{"id":1720,"date":"2010-07-30T10:21:44","date_gmt":"2010-07-30T08:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=541"},"modified":"2010-07-30T10:21:44","modified_gmt":"2010-07-30T08:21:44","slug":"predigthilfe-vom-15-8-2010-apostelgeschichte-21-27-2222","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-15-8-2010-apostelgeschichte-21-27-2222\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 15.8.2010 &#8211; Apostelgeschichte 21, 27 &#8211; 22,22"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischer Zeit<br \/>Predigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; in der Verfolgung<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Apostelgeschichte 21, 27 &#8211; 22,22<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Nachdem Paulus erkannt hat, dass sein von Gott gesetztes Ziel Rom ist (Apg 19,21), ist er bereit zur Weiterreise in Jerusalem eingetroffen. In Jerusalem tritt nun die Situation ein (Apg 21,27-22,22), die seine Weiterreise nach Rom vorbereitet. Aus diesem Grund lautet das Predigtthema: \u201eAuf Kurs bleiben \u2013 in der Verfolgung\u201c. Dass der Wille Gottes geschieht, bedeutet f\u00fcr Paulus Leiden (vgl. Apg 9,15f mit Apg 20,22-24; 21,10-14).<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.<br \/>\n* Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus, 1980. S. 391-402.<br \/>\n* Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil. Edition C-Bibelkommentar Bd. 9. Neuhausen: H\u00e4nssler, 1990. S. 266-281.<br \/>\n* Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. Herausgegeben von Arno Pagel. 7. Aufl. Lahr: VLM, 1996. S. 339-364 (nachfolgend in Ausz\u00fcgen &#8211; digitalisierte Schriften im Pdf-Format von Alfred Christlieb [z.B. Apostel Paulus] findet ihr f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Gebrauch unter http:\/\/karker.de\/html\/a__christlieb.html).<\/p>\n<p>Zur Vorbereitung der Predigt empfehlen wir das Anh\u00f6ren (im Sinne von Apg 17,11b) der textbezogenen Predigt zu Apg 21,31-22,21 mit praktischen Anwendungen von Wolfgang Nestvogel mit dem Titel \u201eTradition oder neues Leben?\u201c (Predigt vom 09.05.2010 unter http:\/\/begh.podspot.de\/?page=3).<\/p>\n<p>1) Bedrohung (21,27-30)!<\/p>\n<p>\u201eDie Juden, welche die Gefangennahme des Paulus veranlassten, erhoben gegen ihn eine dreifache Beschwerde. Sie warfen ihm vor, er lehre wider sein Volk, wider das Gesetz, wider die heilige St\u00e4tte des Tempels. Eine n\u00e4here Betrachtung dieser drei Anklagepunkte wird uns erkennen lassen, dass die Feinde des Wortes Gottes im Grunde heute noch dieselben Vorw\u00fcrfe gegen die gl\u00e4ubigen Christen erheben:<br \/>\n* Erste Anklage: &#8222;Er lehrt wider dieses Volk&#8220;. Nicht zum ersten Mal h\u00f6ren wir in der Heiligen Schrift eine derartige Anklage gegen Knechte Gottes. Schon Jeremia und andere Propheten wurden beschuldigt, dass sie mit ihrer Verk\u00fcndigung dem Volk schadeten (Jer 38,4; Am 7,10). So behaupteten auch jene Juden aus Asien, dass die Predigt des Paulus die hohe, einzigartige Stellung Israels herabsetze. Was sollen wir zu diesem Vorwurf sagen? Nach einer gewissen Seite hin schien er nicht unberechtigt. Der ung\u00f6ttliche und pharis\u00e4ische Nationalstolz, der vielfach in Israel herrschte, bekam durch die Lehre des Paulus allerdings einen t\u00f6dlichen Sto\u00df. Dieser lehrte, dass auch die anderen V\u00f6lker des Heils teilhaftig w\u00fcrden. Solche Lehre warf allen israelitischen D\u00fcnkel darnieder. So hatten es die Feinde leicht, das fanatische j\u00fcdische Selbstbewusstsein gegen die Predigt des Paulus zu erregen. Aber wahr und lauter war dies nicht. Wer liebte sein Volk mehr als Paulus? Wer suchte mehr das Wohl seiner Landsleute als er? Wie ungerecht war es doch, diesem Mann vorzuwerfen, er &#8222;lehre gegen sein Volk&#8220;! Auch heute noch kann es vorkommen, dass man Knechten Gottes, die jeden hochm\u00fctigen Nationalstolz ablehnen und die die Notwendigkeit der Bekehrung f\u00fcr das eigene Volk betonen, Mangel an Vaterlandsliebe vorwirft und ihre Verk\u00fcndigung als sch\u00e4dlich f\u00fcr das eigene Volk hinstellt.