{"id":1718,"date":"2010-07-08T21:29:37","date_gmt":"2010-07-08T19:29:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=539"},"modified":"2010-07-08T21:29:37","modified_gmt":"2010-07-08T19:29:37","slug":"predigthilfe-vom-1-8-2010-apostelgeschichte-21-1-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-1-8-2010-apostelgeschichte-21-1-17\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 1.8.2010 &#8211; Apostelgeschichte 21, 1-17"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen Zeiten<br \/>Predigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; in der Gemeinde<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Apostelgeschichte 21, 1-17<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Nach den vielf\u00e4ltigen Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Gemeinde in Ephesus (Apg 19,1-40; 20,17-38), erfolgt nun die Berichterstattung \u00fcber den Fortgang der Missionsreise hin nach Jerusalem. In diesem Sinne schildert der Predigttext (Apg 21,1-17) nun die Schlussetappe zur Erreichung des Zwischenzieles (Jerusalem). Geschildert werden verschiedene Gemeindesituationen und ihre Einwirkungen auf den Dienst von Paulus. Da die \u00f6rtlichen Situationen und Bed\u00fcrfnisse sehr vielf\u00e4ltig sind, kommt es immer wieder zu Anfragen und W\u00fcnsche aus den Gemeinden im Hinblick auf den Dienst des Paulus. Um seiner pers\u00f6nlichen Berufung treu zu bleiben (vgl. 19,21), muss Paulus nun auch im Hinblick auf die vielf\u00e4ltigen Anforderungen aus der Gemeinde Kurs halten um nicht das eigentliche Ziel aus dem Auge zu verlieren (= Predigtthema).<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.<br \/>\n* Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus, 1980. S. 380-387.<br \/>\n* Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil. Edition C-Bibelkommentar Bd. 9. Neuhausen: H\u00e4nssler, 1990. S. 248-258.<br \/>\n* Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. Herausgegeben von Arno Pagel. 7. Aufl. Lahr: VLM, 1996. S. 317-333 (nachfolgend in Ausz\u00fcgen &#8211; digitalisierte Schriften im Pdf-Format von Alfred Christlieb [z.B. Apostel Paulus] findet ihr f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Gebrauch z.B. unter http:\/\/karker.de\/html\/a__christlieb.html).<\/p>\n<p>Zur Vorbereitung der Predigt besteht die M\u00f6glichkeit des Anh\u00f6rens (im Sinne von Apg 17,11b) einer Predigt zu Apg 20,1-17 mit praktischen Anwendungen von Wolfgang Nestvogel mit dem Titel \u201eWie die Gemeinde gro\u00dfe Ziele erreicht\u201c (Predigt vom 11.04.2010 unter http:\/\/begh.podspot.de\/?page=3).<\/p>\n<p>A) Auf Kurs bleiben, denn es gibt unterschiedliche Platzanweisungen durch das Wort (V. 1-3)<\/p>\n<p>V. 1-3: \u201eBei dieser Reisestrecke hebt der Text hervor, dass der gerade, also k\u00fcrzeste und schnellste Weg eingeschlagen wurde. \u201aIn gerader Fahrt\u2018 (\u00dcbersetzung Menge) wurde die erste Seestrecke zur\u00fcckgelegt. Sobald ein Schiff gefunden wurde, das in der gew\u00fcnschten Richtung fuhr, wurde es benutzt. Die Insel Zypern, auf der Paulus den ersten Missionserfolg erleben durfte (13,4-12), wurde links liegen gelassen. Es wurde also jeder nicht unbedingt n\u00f6tige Aufenthalt vermieden. Aus einem bestimmten Grund ist diese eilige Fahrt nach Jerusalem zu beachten. Paulus hatte volle Klarheit dar\u00fcber, dass in Jerusalem Bande und Tr\u00fcbsale auf ihn warteten (20,23). Unter