{"id":1715,"date":"2010-06-22T15:00:09","date_gmt":"2010-06-22T13:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=536"},"modified":"2010-06-22T15:00:09","modified_gmt":"2010-06-22T13:00:09","slug":"predigthilfe-vom-11-7-2010-apostelgeschichte-20-1-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-11-7-2010-apostelgeschichte-20-1-16\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 11.7.2010 &#8211; Apostelgeschichte 20, 1-16"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen Zeiten<br \/>Predigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; im Alltag<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Apostelgeschichte 20, 1-16<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Unser Predigttext (Apg 20,1-16) steht im Zusammenhang der dritten Missionsreise. Mit Apg 19,21 hat nun der letzte gro\u00dfe Hauptabschnitt der Apg begonnen (vgl. PT vom 20.06.2010 zu Apg 19,1-20). Paulus ist auf dem Weg nach Rom \u00fcber Jerusalem (Apg 19,21). Die Erkenntnis zu dieser Reise f\u00e4llt in einer Zeit die gepr\u00e4gt ist von einer kompromisslosen Aufnahme (Apg 19,18-20) und radikalen Ablehnung (Apg 19,23-40) des Evangeliums. Nachdem sich die Situation f\u00fcr die Gemeinde in Ephesus stabilisiert hat und Paulus gerade in diesen turbulenten Zeiten der Gemeinde Gottes zur Seite steht, bricht er nun auf, um seine \u201eMission\u201c weiter zu verfolgen. Der Predigttext er\u00f6ffnet nun nach sehr turbulenten Zeiten Einblicke in den ganz allt\u00e4glichen und normalen Dienst, der aber auch \u00dcberraschungen und Herausforderungen bereit h\u00e4lt (= Predigtthema: Auf Kurs bleiben \u2013 im Alltag). In der Predigt wollen wir aufzeigen, wie wir unserem Auftrag auch im Alltag treu bleiben k\u00f6nnen und ihn mit des Herrn Hilfe meistern und bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.<br \/>\n* Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus, 1980. S. 362-368.<br \/>\n* Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil. Edition C-Bibelkommentar Bd. 9. Neuhausen: H\u00e4nssler, 1990. S. 215 -230.<br \/>\n* Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. Herausgegeben von Arno Pagel. 7. Aufl. Lahr: VLM, 1996. S. 277-288 (nachfolgend in Ausz\u00fcgen).<\/p>\n<p>A) Auf Kurs bleiben durch \u201enachdenken\u201c: Das Ziel im Blick behalten (V. 1-6)<\/p>\n<p>V. 1: \u201eDieser Vers weist uns auf etwas hin, das aufh\u00f6rt und auf etwas, das nicht aufh\u00f6rt:<br \/>\n* Wie wohltuend klingen die Worte: \u201aDa nun die Emp\u00f6rung aufgeh\u00f6rt hatte\u2018. Wie mag Paulus und mancher Christ aufgeatmet haben, als dieser h\u00f6llische Orkan sich ausgetobt hatte, als nicht mehr wilder L\u00e4rm die Stra\u00dfen von Ephesus erf\u00fcllte, sondern alles wieder im ruhigen Geleis weiterging. Auch die furchtbarsten Schreckenszeiten gehen vor\u00fcber. Je m\u00e4chtiger sie auftreten, desto k\u00fcrzer dauern sie oft. So wird es bleiben [\u2026].