<br \/>\n* Zweite Anklage: &#8222;Er lehrt wider das Gesetz&#8220;. Der zweite Anklagepunkt lautete, Paulus lehre gegen das Gesetz. Das Gesetz war die in Israel ein f\u00fcr allemal festgelegte g\u00fcltige Lehre. Gegen diese versto\u00dfe die Predigt des Paulus, so lautete die Behauptung der Feinde. Was sollen wir dazu sagen? Auch hier hatten die Ankl\u00e4ger in einem Sinne recht. Wenn sie n\u00e4mlich das Gesetz im Sinne der j\u00fcdischen Schriftgelehrten auffassten, wenn sie das Gesetz, das ein Zuchtmeister auf Christus sein sollte (Gal 3,24), zum Selbstzweck machten, wenn sie rein \u00e4u\u00dferlich bei den Buchstaben und Satzungen des Gesetzes stehen blieben &#8211; was freilich dem nat\u00fcrlichen Menschen am bequemsten ist -, dann allerdings lehrte Paulus gegen das Gesetz. Sie wollten das Gesetz nur so verstanden und aufgefasst wissen, wie es bei ihnen in der herrschenden Volksmeinung \u00fcblich war. Alles andere war in ihren Augen eine unerlaubte Religions\u00e4nderung. Welch ein Irrtum! Wer hat das Gesetz richtiger und tiefer erfasst als Paulus!? Er f\u00fchrte, indem er Christus predigte, zur wahren Gesetzeserf\u00fcllung hin. Er zeigte, wie man in Wahrheit durch die Kraft von oben den Willen Gottes tun k\u00f6nne (R\u00f6m 8,4). Wie unwahr war also diese Anklage! Auch heute ist es unrichtig, wenn man Menschen, die an Jesus gl\u00e4ubig werden, vorwirft, sie fielen von ihrer alten Religion ab, sie br\u00e4chten eine neue Lehre, die mit der hergebrachten nicht \u00fcbereinstimme. Dann w\u00e4re jeder \u00dcbergang von einer toten Rechtgl\u00e4ubigkeit zu einer lebendigen Gemeinschaft mit Jesus ein Abfall von der rechten Religion, dann h\u00e4tten auch Jesus, seine Apostel und alle wahrhaft gl\u00e4ubigen Christen &#8222;wider das Gesetz&#8220; geredet.<br \/>\n* Dritte Anklage: &#8222;Er redet wider diese St\u00e4tte&#8220;. Der dritte Vorwurf, den die Juden aus Asien gegen Paulus erhoben, bestand in der Behauptung, er rede gegen die heilige St\u00e4tte des Tempels. Sie beschuldigten ihn also, dass er das heilige Tempelgeb\u00e4ude, die j\u00fcdische Kirche, dieses Heiligtum des ganzen Volkes nicht gen\u00fcgend w\u00fcrdige, sondern verachte und bei anderen ver\u00e4chtlich mache. Dies war in den Augen des j\u00fcdischen Volkes eine gro\u00dfe Vers\u00fcndigung, weil der Tempel in der Religion des j\u00fcdischen Volkes eine gro\u00dfe Rolle spielte. Je mehr das Volk Israel im praktischen Leben und Wandel von Gott abwich, umso mehr suchte es seine Treue gegen Gott in Hochachtung des \u00e4u\u00dferen Tempelgeb\u00e4udes zu beweisen und ahndete jede Herabsetzung des Tempels aufs strengste (Jer 7,4). Es lag in der Beschuldigung gegen Paulus eine gewisse Wahrheit. In der Tat wich die Auffassung des Apostels \u00fcber den \u00e4u\u00dferen Tempel weit ab von den Anschauungen der j\u00fcdischen Kirche und ihren Gesetzeslehren. Paulus lehrte, dass nicht das \u00e4u\u00dfere Geb\u00e4ude trotz all seiner W\u00fcrde und Herrlichkeit das wahre Heiligtum Gottes darstelle, dass vielmehr die Gemeinde der wahrhaft Gl\u00e4ubigen der wahre Tempel Gottes sei, in dem Gott wohne und wirke (2Kor 6,16). Mit dieser Lehre stritt er gegen die fast heidnische Verehrung des \u00e4u\u00dferen Tempelgeb\u00e4udes und versetzte ihr einen gottgewollten Sto\u00df. So schien dieser Anklagepunkt ein Recht zu haben. Dennoch war er falsch. Wer hielt fester am Tempel und an der j\u00fcdischen Volkskirche als Paulus? Wer suchte \u00fcberall zuerst die Judenschulen auf, die als Ersatz des Tempels zum Gottesdienst dienten? Wer betonte den gottgewollten Zweck des Tempels mehr als Paulus, der Gottes Wort lauter und rein verk\u00fcndigte? Auch heute wirft man bisweilen gl\u00e4ubigen Christen vor, sie seien nicht f\u00fcr die Kirche und setzten die Kirche herab. Die Geschichte des Reiches Gottes aber beweist, dass sie im allgemeinen die treuesten Glieder der Kirche waren. Christen, die von \u00e4hnlichen Vorw\u00fcrfen getroffen werden wie Paulus, d\u00fcrfen sich dessen tr\u00f6sten, dass schon jener Apostel in gleicher Weise beschuldigt wurde; sie sollen aber achthaben, dass solche Anschuldigungen wie bei Paulus nicht zutreffen.<br \/>\nDie Juden aus Asien hatten Paulus vorgeworfen, er handle gegen ihr Volk, gegen das Gesetz und gegen den Tempel. Dabei merkten sie gar nicht, wie ihr eigenes Verhalten genau diese drei Vorw\u00fcrfe verdiente:<br \/>\n* Zuerst sch\u00e4digten sie ihr Volk. Indem sie die Arbeit des Apostels zu unterdr\u00fccken suchten, nahmen sie ihrem Volk den gr\u00f6\u00dften Schatz weg, den es besa\u00df. Wer Gottes Wort hindert und aufh\u00e4lt, f\u00fcgt seinem Volk den gr\u00f6\u00dften Schaden zu, den es gibt. Nicht die wahren Zeugen Jesu, sondern ihre Bek\u00e4mpfer und Unterdr\u00fccker sind die gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4diger eines Volkes. Sie nehmen dem Volk das einzige und beste Mittel, das zu seiner inneren Gesundung dienen kann.