diesen Umst\u00e4nden h\u00e4tte es mancher nicht so eilig gehabt, sein Reiseziel zu erreichen. Die Versuchung lag nahe, im Blick auf die bevorstehenden Leiden, die Reise in die L\u00e4nge zu ziehen und zu z\u00f6gern, um noch so lange wie m\u00f6glich die Freiheit zu genie\u00dfen. Aber das tat Paulus nicht. Er glich seinem Meister, von dem es hei\u00dft: \u201aDa die Zeit erf\u00fcllt war, dass er sollte von hinnen genommen werden, wandte er sein Angesicht, stracks gen Jerusalem zu wandeln\u2018 (Lk 9,51). So wollen auch wir gerade da, wo ein schwerer Weg anzutreten ist, nicht hin und her schwanken, uns nicht lange mit Fleisch und Blut besprechen, sondern \u201astrackes Laufes\u2018 den uns gewiesenen Weg vorw\u00e4rtsgehen (Gal 1,16). Dann sind wir in des Heilandes und des Apostels Fu\u00dfstapfen (Joh 11,8-16)\u201c (Paulus, Apostel Paulus, S. 317).<\/p>\n<p>B) Auf Kurs bleiben, denn es gibt unterschiedliche Lebensf\u00fchrungen mit dem Wort (V. 4-7)<\/p>\n<p>V. 4f: \u201eDer Ausdruck: \u201aDie J\u00fcnger zu Tyrus sagten Paulus durch den Geist, er solle nicht hinauf nach Jerusalem ziehen\u2018 ist von manchen so verstanden worden, als h\u00e4tten jene Christen auf Antrieb des Heiligen Geistes Paulus von seiner geplanten Reise abgeraten. Dann h\u00e4tte Paulus nat\u00fcrlich dieser Bitte folgen m\u00fcssen, und es w\u00e4re ein falsches Bestehen auf eigenem Willen gewesen, wenn er trotzdem nach Jerusalem ging. Aber so ist es nicht. Der Heilige Geist widerspricht sich niemals. Er n\u00f6tigte den Apostel nach Jerusalem zu ziehen (20,22). Wie k\u00f6nnte derselbe Geist ihm von diesem Weg abraten! Dennoch lag in den Worten jener Br\u00fcder ein von Gott gegebenes Licht. Durch Erleuchtung des Heiligen Geistes hatten sie die Gefahr, welche diese Reise f\u00fcr Paulus mit sich brachte, erkannt. Insofern sprachen sie wirklich \u201adurch den Geist\u2018, als sie Paulus auf die ihm drohende Gefahr aufmerksam machten. (Sie stimmten hierin auch v\u00f6llig \u00fcberein mit allen anderen von Gottes Geist stammenden Bezeugungen \u00fcber die Zukunft des Apostels; 20,23). Nun f\u00fcgten sie aber zu dieser von Gott gegebenen Klarheit ihre eigenen W\u00fcnsche und Gedanken hinzu, indem sie Paulus von der Reise abrieten. Ihre Liebe zum Apostel trieb sie an, ihn vor dem gefahrvollen Weg zu warnen. Wir haben also in den Worten der Christen von Tyrus eine Vermengung wahrer, gottgegebener Einsicht mit eigenen W\u00fcnschen und Gedanken zu sehen. Wie oft kommt solche Vermengung vor! Wie leicht k\u00f6nnen wir dadurch anderen zur Versuchung werden und sie von der gottgewollten Linie abbringen! H\u00fcten wir uns doch beim Empfang einer g\u00f6ttlichen Klarheit davor, g\u00f6ttliche und eigene Gedanken zu vermengen! Wir laufen sonst Gefahr, ohne es zu wollen, unbewusst falsche Ratgeber f\u00fcr andere zu werden (Mt 16,22).<br \/>\nDer Besuch von Paulus und seinen Reisegef\u00e4hrten bei den Gl\u00e4ubigen zu Tyrus l\u00e4sst uns einen Blick in die Christengemeinde dieser Stadt tun. Wir finden die Gemeinde beim Abschied des Apostels vollz\u00e4hlig am Meeresufer versammelt. Lasst uns sie n\u00e4her anschauen und fragen: Wer geh\u00f6rte zu dieser Gemeinde? Welches besondere Merkmal trug sie? Was trieb sie?