{"id":1716,"date":"2010-06-23T19:44:56","date_gmt":"2010-06-23T17:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=537"},"modified":"2010-06-23T19:44:56","modified_gmt":"2010-06-23T17:44:56","slug":"predigthilfe-vom-18-7-2010-apostelgeschichte-20-17-38","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-18-7-2010-apostelgeschichte-20-17-38\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 18.7.2010 &#8211; Apostelgeschichte 20, 17-38"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen Zeiten<br \/>Predigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; im Dienst<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Apostelgeschichte 20, 17-38<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Der Predigttext zieht nun ein Fazit f\u00fcr die Zeit des Gemeindeaufbaus mit Paulus in Ephesus (vgl. die Predigten vom 20.06. und 04.07.2010), da Paulus der Gemeindeleitung noch einmal zusammenfassend eine Perspektive f\u00fcr Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermittelt (Apg 20,17-38). Paulus nimmt nun f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit Abschied von der Gemeinde in Ephesus (beachte aber den Eph) und betont deshalb noch einmal Grunds\u00e4tze, die helfen als Gemeinde auf Kurs zu bleiben und das zu tun, wozu man berufen ist (= Predigtthema: Auf Kurs bleiben \u2013 im Dienst).<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>Hilfreiche Text- und Predigtanmerkungen enth\u00e4lt der Predigttipp von Heiko Krimmer vom 08.05.2005 (Apg 20,17-38). Den Predigttipp findet ihr unter www.wbb-online.de\/pt.<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.<br \/>\n* Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus, 1980. S. 368-380.<br \/>\n* Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil. Edition C-Bibelkommentar Bd. 9. Neuhausen: H\u00e4nssler, 1990. S. 230-248.<br \/>\n* Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. Herausgegeben von Arno Pagel. 7. Aufl. Lahr: VLM, 1996. S. 288-317 (nachfolgend in Ausz\u00fcgen).<\/p>\n<p>A) R\u00fcckblick auf die Beauftragung (V. 17-21)<\/p>\n<p>\u201eNach dem R\u00fcckblick des Paulus auf seinen Wandel folgt ein R\u00fcckblick auf seine Wortverk\u00fcndigung. Derselbe l\u00e4sst uns erkennen, wo, wie und was er damals \u00f6ffentlich gepredigt hat:<br \/>\n* Wo Paulus predigte: Wo er das Wort verk\u00fcndigte, zeigt uns der Ausdruck: \u201a\u00f6ffentlich und in den H\u00e4usern\u2018 (w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung). Unter der \u201a\u00f6ffentlichen\u2018 Verk\u00fcndigung haben wir in erster Linie seine Versammlungen in der Synagoge von Ephesus (19,8) und nachher seine Reden in dem Lehrsaal des Tyrannus (19,9) zu verstehen. Bei der \u201asonderlichen\u2018 Verk\u00fcndigung (Alte Luther \u00dcbersetzung) haben wir sowohl an die kleinen Versammlungen in den Privath\u00e4usern (R\u00f6m 16,5; 1Kor 16,19; Kol 4,15; Philemon 2; Apg 2,46), wie auch an die Einzelseelsorge zu denken. Was sagt uns diese reichliche Verk\u00fcndigung? Sie ruft uns zu: Lasst uns den Samen des Wortes \u00fcberall ausstreuen, wo Gott uns Gelegenheit gibt und T\u00fcren \u00f6ffnet (2Tim 4. 2). Lasst uns auch zweierlei Einseitigkeit meiden: Man trifft \u00f6fters Menschen, welche nur die \u00f6ffentliche Verk\u00fcndigung etwa in Kirche und Gottesdienst gelten lassen und alles andere als unn\u00fcchtern und schw\u00e4rmerisch verwerfen. Andererseits begegnet man solchen, welche die \u00f6ffentliche Verk\u00fcndigung verachten und nur diejenige hin und her in den H\u00e4usern als richtig ansehen. Demgegen\u00fcber lasst uns mit Paulus sowohl das eine wie auch das andere anerkennen und dankbar benutzen.<br \/>\n* Wie Paulus predigte: Nicht umsonst braucht der Text hier drei verschiedene Ausdr\u00fccke f\u00fcr die Predigtart des Paulus: Er verk\u00fcndigte, er lehrte, er bezeugte.<br \/>\na) In dem ersten Wort (verk\u00fcndigen) steht Paulus, wie der Grundtext dies andeutet, als ein Bote, vor seinen Zuh\u00f6rern, der ihnen genaue Meldung \u00fcberbringt und darauf bedacht ist, ja nichts auszulassen von dem, was er in einem h\u00f6heren Auftrag zu sagen hat. \u201aWie lieblich sind die F\u00fc\u00dfe solcher Boten\u2018(Jes 52,7). Gott mehre ihre Zahl!<br \/>\nb) In dem zweiten Ausdruck (lehren) sehen wir Paulus als Lehrer vor den Ephesern, der in klarer Ordnung der Gedanken den Seelen zeigt, worum es sich handelt und sie in das Verst\u00e4ndnis des g\u00f6ttlichen Heilsrates hineinf\u00fchrt. Solche Lehrer tun auch unserer Zeit not. Wie werden sie einst \u201aleuchten wie des Himmels Glanz\u2018 (Dan 12,3).<br \/>\nc) In dem dritten Wort (bezeugen) schauen wir den Apostel als Zeugen, der den Inhalt seines Wortes feierlich und dringlich ins Herz legt als einer, der das, was er redet, am eigenen Leben erfahren hat. Wie dringt dieses Bezeugen tief in die Herzen der H\u00f6rer hinein und ersch\u00fcttert ihre falsche Sicherheit! Alle noch so sch\u00f6ne Verk\u00fcndigung und lichtvolle Belehrung hilft nicht, wenn dieses Bezeugen fehlt (2Tim 2,14).<br \/>\nWer als Botschafter, Lehrer und Zeuge das Wort verk\u00fcndigt, der wandelt in Paulus Fu\u00dfstapfen.