{"id":2026,"date":"2012-06-29T10:07:00","date_gmt":"2012-06-29T08:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/apps.wbb-online.de\/predigthilfen\/?p=2026"},"modified":"2012-06-29T10:07:00","modified_gmt":"2012-06-29T08:07:00","slug":"predigthilfe-vom-22-juli-2012-lukas-18-31-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-22-juli-2012-lukas-18-31-34\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 22. Juli 2012 &#8211; Lukas 18, 31-34"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kraft zur Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigtthema: Hoffnung f\u00fcr Verst\u00e4ndnislose<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Lukas 18,31-34<\/strong><\/p>\n<h2>Verfasser: Thomas Richter<\/h2>\n<p>Eine Predigthilfe enth\u00e4lt Hinweise f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext pers\u00f6nlich geh\u00f6rten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: \u201eAus der F\u00fclle des Herzens redet der Mund\u201c (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gef\u00fcllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: \u201eWer euch h\u00f6rt, h\u00f6rt mich\u201c (Lk 10,16a)! \u201eSo sind wir nun Gesandte an Christi Statt\u201c (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb h\u00f6ren wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verk\u00fcndigen aber die Botschaft, die uns pers\u00f6nlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! \u201e<strong>Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt<\/strong>\u201c (1Petr 4,11a &#8211; NG\u00dc).<\/p>\n<p><strong>1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL<\/strong><\/p>\n<p>Verschiedene Bibel\u00fcbersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/\">www.bibleserver.com<\/a> (Luther 1984 \/ Revidierte Elberfelder Bibel \/ Hoffnung f\u00fcr alle \/ Schlachter 2000 \/ Neue Genfer \u00dcbersetzung \/ Gute Nachricht Bibel \/ Einheits\u00fcbersetzung \/ Neues Leben Bibel \/ Neue Evangelistische \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Lk 18,31-34) bieten z.B.<\/p>\n<p>* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. H\u00e4nssler (S. 410-415)<\/p>\n<p>* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 434f)<\/p>\n<p>* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 381-383)<\/p>\n<p>* John Charles Ryle. Lukas \u2013 Vers f\u00fcr Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 109-115)<\/p>\n<p>* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (<a href=\"http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/TheodorZahn\/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf\">http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/TheodorZahn\/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf<\/a> &#8211; S. 618f)<\/p>\n<p>Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (<a href=\"http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/JohnMacArthurStudienbibel\/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf\">http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/JohnMacArthurStudienbibel\/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf<\/a>; S. 1462). Unter dem Stichwort \u201eVon der Weissagung und Gebet\u201c gibt Martin Luther bedenkenswerte Anmerkungen zu Lk 18,31-43 (einsehbar unter <a href=\"http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/MartinLuther\/Lukas_18_31_43.html\">http:\/\/bitflow.dyndns.org\/german\/MartinLuther\/Lukas_18_31_43.html<\/a>).