{"id":2108,"date":"2012-11-28T18:40:23","date_gmt":"2012-11-28T16:40:23","guid":{"rendered":"http:\/\/apps.wbb-online.de\/predigthilfen\/?p=2108"},"modified":"2012-11-28T18:40:23","modified_gmt":"2012-11-28T16:40:23","slug":"predigthilfe-vom-23-dezember-2012-johannes-1-19-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-23-dezember-2012-johannes-1-19-28\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 23. Dezember 2012 &#8211; Johannes 1, 19-28"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kraft zum Erwarten<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigtthema: Wen erwarten wir? Christus \u2013 den Gesandten Gottes<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Johannes 1,19-28<\/strong><\/p>\n<h2>Verfasser: Thomas Richter<\/h2>\n<p>Eine Predigthilfe enth\u00e4lt Hinweise f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext pers\u00f6nlich geh\u00f6rten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: \u201eAus der F\u00fclle des Herzens redet der Mund\u201c (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gef\u00fcllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: \u201eWer euch h\u00f6rt, h\u00f6rt mich\u201c (Lk 10,16a)! \u201eSo sind wir nun Gesandte an Christi Statt\u201c (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb h\u00f6ren wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verk\u00fcndigen aber die Botschaft, die uns pers\u00f6nlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! \u201e<strong>Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt<\/strong>\u201c (1Petr 4,11a &#8211; NG\u00dc).<\/p>\n<p><strong>1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL<\/strong><\/p>\n<p>Verschiedene Bibel\u00fcbersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/\">www.bibleserver.com<\/a> (Luther 1984 \/ Revidierte Elberfelder Bibel \/ Hoffnung f\u00fcr alle \/ Schlachter 2000 \/ Neue Genfer \u00dcbersetzung \/ Gute Nachricht Bibel \/ Einheits\u00fcbersetzung \/ Neues Leben Bibel \/ Neue Evangelistische \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Joh 1,19-28) bieten z.B.<\/p>\n<p>* Walvoord \/ Zuck. Das Neue Testament erkl\u00e4rt Bd. 4. H\u00e4nssler (S. 346f).<\/p>\n<p>* Gerhard Maier. Johannes-Evangelium 1.Teil. Edition C Bibel-Kommentar Bd. 6. H\u00e4nssler (S. 40-50).<\/p>\n<p>* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 1. Teil. Wuppertaler Studienbibel. R. Brockhaus (S. 61-67).<\/p>\n<p>* John Heading. Johannes. Was die Bibel lehrt 4. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 40-44).<\/p>\n<p>* Theodor Zahn. Das Evangelium des Johannes. Kommentar zum NT Bd. 4. (unter <a href=\"http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/TheodorZahn\/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_04_Buecher_43.pdf\">http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/TheodorZahn\/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_04_Buecher_43.pdf<\/a>; S. 110-120).<\/p>\n<p>Zur Besch\u00e4ftigung mit dem Predigttext hilft das Anh\u00f6ren (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 18.12.1988 unter dem Thema \u201eVoller Erwartung\u201c zu Joh 1,19-23 (diese Predigt findet ihr unter <a href=\"http:\/\/www.sermon-online.de\/\">www.sermon-online.de<\/a>, wenn ihr unter \u201eerweiterte Suche\u201c die Felder \u201eBibelstelle\u201c [Johannes 1] und \u201eAutor\u201c [Scheffbuch, Winrich] ausf\u00fcllt) und von Christian Wegert vom 02.05.2010 unter dem Thema \u201eEbnet den Weg des Herrn\u201c zu Joh 1,19-28 (diese Predigt findet ihr unter <a href=\"http:\/\/www.arche-stiftung.de\/media\/mp3\/100502-Predigt.mp3\">http:\/\/www.arche-stiftung.de\/media\/mp3\/100502-Predigt.mp3<\/a>).