<br \/>\n* Was Paulus predigte: Paulus lie\u00df sich weder durch Menschenfurcht noch durch Menschengunst bewegen, irgendetwas zu verschweigen, was den Seelen heilsam war. Vor allen Dingen hatte seine Predigt zwei Brennpunkte: Bu\u00dfe und Glaube. Er predigte Bu\u00dfe. Den W\u00fcnschen des nat\u00fcrlichen Menschen passte er sich nicht an. Dieser liebt eine Predigtweise, die das Gute in ihm anerkennt und nur weiter vervollkommnet wissen m\u00f6chte. Ermahnungen zur Bu\u00dfe und Heiligung l\u00e4sst er sich allenfalls gefallen. Wenn aber jemand die Notwendigkeit einer vollst\u00e4ndigen \u00c4nderung der innersten Gesinnung predigt, so entsteht Widerspruch, oft Zorn und Wut. Aber gerade diese Sinnes\u00e4nderung oder Bu\u00dfe bezeugte Paulus. Solcher Mut tut allen Knechten Gottes not (Jes 58,1; Jer 4,3). Zugleich zeigte er die Kraftquelle, durch welche die innere Erneuerung des Herzens zustande kommt. Nicht auf ihre eigene Kraft und Anstrengung wies er seine H\u00f6rer hin, sondern auf \u201aden Glauben an unseren Herrn Jesus Christus\u2018. W\u00e4hrend die eigene Bem\u00fchung in menschlicher Willenskraft uns in Verzweiflung f\u00fchren m\u00fcsste, bringt der Glaubensblick auf den Heiland und die Glaubensgemeinschaft mit ihm Frieden und Hilfe (17, 31). Deshalb gilt es auch heute noch, Bu\u00dfe und Glaube zu bezeugen, und zwar beides vereinigt\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 288-290).<\/p>\n<p>B) Einblick in die Berufung (V. 22-28)<\/p>\n<p>\u201eLasst uns bei dem Reiseprogramm des Apostels auf den Grund, das Licht und das Ziel seiner Reise achten.<br \/>\n* Der Grund seiner Reise ist die innere N\u00f6tigung durch den heiligen Geist. \u201aGebunden im Geist\u2018 reist er nach Jerusalem. Eine zweifellose Gewissheit des g\u00f6ttlichen Willens ist und bleibt der sicherste Grund jeder Reise in diesem Leben (16,10; Gal 2,1+2a).<br \/>\n* Das Licht und der F\u00fchrer seiner Reise ist wiederum der Heilige Geist (\u201ader Heilige Geist bezeugt und spricht\u2018). Dieser treibt ihn nicht nur zu dieser Reise an, sondern erleuchtet ihn auch, und gibt ihm diejenige Kenntnis \u00fcber seinen Weg, die ihm vonn\u00f6ten ist. Dieser F\u00fchrer gibt ihm auch f\u00fcr dunkle und schwere Wege gro\u00dfe Kraft und Freudigkeit, so dass er nicht zu erschrecken braucht, sondern &#8222;mit Freuden&#8220; seinen Lauf fortsetzt. Es gibt keinen besseren F\u00fchrer und kein besseres Licht f\u00fcr all unser Reisen, als das Licht des Geistes Gottes (Ps 143,10).<br \/>\n* Das Ziel und der Zweck seiner Reise ist die Ausrichtung der ihm von Jesus \u00fcbertragenen Aufgabe (\u201aauf dass ich vollende meinen Lauf und das Amt, das ich empfangen habe von dem Herrn Jesus\u2018). Ihm war der Dienst der Verk\u00fcndigung des Evangeliums unter den Heiden anvertraut. Er war berufener Missionar und wollte diesen Beruf treu ausf\u00fcllen. Auch wir haben eine Aufgabe in unserem Leben bekommen, die wir aus Gottes Hand annehmen d\u00fcrfen. Wohl uns, wenn unser ganzer Eifer darauf gerichtet ist, diese unsere Aufgabe recht zu erf\u00fcllen (Joh 17,4).<br \/>\nDer Gesamtinhalt aller evangelischen Predigt wird hier in drei verschiedenen Ausdr\u00fccken zusammengefasst:<br \/>\n* In der Bezeugung der Gnade Gottes bestand die ganze Aufgabe des Paulus (V. 24). Einst war er Gesetzesprediger und Gesetzeseiferer. Aber seitdem Gott ihm das rechte Licht gegeben hatte, trieb er nichts als Gnade. Gnade bot er dem verkommensten S\u00fcnder unter den Heiden wie auch dem gesetzesstrengen Juden an. Diese Gnade konnte er bezeugen, weil er ihre Kraft selbst erfahren hatte und es ihm ein Herzensanliegen war, dass auch andere ihrer teilhaftig w\u00fcrden. Alle, die das Wort verk\u00fcndigen, haben darauf zu achten, dass der Hauptinhalt ihrer Predigt Gnade sei (14,3).<br \/>\n* Zur\u00fcckschauend auf all seine bisherige Wortverk\u00fcndigung sagt Paulus: \u201aIch habe gepredigt das Reich Gottes\u2018 (V. 25). Der Apostel zeigte im Evangelium seinen H\u00f6rern. wie Gott in der Person Jesu ein ewiges, unverg\u00e4ngliches K\u00f6nigreich aufgerichtet habe. Er forderte sie gleichsam wie ein Herold auf, in dieses Reich einzugehen und dem K\u00f6nig desselben untertan zu werden (8,12; 19,8; 28,23; Mk 1,14; Lk 9,2+60). Nicht f\u00fcr eine menschliche Partei oder Kirche warb Paulus, sondern f\u00fcr das Reich Gottes, dessen Ausbreitung ihm allein am Herzen lag.<br \/>\n* Endlich fasste Paulus seine Predigt in dem Ausdruck zusammen: \u201aIch habe allen Rat Gottes verk\u00fcndigt\u2018 (V. 27). Hier betont Paulus, der ganze g\u00f6ttliche Heilsratschluss sei Gegenstand seiner Verk\u00fcndigung gewesen. Nichts von dem Willen Gottes hat er verschwiegen (1Tim 2, 4-6).<br \/>\nAlle drei Ausdr\u00fccke beziehen sich auf den Gesamtinhalt aller evangelischen Predigt, jeder hebt eine besondere Seite derselben hervor. Ein rechter Prediger wird immer die Gnade Gottes bezeugen, das Reich Gottes predigen und allen Rat Gottes verk\u00fcndigen (2Tim 4,5b)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 290-292).