<br \/>\n* Ferner handelten sie gegen das Gesetz. Ihr fanatischer Hass gegen den Apostel stand im schroffsten Gegensatz wider das ganze Gesetz, das in dem Gebot &#8222;Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst&#8220; zusammengefasst wird. Nicht Paulus, sondern sie selbst waren &#8222;wider das Gesetz&#8220;.<br \/>\n* Auch dem Tempel schadeten sie mit ihrem Treiben. Wer die Gl\u00e4ubigen aus der Kirche zu verdr\u00e4ngen sucht, der ist schuld daran, dass die Kirche ihre Bedeutung und Herrlichkeit verliert und nichts zur\u00fcckbleibt, als ein \u00f6der Raum, der seine beste Anziehungskraft verloren hat. Es hat dann und wann Menschen gegeben, die in ungeistlicher Weise f\u00fcr ihr Volk und f\u00fcr die reine Lehre eiferten und dabei dem Volk und der Lehre den gr\u00f6\u00dften Schaden zuf\u00fcgten. Gott bewahre uns alle vor solchem Irrweg (R\u00f6m 2,17-23).<br \/>\nBeim Anblick der M\u00e4nner, die Pauli Gefangennahme veranlassten, k\u00f6nnten in uns leicht pharis\u00e4ische Gedanken hochsteigen. Wir k\u00f6nnten im Herzen sprechen: Ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie jene &#8222;Juden aus Asien&#8220;. Deshalb wollen wir noch auf drei Fehler jener Gegner achten, von denen wir uns selbst nicht freisprechen k\u00f6nnen:<br \/>\n* Sie schauten im Gottesdienst auf andere: Der Tempel war nicht dazu bestimmt, fehlerhafte Mitmenschen den Augen der anderen Tempelbesucher darzustellen. In diesem Hause sollte Israel seinem Gott begegnen (Am 4,12b). Es sollte hier die Gemeinschaft mit ihm suchen und befestigen. Zu diesem Zweck sind auch unsere Kirchen und Versammlungsh\u00e4user erbaut. Stattdessen richteten jene Juden aus Asien im Tempel ihre Augen auf einen anderen Menschen, an dem nach ihrer Meinung besonders viel auszusetzen war, auf Paulus. Wie leicht kann es auch bei uns vorkommen, dass unsere Augen im Gottesdienst umherschweifen und pl\u00f6tzlich jemand sehen, der nach unserer Meinung ein sehr schlimmer Mensch ist. Wenn wir dann auch nicht wie jene M\u00e4nner \u00fcber denselben herfallen, so tun wir innerlich doch dasselbe, indem wir uns \u00fcber ihn \u00e4rgern und ihn am liebsten in weite Ferne w\u00fcnschten. Sind wir nicht in solchem Falle vor Gottes Auge ebenso tadelnswert wie jene (Pred 4,17)?<br \/>\n* Sie st\u00f6rten andere in ihrer Andacht: Wir vergegenw\u00e4rtigen uns den Hergang jener Stunde der Gefangennahme. In dem Tempel werden allerlei Leute gewesen sein. Viele m\u00f6gen sehr wenig Andacht im Herzen gehabt haben, andere mehr. Jetzt trat pl\u00f6tzlich diese Szene dazwischen. Einige Personen fielen \u00fcber einen Mann her, der ein Gel\u00fcbde erf\u00fcllen wollte, erhoben ein Geschrei gegen ihn und legten sogar die Hand an ihn. Dass es jetzt bei den Tempelbesuchern mit aller Andacht vorbei war, ist klar. So hatten diese Juden aus Asien anderen jede Andacht genommen und sie gehindert, Gott anzubeten. Wie leicht kann es auch in unseren Gemeinden und Versammlungsh\u00e4usern vorkommen, dass Menschen, die innerlich weit \u00fcber jenen Feinden des Apostels zu stehen glauben, andere durch irgendwelches st\u00f6rende Benehmen in ihrer Andacht und Aufmerksamkeit hindern. Lasst uns auch in dieser Hinsicht nie den Feinden des Apostels gleich werden!<br \/>\n* Sie urteilten lieblos \u00fcber einen Mitmenschen: Wie scharf waren doch die Zungen jener Juden aus Asien, als sie \u00fcber Paulus urteilten. Sie lie\u00dfen kein gutes Haar an ihm. Seine ganze T\u00e4tigkeit wurde von ihnen als verkehrt und irref\u00fchrend hingestellt. Gegen alle guten Seiten des Apostels waren sie blind. Dass viele in ihrer asiatischen Heimat durch ihn den Frieden ihrer Seele gefunden hatten und auf einen neuen guten Weg gelangt waren, davon schwiegen sie. Nur Schlimmes berichteten sie \u00fcber ihn. Diese ungerechte, scharfe und lieblose Art im Urteil \u00fcber einen Mitmenschen ist einer der h\u00e4ufigsten Fehler, der sich immer wieder bei uns einschleichen will. Wie wahr ist die Jakobusklage \u00fcber die Zungens\u00fcnden (Jak 3,2-10). Wie viele &#8222;Doegzungen&#8220; finden sich bei uns, die einem scharfen Schermesser gleichen (Ps 52,4-6).<br \/>\nSo wollen wir, statt uns \u00fcber jene Feinde des Paulus zu erheben, sie als Spiegel benutzen und Reinigung von den Fehlern suchen, die bei ihnen und bei uns sich zeigen\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 340-347).<\/p>\n<p>2) Bew\u00e4hrung (21,31-40)!<\/p>\n<p>\u201eUnser Text schildert uns das Eingreifen der Obrigkeit in die gegen Paulus gerichtete Volksunruhe. Der Kommandant der Besatzung, ein h\u00f6herer, r\u00f6mischer Offizier, kam herbei, um Ruhe und Ordnung zu schaffen. Lasst uns sehen, wann, wie und mit welchem Erfolg er eingriff.