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Textlesung bietet die \u201eNeue Genfer \u00dcbersetzung\u201c eine gut verst\u00e4ndliche, lesbare und zuverl\u00e4ssige \u00dcbersetzung unseres Predigttextes (<a href=\"http:\/\/www.ngue.info\/online\/lesen\">http:\/\/www.ngue.info\/online\/lesen<\/a>).<\/p>\n<p><strong>2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/strong><\/p>\n<p>Unser Predigtanlass ist der Gottesdienst am 4. Advent. Die Adventszeit geht ihrer Erf\u00fcllung entgegen und die Frage ist, ob wir Auskunft \u00fcber die bevorstehende Ankunft geben k\u00f6nnen. Im Rahmen der Verk\u00fcndigung zeigen wir auf, wie Johannes der T\u00e4ufer auf den hingewiesen hat, auf den es ankommt. Gerade die nun unmittelbar bevorstehenden Weihnachtstage sind eine gute Gelegenheit vom \u201eKommen\u201c des Messias zu reden und unser Predigttext (Joh 1,19-28) gibt uns Hilfestellung und Wegweisung dazu, wie auch wir Zeugen und Wegweiser auf den Gesandten Gottes sein k\u00f6nnen. Das Motto von Johannes dem T\u00e4ufer l\u00e4sst sich vereinfacht wie folgt darlegen:<\/p>\n<p>* Sprich vom Weg!<\/p>\n<p>* Zeig den Weg!<\/p>\n<p>* Geh aus dem Weg!<\/p>\n<p>Auch wenn Johannes der T\u00e4ufer heilsgeschichtlich eine einzigartige Funktion erf\u00fcllt, so kann aus seinem Zeugnisdienst auch \u201eVorbildliches\u201c abgeleitet und aufgezeigt werden.<\/p>\n<p><strong>3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/strong><\/p>\n<p>Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (<a href=\"http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/JohnMacArthurStudienbibel\/43-Das_Evangelium_Nach_Johannes.pdf\">http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/JohnMacArthurStudienbibel\/43-Das_Evangelium_Nach_Johannes.pdf<\/a>; S. 1485f). Anmerkungen zu Joh 1,19-28 von Martin Luther finden sich unter <a href=\"http:\/\/www.luther.enet.de\/28_trinitatis.html\">http:\/\/www.luther.enet.de\/28_trinitatis.html<\/a>.<\/p>\n<p>Zu unserem Predigttext (Joh 1,19-28) macht <strong>Theo Sorg<\/strong> folgende Ausf\u00fchrungen: \u201eUnz\u00e4hlige Stimmen sind es, die tagt\u00e4glich an unser Ohr dringen. Schon am fr\u00fchen Morgen f\u00e4ngt es an. Es gibt nicht wenige Zeitgenossen, deren erster Handgriff nach dem Aufwachen dem Schaltknopf ihres Radios gilt. Dieser Apparat umgibt sie mit einem Karussell von Stimmen, bis sie die Wohnung verlassen. Auf der Stra\u00dfe umschwirren uns die Ger\u00e4usche des Verkehrs und die Stimmen derer, die in ihren Betrieb hasten. In der Stra\u00dfenbahn die Stimmen des Schaffners und der Mitfahrenden, beim Aussteigen die Stimme des Bildzeitungsverk\u00e4ufers. Und dann im Gesch\u00e4ft die vielen, vielen Stimmen. So geht es den ganzen langen Tag. Unz\u00e4hlige Stimmen erreichen uns vom fr\u00fchen Morgen bis zum sp\u00e4ten Abend. Wir h\u00f6ren schon gar nicht mehr hin. Es sind zu viele. Was ist schon eine Stimme! Kaum aufgeklungen, ist sie wieder verhallt und vergessen. Das Stimmengewirr des Tages l\u00e4uft an uns ab wie der Regen an der Fensterscheibe.