<\/p>\n<p>V. 28:\u201e* Es gibt ein falsches Achthaben auf sich selbst. Wenn jemand sich best\u00e4ndig den Puls f\u00fchlen und sein inneres Wachstum merken m\u00f6chte; wenn ein Christ best\u00e4ndig auf seine Schwachheit anstatt auf den Herrn schaut, so befolgt er nicht des Apostels Mahnung: \u201aHabt acht auf euch selbst\u2018. Paulus will vielmehr die \u00c4ltesten anspornen, ein wachsames Auge auf die eigene Herzensstellung und den Wandel vor Gott zu richten, um nicht in Abwege und S\u00fcnden hineinzugeraten. Bei der Wichtigkeit ihrer Stellung sollen sie einen gesch\u00e4rften Blick behalten, um die Anf\u00e4nge eines Irrweges und die Entstehung von Entgleisungen bei sich selbst zu erkennen und so bewahrt zu bleiben (Eph 5,15; Ps 101,2; 1Tim 3,2-7; Tit 1,7).<br \/>\n* Die Tatsache, dass diese Mahnung an \u00c4lteste und Gemeindeleiter gerichtet ist, hat uns etwas zu sagen. Wir sehen leicht an \u00e4lteren, erfahrenen Christen so hoch hinauf, dass wir dieselben \u00fcber alle Gefahren erhaben w\u00e4hnen. Das ist ein Irrtum. Hier werden diejenigen, welchen der Heilige Geist eine f\u00fchrende Stellung in der Gemeinde Gottes gegeben hat, zur Wachsamkeit \u00fcber sich selbst ermahnt. Demnach sind auch f\u00fcr solche M\u00e4nner noch Gefahren vorhanden. Auch sie sind nicht sicher vor Abwegen und Fehltritten. Schrift und Erfahrung best\u00e4tigen dies. Welch ein Triumph ist es f\u00fcr die H\u00f6lle, wenn ein leitender Bruder zu Fall kommt und in S\u00fcnde verstrickt wird. Ja auch \u00c4lteste und Gemeindeleiter, alle an der Spitze stehenden Br\u00fcder bed\u00fcrfen der Mahnung: \u201aHabt acht auf euch selbst\u2018 (2Kor 2,11).<br \/>\n* Paulus stellt den Satz \u201aHabt acht auf euch selbst\u2018 an die Spitze seiner Ermahnungen zu treuer Amtsf\u00fchrung. Erst an zweiter Stelle folgt die Aufforderung, \u00fcber die Herde zu wachen. Was sagt uns diese Reihenfolge? Was bedeutet die Voranstellung des Achtens auf sich selbst? Sie ruft uns zu: Bei allen, die an andern arbeiten wollen, ist die eigene richtige Stellung und das pers\u00f6nliche Vorbild im Wandel das erste. was im Auge behalten werden muss. Erst dann kommt ihr \u00fcbriges Wirken. Die Arbeit an sich selbst darf also nie \u00fcber der Arbeit an anderen vergessen werden und zu kurz kommen. Nicht die Leistungen, nicht der Dienst der Knechte Jesu ist vor Gott die Hauptsache, sondern ihre Person, ihr eigenes inneres Wachstum, ihre pers\u00f6nliche Heiligung. Die eifrigste und vielseitigste Arbeit im Weinberg des Herrn kann zum absto\u00dfenden Zerrbild werden, wenn der Wirkende sich in seinem Leben und Wandel allerlei Bl\u00f6\u00dfen gibt. Darum hat Hudson Taylor recht, als er einer Schar ausziehender Missionare als einzigen Rat zurief: \u201aNehmt euch Zeit, geheiligt zu werden\u2018. Wenn wir auf uns selbst acht haben, so wird auch unser Wirken an der Herde nicht vergeblich sein. Wo wir aber uns selbst nicht in Zucht nehmen, so werden andere von uns nichts annehmen (Ps 50,16f; 1Tim 4,12; Tit 2,7). Unter allen Hinweisen f\u00fcr eine gesegnete Amtsf\u00fchrung soll die Mahnung \u201aHabt acht auf euch selbst\u2018 die erste Stelle behalten\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 293f).<\/p>\n<p>C) Ausblick auf die Bedrohung (V. 29+30)<\/p>\n<p>\u201eNeben den wahren Hirten (Vers 28) sieht Paulus auch verderbliche F\u00fchrer in der Gemeinde Christi voraus:<br \/>\n* Wir sehen hier die prophetische Gabe des Apostels. Er hatte Gewissheit \u00fcber das Eindringen jener M\u00e4nner und sagte dasselbe mit voller Bestimmtheit voraus (\u201aIch wei\u00df, dass kommen werden\u2018). Gott hat dann und wann in der Geschichte der Kirche einzelne seiner Knechte mit einem weit in die Zukunft hinaussehenden Blick begabt. Auch heute noch kann er dies tun. Schon Bodelschwingh, Schrenk und andere haben vorausgesagt, dass Gerichte \u00fcber unser Volk nicht fern sein k\u00f6nnten. Die Stimmen solcher M\u00e4nner, die unser Volk kannten und in Gottes Wort zu Hause waren, haben mit den Prophezeiungen leichtfertiger Schw\u00e4rmer nichts zu tun.<br \/>\n* Lasst uns die Zeit beachten, wann die verderblichen F\u00fchrer auftreten (\u201aNach meinem Abschied\u2018). Die Gemeinde Ephesus hatte durch Paulus&#8216; dreij\u00e4hrige Arbeit eine einzigartige Segenszeit erlebt, in der sie Gottes Wort aufs reichlichste genie\u00dfen durfte. Nun soll diese Gemeinde, nachdem der Einfluss von Paulus aufh\u00f6rt, eine Zeit ganz besonderer N\u00f6te und Schwierigkeiten durchmachen. So ist Gottes Weg vielfach. Auf Zeiten herrlicher Heimsuchung folgen Zeiten mannigfacher Verirrung und Drangsal, wo Spreu abf\u00e4llt und Echtes offenbar wird, Wohl denen, die sich darauf gefasst machen und beim Eintreten solcher N\u00f6te nicht irre werden.