<br \/>\n* Wann der Kommandant der Besatzung eingriff: Sobald er von dem Volkstumult Kunde bekam, z\u00f6gerte er keinen Augenblick (&#8222;von Stund an nahm er Kriegsknechte&#8220;). Nicht langsam und gem\u00e4chlich, sondern eilenden Laufes begab er sich zum Schauplatz der Unruhe (&#8222;Er lief unter sie&#8220;). Dieses sofortige Hinzueilen l\u00e4sst uns den Hauptmann als einen tatkr\u00e4ftigen und diensteifrigen Beamten erkennen, der seine Pflicht bei \u00f6ffentlichen Unruhen genau kannte und zu erf\u00fcllen suchte. Lasst uns zusehen, dass wir in der Erf\u00fcllung unserer \u00e4u\u00dferen Berufspflichten nicht hinter diesem Hauptmann zur\u00fcckstehen (Dan 6,5; 4Mose 12,7)!<br \/>\n* Wie der Kommandant eingriff: Am Schauplatz des Tumults angekommen, nahm der Kommandant Paulus in seine Gewalt, lie\u00df ihn fesseln und erkundigte sich nach seiner Pers\u00f6nlichkeit und nach seinem Vergehen. Dass er Paulus als einen Verbrecher ansah und entsprechend behandelte, d\u00fcrfen wir ihm bei seiner v\u00f6lligen Unkenntnis nicht verargen. Er musste aus der Wut des Volkes schlie\u00dfen, dass Paulus ein f\u00fcr das Gemeinwohl gef\u00e4hrlicher Mensch sei. Deshalb sorgte er, dass er sofort unsch\u00e4dlich gemacht wurde. Mit dieser Schnelligkeit des Handelns, die in solchen F\u00e4llen durchaus am Platze ist, verband der Hauptmann Gerechtigkeit, indem er sich in ganz unparteiischer Weise bem\u00fchte, ein richtiges Urteil \u00fcber Paulus zu bekommen. Er &#8222;fragte, wer er w\u00e4re, und was er getan h\u00e4tte&#8220;. Er war also zug\u00e4nglich f\u00fcr sachliche Belehrung. Mehr darf ein Volk von einem heidnischen Staatsbeamten zun\u00e4chst nicht verlangen. Von seinem Standpunkt aus handelte er so, wie es seine Pflicht war. Wohl dem Volk, das eine solche Obrigkeit hat, die tatkr\u00e4ftig, mutig und gerecht eingreift, wo die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrdet ist! Lasst uns bitten, dass die Obrigkeit unseres Landes nicht hinter diesem Kommandanten der r\u00f6mischen Besatzung in Jerusalem zur\u00fcckbleibe.<br \/>\n* Mit welchem Erfolg der Kommandant eingriff: Das Eingreifen des Beamten war nicht umsonst. Zun\u00e4chst wurde Paulus der Gewalt der w\u00fctenden Volksmasse entrissen, die ihn t\u00f6ten wollte (V. 31). Durch das Dazwischentreten des Kommandanten wurde &#8211; menschlich gesprochen &#8211; das Leben des Apostels gerettet. Der Mann, der von religi\u00f6sen Fragen keinerlei Kenntnis besa\u00df, handelte hier gerechter und edler gegen Paulus als die Beamten des Tempels. Wir sollten dem Herrn dankbar sein f\u00fcr alles, was wir noch an der Obrigkeit haben. Es gibt keinen schlimmeren Rechtszustand in einem Lande als den, bei welchem in Erregung versetzte Volksmassen eigenm\u00e4chtig die Rechtsgewalt in die Hand nehmen. Es ist leicht, die Obrigkeit zu tadeln und auf ihre Schw\u00e4chen hinzuweisen. Aber es ist christlich, f\u00fcr sie zu beten und f\u00fcr ihren Schutz dankbar zu sein (R\u00f6m 13,1-7; Tit 3,1f; 1Petr 2,13).<br \/>\nBei aller Anerkennung dessen, was die Obrigkeit in diesem Volkstumult getan hat, sehen wir doch gerade hier die Grenzen ihrer Macht und Hilfe.<br \/>\n* Der Kommandant konnte trotz seines guten Willens kein richtiges Urteil \u00fcber Paulus gewinnen. Seine Vermutung, dass Paulus ein gef\u00e4hrlicher Staatsverbrecher sei (V. 38), war v\u00f6llig verkehrt. Die beste Obrigkeit kann sich t\u00e4uschen. Sie vermag die Herzen nicht zu ergr\u00fcnden und die Menschen nicht zu durchschauen.<br \/>\n* Der Hauptmann konnte wohl dem Ausbruch des Hasses gegen Paulus einen Damm setzen und gegen die Volksbewegung eine Schranke aufrichten. Aber er konnte die Ursache der Volkserregung nicht beseitigen. Er stand mit seinen milit\u00e4rischen Streitkr\u00e4ften dem Feuer des Hasses machtlos gegen\u00fcber. Deshalb konnte er auch der ganzen Bewegung nicht Herr werden. Immer wieder brach sie durch (V. 36; Kap. 22,22f). Er konnte auf die Herzen der Menge keinen Einfluss aus\u00fcben und die Gesinnung nicht \u00e4ndern. Dies ist Sache einer h\u00f6heren Macht, nicht einer menschlichen.