<br \/>\n* Wer geh\u00f6rte zur Gemeinde in Tyrus? Wir k\u00f6nnen ihre Zahl nicht feststellen. Im Vergleich mit der Einwohnerzahl der ganzen Stadt war es gewiss nur ein kleines H\u00e4uflein. Aber etwas anderes wissen wir: Ganze Familien haben sich dem Christentum angeschlossen. Wir sehen nicht nur M\u00e4nner und Frauen, welche die Bezeichnung \u201aJ\u00fcnger\u2018 tragen, sondern auch Kinder, die mit ihnen zusammen am Gebet teilnehmen. Es gab also in dieser gro\u00dfen Handelsstadt da und dort einzelne H\u00e4user, da man vereint den Namen des Herrn Jesu anrief. Ob die hier erw\u00e4hnten Kinder alle schon bewusstes Glaubensleben hatten, wei\u00df niemand von uns. Aber dass sie dahin mitgenommen wurden, wo man sich zum Gebet vereinigte, das sehen wir klar. Welch gesegnete H\u00e4user mitten in der Stickluft des sie umgebenden Heidentums! Welcher Vorzug f\u00fcr die hier erw\u00e4hnten Kinder, dass sie in solchen H\u00e4usern aufwachsen durften! Wohl solchen H\u00e4usern, die wie Lichtpunkte mitten in der Finsternis gro\u00dfer Weltst\u00e4dte stehen! Gott mehre ihre Zahl auch in unserer Zeit!<br \/>\n* Welches besondere Merkmal trug die Gemeinde in Tyrus? Die Christen jener Stadt trugen keine \u00e4u\u00dferen Abzeichen, an denen sie zu erkennen waren. Ihre Tracht und ihr \u00c4u\u00dferes war wie bei den andern. Dennoch beobachten wir an ihnen ein Merkmal. Worin besteht es? Der Abschied von Paulus zeigt uns ein Liebesband der Christen untereinander, wie man es in der Welt nicht zu finden pflegt. Obwohl der Apostel erst seit einer Woche bei ihnen war, begleiteten sie ihn mit ihren Familien, als ob ein naher Verwandter von ihnen scheide. Welch eine nahe, innige Liebesverbindung ist da in kurzer Zeit entstanden! Bekanntlich sollen die Heiden beim Anblick der ersten Christen oft gesagt haben: \u201aSeht, wie haben sie sich untereinander so lieb\u2018! So musste man auch beim Anblick dieses Abschieds sagen. Hier ist das Kennzeichen und Merkmal der Gemeinde Jesu. Wohl allen, die es tragen (1Joh 4,16; 3,10+16f)!<br \/>\n* Was trieb die Gemeinde in Tyrus? Wir erfahren sehr wenig \u00fcber das Leben und Treiben der Christengemeinde in Tyrus. Und doch treffen wir sie in jener Abschiedsstunde bei einer Besch\u00e4ftigung, die ihre Zusammenk\u00fcnfte kennzeichnet. Bevor Paulus mit seinen Begleitern abfuhr, knieten sie zum Gebet nieder. Hier sehen wir eine Bet\u00e4tigung der J\u00fcngerschaft, die in der Gemeinde Jesu an erster Stelle steht (1Tim 2,1-4,8). Es ist das gemeinsame Gebet. Mit Gebet pflegte man die Versammlungen zu beginnen und zu schlie\u00dfen. Gebet war ihre Waffe gegen innere und \u00e4u\u00dfere Feinde (4,24-31; 12,5). Gebet war ihre Freude und ihre St\u00e4rke. Die Gemeinde Jesu ist eine Beterschar und soll es bleiben. Wohl allen, die zu ihr geh\u00f6ren und sich des gemeinsamen Gebets nicht sch\u00e4men.<br \/>\nDer Anblick jener Gebetsversammlung gibt uns einen Beitrag zur Beantwortung von drei brennenden Zeitfragen:<br \/>\n* Wie kann das Familienleben gest\u00e4rkt werden und vor Zerr\u00fcttung bewahrt werden? Wir leben in einer Zeit, in der die &#8222;Zelle&#8220; des Familienlebens vielfach bedroht wird. Was kann zu seinem Schutz geschehen? Unser Text zeigt uns christliche Familien, die vor dem Gnadenthron vereint sind. Solches gemeinsames Gebet st\u00e4rkt das Familienleben besonders. Nicht in allen Christenh\u00e4usern betet man gemeinsam. Die \u00e4u\u00dfere, mannigfaltige Arbeit der einzelnen Familienglieder, allerlei Berufspflichten derselben erschweren das au\u00dferordentlich. Dennoch sollte in jeder Christenfamilie darauf gesehen werden, dass die Segensmacht des gemeinsamen Gebetes nicht fehle (Esra 8,21-23)!