<br \/>\n* Die falschen F\u00fchrer werden mit \u201agreulichen W\u00f6lfen\u2018 verglichen, \u201adie der Herde nicht verschonen werden\u2018. Sie sind genau das Gegenteil von einem wahren Hirten. Sie haben kein v\u00e4terliches und m\u00fctterliches Herz f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen (1Thess 2,7). Statt sie auf die Weide zu f\u00fchren, haben sie ihre Freude daran, unbarmherzig auf sie loszuschlagen. Sie zerrei\u00dfen dieselben gleichsam wie ein Wolf. Es fehlt ihnen die Durchdringung mit dem Lammessinn Jesu. Sie stehen wie einst Saulus in ihrer alten Raubtiernatur den Schafen Jesu gegen\u00fcber (Apg 9,1). Gott bewahre unsere Kirchen und Versammlungsh\u00e4user vor solch \u201agreulichen W\u00f6lfen\u2018. (Joh 10,12; 3Joh 10; Jer 23,1f; Hes 34,2+10).<br \/>\nLasst uns nun Herkunft, Lehre und Ziel der falschen Lehrer anschauen:<br \/>\n* Sie kommen zum Teil aus den Reihen f\u00fchrender, gl\u00e4ubiger Christen (\u201aAuch aus euch selbst werden aufstehen M\u00e4nner\u2018). Es konnte vorkommen, dass M\u00e4nner eine Zeitlang so wandelten, dass man sie unter die \u00c4ltesten aufnahm, welche die Aufsicht f\u00fchrten. Nachher aber wurden sie vielleicht durch Hochmut und andere S\u00fcnden als \u201agreuliche W\u00f6lfe\u2018 offenbar. Die fr\u00fchere Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Kreis gesegneter Br\u00fcder ist demnach nicht immer ein Beweis von der Echtheit eines Arbeiters im Reich Gottes. Man kann in solchem Kreis gelebt und gewirkt haben und dennoch kein Vertrauen verdienen. Woran kann man sie erkennen und womit entlarven? Das zeigen uns die zwei folgenden Kennzeichen.<br \/>\n* Sie verlassen die Richtschnur des Wortes Gottes. Falsche F\u00fchrer k\u00f6nnen unm\u00f6glich ganz bei dem geschriebenen Wort bleiben. Dieses l\u00e4sst f\u00fcr solches Wolfswesen in der Gemeinde Jesu keinen Raum. Es straft und offenbart dasselbe vielmehr. Darum m\u00fcssen sie von der einf\u00e4ltigen Lehre des Wortes Gottes abweichen. Sie \u201areden verkehrte Lehren\u2018. In dem Bleiben bei dem geschriebenen Wort, bei \u201ader Lehre der Apostel\u2018 (2,42) , liegt eine bewahrende Macht. Bei dem Abweichen von Gottes Wort ger\u00e4t man in die furchtbarsten Irrungen. Welch eine Mahnung, sich unverbr\u00fcchlich fest an das Wort zu halten (Ps 119,9+104+133+165)!<br \/>\n* Ein zweites Hauptkennzeichen der falschen F\u00fchrer ist das Ziel, welches sie verfolgen. Sie wollen \u201adie J\u00fcnger an sich ziehen\u2018. Wahre Hirten wollen die Seelen nur in Verbindung mit Jesus bringen und darin erhalten. Dies ist der einzige Zweck ihrer Arbeit (Joh 1,29; Apg 14,14f). Die falschen F\u00fchrer aber suchen etwas f\u00fcr sich selbst. Sie trachten nach Anhang. Sie legen es darauf an, dass sich die Gl\u00e4ubigen an ihre Person h\u00e4ngen (2Sam 15,2-6). Deshalb \u201awollen sie sich angenehm machen nach dem Fleisch\u2018 (Gal 6,12), schmeicheln diesem und jenem, werden neidisch und eifers\u00fcchtig, wenn ein anderer Anerkennung findet und dergleichen. Gott helfe, dass keiner von uns in den Reihen dieser M\u00e4nner erfunden werde\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 303-305).<\/p>\n<p>D) Aufblick zu der Bewahrung (V. 31-38)<\/p>\n<p>V. 31f: \u201eDie \u00c4ltesten von Ephesus sollten durch die Schilderung der kommenden Gefahren nicht etwa mutlos und verzagt, sondern \u201awachsam\u2018 werden (\u201aDarum seid wach\u2018):<br \/>\n* Der Ausblick auf gro\u00dfe Schwierigkeiten kann leicht entmutigen. Niemals aber d\u00fcrfen wir dem Volk Israel gleichen, welches durch die Kundschafter den Ernst der Lage erfuhr und allen Mut verlor (4Mose 13,27-14,3). Wohl aber soll eine von Gottes Wort uns angek\u00fcndigte Gefahr uns vor falscher Sicherheit und sorgloser Schl\u00e4frigkeit bewahren. Weil der Feind sich aufmachen wird, deshalb gilt es mit Eifer zu wachen und zu beten, dass seine Pl\u00e4ne zuschanden werden, wie bei Nehemias Mauerbau alle Anschl\u00e4ge der Gegner an der Wachsamkeit Nehemias scheiterten.<br \/>\n* Wie kann man denn recht wachsam und wacker sein? Unser Text gibt uns ein Hilfsmittel zur Wachsamkeit an: \u201aDenkt daran, dass ich nicht abgelassen &#8230;\u2018. Flei\u00dfiges Gedenken an die treue Arbeit gesegneter Gottesm\u00e4nner kann uns aufmuntern und wacker machen. Es gibt allerlei zerstreuendes Denken, welches schw\u00e4cht. Aber solches Gedenken st\u00e4rkt. Lasst uns recht denken an die Arbeit, welche Gott in unseren Gegenden durch bew\u00e4hrte Zeugen treiben lie\u00df. Lasst uns ihr Bild oft vor uns stellen und dadurch angespornt werden. Vor allen Dingen lasst uns an den Einen gedenken, der drei Jahre als \u201aKnecht des Herrn\u2018 (Jes 42,19) auf dieser Erde wirkte und \u201anicht ablie\u00df, Tag und Nacht\u2018 f\u00fcr unser Heil gesch\u00e4ftig zu sein. Lasst uns diesen immer wieder vor unsere Seele stellen. So werden wir wacker.<br \/>\n* Wenn die \u00c4ltesten das Auftreten jener \u201agreulichen W\u00f6lfe\u2018 mit der selbstlosen Arbeit des Paulus verglichen, so war ihnen bald klar, welches die rechte und welches die falsche Arbeit war. Wollen wir Pr\u00fcfgeist bekommen, so gilt es sich immer wieder in das Leben und die Arbeit solcher M\u00e4nner zu versenken, die Gott als wahre F\u00fchrer uns gesetzt und beglaubigt hat.