Gott und vor Menschen sind Chris-ten gen\u00f6tigt, Entscheidungen abzuw\u00e4gen. Entscheidungen f\u00fcr oder gegen den Dienst mit der Waffe sind nicht ohne Schuld m\u00f6glich. Das gilt auch f\u00fcr alle, die sich vor dem Abw\u00e4gen und vor einer begr\u00fcndeten Entscheidung dr\u00fccken.<br \/>\nWer unbedingt unschuldig bleiben m\u00f6chte, will sich nur selbst rechtfertigen. Er braucht die Barmherzigkeit Gottes nicht mehr. Die Unschuld ist ihm wichtiger als die aufgetragene Verantwortung f\u00fcr die Welt. Diese Einsicht ist kein Freibrief zum S\u00fcndigen. Aber sie ist Aufforderung und Ermutigung, Verantwortung zu \u00fcberneh-men und mit dieser Verantwortung auch zu eigener Schuld zu stehen.<br \/>\nDamit r\u00fcckt die Verantwortung vor Gottes Gericht ins Blickfeld. Gott ist es nach biblischem Zeugnis nicht egal, was Menschen anderen Menschen antun. W\u00fcrde Paulus sonst zu einem verantwortlichen Handeln gegen\u00fcber Staat, Gesellschaft und allen Menschen auffordern (3,1f)? Zugef\u00fcgtes Leid, Schuld und Unrecht ver-letzten Gott zutiefst. Angesichts solcher Verletzungen kann sich kein Mensch selbst rechtfertigen und die eigene Gerechtigkeit behaupten (5,5.7). Christus tut dies stellvertretend f\u00fcr uns Menschen. Dennoch wird sich jeder vor Gott f\u00fcr sein Tun und Lassen verantworten m\u00fcssen. Ja, es ist wahr: Christus ist bereits an unse-rer Stelle gerichtet und hat uns gerecht gemacht (3,7). Dennoch werden wir ihm Rechenschaft \u00fcber unser eigenes Leben geben m\u00fcssen. Im Horizont der Hoffnung auf ewiges Leben (3,7) bleibt das vorl\u00e4ufige irdische Leben nicht belanglos.<\/p>\n<p><strong>3 Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/strong><br \/>\n<strong>3.1 Predigtziel<\/strong><br \/>\nWeil Gottes Menschenfreundlichkeit in Jesus Christus sichtbar geworden ist, will die Predigt Menschen daf\u00fcr gewinnen, in Distanz zu gottvergessenen Verhaltens-mustern ein neues menschenfreundliches Handeln gegen\u00fcber Staat, Gesellschaft und letztlich allen Menschen einzu\u00fcben, das vor Gott und Menschen verantwortet werden kann und in der Barmherzigkeit Gottes verankert ist.<\/p>\n<p><strong>3.2 Themen- und Gliederungsvorschl\u00e4ge<\/strong><br \/>\nAuf der Grundlage von Tit 3,1-7 k\u00f6nnen verschiedene Predigtthemen entfaltet werden, z. B.:<br \/>\n\u2022 Gottes Menschenfreundlichkeit und freundliche Menschen<br \/>\n\u2022 Menschenfreundlichkeit \u2013 Gottes Markenzeichen<br \/>\n\u2022 Gemeinde f\u00fcr eine menschenfreundliche Gesellschaft<br \/>\n\u2022 Verantwortung vor Gott und vor Menschen<br \/>\nWer auf eine dreigliedrige Predigt wert legt, k\u00f6nnte sie so aufbauen:<br \/>\nGottes Menschenfreundlichkeit\u2026<br \/>\n\u2026 ver\u00e4ndert Menschen<br \/>\n\u2026 pr\u00e4gt Gesellschaft<br \/>\n\u2026 bietet Hoffnung<\/p>\n<p><strong>3.3 Verk\u00fcndigungsschwerpunkte<\/strong><br \/>\nEs bietet sich an, Gottes Menschenfreundlichkeit als zentrale Aussage des Textes aufzunehmen und in der Verk\u00fcndigung zu entfalten. Das kann in verschiedene Richtungen geschehen:<br \/>\n\u2022 In seiner Menschenfreundlichkeit rettet Gott Menschen aus einem verfehlten und gottvergessenen Leben. Das hat Auswirkungen auf die Biografie (\u201efr\u00fcher\u201c \u2013 \u201ejetzt\u201c).<br \/>\n\u2022 In seiner Menschenfreundlichkeit setzt Gott Impulse f\u00fcr ein menschenfreundli-ches Engagement in Staat und Gesellschaft. Die Wahrnehmung von Menschen und der verantwortliche Einsatz f\u00fcr ihre Belange entsprechen der Zielrichtung des Evangeliums. \u201eFreundliche\u201c Menschen sind ein Hinweis auf den menschen-freundlichen Gott.<br \/>\n\u2022 In seiner Menschenfreundlichkeit entz\u00fcndet Gott eine unverw\u00fcstliche Hoffnung f\u00fcr eine Welt, in der das Leben zur W\u00fcste wird. Gerade angesichts aktueller weltweiter Entwicklungen, die irritieren und verunsichern, will der Hinweis auf die Hoffnung f\u00fcr den Einsatz in der Gegenwart stimulieren.<br \/>\nH\u00e4ufig wird Tit 3,3-7 als Predigttext f\u00fcr Weihnachten (erster Christtag) favorisiert (also ohne 3,1-2). Bei dieser Textabgrenzung bleibt die Gesellschaftsrelevanz des Evangeliums (Verh\u00e4ltnis zu Staat und Gesellschaft) auf der Strecke. Gerade dieser besondere Aspekt des Textes \u2013 Christsein in der Gesellschaft \u2013 ist in der Predigt zu entfalten. Weil der menschenfreundliche Gott in die Welt hineinwirkt, ist es keine Frage der Beliebigkeit, ob und wie sich Christen in einer Gesellschaft positionieren und verantwortlich handeln.<\/p>\n<p>Christoph M\u00fcller<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahresthema: In Gottes N\u00e4he leben Predigtthema: Geistlich leben (Alternativvorschl\u00e4ge s. unten) Predigttext: Titus 3,1-7 1 Erl\u00e4uterungen zum Text 1.1 Beobachtungen Nachdem Paulus im Brief an Titus gemeindeinterne Themen angesprochen hat (Tit 1-2), r\u00fccken nun im vorliegenden Predigttext gemeindeexterne Fragestellungen in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45],"tags":[],"class_list":["post-2498","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-titus"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-28 20:59:23","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2498","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2498"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2498\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2498"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2498"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2498"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}