<br \/>\n* Aber auch etwas anderes h\u00f6rte auf: Paulus ruft die J\u00fcnger zum Abschied zusammen. Damit erreicht die dreij\u00e4hrige (V. 31) Wirksamkeit des Apostels in Ephesus ihr Ende. Seine T\u00e4tigkeit in dieser Stadt h\u00f6rte auf. Man konnte ihn nicht mehr t\u00e4glich in der Tyrannusschule h\u00f6ren wie bisher. Nicht nur Schreckenszeiten, sondern auch besondere Segenszeiten nehmen ein Ende. Gewiss gab es in Ephesus auch nach der Abreise des Paulus noch Segen. Aber sicherlich waren die drei Jahre, die der Apostel hier zubrachte, eine einzigartige Zeit der Gnadenheimsuchung f\u00fcr die Einwohner dieser Stadt. Und diese h\u00f6rte nun auf. Dies mag uns anspornen, alle besonderen Segenszeiten, die Gott uns gibt, treulich auszukaufen. Auch sie werden aufh\u00f6ren.<br \/>\n* Aber eins h\u00f6rte nicht auf: Die Art des Abschieds zeigt uns ein Liebesband, welches Paulus mit den Gotteskindern in Ephesus verband. Segnend scheidet er aus dem J\u00fcngerkreis. Diese \u201aLiebe vergeht nie\u2018 (1Kor 13,8)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 277f).<\/p>\n<p>V. 2: \u201eEine gewaltige Arbeit des Paulus zieht in diesem Vers an unseren Augen vor\u00fcber. Der Apostel geht von Kleinasien \u00fcber Mazedonien nach Griechenland. Zu den Anstrengungen der Reise kommt eine besonders reichliche Wortverk\u00fcndigung hinzu [\u2026].Lasst uns beim Anblick dieser gro\u00dfen Missionst\u00e4tigkeit beachten, wie dreierlei bei Paulus nie aufh\u00f6rte:<br \/>\n* Nie versagte sein Arbeitseifer: Eben kam er aus dem Schrecken des Aufruhrs in Ephesus (19,23-40). Diese furchtbaren K\u00e4mpfe h\u00e4tten ihm &#8211; menschlich gesprochen &#8211; den Mut l\u00e4hmen und die Arbeitsfreudigkeit schw\u00e4chen k\u00f6nnen. Aber dies war durchaus nicht der Fall. Mit frischer Kraft und unerm\u00fcdlichem Eifer arbeitete er in anderen L\u00e4ndern weiter, als ob nichts geschehen w\u00e4re. Gott kann machen, dass seinen Knechten der Mut und die Freudigkeit trotz aufreibendster Arbeit und schwerster Erfahrung nicht aufh\u00f6ren (Jes 40,29f; Ps 18,33f; 2Kor 4,1).<br \/>\n* Auch an Inhalt und Stoff zur Wortverk\u00fcndigung fehlte es ihm nie: Welch eine Menge von Versammlungen, Beratungen und seelsorgerlichen Unterredungen mag wohl der Ausdruck \u201aL\u00e4nder durchwandern und mit vielen Worten ermahnen\u2018 in sich schlie\u00dfen. Und doch ging ihm der innere Vorrat nie aus. Lasst uns daraus den Schluss ziehen, dass die Quelle, aus der Paulus t\u00e4glich sch\u00f6pfte, unversiegbar, tief und reich ist. Wer an seiner Quelle lebt und bleibt, der verarmt nicht und sinkt nicht zum geistlichen Schw\u00e4tzer herab, auch wenn er stets ausgeben muss.<br \/>\n* Auch die offenen T\u00fcren und Arbeitsgelegenheiten gingen Paulus nie aus: Sein Dienst wurde stets begehrt. Die Bed\u00fcrfnisse der Christengemeinden machten seine Gnadengaben n\u00f6tig. Von Gott berufene Zeugen werden nicht leicht \u00fcber Arbeitslosigkeit klagen (Offb 3,7f)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 278).<\/p>\n<p>V. 3: \u201eDurch die Nachricht von einem feindlichen Anschlag der Juden wurde Paulus bewogen, seine Reise &#8211; statt wie beabsichtigt zur See &#8211; auf dem Landweg fortzusetzen. Diese \u00c4nderung seines Reiseplanes beweist uns die Vorsicht, Besonnenheit und N\u00fcchternheit des Apostels. Er verwechselte niemals waghalsige Tollk\u00fchnheit mit echtem Glaubensmut und wahrem Gottvertrauen. Wie t\u00f6richt w\u00e4re es gewesen, wenn jemand in der Lage des Paulus den gef\u00e4hrlichen Weg beibehalten und dies wom\u00f6glich