<br \/>\nEs liegt ein dreifacher Trost beim Scheiden des Apostels in diesem Abschiedswort, in dem er die \u00c4ltesten Gott anbefiehlt:<br \/>\n* Wenn er auch weggeht, so bleibt doch der himmlische F\u00fchrer, in dessen Hand er nun alle \u00fcbergibt (\u201aIch befehle euch Gott\u2018). Das ist ein Trost f\u00fcr den Scheidenden und f\u00fcr die Zur\u00fcckbleibenden. Menschen gehen und Menschenarbeit h\u00f6rt auf. Gott bleibt und seine Arbeit geht weiter. Gottes Werkzeuge m\u00f6gen wohl fortgehen, aber das, was Gott durch sie gegeben hat, n\u00e4mlich &#8222;Das Wort seiner Gnade&#8220;, bleibt als unversiegbare Kraftquelle zur\u00fcck. Bei allen drohenden Gefahren, die entmutigen k\u00f6nnten, bei aller Schwachheit der \u201a\u00c4ltesten\u2018, schaut der Glaube auf den, \u201ader da m\u00e4chtig ist, zu erbauen\u2018.<br \/>\n* Ihre Wege gehen jetzt auseinander und doch gehen sie einem gemeinsamen Ziel entgegen. Es ist \u201adas Erbe\u2018, auf das er sie hinweist. Wenn Scheidende diesem Ziel gemeinsam entgegen wandern, so bleiben sie vereinigt (Ps 122,3; Offb 7,9; 1Petr 1,4).<br \/>\n* Sie bleiben auch in einer bestimmten Gemeinschaft verbunden. Welches ist diese Gemeinschaft? Ist es eine \u00e4u\u00dfere Organisation, die durch menschliche Statuten und Paragraphen vereinigt ist? Nein, eine viel h\u00f6here Verbindung umschlie\u00dft sie. Es gibt eine Schar solcher dem Herrn geweihter Seelen, \u201adie geheiligt sind\u2018 (w\u00f6rtlich). Keine Blutsverwandtschaft und keine Interessenverbindung vereinigt so fest wie das Band das &#8222;unter allen, die geheiligt werden&#8220;, besteht (Mt 12,48-50)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 305-307).<\/p>\n<p>V. 33-35: \u201eIndem Paulus w\u00e4hrend seiner Missionsarbeit nie nach Bereicherung schielte, vermied er eine gro\u00dfe Gefahr, welche die Schrift uns unter allen drei Gleichnissen zeigt:<br \/>\n* Er vermied einen \u201aFallstrick\u2018 (1Tim 6,9; w\u00f6rtl.). J\u00e4ger legen f\u00fcr das Wild Netze und Fallstricke mit Lockspeise. Viele lassen sich bet\u00f6ren und geraten in die Gefahr. Indem Paulus nie nach dem Besitz seiner Zuh\u00f6rer trachtete, umging er diese gef\u00e4hrliche Falle und wurde bewahrt.<br \/>\n* Der Reichtum legt denen, die nach ihm jagen, Sklavenketten an. Er macht die Menschen zu seinen Dienern (Mt 6,24). W\u00e4hrend sie den Reichtum zu haben glauben, hat der Reichtum der Welt sie. Paulus wehrte sich nicht, als man ihn bei seiner Gefangennahme in Ketten legte (21,33); aber niemals lie\u00df er sich von Mammonsfesseln binden.<br \/>\n* Der Reichtum ist auch ein Betr\u00fcger (Mt 13,22). Er stellt allerlei Befriedigung und Gl\u00fcck in Aussicht und h\u00e4lt sein Versprechen nicht. Er betr\u00fcgt seine Opfer, die ihm Vertrauen und Liebe entgegenbringen, wie der \u00e4rgste Schwindler. Wie wurden Achan (Jos 7,21), Gehasi (2K\u00f6n 5,19), Judas (Mt 27,5) und viele andere von ihm betrogen! Paulus lie\u00df sich mit seinem g\u00f6ttlich erleuchteten Auge nicht in den Betrug des Reichtums hineinziehen.<br \/>\nWir haben Mitleid mit einem Tier, das in einen Fallstrick ger\u00e4t, mit einem Sklaven, der in Ketten gef\u00fchrt wird, und mit einem Menschen, der einem Schwindler zum Opfer f\u00e4llt. Sollten wir nicht vielmehr mit unserer eigenen Seele Mitleid haben und die Gefahren des Reichtums vermeiden, wie Paulus tat (Pred 5,9; 1Tim 6,6-10)!<br \/>\nEs gibt Menschen, die f\u00fcr die Arbeit eines Gottesknechtes wenig Interesse haben, wohl aber f\u00fcr die Frage: Wovon lebt er? Welche Einnahmen bezieht er? Wer bei Paulus so fragt, kann in unserem Text eine Antwort erhalten. Es ist eine besch\u00e4mende Antwort. Dreierlei wird uns hier \u00fcber Paulus Einnahmen mitgeteilt:<br \/>\n* Woher stammten die Eink\u00fcnfte von Paulus? Paulus bezog sein Geld weder von gutbemittelten Freunden, noch von den Heimatgemeinden Jerusalem oder Antiochien, sondern durch seine pers\u00f6nliche Arbeit als Zeltmacher (Luther: &#8222;Teppichweber&#8220;; 18,3). Er konnte auf seine Glieder zeigen und sagen: \u201aDiese meine H\u00e4nde haben mir gedient\u2018. Paulus war also nicht arbeitsscheu. Er h\u00e4tte Gr\u00fcnde genug angeben k\u00f6nnen, wenn er diese M\u00fche h\u00e4tte vermeiden wollen. Aber er schaffte mit seinen H\u00e4nden, um niemand beschwerlich zu werden (1Thess 2,9) und um dem Evangelium kein Hindernis zu bereiten (1Kor 9,12). Der Botschafter des himmlischen K\u00f6nigs sch\u00e4mte sich der Arbeitssch\u00fcrze nicht! Es sollte niemand auf \u00e4u\u00dfere Arbeit ver\u00e4chtlich herabsehen. Sie entw\u00fcrdigt den gr\u00f6\u00dften Gottesmann nicht. Ein echter Knecht Christi im Arbeitskittel ist vor Gott mehr als ein Mietling in herrlicher Amtstracht (1Kor 4,12; 2Thess 3,8-10; 1Kor 9,14f).