<\/p>\n<p>Zur Besch\u00e4ftigung mit dem Predigttext hilft das Anh\u00f6ren (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 03.03.1974 mit dem Titel \u201eLeidensgeschichte\u201c (Lk 18,31-34). Diese Predigt findet ihr unter <a href=\"http:\/\/www.sermon-online.de\/\">www.sermon-online.de<\/a>, wenn ihr unter \u201eerweiterte Suche\u201c die Felder \u201eBibelstelle\u201c [Lukas 18] und \u201eAutor\u201c [Scheffbuch, Winrich] ausf\u00fcllt. Zu unserem Predigttext hielt auch Dr. Helmuth Egelkraut am 04.03.2012 eine Predigt unter dem Titel \u201eJesus k\u00fcndet sein Leiden an\u201c (unter <a href=\"http:\/\/www.lgv-backnang.org\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=68&amp;Itemid=98\">http:\/\/www.lgv-backnang.org\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=68&amp;Itemid=98<\/a>).<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzliches zum theologischen Gehalt unseres Predigttextes bietet <strong>John Stott<\/strong>. Das Kreuz: Zentrum des christlichen Glaubens. Edition SMD. Marburg: Francke, 2009 [528 S.].<\/p>\n<p>F\u00fcr die Textlesung bietet die \u201eNeue Genfer \u00dcbersetzung\u201c eine gut verst\u00e4ndliche, lesbare und zuverl\u00e4ssige \u00dcbersetzung unseres Predigttextes (<a href=\"http:\/\/www.ngue.info\/online\/lesen\">http:\/\/www.ngue.info\/online\/lesen<\/a>).<\/p>\n<p><strong>2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/strong><\/p>\n<p>In Anlehnung an die Jahreslosung fragen wir uns in diesem Jahr, wie die \u201eKraft\u201c Jesu in uns so m\u00e4chtig sein kann, wie er es will und schenkt. Gegenw\u00e4rtig besch\u00e4ftigen wir uns an Hand von Lk 17 + 18 mit dem Themenfeld \u201eHoffnung\u201c (Monatsthema: Kraft durch Hoffnung) und fragen uns, wie wir durch die Kraft Jesu so leben k\u00f6nnen, dass deutlich wird welche Hoffnung uns erf\u00fcllt. In der chronologischen Folge von Lk 17+18 zeigen wir so im Juni und Juli, dass es Hoffnung gibt f\u00fcr Ratlose \u2013 Ausweglose \u2013 Erwartungslose \u2013 Rechtlose \u2013 Ahnungslose \u2013 Machtlose \u2013 Orientierungslose \u2013 <strong>Verst\u00e4ndnislose<\/strong> (= Predigtthema) \u2013 Hilflose. Auf der Grundlage unseres Predigttextes (Lk 18,31-34) geben wir im Rahmen dieser Predigt einen \u00dcberblick dar\u00fcber wer Jesus ist und welche Konsequenzen dies f\u00fcr uns hat. Bitte beachtet hierzu auch die Parallelstellen bei Mt 20,17-19 und Mk 10,32-34.<\/p>\n<p>Zum Nachdenken:<\/p>\n<p>Geht es hier um den \u201elieben Gott\u201c oder den \u201eliebenden Gott\u201c?<\/p>\n<p>\u201eDurch diesen Gang hat uns der Herr Jesus den Weg zum oberen Jerusalem ge\u00f6ffnet\u201c (Johann Albrecht Bengel zu V. 31)<\/p>\n<p>\u201eO wie viel Erkenntnis fehlet mir! Herr Jesu, ich preise deine Langmut hier\u00fcber, wiewohl ich auch diese noch nicht erkenne, wie ich sollte. Gib mir zu erkennen die Wunderkraft in deinem Todesleiden und in deinem Leben\u201c (Johann Albrecht Bengel zu V. 31-34)<\/p>\n<p><strong>3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/strong><\/p>\n<p>Zu <strong>V. 31<\/strong> macht Bruder <strong>Peter Lohmann<\/strong> aus dem Lebenszentrum Adelshofen in einer ERF-Morgenandacht (10.02.2002) folgende Anmerkungen: \u201e Es ist wohl typisch f\u00fcr uns Menschen, dass wir m\u00f6glichen Leiden, k\u00f6rperlichen oder seelischen Schmerzen tunlichst aus dem Wege gehen. Wer will schon gerne leiden? Vollends in unserer Wohlf\u00fchlgesellschaft, in der alles auf Spa\u00df und Happening ausgerichtet ist. Schlie\u00dflich gibt es f\u00fcr alle Wehwehchens, ob Kopf- oder Bauchweh, Tabletten und Tropfen, so dass wir immer gut drauf sein k\u00f6nnen. Im Kontrast dazu zeigt unser heutiger Bibelvers: Jesus Christus ist von anderer Natur. Er nimmt fest entschlossen seinen Weg ins Leiden und Sterben unter die F\u00fc\u00dfe. Unmittelbar vor seinem Martyrium konfrontiert er seine J\u00fcnger mit dem Satz: \u201aIhr wisst, dass wir jetzt nach Jerusalem gehen. Dort wird sich alles erf\u00fcllen, was die Propheten \u00fcber den Menschensohn geschrieben haben\u2018. Wir lesen das im Lukasevangelium, Kapitel 18, Vers 31. Jesus geht also bewusst auf Jerusalem zu, obwohl er wei\u00df, was ihn dort erwartet. Mehrfach hatte er es seinen vertrauten Mitarbeitern gesagt: &#8222;Man wird mich misshandeln, anspucken, auspeitschen und schlie\u00dflich t\u00f6ten!