<\/p>\n<p>Und nun ist in der Mitte unseres heutigen Textabschnitts auch von einer solchen Stimme die Rede. Da war vor bald zweitausend Jahren in der Jordansenke, gute 30 Kilometer \u00f6stlich von Jerusalem, ein W\u00fcstenprophet aufgetreten, ein Wanderprediger, wie es damals in jener Gegend viele gab. Er predigte &#8211; das war nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Er taufte &#8211; auch das fiel nicht weiter auf. Denn das taten andere auch. Aber es war dennoch etwas Besonderes um diesen asketischen Prediger am Jordanufer. Die Menschen str\u00f6mten ihm zu. Halb Jerusalem war auf den Beinen, um diesen Mann mit Namen Johannes zu h\u00f6ren und sich von ihm taufen zu lassen. Und das Auffallendste: nicht nur Frauen waren es, die sich um ihn dr\u00e4ngten. Viele M\u00e4nner kamen, Soldaten, Kriegsleute, hartgesottene Burschen, Gestalten, die nicht von vornherein eine Antenne f\u00fcr solche Dinge haben. Johannes zieht sie alle an. Ein W\u00fcstenprophet predigt den Tempel leer! Das war noch nie da! Kein Wunder, dass es dem Hohen Rat ungem\u00fctlich wird. Er schickt eine Gesandtschaft an den Jordan und l\u00e4sst diesem sonderbaren Heiligen den Personalausweis abfordern: Wer bist du? Was tust du? Aus welcher Vollmacht predigst und taufst du? Gib Antwort, Johannes! Der W\u00fcstenprediger ist keinen Augenblick um eine Antwort verlegen. \u201aIch bin eine Stimme eines Predigers in der W\u00fcste\u2018. Das ist alles. Mehr ist er nicht. Eine Stimme will er sein, die Stimme seines Herrn [\u2026]. Da steht nun die T\u00e4ufergestalt an der Schwelle vom Alten zum Neuen Testament, am Eingangstor zum Christfest und sagt: Eine Stimme in der W\u00fcste bin ich. Und mit dieser Stimme will ich nichts tun als rufen f\u00fcr den, der nach mir kommt. Eine Stimme hat ja in sich selbst keinen Eigenwert. Entscheidend ist, welche Botschaft sich in dieser Stimme ausspricht, entscheidend ist, wem die Stimme dient. Diese Frage ist bei dem T\u00e4ufer klar. Seine Stimme geh\u00f6rt dem Christus, der vor der T\u00fcr steht. Er will nichts anderes sein als der Lautsprecher, der vor dem Christus einhergeht und ihm den Weg bereitet. Und so ist Johannes, diese ehrw\u00fcrdige Adventsgestalt, der erste Christuszeuge im Neuen Testament, dem viele, unz\u00e4hlige Zeugen gefolgt sind bis auf den heutigen Tag. Martin Luther hat recht, wenn er \u00fcber unsern Text sagt: \u201aIn diesem Evangelio ist ausgemalet das Predigtamt des Neuen Testaments\u2018. In der Tat: an dem T\u00e4ufer Johannes wird exemplarisch deutlich, was rechtes Christuszeugnis ist. Der T\u00e4ufer steht hier stellvertretend f\u00fcr die Gemeinde, deren Zeugnis die Sache Jesu Christi in dieser Welt vertritt. Die Gemeinde ist die Stimme Gottes in der Welt von heute. Durch das Wort-und Tatzeugnis seiner Gemeinde will Gott in unserer Welt wirken und Gestalt gewinnen. Was sagt nun unser Text \u00fcber das rechte Christuszeugnis der Gemeinde, \u00fcber die \u201eStimme eines Predigers in der W\u00fcste&#8220;? Welche Beschaffenheit hat diese \u201eStimme der Gemeinde?