<br \/>\n* Wie verwandte Paulus seine Eink\u00fcnfte? Nicht zu einem bequemen oder \u00fcppigen Leben, nicht zum Ansammeln eines Reichtums verwandte Paulus seine Einnahmen. Er brauchte sie nur zu seiner Notdurft. Dieser Ausdruck deutet darauf hin, dass er ein einfaches Leben f\u00fchrte. Er war kein Nabal, der sich \u201aein Mahl zurichtete wie eines K\u00f6nigs Mahl\u2018 (1Sam 25,36). Er kleidete sich nicht wie der reiche Mann \u201ain Purpur und k\u00f6stliche Leinwand\u2018 (Lk 16,19). Was zur Nahrung und Kleidung not war (1Tim 6,8), auch solche B\u00fccher, die f\u00fcr seinen Dienst n\u00fctzlich waren (2Tim 4,13), beschaffte er sich. Aber auf viele Dinge, die nicht zur Notdurft geh\u00f6rten, verzichtete er gern. Auch wir wollen noch besser lernen, die Einnahmen \u201azu unserer Notdurft\u2018 zu verwenden und alle \u00dcppigkeit zu vermeiden. F\u00fcr einen Zweck aber hatte Paulus Geld \u00fcbrig: Er \u00fcbte Gastfreundschaft. Es weilten bei ihm oft k\u00fcrzere oder l\u00e4ngere Zeit Gehilfen am Evangelium. Mit ihnen teilte er gern sein einfaches Mahl, wie der Ausdruck \u201aund derer, die mit mir gewesen sind\u2018 uns zeigt. Paulus war also nicht geizig. Er herbergte gern (R\u00f6m 12,13). So wollen auch wir f\u00fcr uns selbst einfach leben, aber stets bereit sein, Liebe zu \u00fcben und gastfrei zu sein gegen die Br\u00fcder (Jes 16,4; Hebr 13,1f; Spr 10,16; 17,1; 1Petr 4,9; 2K\u00f6n 4,10; Hiob 31,32; Mt 25,35; Apg 28,14).<br \/>\n* Es hat immer wieder Leute gegeben, die keinem Menschen Einblick gew\u00e4hren wollten in ihre pers\u00f6nlichen Einnahmen und Ausgaben. Dadurch entstand oft allerlei Misstrauen. Bei Paulus war dies anders. Bei ihm lag kein geheimnisvolles Dunkel \u00fcber dieser Frage. Den \u00c4ltesten war genau bekannt, wie Paulus das selbstverdiente Geld zu seinem Unterhalt verwandte (\u201aDenn ihr wisst selbst\u2018). Lasst uns in Geldsachen so wandeln, dass \u00e4ltere, erfahrene Christen jederzeit in unsere Einnahmen und Ausgaben Einblick erhalten d\u00fcrfen, weil dieselben einwandfrei sind (Spr 16,8; 15,16).<br \/>\nDies k\u00f6stliche Heilandswort kann vielen Christen \u00fcber einen schwierigen Punkt hinweghelfen. Die heikle Stelle ist bei vielen das Geben. Unser nat\u00fcrlicher Sinn ist vielmehr auf das Nehmen gerichtet. Nehmen wollte der verlorene Sohn das ihm zustehende Teil der G\u00fcter (Lk 15,12). Nehmen wollte Gehasi, als er die Silberzentner Naemans sah (2K\u00f6n 5,19-21). Die Menschen gleichen alle von Natur den hungrigen Einwohnern Samarias nach dem Verschwinden des syrischen Belagerungsheeres: Alle str\u00f6mten zu den Toren hinaus, um zu nehmen (2K\u00f6n 7,15-17). Ganz anders sieht es mit dem Geben aus. Als die Leute von Sukkoth dem verfolgenden Gideon \u201aetliche Brote\u2018 geben sollten, war ihre Vaterlandsliebe bald zu Ende. Sie hatten Bedenken und Ausfl\u00fcchte (Ri 8,4-9). Das Geben fiel ihnen offenbar schwer. Solche Gesinnung findet man nicht nur in Sukkoth. Sie steckt tief in unserem nat\u00fcrlichen Herzen. Als der reiche Nabal bei seiner Schafschur David eine Gabe geben sollte, glaubte er alles f\u00fcr seine eigenen Knechte n\u00f6tig zu haben (1Sam 25,11). Solcher Nabalsinn ist in unserer Brust (Mt 19,21; 1Mose 31,41; Apg 5,1ff; 1Tim 6,10). Nun aber kommt Jesus und \u00e4ndert unsern Sinn. Bei wahrer Sinnes\u00e4nderung kommt ein ganz anderes Nehmen an die Stelle des alten. Man nimmt jetzt \u201aGnade um Gnade\u2018 (Joh 1,16). Man nimmt aus Gottes Wort und aus der Gemeinschaft mit J\u00fcngern Jesu innere Kraft und himmlisches Licht. Dieses neue Nehmen verdr\u00e4ngt das alte. Es wird uns zum Bed\u00fcrfnis und zur Freude, geben zu d\u00fcrfen. Rechte Christen sind immer gebende und darum auch immer selige Leute. Auch wenn sie mit Petrus sprechen: \u201aSilber und Gold habe ich nicht\u2018 (3,6), so geh\u00f6ren sie doch zu den \u201aArmen, die viele reich machen\u2018 (2Kor 6,10).<br \/>\nPastor Engels hatte den Grundsatz: \u201aIch will keinen Tag vor\u00fcbergehen lassen, wo ich nicht jemand eine Freude mache\u2018. Auf seinem Antlitz las man die Best\u00e4tigung des Wortes: \u201aGeben ist seliger denn Nehmen\u2018. (5Mose 15,11; Jes 58,7; Joh 12,3-8; Hebr 13,5+16)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 309-312).<\/p>\n<p>V. 36-38:\u201e Welch ein k\u00f6stlich Ding ist es um eine rechte Gebetsvereinigung! Hier ist eine solche. Wir freuen uns an den Teilnehmern, der Form und der Zeit dieser Gebetsvereinigung:<br \/>\n* Die Teilnehmer sind Paulus und die \u00c4ltesten von Ephesus (\u201aEr betete mit ihnen allen\u2018). Wo Gottes Arbeiter und Jesu Knechte zusammenkommen, da ist es ganz nat\u00fcrlich, dass sie miteinander das Angesicht Gottes suchen und vor dem Gnadenthron sich vereinigen. Wo dies als unnat\u00fcrlich oder \u00fcberspannt empfunden wird, da ist man nicht in Pauli Linien. Den Segen des gemeinsamen Gebetes soll sich kein Gl\u00e4ubiger, vornehmlich die Arbeiter im g\u00f6ttlichen Weinberg nicht, rauben lassen.<br \/>\n* Die \u00e4u\u00dfere Form war die des knienden Gebetes. Das Knien bedeutet dem\u00fctige Unterwerfung. Sklaven fielen vor ihrem Herrn, Untertanen vor ihrem K\u00f6nig nieder (1Mose 42,6 ; 43,26+28; 44,14; 50,18). Auch uns geziemt Gott gegen\u00fcber allezeit aufrichtige Beugung und Unterordnung. Wer die Gesinnung Abrahams (1Mose 18,27) und des Z\u00f6llners (Lk 18,13) hat, der beugt die \u201aKnie seines Herzens\u2018. Dies ist die Hauptsache. Wo die Herzensknie durch rechte S\u00fcndenerkenntnis gebeugt sind, da pflegt das \u00e4u\u00dfere Niederknien keine Schwierigkeit zu machen. Doch wollen wir aus der \u00e4u\u00dferen Form niemals ein Gesetz machen.