noch f\u00fcr besonders starken Glauben gehalten h\u00e4tte. Ein solcher h\u00e4tte sicher nicht den Apostel an Glauben \u00fcbertroffen, vielmehr einen gro\u00dfen Mangel an biblischer Klarheit und Besonnenheit offenbart. Paulus war gewiss kein Feigling (19,30a). Ihm fehlte nicht der Glaubensmut. H\u00e4tte er eine g\u00f6ttliche Weisung gehabt, so w\u00e4re er ohne Z\u00f6gern trotz aller Gefahren sofort den Weg gegangen, auf dem die Juden ihm nachstellten. Aber ohne solche w\u00e4re dies ein Leichtsinn und eine frevelhafte Gottversuchung, gleichsam \u201aein Sprung von des Tempels Zinne\u2018 gewesen, wie selbst Jesus ihn trotz aller biblischen Begr\u00fcndung nicht machen wollte (Mt 4,6). Paulus verlie\u00df sich nicht auf besonderen g\u00f6ttlichen Schutz, wo die von Gott verliehene Vernunft einen Weg zur Vermeidung der Gefahr an die Hand gab. Lasst uns seiner N\u00fcchternheit folgen (Spr 22,3; 14,15 &#8211; 18; 2Tim 4,5). Es sei erlaubt, den hier erw\u00e4hnten Vorgang auch als Bild und Gleichnis anzusehen. Paulus verl\u00e4sst hier einen Weg, den er als gef\u00e4hrlich und verderbenbringend erkennt. Sobald er merkt, dass sein Bleiben auf diesem Pfad Unheil nach sich zieht, kehrt er um, schl\u00e4gt eine ganz neue Richtung ein und begibt sich auf einen v\u00f6llig anderen Weg. Die Erkenntnis der Gefahr zeitigt in dem Apostel den Entschluss der Umkehr und lie\u00df diesen Entschluss zur Tat werden. Wir m\u00f6chten manch einem in viel tieferem Sinne eine Weg\u00e4nderung w\u00fcnschen. Der sich vom gef\u00e4hrlichen Wege abwendende Paulus d\u00fcnkt uns diejenigen zu strafen, die einen Weg beibehalten, der nicht nur zeitliche, sondern ewige Gefahr in sich schlie\u00dft. Wie gro\u00df ist doch die Verantwortung derer, welche die Erkenntnis empfangen haben, wie gef\u00e4hrlich ihr Weg ist, und ihn dennoch nicht verlassen wollen (Ps 34,15; Jona 3,8; Dan 4,24)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 279f).<\/p>\n<p>V. 4-6: \u201eWie k\u00f6stlich ist es, unmittelbar nach dem Blick auf die stets regsamen Feinde des Paulus (V. 3) eine Anzahl von treuen Freunden kennenzulernen, die ihn in Liebe begleiten und ihm zur Hand gehen. Wie wohl muss dem Paulus gerade in seiner bedrohten, gef\u00e4hrlichen Lage dieser Dienst der Br\u00fcder getan haben. Auch heute noch erf\u00e4hrt der Christ den Hass und die Feindschaft der Welt. Aber Gott sorgt, dass er auch Liebe und Erquickung von den Br\u00fcdern empf\u00e4ngt. Hier hei\u00dft es: \u201aSie stellten ihm nach\u2018 (V. 3). Dort hei\u00dft es: \u201aEs zogen mit ihm\u2018. Lasst uns f\u00fcr beides dankbar sein (Ps 116,7; 23,3a). Die sieben Begleiter stammten aus den verschiedensten Gegenden und L\u00e4ndern, ja aus zwei Erdteilen. Die ersten f\u00fcnf waren Europ\u00e4er, die zwei letzten Asiaten. So scharen sich um die Arbeit von Jesus Leute aus den mannigfachsten Orten und Volksst\u00e4mmen zusammen. M\u00f6gen sonst zwischen den einzelnen V\u00f6lkern mannigfache Verschiedenheiten, ja auch Zwistigkeiten bestehen; in diesem Dienst kommen sie zusammen und ziehen vereinigt ihre Stra\u00dfe f\u00fcr die Sache Jesu (Eph 2,14; Gal 3,28; 1Kor 12,13). Freilich dauert die Begleitung durch diese Br\u00fcder nur kurze Zeit. \u201aBis gen Asien\u2018 zogen sie mit Paulus. Dann gab es wieder Trennung und Auseinandergehen. Die beste menschliche Begleitung ist vor\u00fcbergehend. Nur einer geht allezeit mit uns, von dem wir uns niemals zu trennen brauchen. Das ist der, welcher bei Paulus blieb, wenn die Br\u00fcder wieder von ihm gingen (2Tim 4,16f).