<br \/>\n* Eine andere Frage, die viele Christen bewegt, ist diese: Was kann von unserer Seite geschehen, dass in lebendigen christlichen Kreisen der Nachwuchs nicht ausbleibt? Gewiss ist dies nur Sache der Barmherzigkeit Gottes. Aber doch d\u00fcrfen wir die Tatsache nicht \u00fcbersehen, dass gerade in solchen H\u00e4usern, wo neben dem einsamen auch das gemeinsame Gebet in rechter Weise seine St\u00e4tte hat, Gott jugendliche Herzen f\u00fcr seine Gnade \u00f6ffnet.<br \/>\n* Wie k\u00f6nnen unsere H\u00e4user vor den Gefahren des Zeitgeistes bewahrt werden? Welch ein Mammons- und Vergn\u00fcgungsgeist wird wohl in jener gro\u00dfen Handelsstadt Tyrus geherrscht haben! Die Gefahr, dass dieser auch in die Christenh\u00e4user eindringe, war ohne Zweifel vorhanden. Wie sollte man sich dagegen sch\u00fctzen? Gemeinsames Gebet kann eine sch\u00fctzende Macht gegen den verderblichen Zeitgeist bilden. Gott lasse alle Christenh\u00e4user den Segen solcher Gebetsvereinigungen reichlich erfahren!\u201c (Paulus, Apostel Paulus, S. 318-320+322f).<\/p>\n<p>V. 7: \u201eDen Aufenthalt in Ptolemais benutzte Paulus dazu, die Br\u00fcder, d.h. die gl\u00e4ubigen Christen dieses Ortes aufzusuchen. Lasst uns bei diesem Besuch auf dreierlei achten:<br \/>\n* Man kannte die Br\u00fcder. Ihr Christentum war nicht etwa nur im verborgenen Herzensgrund, sondern zeigte sich in einer Weise auch nach au\u00dfen. Man wusste von bestimmten Leuten, dass sie auch zu den Gl\u00e4ubigen geh\u00f6rten.<br \/>\n* Man f\u00fchlte sich zu den Br\u00fcdern hingezogen. Christen ziehen einander an. Wohin Paulus auf seinen Reisen auch kam, er lenkte seine Schritte alsbald zu den Bekennern Jesu. Wie andere sich von solcher Gesellschaft abgesto\u00dfen f\u00fchlen, so zog sie ihn und seine Gef\u00e4hrten an.<br \/>\n* Man fand gastliche Aufnahmen bei den Br\u00fcdern. Paulus und seine Gef\u00e4hrten blieben einen Tag bei ihnen. Wie wurde doch damals in der ersten Christenheit Gastfreundschaft ge\u00fcbt! Wie nahm man die Genossen des Glaubens gern auf (Hebr 13,2; R\u00f6m 12,13; 1Petr 4,9; 1Mose 18,3; 19,2f). Gesegnete Schar in Ptolemais, die man als Br\u00fcder kennt, zu denen ein Paulus sich hingezogen f\u00fchlt und die willig die Boten Jesu aufnehmen!\u201c (Paulus, Apostel Paulus, S. 324f).<\/p>\n<p>C) Auf Kurs bleiben, denn es gibt unterschiedliche Schlussfolgerungen aus dem Wort (V. 8-17)<\/p>\n<p>V. 8f: \u201eWir kehren im Geist mit jener Reisegesellschaft um Paulus ein in das Haus des Evangelisten Philippus in der Stadt C\u00e4sarea. Der Hausvater ist uns wohlbekannt. Wir kennen ihn als einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, dem in Jerusalem das Amt eines Almosenpflegers \u00fcbertragen worden war (6,3-6). Wir kennen ihn als ein gesegnetes Werkzeug Gottes zur Erweckung in Samarien (8,5-12) und als den Mann, durch den der K\u00e4mmerer aus dem Mohrenland zum Glauben kam (8,26-40). Hier lernen wir nun auch seine ganze Familie kennen. Welch ein reiches Haus war dies! Aus drei Gr\u00fcnden m\u00fcssen wir sagen: Ein reiches Haus!<br \/>\n* Zuerst deshalb, weil die Kinder dieses Hauses gl\u00e4ubig waren! Was ist der gr\u00f6\u00dfte Reichtum, den ein Haus besitzen kann? Etwa Sch\u00e4tze an Silber und Gold? Nein, denn diese k\u00f6nnen leicht genommen werden. Wohl aber bildet wahres Glaubensleben im Herzen der Familienglieder einen unverg\u00e4nglichen Reichtum (16,32-34; 18,8).