&#8220; Immer wieder einmal wurde von Sp\u00f6ttern, Philosophen und Theologen behauptet, dass die Ereignisse in Jerusalem Jesus \u00fcberrollt h\u00e4tten. Dass das nicht vorhersehbar war. Dass es sich hier um einen Justizmord handelte, und Jesus einer Kette von Missgeschicken zum Opfer fiel. Unser Bibelwort zeigt : Jesus wusste, was auf ihn zukommt. Er nahm den Weg unter die F\u00fc\u00dfe im Vollbesitz seiner f\u00fcnf Sinne. Er wusste worauf er sich einlie\u00df und wo das Ganze enden w\u00fcrde. Was hat ihn dazu bewogen, dennoch darauf zuzugehen? Warum hat er nicht gekniffen? Er h\u00e4tte sich ja aus dem Staub machen k\u00f6nnen, ehe es f\u00fcr ihn brenzlig wurde. Dieser feste Entschluss des Herrn Jesus hatte seine lange Vorgeschichte. Der zweite Teil unseres Verses gibt die Antwort: &#8222;Es wird sich alles erf\u00fcllen, was die Propheten \u00fcber den Menschensohn geschrieben haben.&#8220; Nicht Zufall, nicht r\u00e4tselhaftes Schicksal &#8211; hier, auf seinem Weg nach Jerusalem, erf\u00fcllt sich der Heilsplan Gottes. Wie ein roter Faden l\u00e4uft es durch das ganze Alte Testament: Die Rettung der Menschen wird durch das stellvertretende Leiden des Gottesknechtes zustande kommen. Das war der Heilsplan Gottes f\u00fcr eine verloren gegangene Welt. Nun soll er sich erf\u00fcllen! Propheten hatten es schon Jahrhunderte im Voraus angek\u00fcndigt. Jetzt ist er da! Jetzt soll es vollendet werden. Jesus ist Tr\u00e4ger und Erf\u00fcller der Hoffnungserwartung aller Generationen. Nun soll zurechtkommen, was seit dem tragischen S\u00fcndenfall am Anfang der Menschheitsgeschichte zwischen Gott und Menschen kaputt gegangen war. So viel sind die Menschen Gott wert, dass Vater und Sohn in der Einheit der Liebe zum \u00e4u\u00dfersten Opfer bereit sind. Der Liederdichter Paul Gerhardt hat diesen Heilsplan Gottes in einem seiner Passionslieder nachempfunden. Da sagt der Vater: &#8222;Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgetan zur Straf- und Zornesruten; die Straf&#8216; ist schwer, der Zorn ist gro\u00df, du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten.&#8220; Und dann die erstaunliche Antwort des Sohnes an den Vater: &#8222;Ja&#8220; Vater, ja, von Herzensgrund, leg auf ich will dir&#8217;s tragen; mein Wollen h\u00e4ngt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen.&#8220; Mit dieser Mission kommt der Sohn vom Himmel auf die Erde. Dieses &#8222;Ja&#8220; vor der Zeit im Himmel gesprochen, soll jetzt zur Tat werden. Da, auf dem Weg nach Jerusalem vollzieht sich die Heilsgeschichte Gottes. Jerusalem soll zum Ort des Handelns Gottes werden. F\u00fcr die heutige Gesellschaft m\u00f6gen Washington, Moskau, Rom oder Mekka von Bedeutung sein, bedeutender ist f\u00fcr alle Zeiten jener H\u00fcgel vor Jerusalem, wo Gott in Jesus Christus die Vers\u00f6hnung vollendet. Daf\u00fcr gibt sich der Sohn hin. Da sollen alle Hilfe finden: Verzweifelte, Hoffnungslose, die, die suchen und fragen. Da will er alle Schuld auf sich nehmen, damit niemand mehr drau\u00dfen, ferne von Gott stehen muss. Auf dieses Ereignis haben alle Propheten hingewiesen. So richtet sich Jesus aus, im Wissen: Jetzt vollendet sich der Heilsplan des Vaters. Dieses Bibelwort haben die Kirchenv\u00e4ter einem der ersten Sonntage der Passionszeit (als Wochenspruch) zugeordnet. Es ist wie eine Einladung von Jesus an uns alle: \u201aSiehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem&#8230;\u2018. So hatte er damals seine J\u00fcnger auf sein Leiden und Sterben vorbereiten wollen, so will er uns alle mitnehmen, dass wir sein Leiden recht begreifen. Zugegeben, da