<br \/>\nLasst uns auf zwei Reisebegleiter besonders achten:<br \/>\n* Der Begleiter Aristarchus: Dieser war in Ephesus durch seine Verbindung mit Paulus in gro\u00dfe Gefahr geraten. Die w\u00fctende Volksmenge hatte ihn dort mit einem anderen Christen zusammen zum Theater in die Volksversammlung geschleppt (19,29). Was m\u00f6gen die beiden dort bis zu ihrer Freilassung durchgemacht haben! War Aristarchus dadurch etwa entmutigt, noch weiterhin mit Paulus vereinigt zu bleiben? Nimmermehr! Hier sehen wir ihn bei den Begleitern des Paulus von Ephesus nach Asien. Wieder treffen wir ihn bei der Reise von Paulus nach Rom (\u201aUnd war mit uns Aristarchus aus Mazedonien, von Thessalonich\u2018 &#8211; Apg 27,2). Er sch\u00e4mt sich der Ketten des Paulus nicht. Er bleibt sein treuer Mithelfer auch in Zeiten der Not und Gefangenschaft (Philemon 24; Kol 4,10). Wie viel sind doch solch treue Aristarchusseelen wert, die sich in Tr\u00fcbsalszeiten bew\u00e4hren (Spr 18,24)! Ihr Name ist wert, bewahrt zu werden. Sie werden in der Ewigkeit gl\u00e4nzen, wenn viele Namen und Taten vergessen sind. Wohl uns, wenn wir in ihre Reihen treten!<br \/>\n* Der Gef\u00e4hrte Lukas: Aus den Worten \u201aunser\u2018 (\u201adiese harrten unser\u2018, V. 5) und \u201awir\u2018 (\u201awir aber schifften\u2018, V. 6) kann man erkennen, dass der Verfasser der Apostelgeschichte, Lukas, mit anwesend ist und zu den Begleitern des Paulus geh\u00f6rt. Wie lieblich muss auch diese Begleitung f\u00fcr Paulus gewesen sein. In Lukas hatte er einen gebildeten, treuen und bescheidenen Gef\u00e4hrten.<br \/>\na) Gebildet war er, wie schon sein \u00e4rztlicher Beruf (Kol 4,14) und der Stil der von ihm verfassten Apostelgeschichte beweisen. Wenn auch Paulus sicherlich auf die h\u00f6chste und wichtigste Bildung durch Gottes Geist sah, so waren ihm doch diese \u00e4u\u00dfere Bildung und auch die \u00e4rztlichen Kenntnisse eine nicht zu untersch\u00e4tzende Beigabe.<br \/>\nb) Treu war Lukas, weil er zu denen geh\u00f6rte, die bis in die Gefangenschaftszeit des Paulus hinein ihm unverr\u00fcckt anhingen und mit ihm verbunden blieben (Kol 4,14; 2Tim 4,10; Philemon 24).<br \/>\nc) Bescheiden war er. Nirgends stellt er in der von ihm geschriebenen Apostelgeschichte seine Person in den Vordergrund. Im Gegenteil! Wenn man nicht genau darauf achtet, so merkt man gar nicht, dass er selbst dabei ist. Wie w\u00fcrde mancher andere Schriftsteller es verstanden haben, die Blicke der Leser mehr auf seine eigene Anwesenheit zu lenken, um so etwas von dem Ruhm der Apostel mitzubekommen. Lukas aber trat ganz in den Hintergrund, damit Gottes Werk durch die Apostel allein beachtet w\u00fcrde. So schreibt die Demut, welche die beste Bildung ist. Unter allen Gef\u00e4hrten auf der Lebensreise sind die Dem\u00fctigen die allerbesten (Spr 11,2; 29,23; Jes 57,15).