&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die Stimme der Gemeinde ist eine unerschrockene Stimme<\/strong><\/p>\n<p>Es hat schon etwas bedeutet f\u00fcr den W\u00fcstenprediger Johannes, als er von den Vertretern des Hohen Rates einem Verh\u00f6r unterzogen w\u00fcrde. Denn der Hohe Rat war die oberste Instanz in Israel, das Gremium, dem alle Juden Verantwortung schuldig waren. Es ist eigenartig: dieser Mann Johannes beugt sich nicht, als man ihn mit scharfen Fragen in die Zange nimmt. Er weicht nicht aus, als man ihm den spitzen Bohrer gezielter Fragen immer tiefer in Herz und Gewissen hineindreht. Unerschrocken und deutlich gibt er seine Antwort. Drei gewichtige Ausdr\u00fccke stehen hier nebeneinander: er bezeugte &#8211; er bekannte &#8211; er leugnete nicht. Und genau so sieht rechtes Christuszeugnis aus. Es ist ein unerschrockenes Bekennen, ein Stehenbleiben und Standhalten, wenn gefragt wird. \u201aSeid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann\u2018(1Petr 3,15)! Am vergangenen Freitag wurde in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Kirche ein bedeutsamer politischer Schritt vollzogen: Wir bekamen eine neue Regierung f\u00fcr unser Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg. Dr\u00fcben im Landtagsgeb\u00e4ude haben die Abgeordneten einen neuen Ministerpr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt, nachdem der bisherige als Bundeskanzler nach Bonn gegangen ist. Diese Wahl geschah nach guter demokratischer Gepflogenheit durch geheime Abstimmung. Geheim &#8211; das hei\u00dft, dass der andere nicht wissen soll, wem der einzelne Abgeordnete seine Stimme gibt. Wie oft geschieht es, dass wir so \u201edemokratisch&#8220; handeln, wenn, es. um unser Christuszeugnis geht! Der andere soll nicht wissen, wem ich meine Stimme gegeben habe. Man m\u00f6chte &#8211; wie bei der Wahl &#8211; ganz im Verborgenen sein Kreuzlein setzen. Denn diese \u201aprivate\u2018 Entscheidung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen geht doch &#8211; so meinen wir &#8211; keinen Dritten etwas an. Wenn wir doch nur einen Augenblick daran denken wollten, dass Gott sein Kreuz nicht im Verborgenen aufgerichtet hat! Das Kreuz des Gottessohnes stand vor den Toren der Stadt Jerusalem, so dass es jeder sehen konnte. Denn es geht uns alle an. \u201aIch bin eine Stimme eines Predigers in der W\u00fcste\u2018, eine unerschrockene Stimme. Wir Christen sollen die Stimmtr\u00e4ger Gottes in unserer Welt sein, so wie der T\u00e4ufer Gottes Stimmtr\u00e4ger in seiner Welt war. Ein jeder da, wo er seinen Platz im Leben und seinen Wirkungsbereich in der Welt gefunden hat. Denn Gottes Stimme muss laut werden in dieser Welt durch seine Gemeinde, &#8211; durch uns. Das ist die Verwirklichung unseres Christenstandes, dass wir uns unerschrocken zu unserem Herrn bekennen, im Kreis der Familie und in der Welt des Berufs, im privaten Bereich und im Raum der \u00d6ffentlichkeit. Wo wir stehen und arbeiten in unserer t\u00e4glichen Umgebung, als Facharbeiter im Betrieb oder als Lehrer vor der Berufsschulklasse, als Stenotypistin oder als Verkaufslehrling, im Betriebsrat oder auf dem Rathaus &#8211; \u00fcberall soll durch unser Tun und Reden deutlich werden, dass wir Menschen im Advent sind. Menschen, die warten auf den Herrn, der gekommen ist und der einst wiederkommt. Wo wir stehen und arbeiten, wo Menschen um uns sind, gilt es zu verwirklichen, was Jesus Christus uns gezeigt hat: dem