<br \/>\n* Obwohl der Hauptmann ohne jede Voreingenommenheit ganz unparteiisch einzugreifen suchte, so gelang es ihm doch nicht, jedermann sein Recht zu verschaffen (2Sam 8,15). Die wahre Gerechtigkeit h\u00e4tte erfordert, dass die, welche Paulus widerrechtlich geschlagen hatten, mit entsprechenden Strafen belegt worden w\u00e4ren, der Apostel aber sofort auf freien Fu\u00df gesetzt und mit einem Schmerzensgeld f\u00fcr die unschuldig erlittene Misshandlung entsch\u00e4digt w\u00e4re. Das geschah aber nicht. Lasst uns von der Obrigkeit nie mehr Hilfe erwarten, als sie nach ihrer Erkenntnis und Macht zu bringen vermag! V\u00f6llige Hilfe und ganzes Recht suchen wir bei dem, von dem geschrieben steht: &#8222;Der Herr schafft Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden&#8220; (Ps 103,6; vgl. Ps 146,7a) und &#8222;bei dem Herrn findet man Hilfe&#8220; (Ps 3,9a). Es w\u00e4re verkehrt, wegen dieser M\u00e4ngel und Unvollkommenheiten der obrigkeitlichen Hilfe diese zu verachten oder sie gar bei anderen ver\u00e4chtlich zu machen\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 347-349).<\/p>\n<p>\u201eBei der Gefangennahme des Paulus sehen wir die H\u00f6lle losgelassen. Wir h\u00f6ren w\u00fcstes, lautes Geschrei. Eine fanatisch-erregte Volksmenge st\u00fcrzte sich auf Paulus. Wir sehen rohes Dreinschlagen auf den stillen, unscheinbaren Knecht Gottes. Zur inneren Erbauung scheint uns dieser Anblick recht ungeeignet. Kann man sich da eine Glaubensst\u00e4rkung holen, wo wir nichts als Teufelswirksamkeit vor uns sehen? Dennoch leuchtet aus dieser Schreckensszene Gottes Herrlichkeit. In dreifacher Weise kann der Glaube sie beobachten:<br \/>\n* Gott zeigt seine Herrlichkeit, indem er sein Wort best\u00e4tigt: Alles, was wir hier sehen, ist eine genaue Erf\u00fcllung des Wortes Jesu und dessen, was sein Geist in der Gemeinde kund gemacht hatte. In dem Volkstumult bewahrheitet sich das, was Jesus allen seinen J\u00fcngern vorausgesagt hatte: Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen (Joh 15,20). Das, was der Geist Gottes in allen St\u00e4dten gesagt hatte: &#8222;Den Mann, des der G\u00fcrtel ist, werden die Juden also binden zu Jerusalem und \u00fcberantworten in der Heiden H\u00e4nde&#8220;: das alles traf in dieser Stunde ein! Gottes Wort erwies sich als die Wahrheit, die nicht tr\u00fcgt. Wie beruhigend ist es in besonderen Schreckenszeiten, wenn der Glaube erkennt, dass alles genau nach Gottes Wort geht. Wie tr\u00f6stlich wird gerade diese Tatsache auch einst beim Hereinbrechen der antichristlichen Tr\u00fcbsalszeit f\u00fcr die Gemeinde Jesu sein! Sie wei\u00df: Wenn das Schwere sich erf\u00fcllt, was Gottes Wort voraussagt, dann wird auch das Herrliche, das es in Aussicht stellt, Wahrheit werden.<br \/>\n* Gott zeigt seine Herrlichkeit, indem er seinen Knecht sch\u00fctzt und bewahrt: Wie trostreich und glaubenst\u00e4rkend ist auch die Tatsache, dass sich hier ganze Scharen fanatisch-erregter Menschen auf Paulus st\u00fcrzen, um ihn zu t\u00f6ten (V. 31) und ihn doch nicht umbringen k\u00f6nnen. Trotz ihres vereinten Losschlagens auf diesen schw\u00e4chlichen Mann bleibt er f\u00e4hig, eine eindringliche, l\u00e4ngere Rede an den gro\u00dfen Volkshaufen zu halten. Wer sch\u00fctzte den wehrlosen Knecht Gottes? Wer deckte und bewahrte ihn mitten unter den Schl\u00e4gen der w\u00fctenden Menge? Wer erhielt sein Leben so lange, bis sein Tagewerk vollendet war? Der Herr bewies seine Herrlichkeit, indem er seinen Knecht sch\u00fctzte. Er bewahrte sein Lamm mitten unter den rei\u00dfenden W\u00f6lfen (Mt 10,16). Es durfte ihm kein Haar vom Haupt fallen ohne den Willen des himmlischen Vaters (Mt 10,30). Nicht die Feinde bestimmten, wie lange Paulus wirken sollte, der Herr tat das (2Mose 15,2-13).<br \/>\n* Gott zeigt seine Herrlichkeit, indem er Raum macht f\u00fcr das Zeugnis des Apostels: Wie wunderbar ist es doch, dass der ganze Volkstumult auslief &#8211; fast m\u00f6chte man sagen &#8211; in einem Gottesdienst oder in einer Evangelisationsversammlung. Dieselbe Menge, die so w\u00fcst schrie, dass der h\u00f6chste Polizeibeamte nichts erfahren konnte (21,34), wurde so still, dass man manchen Gottesdiensten und Versammlungen etwas mehr von dieser Stille w\u00fcnschen m\u00f6chte. Nachdem der H\u00f6llensturm getobt hatte, musste &#8211; wenn auch nur f\u00fcr kurze Zeit &#8211; Stille zum H\u00f6ren der Botschaft Gottes einkehren. Die Juden aus Asien hatten Menschenmassen herbeigerufen, um Paulus zu t\u00f6ten, und siehe da, diese Scharen mussten dem Wort Gottes lauschen und zuh\u00f6ren, wie Paulus seine Bekehrung erz\u00e4hlte. Wer machte diese w\u00fctende Menge so still? Der, welcher einst bei Daniel der L\u00f6wen Rachen gestopft hatte, konnte auch diese Menschen bes\u00e4nftigen (Dan 6,21-23); der, welcher einst dem Sturm auf dem Meer gebot, dass eine gro\u00dfe Stille entstand (Mk 4,37-39), gebot auch diesem Sturm, dass es ganz still wurde. Satan rief seine Armee zusammen, um Gottes Reich zu sch\u00e4digen. Der Herr machte, dass sein Werk dadurch gef\u00f6rdert wurde\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 353f).