geht es uns wohl so, wie den J\u00fcngern damals. Wir tun uns schwer, das alles zu verstehen. Der Textzusammenhang sagt uns: \u201aDie J\u00fcnger begriffen nichts\u2018. Nichts von diesen gro\u00dfen heilsgeschichtlichen Zusammenh\u00e4ngen. Sie verstanden nur \u201aBahnhof\u2018. Sie waren festgelegt auf ihre eigene Dogmatik. Sie hatten eine Erfolgstheologie, die lautete: Gott kommt und schafft das Paradies, und zwar hier auf Erden. Ein Gott, der leidet und wom\u00f6glich stirbt, das passt einfach nicht in ihr Denkschema. Und uns geht es nicht anders. Wir haben unsere eigenen Vorstellungen, wie Erl\u00f6sung, wie Frieden in die Welt kommen kann. Wie kommen wir nun zum rechten H\u00f6ren und Verstehen? Ich m\u00f6chte Ihnen einige praktische Tipps geben, was mir hilft das Geheimnis der Passion Jesu tiefer zu begreifen. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, in diesen Wochen jeden Tag einen Abschnitt aus der Passionsgeschichte zu lesen, wie sie uns in den Evangelien aufgeschrieben ist. Ich singe oder betrachte Passionslieder. Ich staune immer wieder, wie stark einzelne Dichter das Leiden des Herrn in Worten ausdr\u00fccken konnten. Das ist mir schon oft zum gro\u00dfen Gewinn geworden. Wenn irgend m\u00f6glich versuche ich an Passionsandachten teilzunehmen, wie sie vielfach in Gemeinden angeboten werden. Dazu geh\u00f6ren auch musikalische Auff\u00fchrungen, wie etwa die Werke von Johann Sebastian Bach. Es gibt auch gute Literatur, die uns zur Andacht anleitet. Nicht zuletzt ist mir das Gebet in diesen Wochen wichtig, meinem Herrn zu danken und ihn mit eigenen Worten anzubeten f\u00fcr das, was er f\u00fcr mich und diese Welt getan hat\u201c.<\/p>\n<p>Prof. <strong>Adolf K\u00f6berle<\/strong> macht zu unserem Predigttext (Lk 18,31-34) unter dem Thema \u201eDie Vollmacht des leidenden Christus\u201c folgende Anmerkungen: \u201e[\u2026]. Jesus ist nicht wie ein harmloses Opfer in die Falle gegangen, die seine Widersacher ihm gestellt haben. Jesus ist vielmehr in heiliger Entschlossenheit zu dem letzten Gang angetreten, und er hat seine J\u00fcnger aufgerufen, ihm dabei zu folgen. Es hei\u00dft: \u00bbEr nahm aber zu sich die Zw\u00f6lf und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem und es wird alles vollendet werden, was geschrieben steht durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird \u00fcberantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und geschm\u00e4ht und verspeit werden; und sie werden ihn gei\u00dfeln und t\u00f6ten; und am dritten Tag wird er wieder auferstehen\u00ab. Das ist deutlich geredet. Es ist ein klarer Vorausblick auf. den Leidens- und Herrlichkeitsweg, den Christus vor sich hat. Wir sp\u00fcren hier eine einzigartige Entschlossenheit und Willensbereitschaft, den bevorstehenden schweren Entschei\u00addungskampf bis zum letzten auf sich zu nehmen. Jesus sieht den Sinn seines Opfergangs in gro\u00dfen, heilsgeschichtlichen Zusammenh\u00e4ngen, und das Wissen darum gibt ihm die Kraft zu dem hohen, heiligen Werk. \u00bbEs wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn\u00ab. Das prophetische Wort im Alten Testament wei\u00df, dass die Gestalt dieser Welt im argen liegt, dass Unrecht und Schuld die Menschheit belasten. Aber das Wort im Alten Bund ist zugleich voller Hoffnung und Verhei\u00dfung: einmal wird einer kommen als Friedensbote und Held im Streit, von Gott mit Geist und Kraft ausger\u00fcstet, um die Machtherrschaft der S\u00fcnde zu brechen und eine neue Reichsordnung heraufzuf\u00fchren. Die Propheten in Israel haben den erwarteten Tr\u00e4ger der Heilszeit mit mancherlei Namen bezeichnet. Sie haben ihn genannt den Messias, den von Gott mit Vollmacht und Herrlichkeit Gesalbten, sie haben ihn den Hirten und den Br\u00e4utigam genannt und ihn in Hoffnung fr\u00f6hlich