<br \/>\nDie Gemeinschaft jener Reisegef\u00e4hrten untereinander war nicht nur eine gro\u00dfe St\u00e4rkung und Erquickung f\u00fcr alle Teile; sie hatte auch, wie jede menschliche Gemeinschaft, eine erziehende Seite, die ein Mensch, der immer nur allein seinen Weg gehen will, entbehrt. Wir merken etwas von dieser erziehenden Bedeutung auf jener Reise:<br \/>\na) Es wurde eine Verabredung getroffen, nach der man sich an einem bestimmten Ort, in Troas, treffen wollte. An diese Verabredung war man gebunden. Man konnte nicht nach seinem Belieben unterwegs den Plan \u00e4ndern und irgendwo bleiben, wo es einem gut gefiel. Solche Freiheitseinschr\u00e4nkung passt der nat\u00fcrlichen eigenen Willk\u00fcr nicht immer.<br \/>\nb) Man muss aufeinander warten (\u201aDiese harrten unser zu Troas\u2018, V. 5). Das Schiff braucht l\u00e4nger als sonst. Auf der zweiten Missionsreise legte Paulus diese Strecke in zwei Tagen zur\u00fcck (16,11). Jetzt brauchte das Schiff wahrscheinlich wegen ung\u00fcnstiger Witterung f\u00fcnf Tage. So mussten die, welche schon in Troas angekommen waren, l\u00e4nger, als zu erwarten war, harren. Das erfordert Geduld. Das Leben in Gemeinschaft mit anderen bringt allerlei Gedulds\u00fcbungen mit sich.<br \/>\nc) In Troas selbst verbringen sie gemeinsam sieben Tage (\u201aWir hatten da unser Wesen\u2018). Wenn Leute aus so verschiedenen L\u00e4ndern mit ihren besonderen Sitten zusammenleben, so kann nicht jeder seine Eigenart und besondere Gewohnheit beibehalten, sondern muss auf die anderen R\u00fccksicht nehmen, sich nach ihnen richten und an sie gew\u00f6hnen. Das alles schleift ab. Die \u201aEllenbogenfreiheit\u2018 muss aufh\u00f6ren. Dies ist eine praktische \u00dcbung in Liebe und Sanftmut, die nicht hoch genug gesch\u00e4tzt werden kann. So bringt jede Gemeinschaft in Familie, Verein und Versammlung neben der Erquickung auch \u00dcbung und Erziehung mit sich. Wohl allen, die solche nicht \u00e4rgerlich wegwerfen, sondern in der Kraft der Liebe gern tragen (Spr 18,1)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 280-282).<\/p>\n<p>B) Auf Kurs bleiben durch \u201enachsehen\u201c: Die Gemeindeversammlung im Blick behalten (V. 7-12)<\/p>\n<p>\u201eDiese Versammlung hatte drei H\u00f6hepunkte und blieb deshalb den J\u00fcngern dieses Ortes in unausl\u00f6schlicher Erinnerung:<br \/>\n* Der erste H\u00f6hepunkt war das Mahl des Herrn. In der letzten Nacht ihres Zusammenseins scharten sie sich bei der gemeinsamen Abendmahlsfeier um das Kreuz Jesu und verk\u00fcndigten seinen Tod (1Kor 11,26). Sie vereinigten sich damit um das Lamm Gottes, das alle Christen der verschiedensten L\u00e4nder und Zeiten verbindet. Das war ein sch\u00f6ner Abschied.<br \/>\n* Der zweite H\u00f6hepunkt war \u201adas Wort des Herrn\u2018, n\u00e4mlich die Predigt des Paulus. Auffallend ist die L\u00e4nge derselben. Wie haben wir diesen Umstand zu beurteilen? Es gibt ein geistloses \u201aHinziehen der Rede\u2018, das streng zu verwerfen ist. Es gibt ein Ausdehnen von Abendversammlungen, das Leib und Seele schw\u00e4cht. Davor muss gewarnt werden. Hier aber war es anders. Hier lag ein besonderer Grund vor, n\u00e4mlich ein wichtiger Abschied (\u201aPaulus wollte des anderen Tages weiterreisen\u2018). Deshalb hatte er noch so viel auf dem Herzen und wollte diesem J\u00fcngerkreis noch alles an Ermahnung, Trost und Lehre geben, was not war. So opferte er die Ruhe der Nacht, um seine Aufgabe hier zu erf\u00fcllen. Es gibt Ausnahmef\u00e4lle, etwa in besonderen Erweckungszeiten, wo ein Benutzen der n\u00e4chtlichen Stunden f\u00fcr die Ewigkeitsarbeit durchaus gerechtfertigt ist (Joh 3,2; Apg 12,12).