<br \/>\n* Zeitpunkt und Anlass dieses Gebetes waren zun\u00e4chst der Schluss der Rede von Paulus (\u201aals er solches gesagt hatte\u2018). Nachdem er die \u00c4ltesten ermahnt, betete er noch mit ihnen. Wie manche Ermahnung w\u00fcrde vielleicht noch tiefer eindringen und unvergesslicher bleiben, wenn der Ermahnende auch mit dem Ermahnten noch beten w\u00fcrde (Joh 17). Endlich stand Paulus jetzt unmittelbar vor einem ernsten Abschied. In diesem feierlichen Augenblick beugte er die Knie und betete mit allen. So wollen auch wir gerade die besonders wichtigen und bedeutsamen Stunden unseres Lebens durch Gebet heiligen.<br \/>\nDie hier geschilderte Abschiedsszene l\u00e4sst uns einen Blick tun in die Liebe jener \u00c4ltesten zu Paulus und ihre Anh\u00e4nglichkeit an ihn. Aus zwei Gr\u00fcnden ist uns diese Liebe besonders beachtenswert:<br \/>\n* Paulus hatte es nie darauf abgelegt, Anh\u00e4nglichkeit an seine Person zu erzielen. Er geh\u00f6rte nicht zu den M\u00e4nnern, welche \u201adie J\u00fcnger an sich ziehen\u2018 wollten (V. 30). Er eiferte nicht, wie die galatischen Irrlehrer um die Seelen, damit diese wieder um ihn eifern sollten (Gal 4,17). Sein Trachten ging darauf, dass sie an Christus hingen (2Kor 11,2). Und dieser Mann darf die Liebe und Anh\u00e4nglichkeit, nach der er niemals getrachtet hat, in besonders reicher Weise erfahren. Er kam also bei seiner lauteren, selbstlosen Arbeitsweise nicht zu kurz. Gott schenkte ihm die Liebe und Zuneigung seiner geistlichen Kinder aufs herrlichste. Daraus sehen wir: Gerade die selbstlosen und uneigenn\u00fctzigen Arbeiter im Reich Gottes, welche die Seelen von sich weg auf Jesus weisen, d\u00fcrfen die tiefste und bleibende Liebe bei andern ernten. Wer es in Unlauterkeit darauf ablegt, Anh\u00e4nglichkeit an sich selbst zu erzielen, mag wohl eine Zeitlang Erfolg haben, aber nicht dauernd, denn Gott wendet die Herzen seiner Kinder dem zu, der nur seine g\u00f6ttliche Ehre sucht und seine g\u00f6ttlichen Ziele verfolgt (Jes 42,8; 48,11).<br \/>\n* Aber auch im Blick auf die \u00c4ltesten ist uns diese innige Liebe wichtig. H\u00e4tten jene \u00c4ltesten ihr eigenes Ansehen und ihre eigene Ehre im Auge gehabt, so w\u00e4ren sie sicherlich nicht so tief betr\u00fcbt \u00fcber den Abschied des Apostels gewesen. Denn solange dieser in Ephesus (wenn auch nur hin und wieder) pers\u00f6nlich mitarbeitete und die von ihm gegr\u00fcndete Gemeinde leitete, traten sie vielmehr in den Hintergrund. Die Bedeutung des Apostels war so gro\u00df und sein Ansehen so m\u00e4chtig, dass alle anderen gegen ihn zur\u00fccktraten. W\u00e4ren diese M\u00e4nner stolze Leute gewesen, so w\u00fcrden sie die Abreise des Apostels nicht beweint, sondern im Stillen ersehnt haben, weil sie von jetzt an eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle spielten und ihr Wort nun ma\u00dfgebend war. Ihre Tr\u00e4nen beweisen, dass sie nicht in die Art der Mirjam geraten waren, die auf Moses Ansehen neidisch wurde und es schmerzlich empfand, dass ganz Israel immer auf Moses Wort und nicht auf das ihrige h\u00f6rte (4Mose 12,1f)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 314-317).<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>\u201eDie Rede von Paulus in Milet ist nicht nur geeignet, uns zur Treue anzuspornen, sondern auch vor Einseitigkeit zu bewahren. Der Anblick von drei scheinbaren Gegens\u00e4tzen wird uns dies zeigen:<br \/>\n* Paulus sieht dunkel und doch hell in die Zukunft! Zun\u00e4chst ist es lehrreich, zu beobachten, wie Paulus einerseits so dunkel und schwarz, andererseits so licht und hell in die Zukunft hineinblickt. Dunkel sieht er in die kommende Zeit. F\u00fcr sich selbst erwartet er \u201aBande und Tr\u00fcbsal in Jerusalem\u2018 (V. 23). F\u00fcr die Gemeinde sieht er ebenfalls allerlei N\u00f6te und Schwierigkeiten voraus. \u201aGreuliche W\u00f6lfe\u2018, \u201afalsche Lehren\u2018 sieht er kommen (V. 29f). Er schaut die Verirrungen, in die f\u00fchrende, gl\u00e4ubige M\u00e4nner hineingeraten werden, klar voraus. Er wei\u00df, dass Zertrennungen entstehen werden, indem mancher ein Parteihaupt sein und die J\u00fcnger an sich ziehen will, statt sie zum Herrn zu weisen. Welch ein tr\u00fcbes Zukunftsbild! Man k\u00f6nnte den Apostel fast einen Schwarzseher nennen. Und doch gibt es keinen, der so hell, freudig und getrost in die Zukunft hineinblickt wie dieser \u201aSchwarzseher\u2018 Paulus. Wie fr\u00f6hlich blickt er auf den vor ihm liegenden Leidensweg, als ob es zu einer Hochzeitsfreude ginge. \u201aMit Freuden\u2018 will er \u201aseinen Lauf vollenden\u2018 (V. 24). Er schaut weit hinaus bis zu dem Erbteil, das einst alle Geheiligten empfangen (V. 32). Wie sind doch wahre Gotteskinder vor der Welt gar sonderbare Leute! Auf der einen Seite sind sie so ernst und schauen schwere Wetterwolken, von denen andere in ihrer Leichtfertigkeit nichts wissen wollen. Auf der anderen Seite sind sie die getrostesten, fr\u00f6hlichsten Leute der Erde. \u201aSie stehen im Leiden und bleiben in Freuden\u2018. Sie sind traurig, aber allezeit fr\u00f6hlich (2Kor 6,10). Wohl allen, die den dunklen und hellen Zukunftsblick recht zu verbinden wissen wie Paulus.