<br \/>\n* Reich war dieses Haus auch, weil die einzelnen Familienmitglieder Gaben zum Dienst empfangen hatten. Der Vater war ein Prediger des Evangeliums. Die T\u00f6chter hatten offenbar die Gabe der Weissagung, die sie zum Nutzen anderer am rechten Ort gebrauchen konnten. Solche von Gott verliehene Gabe, die zum Bau seines Reiches gebraucht wird, ist ein wertvoller Besitz.<br \/>\n* Reich war das Haus auch deshalb, weil Gastfreundschaft darin ge\u00fcbt wurde. Philippus nahm Paulus mit seinen Reisebegleitern auf. Gewiss mochte diese Aufnahme manche \u00e4u\u00dfere Arbeit mit sich bringen. Aber wie gro\u00df war der innere Gewinn! H\u00e4user, die Gotteskinder gern aufnehmen, bereichern dadurch sich selbst. Das Haus von Philippus ist in Wahrheit ein reiches Haus zu nennen\u201c (Paulus, Apostel Paulus, S. 325f).<\/p>\n<p>V. 10-13: \u201eDas Auftreten eines Propheten ist etwas Besonderes. Bei einem derartigen Ereignis taucht immer wieder die Frage auf: Ist die Sache echt? Woran erkennt man die Richtigkeit der Prophezeiung? Bei der Weissagung des Agabus l\u00e4sst uns der Text ein dreifaches Merkmal der Echtheit erkennen:<br \/>\n* Zuerst beweist seine Bezeichnung (\u201aEs reiste herab ein Prophet mit Namen Agabus\u2018), dass dieser Mann eine prophetische Gabe gehabt haben muss, die von der Gemeinde anerkannt war. Man w\u00fcrde ihn nicht einen Propheten genannt haben, wenn nicht prophetische Erleuchtung bei ihm offenbar geworden w\u00e4re. Nicht erst hier bei seinem Besuch in C\u00e4sarea, sondern schon fr\u00fcher muss sich diese Gabe bei ihm gezeigt haben. Es ist bedenklich, sich den Prophezeiungen eines Menschen anzuvertrauen, von dessen Erleuchtung in der Gemeinde Gottes kaum jemand etwas wei\u00df.<br \/>\n* Ein zweites Merkmal der Echtheit dieses Propheten liegt darin, dass der Inhalt seiner Weissagung in keiner Weise dem widersprach, was in der Gemeinde Jesu bisher offenbart worden war, vielmehr in vollem Einklang damit stand. Die Worte des Agabus best\u00e4tigten und erg\u00e4nzten das, was Gottes Geist hin und her in den St\u00e4dten der Gemeinde bezeugt hatte (20,23). Das weckt Vertrauen. Lasst uns nie einer Weissagung trauen, die nicht \u00fcbereinstimmt mit dem, was Gott seiner ganzen Gemeinde an Licht in seinem Wort gegeben hat. Propheten, die von diesem Licht abweichen, m\u00fcssen abgelehnt werden, wenn sie auch noch so gewaltig auftreten.<br \/>\n* Ein drittes Kennzeichen der Echtheit sehen wir in der Wirkung der Worte des Agabus. Es herrschte v\u00f6llige Einm\u00fctigkeit unter den Christen C\u00e4sareas dar\u00fcber, dass das von Agabus geweissagte Ereignis eintreffen werde. Keiner zweifelte daran. Ihre Bitte an Paulus, nicht nach Jerusalem zu gehen, stammt aus ihrem Glauben an die Erf\u00fcllung dieser Weissagung. Wenn irgendein Mensch den Anspruch erhebt, sein Wort sei ein von Gott gegebenes, prophetisches, so lasst uns zusehen, ob diese drei Kennzeichen bei ihm gefunden werden.