<br \/>\n* Einen dritten H\u00f6hepunkt erlebten die J\u00fcnger in der Kraft des Herrn, welche in der wunderbaren Aufrichtung des Eutychus zutage trat. Nie werden sie es vergessen haben, wie der furchtbare Schrecken, den der Absturz hervorrief, sich in Freude und Dankbarkeit verwandelte. Dies Ereignis konnte ihnen als Angeld dienen, dass Gott auch die weiteren N\u00f6te ihres Lebens in neue Erfahrungen seiner Treue und Durchhilfe verwandeln werde\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 283).<\/p>\n<p>V. 9: \u201eW\u00e4hrend der Rede des Paulus ereignete sich ein furchtbares Ungl\u00fcck. Ein J\u00fcngling, Eutychus, st\u00fcrzte aus dem Fenster und verlor dabei sein Leben. Lasst uns Ort und Zeit, Ursache und Folge dieses Sturzes erw\u00e4hnen:<br \/>\n* An welchem Ort geschah dieses Ungl\u00fcck? Nicht in einem beliebigen Geb\u00e4ude von Troas, sondern in dem Versammlungsraum der gl\u00e4ubigen Christengemeinde kam dies vor. Dieser Ort des Unfalls sagt uns: Auch die gesegnetsten H\u00e4user und Pl\u00e4tze k\u00f6nnen schweren Heimsuchungen ausgesetzt werden. Wenn in der Stadt Troas irgendein Ort unter g\u00f6ttlicher Vorsehung stand, so war es dieser, wo Gottes Sache getrieben und sein Reich gebaut wurde. Dazu kam die Zeit dieser gesegneten Abschiedsversammlung. Die hier versammelten Christen durften sich ganz gewiss einer besonderen Gegenwart Jesu getr\u00f6sten, weil hier mehr als zwei oder drei in seinem Namen versammelt waren (Mt 18,20). Es soll also niemand irre werden, wenn auch an solchen Orten und zu solchen Zeiten unerwartet furchtbare Ereignisse eintreten. Gottes Auge ist dennoch offen \u00fcber solcher St\u00e4tte und seinem vereinigten Volk Tag und Nacht (1K\u00f6n 8,29).<br \/>\n* Die Ursache dieses Sturzes war &#8211; menschlich gesprochen &#8211; ein Mangel an Vorsicht, eine Unbedachtsamkeit, es w\u00e4re zu viel gesagt, wenn man sagen wollte: ein gewisser Leichtsinn. Eutychus setzte sich an einen gef\u00e4hrlichen Platz am Rande einer gro\u00dfen Tiefe, ohne zu bedenken, dass unerwartete Umst\u00e4nde ihn zum Absturz von dort bringen konnten. Gerade in der Jugend ist man oft geneigt, es mit Gefahren leicht zu nehmen, sein Leben und seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Es gilt aber zu bedenken, dass unsere Kr\u00e4fte dem Herrn geh\u00f6ren und f\u00fcr seinen Dienst bewahrt werden sollen. Nie wieder wird Eutychus solchen Platz eingenommen haben.<br \/>\n* Die t\u00f6dliche Folge des Sturzes war ein furchtbarer Schlag f\u00fcr die versammelte Christengemeinde. Viele m\u00f6gen wie bet\u00e4ubt gewesen sein vor Schrecken. So l\u00e4sst der Herr je und dann Not und Drangsal auf die Seinen kommen, aber nicht, um sie darin untergehen zu lassen, sondern um seinen Namen zu verherrlichen\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 284).