andern ein N\u00e4chster werden, ihm helfen und dienen und ihm auf diesem Wege das Beispiel Christi vor die Augen demonstrieren. Das ist unser Dienst in der Welt, die Stimme Gottes inmitten der Welt h\u00f6rbar werden zu lassen. \u201aMit uns will Gott in die Welt hinein\u2018 &#8211; hat Johann Christoph Blumhardt einmal gesagt. Gottes Stimme in der W\u00fcste. In der W\u00fcste der Einsamkeit, wo man unter zahllosen Menschen lebt und doch keinen Menschen hat. In der W\u00fcste der Langeweile, wo man alles besitzt und mit nichts zufrieden ist und darum sich selbst und die ganze Welt so schrecklich \u00f6de findet. In der W\u00fcste des \u201eMan&#8220;, wo eines sich dem andern fantasielos anpasst und alle Originalit\u00e4t verschwindet. \u00dcberall da ist der Ort, wo die Stimme Gottes unerschrocken laut werden will, die Stimme, die ihm den Weg bereitet, damit er kommen kann. Eine unerschrockene Stimme [\u2026]. Es ist die Aufgabe der Gemeinde Jesu Christi, die Sache ihres Herrn in dieser Welt unerschrocken zu vertreten, auch wenn sie dadurch unpopul\u00e4r werden wird, so wie einst der T\u00e4ufer unerschrocken Auskunft gab, als man ihn zur Rechenschaft forderte.<\/p>\n<p><strong>Die Stimme der Gemeinde ist eine dem\u00fctige Stimme<\/strong><\/p>\n<p>Dreimal erscheint in unserem Text ein energisches, messerscharfes Nein. \u201aIch bin nicht der Christus, nicht Elia, nicht der Prophet\u2018! Alle W\u00fcrde, die man ihm zuschieben m\u00f6chte, weist der T\u00e4ufer von sich. Der nach mir kommt &#8211; der ist&#8217;s. Er allein. Gebt unserm Gott die Ehre &#8211; nicht seinem Boten, nicht seiner Kirche. Johannes geht sogar noch weiter: Ich bin nicht einmal wert, dass ich ihm seine Schuhriemen aufl\u00f6se, ihm den niedrigsten Sklavendienst tue. Der T\u00e4ufer tritt mit seiner Person v\u00f6llig in den Schatten. Und indem er das tut, bringt er etwas fertig, was uns Menschen so ungeheuer schwer f\u00e4llt. Wir k\u00f6nnen nicht zur\u00fcckstehen, nicht ja sagen zu unsern Begrenzungen. Und so kommt es unter uns am laufenden Band zu Grenz\u00fcberschreitungen, weil es uns so schwer wird, die uns gezogenen Grenzen zu respektieren. Johannes konnte nein sagen &#8211; und zwar zu sich selbst. \u201aIch bin es nicht\u2018! So gering erscheint dem T\u00e4ufer sein eigener Stellenwert, wenn er sich mit dem vergleicht, der nach ihm kommt. Wie das Adventslicht verblassen muss, wenn der Christbaum in voller Kerzenpracht erstrahlt, so sieht Johannes sich selbst im Schein des Kommenden. Liebe Gemeinde &#8211; das ist die Erkennungsmarke alles echten Christuszeugnisses, dass es nach der Weise angelegt ist: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Joh. 3, 30). \u201aAn mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd. Was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert\u2018. Johannes ist die Stimme eines Predigers in der W\u00fcste. Mehr nicht. Eine dem\u00fctige Stimme, die nichts f\u00fcr sich selber erreichen und keine eigenen Ziele durchsetzen will, sondern ganz im Dienst ihres Herrn aufgeht. Rechtes Christuszeugnis will nichts f\u00fcr sich selbst. Und darum wollen rechte Christuszeugen auch nicht selbst beehrt werden. Sie tun nicht dies und das, um ihren Ehrgeiz zu befriedigen. Die mancherlei Empfindlichkeiten, die in der Mitte der Gemeinde immer wieder sichtbar werden, sind im Grunde nur Signale daf\u00fcr, dass unsere Stimme nicht dem\u00fctig dem wiederkommenden Herrn untergeordnet ist, sondern dass ihr oft sehr egoistische Nebent\u00f6ne untermengt sind. Gerade weil Johannes mit seiner Person und seinen W\u00fcnschen so dem\u00fctig in den Hintergrund treten konnte, war er der rechte Vorl\u00e4ufer seines Herrn.