<br \/>\nDie an Paulus gerichtete Bitte, nicht nach Jerusalem zu reisen, war eine Versuchung f\u00fcr den Apostel. Sie h\u00e4tte ihn von gottgewiesener Bahn abbringen k\u00f6nnen. Aus drei Gr\u00fcnden war diese Versuchung besonders stark und gef\u00e4hrlich:<br \/>\n* Sie kam von gl\u00e4ubigen Menschen her. Nicht ungeistlich urteilende Weltkinder, sondern wahre gl\u00e4ubige Christen baten ihn, seinen Weg nach Jerusalem aufzugeben. Es kann auch an uns nicht nur von ungl\u00e4ubiger Seite her eine Versuchung herantreten. Auch von Gotteskindern kann ein Einfluss ausgehen, der uns vom gottgewollten Pfad abdr\u00e4ngt.<br \/>\n* Ferner war diese Versuchung so stark, weil so viele sich zu der Bitte vereinigten. Nicht nur vereinzelte Christen baten Paulus, von Jerusalem fern zu bleiben, sondern \u201awir und die desselben Ortes waren\u2018, d.h. die Reisegef\u00e4hrten und Mitarbeiter des Apostels (\u201awir\u2018) und die gl\u00e4ubigen Christen der Stadt C\u00e4sarea (\u201adie desselbigen Orts waren\u2018). Durch diese Vereinigung h\u00e4tte Paulus schwankend und unsicher werden k\u00f6nnen, ob er nicht doch lieber sein Reiseziel aufgeben solle.<br \/>\n* Zuletzt lasst uns die dringende Art des vereinten Bittens beachten. Sie baten unter Tr\u00e4nen (\u201aWas macht ihr, dass ihr weint?\u2018). Man stelle sich einmal das Bild vor, wie die Mitarbeiter, die Hausgenossen und andere gl\u00e4ubige Christen weinend vor Paulus stehen und ihn inst\u00e4ndig bitten, von der Reise nach Jerusalem Abstand zu nehmen. Wir merken aus der Antwort des Apostels, wie tief diese Bitte sein Gem\u00fct bewegte (\u201aund brecht mir mein Herz\u2018). Aber es war eine Versuchung, die abgewiesen werden musste. Wohl uns, wenn wir in \u00e4hnlichen Stunden die Gnade eines festen Herzens empfangen, das sich nicht einen Augenblick von dem Auftrag Gottes abbringen l\u00e4sst (Ps 17,5; 119,29+133; Mt 16,22-25)!<br \/>\nDie Antwort von Paulus vermied zwei Abwege. Auf der einen Seite vermied er es, sich auf die Versuchung einzulassen, den Weg nach Jerusalem zu unterlassen und so den ihm befohlenen Kreuzesweg zu umgehen. Auf der anderen Seite gab er den bittenden Br\u00fcdern keine scharfe und schroffe Antwort. Er wies vielmehr ihre Bitte auf eine solche Weise zur\u00fcck, die ihnen wohltun und es ihnen leicht machen musste, sich in die Ablehnung ihres Wunsches zu f\u00fcgen. Er lie\u00df sie f\u00fchlen, wie tief er innerlich mit ihnen empfinde und wie schwer es ihm werde, die Bitte nicht erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. In seinen Worten verband er eine weiche Zartheit des Gem\u00fctes mit einer stahlharten Festigkeit des Willens. So vereinigen seine Worte Strafe und Trost miteinander. Die in der Frage liegende Versuchung wies er mit unerbittlicher Entschlossenheit zur\u00fcck. Die in der Frage sich kundtuende Liebe erwiderte er zart und freundlich. So blieb er mit ihnen in rechter Liebesverbindung, dass sie sich nicht nur in seine Abreise f\u00fcgten, sondern dass auch ein Teil der dortigen Br\u00fcder ihm das Geleit gab (21,16). Wie selten findet man eine solche Verbindung von Zartheit und Festigkeit. Hier findet man Jesu Bild in seinem J\u00fcnger wieder (Lk 22,15; Mt 16,23)\u201c (Paulus, Apostel Paulus, S. 326-329).