<\/p>\n<p>3) Bekenntnis (22,1-21)!<\/p>\n<p>\u201eDrei naheliegende Fehler, die Paulus in der Rede nach seiner Gefangennehmung vermied:<br \/>\n* Paulus klagt nicht \u00fcber die ihm widerfahrene Ungerechtigkeit: Nachdem Paulus von dem Hauptmann die Genehmigung zu einer Ansprache an das Volk erhalten hatte, hielt er eine l\u00e4ngere Rede (V. 1-21). In dieser ist nicht nur das, was er sagte, f\u00fcr uns lehrreich, sondern auch das, was er nicht sagte. Zuerst h\u00e4tte Paulus mit vollem menschlichen Recht \u00fcber die geradezu emp\u00f6rende Behandlung, die ihm widerfahren war, Klage f\u00fchren und den Zuh\u00f6rern dar\u00fcber Vorwurfe machen k\u00f6nnen. Wie ungerecht und roh war er \u00fcberfallen, verleumdet und geschlagen worden! Bis dahin hatte Paulus noch gar nicht zu Worte kommen und auf alles antworten k\u00f6nnen. Nun er aber jetzt das Wort ergreifen konnte, h\u00e4tte mancher es nach allen Vorkommnissen f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehalten, dass er nun alle Verleumdungen mit Entr\u00fcstung zur\u00fcckgewiesen h\u00e4tte und zum Gegenangriff in Vorhaltungen \u00fcber ihr Benehmen \u00fcbergegangen w\u00e4re. Nichts davon hat Paulus getan. Kein Wort der Klage und Beschwerde ist in seiner ganzen Rede zu finden. Kein Ton des Zornes oder des Unwillens klingt irgendwo durch. Lasst uns hier vom Paulus lernen! Er war ein rechter Sch\u00fcler des Meisters, &#8222;der ein solches Widersprechen von den S\u00fcndern wider sich erduldet hat&#8220; (Hebr 12,3). Er folgt dem, &#8222;welcher nicht wiederschalt, da er gescholten ward, nicht drohte, da er litt&#8220; (1Petr 2,23). Wohl allen, die ihm darin nachfolgen (R\u00f6m 12,19)!<br \/>\n* Paulus triumphierte nicht \u00fcber das Misslingen des Planes seiner Feinde: Die Juden aus Asien und die durch sie erregte Menge hatten die Absicht gehabt, Paulus zu t\u00f6ten (21,31). Dieser Plan war durch das Dazwischentreten des r\u00f6mischen Wachkommandos vereitelt worden. Paulus war ihrer Macht entrissen und unter milit\u00e4rische Deckung gestellt worden. Wie sehr sich die Feinde \u00fcber das Misslingen ihres Planes \u00e4rgerten, beweist ihr ohnm\u00e4chtiges Wutgeschrei bei seiner Fortschaffung (V. 36). Nun h\u00e4tte Paulus aus seiner gesicherten Lage heraus irgendwelche Schadenfreude \u00fcber dieses Misslingen ihres Planes zeigen k\u00f6nnen, wenn auch in feinerer Form. Unserer nat\u00fcrlichen menschlichen Art h\u00e4tte dieses recht naheliegen k\u00f6nnen. Aber dadurch w\u00e4ren die j\u00fcdischen Gegner noch mehr gereizt, verbittert und in ma\u00dflose Wut versetzt worden. Paulus vermied diesen Fehler. Er kr\u00e4nkte niemand durch einen sp\u00f6ttischen Hinweis auf das abermalige Entrinnen aus ihrer Macht. Auch darin wollen wir in seine Fu\u00dfstapfen zu treten suchen. Wenn Gott einen Plan unserer Feinde gegen uns zuschanden macht, so haben wir nie die Aufgabe, diese unsere Gegner noch mehr zu erregen durch Besp\u00f6tteln ihrer misslungenen Absicht (Eph 5,15; Kol 4,5).<br \/>\n* Paulus flehte nicht \u00e4ngstlich um R\u00fccksichtnahme auf seine Person und um Befreiung: Paulus war der Freiheit beraubt worden. Was seiner in der Gefangenschaft wartete, wusste er nicht. Jedenfalls h\u00e4tte er mit gro\u00dfer Sorge in die Zukunft schauen und um sein Leben und seine Freiheit besorgt sein k\u00f6nnen. Unter diesen Verh\u00e4ltnissen lag es wohl recht nahe, die zahlreichen Zuh\u00f6rer um Mithilfe anzuflehen, dass er bald wieder in Freiheit gesetzt und vor jeder Verurteilung bewahrt w\u00fcrde. Auch dies geschah nicht. Paulus zitterte nicht f\u00fcr sein Leben. Er wusste sich nicht von der Stellungnahme seiner Zuh\u00f6rer, sondern von seinem Gott abh\u00e4ngig. Das verleiht seinen Worten eine getroste Festigkeit, die allein geeignet war, auf diese H\u00f6rer Eindruck zu machen. Auch wir wollen Gnade suchen, dass wir in Stunden gro\u00dfer Gefahr nicht in eine \u00c4ngstlichkeit und Furcht hineingeraten, die der Gotteskinder unw\u00fcrdig ist. Wer sich in Gottes Hand wei\u00df, redet getrost, auch wenn drohende und wutschnaubende Feinde ihn umgeben (Ps 118,11-13; Neh 6,9-11)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 355-357).