gegr\u00fc\u00dft als Davidssohn und als des Menschen Sohn. Die prophetische Heilserwartung hat im Lauf der Jahrhunderte, angefangen von dem Buch der Richter bis hin zu Daniel, einen weiten Weg zur\u00fcckgelegt, und st\u00e4ndig hat sie dabei an Gr\u00f6\u00dfe, Weite und Gewicht gewonnen. Wir denken besonders an Jesaja 53, wo die Passionsmusik im Alten Bund in einer Klarheit erklingt wie nie zuvor, wenn von dem leidenden Gottesknecht gesagt wird: \u00bbF\u00fcrwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer S\u00fcnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten und durch seine Wunden sind wir geheilt\u00ab. Solche Worte m\u00f6gen Jesus vor der Seele gestanden sein, als er darum bem\u00fcht war, seinen J\u00fcngern aus der Schrift die heilige Notwendigkeit und den g\u00f6ttlichen Sinnzusammenhang seines Opferweges aufzuschlie\u00dfen. Freilich, es hei\u00dft von den J\u00fcngern: \u00bbSie verstanden der keines und die Rede war ihnen verborgen und sie wussten nicht, was er sagte\u00ab. Wie sollen wir dieses Unverm\u00f6gen der J\u00fcnger begreifen? Sie lebten doch in der Erwartung des Alten Testaments. Sie waren voller Vertrauen zu ihrem Herrn und Meister und, h\u00e4tten sich darum seinem Wort wahrlich \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Woher kommt diese Ratlosigkeit, dieses durchaus Nichtverstehen-K\u00f6nnen? Es muss bei aller Bereitschaft zur Nachfolge bei den J\u00fcngern noch viel irdisch-j\u00fcdische Zeithoffnung mit im Spiel gewesen sein. Gewiss, die Zw\u00f6lf waren ehrlich von der \u00dcberzeugung durchdrungen: Jesus ist der Heilbringer, der verhei\u00dfene Friedensk\u00f6nig und Welterl\u00f6ser. Aber gerade weil sie ihn daf\u00fcr erachteten, erhofften sie an seiner Seite eine glanzvolle Zukunft und nie und nimmer einen Weg, der durch Kreuz, Leid, Verfolgung und Niedrigkeit f\u00fchrt. Wir wollen die J\u00fcnger ob ihrer Verschlossenheit gegen\u00fcber der Leidensweissagung Jesu nicht zu schnell, nicht zu hart richten; denn wir verhalten uns im Grund auch nicht anders. Wer am heutigen Sonntag hierher zum Gottesdienst gekommen ist, wo Faschingsrummel, Narretei und ausgelassener Umtrieb allerorts ihren H\u00f6hepunkt erreichen, den darf man schon zu den Menschen rechnen, die zu Christus halten und stehen m\u00f6chten. Gleichwohl m\u00fcssen wir zugeben: auch wenn wir uns von denen unterscheiden, die es in diesen Tagen hemmungslos oder gar gewissenlos treiben, das uners\u00e4ttliche Gl\u00fccksverlangen und die damit verbundene Leidensscheu kennen wir an uns genauso wie bei den sogenannten Weltkindern. Ja, wir wollen mit Jesus ziehen, er hat uns das Herz abgewonnen; und wir haben ihn lieb. Aber im stillen erwarten und verlangen wir auch, dass diese Wanderschaft mit Jesus uns Gl\u00fcck und Gewinn bringen m\u00f6ge auf unserem ganzen Lebensweg. Christus wird uns geradezu zu einem Mittel, dass wir Erfolg im Gesch\u00e4ft haben d\u00fcrfen, dass unsere Kinder gut gedeihen und sch\u00f6n vorankommen. Wenn uns aber Jesus an die Hand nimmt und uns auffordert: Folgt mir auf dem Weg der Passion, tragt mir das Kreuz nach, lasst euch um meines Namens willen ruhig auch verspotten und gering achten, verzichtet darauf, \u00fcberall mit dabei zu sein, dann pflegt es nicht mehr so weit her zu sein mit unserer Begeisterung f\u00fcr die Christusnachfolge. Gott braucht uns nur einmal Schweres zuzumuten, es kommt vielleicht ein Verkehrsunfall, eine langwierige Krankheit \u00fcber uns, oder unser Ehrgeiz erh\u00e4lt einen harten Sto\u00df, und schon hadern wir mit Gott. Wir f\u00fchlen uns, die wir doch seine Kinder sind, ungerecht behandelt und sagen ihm das Vertrauen auf. Die Passionszeit aber, zu der der heutige Sonntag Estomihi die T\u00fcr \u00f6ffnet, ruft uns zu: Fall von Gott nicht ab aus Leidensscheu, schlie\u00df