<\/p>\n<p>V. 10: \u201eDie Christen in Troas konnten wohl den verungl\u00fcckten Eutychus \u201aaufheben\u2018 (V. 9). Sie wollten ihn jedenfalls aus dem Freien an einen geeigneteren Platz im Innern des Hauses tragen. Was Liebe und herzliches Mitleid vermag, das taten sie ihm gern. Mehr konnten sie nicht. Paulus aber hatte die apostolische Wundergabe. Weshalb machte er gerade hier von derselben Gebrauch? Nicht \u00fcberall tat Paulus Wunder. Nicht einmal jeden gl\u00e4ubigen Kranken heilte er ohne weiteres (2Tim 4,20). Aber hier erforderte die Sache des Herrn solches. Die Heiden und Gegner der Christen w\u00fcrden selbstverst\u00e4ndlich die Schuld des ganzen Ungl\u00fccksfalles den christlichen Versammlungen zugeschoben haben. Sie w\u00fcrden diese tief in die Nacht hinein dauernde Versammlung verd\u00e4chtigt, beschimpft und vor ihr gewarnt haben. Diese Gefahr wandte Gott von der jungen Christengemeinde gn\u00e4dig ab. Da, wo die Ehre des Herrn und seine Sache es erfordert, d\u00fcrfen die Seinen heute noch um sein besonderes Helfen und Eingreifen bitten. Die Art und Weise des Vorgehens von Paulus erinnert uns an die Totenerweckung durch Elia (1K\u00f6n 17,21) und Elisa (2K\u00f6n 4,34). Doch war Paulus Handlungsweise nicht etwa ein \u00e4u\u00dferes Nachmachen jener Propheten und Gottesm\u00e4nner, vielmehr eine Tat des Glaubens in g\u00f6ttlicher Vollmacht und g\u00f6ttlicher Leitung. Der Herr bekennt sich zu allen, die er gesandt hat und beglaubigt seine Knechte (Mt 10,8; Joh 14,12).<br \/>\nAls Paulus den J\u00fcngling Eutychus auferweckt hatte, machte er nicht etwa eine gro\u00dfe Sache aus diesem Wunder. Er trieb nicht Reklame damit. Vielmehr ermahnte er die Geschwister zur Stille und fuhr ruhig in der Versammlung fort, als ob gar nichts Besonderes geschehen w\u00e4re. Dieses Verhalten beweist uns die Demut und geistliche Keuschheit des Apostels, und ist besonders f\u00fcr alle, die im Dienst des Reiches Gottes stehen, vorbildlich. Bei besonderen Ereignissen und g\u00f6ttlichen Gnadenwirkungen sind wir leicht geneigt, in ungeb\u00fchrlicher Weise die Menschen anzustaunen, an denen und durch die etwas Auff\u00e4lliges geschehen ist. Es entsteht dann vielfach allerlei Unruhe und Ablenkung von dem, was innerlich f\u00f6rdert &#8211; von Gottes Wort. Es w\u00e4re in jener Versammlung auch f\u00fcr Eutychus nicht gut gewesen, wenn die Aufmerksamkeit aller Anwesenden bei ihm und seiner wunderbaren Aufrichtung stehengeblieben w\u00e4re. Wie leicht h\u00e4tte dieser J\u00fcngling ein geheimes Wohlgefallen an dem allgemeinen Interesse f\u00fcr seine Person empfinden und in Eitelkeit geraten k\u00f6nnen! Nun aber wurden die Gedanken aller wieder allein auf den Herrn und sein Wort gerichtet. So blieb und vertiefte sich der Segen. Das Verhalten des Paulus ist auch in besonderen Erweckungszeiten beachtenswert, wo viele vom geistlichen Tod zum Leben hindurchdringen. Leicht entsteht auch da allerlei ger\u00e4uschvolles Wesen, das die Arbeit des Geistes Gottes, der gern in der Stille wirkt, st\u00f6rt und tr\u00fcbt. Wo falsche Unruhe und fleischliche Aufregung aufkommen wollen, da lasst uns an Paulus Wort gedenken: \u201aMacht kein Get\u00fcmmel\u2018 (Ps 65,2; 1Thess 4,11)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 284-286)!