<\/p>\n<p>\u201eDer Herr nahm dem Saulus nicht nur eine Aufgabe weg, sondern gab ihm auch eine andere. Davon redet unser Text. Er sagt uns, wo, wann und wie Saulus seine Aufgabe empfangen sollte:<br \/>\n* Der Herr suchte den Platz aus: Saulus w\u00fcnschte in dem Land seiner Urv\u00e4ter, in Jerusalem, unter seinen Volksgenossen wirken zu d\u00fcrfen. Der Herr bestimmt f\u00fcr ihn genau das Gegenteil. Er soll &#8222;in die Ferne zu den Heidenv\u00f6lkern&#8220; geschickt werden. Wie oft ist auch heute noch die F\u00fchrung des Herrn so, dass sie unseren pers\u00f6nlichen W\u00fcnschen zuwiderl\u00e4uft. Zwingli bat Gott, ihn nur nicht nach Z\u00fcrich kommen zu lassen. Und gerade diese Stadt wurde sein Wirkungsfeld. Calvin wollte nicht in Genf bleiben. Aber der Herr hielt ihn gerade dort fest.<br \/>\n* Der Herr bestimmte die Zeit: Der Herr sagt Saulus nicht, er solle jetzt sofort seine Wirksamkeit unter den Heiden beginnen, sondern wies ihm diese Aufgabe f\u00fcr die Zukunft an. &#8222;Ich werde dich unter die Heiden hinaussenden&#8220; (w\u00f6rtlich). Also gab es noch eine Wartezeit und Warteschule, bevor der brennende Wunsch von Saulus erf\u00fcllt wurde, am gottgewollten Platz f\u00fcr Jesus zu wirken. Auch bei uns f\u00fchrt der Herr oft langsamer, als wir es m\u00f6chten. David wurde der Thron Israels verhei\u00dfen. Er musste aber erst viele Jahre als Fl\u00fcchtling zubringen.<br \/>\n* Paulus war sein Gesandter: Wie sollte er wirken? Worin bestand seine Aufgabe? Der Text antwortet darauf nur: &#8222;Ich (hervorgehoben: &#8222;ich selbst&#8220;) werde dich ferne hinaussenden unter die V\u00f6lker&#8220;. Also ein Gesandter Jesu sollte er werden unter den Heiden, als Jesu Bote hinausgehen. Dieser Ausdruck zeigt uns einerseits die Herrlichkeit, und andererseits die gro\u00dfe Verantwortung seines Berufes. Ein Gesandter hat die ganze Macht und das Ansehen der ihn aussendenden Regierung hinter sich. So trug Paulus als Bote Jesu das Bewusstsein, dass der Herr ihn dorthin gestellt habe (&#8222;wir bitten an Christi Statt&#8220;; 2Kor 5,20). Andererseits zog ihm diese Aufgabe auch enge und feste Grenzen. Ein Gesandter darf nicht dahin gehen, wohin es ihm gef\u00e4llt, sondern wohin seine Regierung ihn sendet. Ein Gesandter hat nicht seine eigenen Gedanken, seine Weisheit und Klugheit vorzutragen, sondern den Willen dessen, der ihn sendet. So ist auch ein wahrer Zeuge Jesu ein Mensch, der nicht seine eigenen Meinungen vortr\u00e4gt, sondern seinen Auftrags erledigt und das bringt, was der Herr ihm aufs Herz gelegt hat. Wehe dem Gesandten, der sich seiner v\u00f6lligen Abh\u00e4ngigkeit von dem sendenden Herrscher nicht bewusst bliebe. Ihm w\u00fcrde jede Vollmacht alsbald entzogen werden. Wohl dem Boten, der nichts anderes sucht, als den Willen dessen zu vertreten, von dem er geschickt ist. Er wird sein Bote bleiben und Lob ernten\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 363f).<\/p>\n<p>4) Beurteilung (22,22)!<\/p>\n<p>\u201eBei der Betrachtung der gegen Paulus tobenden Volksmasse k\u00f6nnte der stolze Gedanke in uns auftauchen: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie jene wutentbrannte Menge! Ich liebe und verehre den Apostel, den jene hassten, und ich f\u00f6rdere das Werk der Heidenmission, das jene bek\u00e4mpften. Mit solchen Gedanken w\u00e4ren wir auf dem Weg des Beters von Lk 18,11. Stattdessen wollen wir den Anblick jenes fanatischen Haufens als Spiegel benutzen und fragen: Findet sich in unserem Innern nicht auch etwas von dem, was wir bei jenen tadeln m\u00fcssen?<br \/>\n* Die Ursache f\u00fcr den Zorn der Juden war der Neid auf die V\u00f6lker, denen sie das Vorrecht der Heilsbotschaft nicht g\u00f6nnen wollten. Ist von solchem Neid nichts in uns? Wenn wir auch gewiss der ganzen Welt das Evangelium g\u00f6nnen und seine Verbreitung bef\u00f6rdern, so m\u00fcssen wir doch bekennen, dass da, wo in anderen Gemeinschaften, Vereinen oder Gemeinden eine gesegnete Verk\u00fcndigung des g\u00f6ttlichen Wortes stattfand, sich in uns der schlimme Gedanke regte: Dieser Segen h\u00e4tte sich eigentlich nur in meinem Verein, in meiner Gemeinschaft, in meiner Kirche und nicht bei jenen einstellen sollen. Da zeigt sich der Keim jener Giftpflanze, die dort so \u00fcppig emporschoss.<br \/>\n* Wenn wir \u00fcber einen Bruder, der ganz anders gef\u00fchrt ist als wir, ein Urteil abgeben, so haben wir ihn zwar nicht gleich als todesw\u00fcrdigen Verbrecher hingestellt, wie jene es taten; aber wir wurden ihm doch nicht gerecht in unseren Worten. Weil er nicht genau in unseren Bahnen ging, glaubten wir, ihn verurteilen zu m\u00fcssen (Mk 9,38). Wie oft ist es in fr\u00fcheren Jahren vorgekommen, dass ein Lutheraner seine reformierten Glaubensgenossen oder der Reformierte seine lutherischen Glaubensgenossen als minderwertige oder gar als gef\u00e4hrliche Menschen hinstellte. Hier liegen aber die Anf\u00e4nge des Irrweges jener ungerecht \u00fcber Paulus urteilenden Massen. Weg mit solchem Fanatismus!