<br \/>\n* Paulus ist vielseitig und doch einseitig in seiner Wortverk\u00fcndigung! Im R\u00fcckblick auf seine Wortverk\u00fcndigung darf Paulus auf der einen Seite auf eine gro\u00dfe Mannigfaltigkeit und Vielseitigkeit in seiner Darbietung des Wortes hinweisen (\u201aIch habe nichts verhalten, das da n\u00fctzlich ist\u2018, V. 20; \u201aIch habe euch nichts verhalten, dass ich nicht verk\u00fcndigt h\u00e4tte all den Rat Gottes\u2018, V. 27). Wie vielseitig muss Pauli Predigt nach all diesen Ausdr\u00fccken gewesen sein! Er war kein Steckenpferdreiter. Er brachte nicht immer dieselben Gedankeng\u00e4nge. Er bewegte sich nicht in jeder Ansprache in demselben Kreis, sondern zeigte der Gemeinde den ganzen Heilsrat Gottes nach allen Seiten recht. Und doch war dieser vielseitigste Prediger aller Zeiten auch der einseitigste, denn er fasst allen Inhalt seiner Verk\u00fcndigung in dem Wort zusammen: \u201aIch habe Bu\u00dfe zu Gott und Glauben an unsern Herrn Jesus bezeugt\u2018 (V. 20). Seine ganze Aufgabe erkennt er darin, das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen (V. 24). Hier ist ein Spiegel f\u00fcr alle, die Gottes Wort zu verk\u00fcndigen haben: Lasst uns nach Pauli Vielseitigkeit, aber auch nach seiner Einseitigkeit trachten und beides recht zu vereinigen suchen (2Tim 2,15; Ps 119,14).<br \/>\n* Paulus macht die Zukunft ganz von Gottes Macht und Wirken und doch von menschlicher Arbeit und Treue abh\u00e4ngig! Im Blick auf die Zukunft und den Fortgang des g\u00f6ttlichen Werkes in Ephesus setzt Paulus sein ganzes Vertrauen auf den Herrn und erwartet alles von ihm, nicht von Menschen. Er \u00fcbergibt die Vertreter der Gemeinde \u201aGott und dem Wort seiner Gnade\u2018 (V. 32). Er wei\u00df, dass der Herr allein \u201am\u00e4chtig ist, zu erbauen\u2018 (V. 32). Offenbar war Paulus von dem Bewusstsein durchdrungen, dass der Herr selbst alles machen m\u00fcsse, damit seine Gemeinde in dieser Stadt wachse und zunehme (R\u00f6m 9,16). Und doch sehen wir denselben Apostel Tag und Nacht wirken, als ob alles nur von seiner Arbeit und Treue abhinge. Wir h\u00f6ren ihn, wie er die \u00c4ltesten zu gleichem Eifer ermutigt. Ist das nicht ein Widerspruch? Wie vereinigt sich beides? Ein Beispiel aus Hiskias Leben kann uns diesen scheinbaren Gegensatz erkl\u00e4ren: Dieser fromme K\u00f6nig arbeitete einst eifrig mit den Priestern des Tempels an der Wiederherstellung des rechten Gottesdienstes in Jerusalem. Als nach treuer Arbeit und emsigem Schaffen das Werk gl\u00fccklich vollendet war, \u201afreute sich Hiskia samt allem Volk an dem, das Gott dem Volk bereitet hatte\u2018 (2Chr 29,36). Obwohl Hiskia eifrig gewirkt hatte, schrieb er doch das vollendete Werk nicht sich selbst und der treuen Menschenarbeit zu, sondern sah es als eine Gabe des Herrn an. Die Stellung Hiskias ist auch Pauli Stellung. Lasst uns beides verbinden. Lasst uns flei\u00dfig schaffen an der uns von Gott befohlenen Aufgabe. Aber niemals lasst uns im Blick auf geleistete oder zu leistende Arbeit sagen: Ich bin es, der es schafft (5Mose 8,17). Aus dem rechten Glauben flie\u00dft die Treue, welche eifrig wirkt, und die Demut, die Gott allein alles zuschreibt\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 312-314).<\/p>\n<p>Da der Predigttext etwas \u201el\u00e4nger\u201c ist, empfiehlt es sich, eine auf Anhieb verst\u00e4ndliche und eing\u00e4ngige \u00dcbersetzung zu w\u00e4hlen, wie z.B. die \u201eNeue Genfer \u00dcbersetzung\u201c (http:\/\/www.ngue.info\/online\/lesen).<\/p>\n<p>4. PREDIGTVERANSCHAULICHUNG<\/p>\n<p>\u201eZum Schluss [oder zum Anfang] noch die Geschichte der Wildesel, die immer wieder durch ein Rudel W\u00f6lfe angefallen wurde. Eines Tages taten sie etwas Ungew\u00f6hnliches. Sie steckten die K\u00f6pfe zusammen, um zu beratschlagen, was zu tun w\u00e4re. Gerade da kamen die W\u00f6lfe. Die Esel hatten keine Zeit zur Flucht. Es blieb ihnen nur noch \u00fcbrig, fester zusammen zu r\u00fccken und nach hinten auszutreten. Das zeigt Wirkung und sie vertrieben die W\u00f6lfe (von Gunter Kiene \u2013 \u201aLehre und Lebe\u2018 \u2013 BSK \u2013 April 2008)\u201c.<\/p>\n<p>5. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Wir bleiben auf Kurs, wenn wir wissen,<br \/>\na) weshalb wir beauftragt sind (V. 17-21)<br \/>\nb) wozu wir berufen sind (V. 22-28)<br \/>\nc) wodurch wir bedroht sind (V. 29+30)<br \/>\nd) womit wir bewahrt sind (V. 31-38)<\/p>\n<p>oder nach Wilhelm Wagner: Wache Gemeinde<br \/>\na) steht in der Verantwortung<br \/>\nb) praktiziert die Zuwendung<br \/>\nc) braucht die Ermutigung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen ZeitenPredigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; im Dienst Bibelstelle: Apostelgeschichte 20, 17-38 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-apostelgeschichte"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-19 03:56:10","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1716\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}