<\/p>\n<p>V. 14: \u201eDas Wort: \u201aWir schwiegen und sprachen\u2018 klingt wie ein Widerspruch. Wer schweigt, spricht nicht, und wer spricht, schweigt nicht. Aber dieser Widerspruch ist nur scheinbar. \u201aWir schwiegen\u2018 hei\u00dft: Wir h\u00f6rten auf, noch weiter in Paulus zu dringen. Unser Bem\u00fchen, ihn von der Reise nach Jerusalem zur\u00fcckzuhalten, nahm ein Ende. Unser Bitten verstummte. Wie ungeistlich w\u00e4re es gewesen, wenn jene Christen nicht aufgeh\u00f6rt h\u00e4tten, Paulus von der Unrichtigkeit seines Entschlusses \u00fcberzeugen zu wollen, wenn sie immer aufs neue versucht h\u00e4tten, ihn zum Bleiben zu bewegen. Ihr Schweigen l\u00e4sst ihre gebeugte Herzensstellung erkennen. Sie wollen nicht um jeden Preis ihren Willen durchsetzen und das letzte Wort behalten. Sehen wir zu, dass jene Br\u00fcder in C\u00e4sarea uns nicht besch\u00e4men, wenn wir einmal auf eigene W\u00fcnsche und Meinungen verzichten m\u00fcssen. (2Sam 15,25f; 1Mose 21,11-14)\u201c (Paulus, Apostel Paulus, S. 330).<\/p>\n<p>V. 17: \u201eUnser Text erz\u00e4hlt uns den Empfang des Apostels und seiner Gef\u00e4hrten bei den Christen in Jerusalem. Dieser Empfang war ein herzlicher (die Br\u00fcder nahmen uns \u201agern\u2018 auf) und soll uns besch\u00e4ftigen:<br \/>\n* Wachsendes Vertrauen: Nicht immer war Paulus so aufgenommen worden. Als er nach seiner Bekehrung zu den Christen Jerusalems kam, wurde er \u00e4u\u00dferst vorsichtig und zur\u00fcckhaltend behandelt. Man traute ihm nicht recht (9,26). Als er sp\u00e4ter zum sogenannten Apostelkonzil in Jerusalem eintraf, wurde er mit seinen Gef\u00e4hrten \u201aempfangen\u2018 (15,4). Das war ein gro\u00dfer Fortschritt. Jetzt, wo er am Schluss seiner letzten Missionsreise noch einmal dort ankam, wurde er \u201agern aufgenommen\u2018. Es ist ein Fortschritt des Vertrauens bemerkbar, das Paulus im Lauf der Jahre bei der Urgemeinde genie\u00dfen durfte. Erst wurde er abgelehnt, sp\u00e4ter \u201aempfangen\u2018 und zuletzt \u201agern aufgenommen\u2018. Dieses langsam wachsende Vertrauen kann solchen Br\u00fcdern Mut machen, die in irgendeinem Arbeitsfeld, wo man sie noch nicht n\u00e4her kennt, zun\u00e4chst etwas bedenklich aufgenommen werden. Wenn solche Br\u00fcder nur treu in der Demut arbeiten, niemals das Ihre, sondern die Sache des Herrn suchen, so wird der Herr ihnen zur rechten Zeit, wenn auch nicht auf einmal, das Zutrauen der gl\u00e4ubigen Christen zuwenden, ohne das eine fruchtbare Arbeit im Reich Gottes kaum m\u00f6glich ist.<br \/>\n* Zur\u00fcckgewiesene Ger\u00fcchte: In Jerusalem war eine gewisse Missstimmung gegen Paulus entstanden. Allerlei Verd\u00e4chtigungen betreffend seine rechte Stellung zum Gesetz waren in Umlauf gesetzt worden (\u201aEs ist ihnen aber berichtet worden wider dich, dass du lehrst von Mose abzufallen\u2018, V. 21). Der herzliche Empfang des Apostels beweist uns, dass die Br\u00fcder in Jerusalem sich nicht durch all die gegen Paulus umlaufenden Ger\u00fcchte so einnehmen lie\u00dfen, dass sie ihn etwa k\u00fchl und zur\u00fcckhaltend empfangen h\u00e4tten. Nein, sie haben ihn trotz der vorhandenen Missstimmung herzlich und freundlich aufgenommen. Sie haben ihm nicht wegen seiner gr\u00f6\u00dferen Freiheit dem Gesetz gegen\u00fcber die Liebe entzogen, sondern ihn br\u00fcderlich behandelt. Lasst uns von diesen Br\u00fcdern auch f\u00fcr unsere Zeit lernen. Wie leicht lassen wir uns durch diese und jene vielleicht ganz unbegr\u00fcndeten Ger\u00fcchte hinrei\u00dfen, einem treuen Bruder in wehtuender Weise kalt zu begegnen. Wir haben kein Recht, uns gegen einen Mitchristen unbr\u00fcderlich zu stellen, weil er in irgendeiner Lehranschauung nicht ganz mit uns \u00fcbereinstimmt. Treten wir in die Fu\u00dfstapfen der Br\u00fcder, die Paulus trotz dieser Ger\u00fcchte und dieser Missstimmung \u201afreundlich aufnahmen\u2018 (\u00dcbersetzung Menge).