<\/p>\n<p><strong>Die Stimme der Gemeinde ist eine \u00fcber sich selbst hinausweisende Stimme<\/strong><\/p>\n<p>\u201aIch taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet\u2018. Johannes wollte nur der Wegbereiter sein, ein aufgerichtetes Zeichen, ein Wegweiser hin zu dem, der mitten unter uns getreten ist. So ist im Grunde alles, was in der Kirche des wiederkommenden Herrn geschieht, ein Zeichen, das \u00fcber sich selbst hinausweist. Wir taufen &#8211; und tun das mit einem \u00e4u\u00dferen Zeichen, mit einfachem Wasser, aber wir glauben daran, dass der Herr, der die Taufe geboten hat, seine Verhei\u00dfung \u00fcber diesem Zeichen wahr macht. Wir laden ein zum Heiligen Abendmahl und feiern es hier mit Hostie und Wein, aber in der gewissen Hoffnung, dass wir einmal G\u00e4ste sein d\u00fcrfen bei dem gro\u00dfen Abendmahl in unseres Gottes Reich. Es wird gepredigt, es wird gelehrt, es wird Liebe ge\u00fcbt in Jesu Namen, in der Hoffnung, dass daraus Frucht erwachse f\u00fcr Gottes gro\u00dfen Tag. Was wir hier haben und was wir hier tun, sind vorl\u00e4ufige Dinge. Alles weist \u00fcber sich selbst hinaus. Es weist hin auf die k\u00fcnftige Erf\u00fcllung an Gottes letztem Advent. Die Adventszeit ist nicht nur vier Wochen in jedem Jahr. Advent ist immer. Gottes Adventszeit dauert bis zum J\u00fcngsten Tag. So wie der T\u00e4ufer das Zeichen war f\u00fcr den ersten Einbruch der Gottesherrschaft in diese Welt, so ist die Gemeinde Jesu Christi mit ihrem Zeugnis in Wort und Tat das entscheidende Zeichen f\u00fcr das zweite Kommen ihres Herrn. Wie im Wartesaal der gro\u00dfen Bahnh\u00f6fe ein Lautsprecher die Z\u00fcge ank\u00fcndigt, so ruft die Gemeinde in dem adventlichen Wartesaal unserer Welt das Kommen ihres Herrn aus und gibt durch ihre Existenz ein Beispiel, wie man recht auf diesen Herrn wartet. Sie verbindet im Glauben die Hoffnung und die Liebe, sie schaut aus nach dem Morgen Gottes und ist ganz verantwortlich im jeweiligen Heute. Sie erhebt in dieser Welt ihre Stimme, unerschrocken und dem\u00fctig zugleich und weist damit \u00fcber sich selbst hinaus &#8211; bis dass er kommt\u201c (auszugsweise entnommen aus Dein Wort bewegt des Herzens Grund: Predigten aus der Stuttgarter Stiftskirche von Theo Sorg \u2013 S. 100-106).<\/p>\n<p><strong>4. PREDIGTGLIEDERUNGEN<\/strong><\/p>\n<p>Wen erwarten wir? Christus den Gesandten Gottes \u2013 als seine Zeugen geben wir drei Antworten:<\/p>\n<p>a) Wer bist du? (V. 19-21)<\/p>\n<p>b) Was sagst du? (V. 22+23)<\/p>\n<p>c) Was tust du? (V. 24-28)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>oder nach Gottfried Voigt:<\/p>\n<p>Wir sind nur die Zeugen des Kommenden,<\/p>\n<p>a) des Unverwechselbaren<\/p>\n<p>b) des Unvergleichlichen<\/p>\n<p>c) des Unerkannt-Gegenw\u00e4rtigen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kraft zum Erwarten Predigtthema: Wen erwarten wir? 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