<br \/>\n* Wir entsetzen uns dar\u00fcber, dass jene Menschen dem Apostel, der ihnen untragbar erschien, den sofortigen Tod w\u00fcnschten. Aber m\u00fcssen wir nicht bekennen, dass auch wir schon bei gewissen Menschen, die unsern Unwillen auf das heftigste erregten und unsere Arbeit st\u00f6rten und sch\u00e4digten, den stillen Wunsch im Herzen trugen, dass sie doch nicht mehr lange leben m\u00f6chten?! Wir sind oft \u00e4hnlicher den Donnerss\u00f6hnen gewesen, die Feuer vom Himmel fallen lassen wollten, als dem David, der den Saul in der H\u00f6hle verschonte (Lk 9,54; 1Sam 24+26). Darum wollen wir uns nicht \u00fcber jene gegen Paulus schreiende Menge erheben, sondern dem\u00fctig bekennen, dass ihr Fehler auch in uns steckt. Nicht zu anderen Mitmenschen, sondern zum Pharis\u00e4erstolz im eigenen Herzen wollen wir sagen: &#8222;Hinweg mit diesem! Denn es ist nicht billig, dass er leben soll&#8220;.<br \/>\n&#8222;Warum toben die Heiden, und die V\u00f6lker reden so vergeblich?&#8220; Dieser zweite Psalm, den Israel oft im Blick auf die Heidenv\u00f6lker sang, darf hier auf ihr eigenes Volk angewendet werden. Der Juden Geschrei gegen Paulus ist im Grunde ein Toben &#8222;wider den Herrn und seinen Gesalbten&#8220;. Seine Bande wollen sie zerrei\u00dfen (Ps 2,1-3). Aber es gelingt ihnen nicht. Ein dreifacher Irrtum beherrscht sie. Drei Wahrheiten sind ihnen verborgen:<br \/>\n* Sie halten sich f\u00fcr berechtigt, \u00fcber Paulus ein entscheidendes Urteil zu f\u00e4llen. Sie erkl\u00e4ren ihn f\u00fcr einen todesw\u00fcrdigen Verbrecher, der nicht wert sei, von der Erde getragen zu werden. (&#8222;Hinweg mit diesem von der Erde &#8230;&#8220;). Das war eine Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Nicht bei ihnen, sondern beim Herrn allein steht das Recht, das endg\u00fcltige Urteil \u00fcber Wert und Unwert eines Menschen zu f\u00e4llen. Dass Gottes Urteil ganz anders war, wissen wir (Apg 9,15).<br \/>\n* Sie meinen bestimmen zu k\u00f6nnen, wie lange Paulus leben und wirken d\u00fcrfe. Auch das ist ein Irrtum. Dar\u00fcber bestimmt nicht diese Volksmenge, sondern der Herr allein. Er wei\u00df, wann das Tagewerk vollendet ist, und wann die H\u00fctte abgebrochen werden soll. Lasst es uns ihm \u00fcberlassen, wie lange und wie weit er diesen und jenen Menschen leben und wirken l\u00e4sst, ob er auch nach unserer Meinung besser bald hinweg w\u00e4re.<br \/>\n* Sie meinen auch dar\u00fcber befinden zu k\u00f6nnen, wohin die Heilsbotschaft des Wortes Gottes getragen werden d\u00fcrfe und wohin nicht. (Ihr ganzes Geschrei ist ja ein Protest gegen die Wortverk\u00fcndigung in der V\u00f6lkerwelt). Auch darin liegt ein Irrtum. Nicht sie, sondern der Herr bestimmt, wohin sein Wort gesandt werden soll\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 369-371).<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>Unsere Predigt\u00fcbersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erh\u00e4ltlich) benennt als m\u00f6glichen Schwerpunkt f\u00fcr die Predigt das Thema \u201eVerfolgung\u201c. Um von der speziellen Situation von Paulus zur allgemeinen Anwendung des Predigttextes zu bekommen beachten wir 2Tim 3,10-15.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Textlesung ist z.B. die \u201eNeue Genfer \u00dcbersetzung\u201c sehr geeignet (www.ngue.info), da der Predigttext sehr umfangreich ist.<\/p>\n<p>4. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Verfolgung hei\u00dft:<br \/>\na) Bedrohung (21,27-30)<br \/>\nb) Bew\u00e4hrung (21,31-40)<br \/>\nc) Bekenntnis (22,1-21)<br \/>\nc) Beurteilung (22,22)<\/p>\n<p>oder nach John MacArthur:<br \/>\na) Verfolgung durch den Mob (21,27-30)<br \/>\nb) Verhaftung durch die R\u00f6mer (21,31-36)<br \/>\nc) Verteidigung durch Paulus (21,37-22,21)<\/p>\n<p>oder nach Wolfgang Nestvogel: Tradition oder neues Leben?<br \/>\na) Die Kraft der Tradition<br \/>\nb) Die Kraft des lebendigen Jesus Christus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischer ZeitPredigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; in der Verfolgung Bibelstelle: Apostelgeschichte 21, 27 &#8211; 22,22 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1720","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-apostelgeschichte"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-19 03:56:21","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1720"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1720\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}