<br \/>\n* Eine Erquickung vor dem Leidensweg: Wie sch\u00f6n ist es zu sehen, dass Gott seinen Knecht vor dem beginnenden Leidensweg noch einmal erquickte. Die freundliche Aufnahme war f\u00fcr Paulus eine gro\u00dfe Freude. Wir wissen, wie wichtig ihm allezeit die br\u00fcderliche Verbindung mit der Muttergemeinde in Jerusalem gewesen ist. Nun durfte er es erleben, dass ihm volle br\u00fcderliche Liebe und herzliches Zutrauen von Seiten der leitenden Br\u00fcder entgegengebracht wurde. So sorgt Gott, dass es seinen Knechten schon hinieden bei allem schweren Dienst auch an inneren Erquickungen nicht fehlt, bis einst die Ankunft im neuen Jerusalem ihnen ewige Freude bringen wird\u201c (Paulus, Apostel Paulus, S. 331-333).<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>Unsere Predigt\u00fcbersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erh\u00e4ltlich) benennt als m\u00f6glichen Schwerpunkt f\u00fcr die Predigt das Thema \u201eProphetie\u201c. Im Hinblick auf die Definition dieser Form von Gemeindeprophetie sind folgende Schriftstellen zu ber\u00fccksichtigen: 1Kor 14,3+29-38; 1Thess 5,20f.<br \/>\nDas Problem bei der Gemeindeprophetie (= Eindruck bzw. Einblick vom Herrn her) liegt vor allem in der Anwendung. Wie ist das vom Herrn \u201eGezeigte\u201c zu verstehen? Aus diesem Grund geht es bei der Gemeindeprophetie (im Gegensatz zur atl. bzw. ntl. Prophetie) nicht um das \u201eautomatische Gehorchen\u201c, sondern zuerst um das \u201eVerstehen\u201c und dann um das \u201eGehorchen des im Sinne Gottes Verstandenen\u201c. Zu diesem Verstehen der Gemeindeprophetie braucht es das beurteilende Mitwirken der Gemeinde (1Kor 14,29-38; 1Thess 5,20f)! Hier liegt der zentrale Unterschied der auferbauenden Gemeindeprophetie (vgl. 1Kor 14,3; R\u00f6m 12,6 mit R\u00f6m 12,3 = Illumination) zur grundlegenden atl. bzw. ntl. Schriftprophetie (2Tim 3,16f; 2Petr 1,20f = Inspiration). Damit wird deutlich, dass nicht jede Prophetie Predigt bzw. Lehre ist (beachte Eph 4,11; 1Kor 12,28f), sondern dass es in der Predigt bzw. Lehre prophetische Elemente gibt. Dieses prophetische Element (das nicht mit der Predigt gleichzusetzen ist \u2013 vgl. zum Ablauf 1Kor 14,29ff) hat seinen Raum in der Gemeinde, findet aber unter der Beurteilung der Gemeinde statt (vgl. auf diesem Hintergrund auch Apg 21,9 mit 1Tim 2,12).<\/p>\n<p>4. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Auf Kurs bleiben in der Gemeinde, denn es gibt<br \/>\na) unterschiedliche Platzanweisungen durch das Wort (V. 1-3)<br \/>\nb) unterschiedliche Lebensf\u00fchrungen mit dem Wort (V. 4-7)<br \/>\nc) unterschiedliche Schlussfolgerungen aus dem Wort (V. 8-17)<\/p>\n<p>oder nach Alfred Christlieb:<br \/>\na) Ein Ort, an dem alle zusammenkommen<br \/>\nb) Ein Wille, dem sich alle unterwerfen<br \/>\nc) Eine Ehre, die alle suchen<\/p>\n<p>oder nach Wolfgang Nestvogel: Wie Gemeinde gro\u00dfe Ziele erreicht<br \/>\na) Die unerm\u00fcdliche F\u00fcrsorge der Glaubensgeschwister<br \/>\nb) Die unbeirrbare Bereitschaft der Einzelnen<br \/>\nc) Der unfehlbare Plan Gottes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen ZeitenPredigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; in der Gemeinde Bibelstelle: Apostelgeschichte 21, 1-17 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. 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