dich vielmehr mit Christus innig zusammen und lass dir von diesem gr\u00f6\u00dften Kreuzes- und Lastentr\u00e4ger der Menschheit die Kraft schenken, das dir auferlegte Kreuz zu tragen, dass es in einen Segen f\u00fcr dich verwandelt werden kann. Aus der mittelalterlichen Fr\u00f6mmigkeit wird uns berichtet: damals gingen Menschen in ihrer Leidensbereitschaft so weit, dass sie sich freiwillig grausame Zumutungen ausgesucht und auferlegt haben, nur um dadurch auf alle F\u00e4lle der Passions- und Kreuzesgemeinschaft mit Christus teilhaftig zu werden. Der reformatorische Glaube hat diesen \u00fcbertriebenen Eifer mit Recht abgelehnt. Wenn uns Gott in seiner G\u00fcte und Freiheit gesunde, helle Tage schenkt, so d\u00fcrfen wir diese mit dankbar frohen. H\u00e4nden von ihm annehmen. Gott will nie und nimmer, dass wir uns k\u00fcnstlich peinigen und qu\u00e4len. Wohl aber hat Martin Luther mit gro\u00dfer seelsorgerlicher Eindringlichkeit darauf hingewiesen: wenn Kreuz und Leid ungesucht und ungewollt in unser Haus und Leben kommen, dann sollen wir es nicht verw\u00fcnschen, dann wollen wir es willig annehmen als eine Gelegenheit, mit Jesus nach Jerusalem hinaufzuziehen, und wir werden erfahren d\u00fcrfen, wenn wir uns dessen nicht weigern, dass auch f\u00fcr uns ein solcher Opferweg zu einem Auferstehungssieg werden kann. Darum wollen wir uns h\u00fcten vor jeder neidischen Vergleichssucht mit anderen. Auf den ersten Blick scheint es ja wirklich oft so, als m\u00fcssten die einen fortgesetzt die schwersten Kreuzeslasten tragen, w\u00e4hrend anderen alles Widrige erspart bleibt. Und dann murren wir gegen Gott und finden, er sei ungerecht. Aber glaubt es mir: es handelt sich dabei um eine T\u00e4uschung auf Grund von Au\u00dfenbildern und Oberfl\u00e4chen-Eindr\u00fccken. In Wahrheit fehlen die Kreuzesbalken in keinem Menschenleben. Es sieht nur bei jedem wieder v\u00f6llig anders aus. Viele verstehen es auch, ihre Last in taktvollem Schweigen vor der Umwelt streng verborgen zu halten, und doch ist sie da und dr\u00fcckt schwer. Also, nicht dadurch unterscheiden wir uns voneinander, dass die einen Leid haben, w\u00e4hrend die anderen, davon verschont, frei ausgehen. Die Unterscheidung und Entscheidung liegt bei der Frage, ob wir bereit sind, unser Leid zu tragen oder es zornig zu verfluchen. Wo geh\u00f6ren wir hin? Wollen wir unseren Standort auf der unreifen Fr\u00fchstufe der J\u00fcnger haben, die von der Leidensweissagung Jesu nichts verstanden, weil sie es nicht verstehen wollten, oder bei dem Herrn, der uns mitnimmt auf dem steilen Weg, der nach Golgatha f\u00fchrt? Sicher ist es leichter und bequemer, abw\u00e4rts zu gehen als \u00bbhinauf gen Jerusalem\u00ab. Aber nur wer \u00fcberwindet, kann die Krone des Lebens empfangen\u201c (in Ausz\u00fcgen aus Adolf K\u00f6berle. Christus als Seelsorger. Hamburg: Furche, 1960. S. 63-67).<\/p>\n<p><strong>4. PREDIGTGLIEDERUNGEN<\/strong><\/p>\n<p>Hoffnung f\u00fcr Verst\u00e4ndnislose:<\/p>\n<p>a) Bereitschaft zum Folgen?<\/p>\n<p>b) Bereitschaft zum H\u00f6ren?<\/p>\n<p>c) Bereitschaft zum Handeln?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kraft zur Hoffnung Predigtthema: Hoffnung f\u00fcr Verst\u00e4ndnislose Bibelstelle: Lukas 18,31-34 Verfasser: Thomas Richter Eine Predigthilfe enth\u00e4lt Hinweise f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext pers\u00f6nlich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-2026","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lukas"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-12 17:39:39","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2026","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2026"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2026\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}