<\/p>\n<p>Die Geschichte des Eutychus wurde einst von Samuel Zeller in M\u00e4nnedorf bei Gelegenheit einer gr\u00f6\u00dferen J\u00fcnglingsversammlung in folgenden Teilen behandelt:<br \/>\n* Ein h\u00f6render J\u00fcngling! Wie gut ist es, wenn ein junger Mensch sich unter den Einfluss des g\u00f6ttlichen Wortes stellt. Von allen Einfl\u00fcssen ist dies der beste. Wohl allen J\u00fcnglingen, die an solche Segensorte gehen, wie Eutychus es tat, auch wenn Spott und Hohn bei manchen Altersgenossen die Folge sein sollte (Lk 2,46; Ps 119,9).<br \/>\n* Ein schlafender J\u00fcngling! Wir d\u00fcrfen auf den einschlafenden Eutychus keinen Stein werfen, denn niemand von uns wei\u00df, welche leibliche Anstrengung jener Versammlung vorausging und welche Erm\u00fcdung bei ihm vorlag. Auff\u00e4llig ist, dass er trotz der hellen Erleuchtung (V. 8), trotz der geistgesalbten Predigt und vor allem trotz seiner gef\u00e4hrlichen Lage sich vom Schlaf \u00fcbermannen lie\u00df. Nicht weniger auff\u00e4llig ist es aber, dass mancher J\u00fcngling trotz allen lebendigen Christentums um ihn her, trotz gesegneter Wortverk\u00fcndigung und vielleicht auch trotz einer Lage, die zwiefache Wachsamkeit erforderte, derart in geistlichen Schlaf sinkt, dass er das Bewusstsein der ihn umgebenden Gefahren v\u00f6llig verliert (1Thess 5,6).<br \/>\n* Ein fallender J\u00fcngling! Es blieb nicht beim Einschlafen. Es folgte ein schrecklicher Fall. Die Herrschaft \u00fcber die Glieder schwand. Der K\u00f6rper bekam das \u00dcbergewicht. Aus dem schlafenden war ein fallender J\u00fcngling geworden. Diese Reihenfolge wiederholt sich in ganz anderer Weise in manchem Leben: Aus schlafenden Christen werden oft solche, die einen tiefen Fall tun. Wo das Wachen und Beten unterbleibt, da ist das Schlimmste zu bef\u00fcrchten. Wie oft sind schon schl\u00e4frige Christen zum Jubel der Welt tiefgefallene Christen geworden! Darum lasst uns wachen und einander vor Einschlafen warnen und vor Fall bewahren helfen (1Petr 5,8; Mt 26,41; Mk 13,37).<\/p>\n<p>C) Auf Kurs bleiben durch \u201enachsinnen\u201c: Sich selbst im Blick behalten (V. 13-16)<\/p>\n<p>V. 13f: \u201eVon einer im ersten Augenblick merkw\u00fcrdig erscheinenden Reiseanordnung des Paulus reden obige Worte. Paulus bestimmte, dass alle seine Reisegef\u00e4hrten den Weg von Troas nach Assos mit dem Schiff machen sollten, w\u00e4hrend er f\u00fcr sich den gleichen Weg zu Fu\u00df gehen wollte, um nachher in Assos wieder zu ihnen zu sto\u00dfen. Weshalb das? Weshalb blieb er nicht bei seinen Begleitern? Es mag ja sein, was einige Ausleger vermuten, dass er unterwegs noch da und dort bei einem Christenhaus anklopfen und Lebewohl sagen wollte, weil er \u00fcberall Frucht zu schaffen suchte. Wir wollen aber nicht auf ungewisse Vermutung unsere Erbauung gr\u00fcnden, sondern bei dem verweilen, was wir fest wissen, n\u00e4mlich, dass Paulus einige Stunden der Einsamkeit w\u00e4hlte, um nachher wieder zur br\u00fcderlichen Reisegemeinschaft zu kommen. Wir glauben, hier einen wichtigen Hinweis f\u00fcr alle J\u00fcnger Jesu, besonders f\u00fcr alle, die in der Arbeit f\u00fcr den Herrn stehen, zu finden:<br \/>\n* Wann nahm sich Paulus diese einsame Zeit? Nach einer Zeit besonders reichlichen und br\u00fcderlichen Zusammenseins in Troas. Sieben Tage hatte er dort mit den Br\u00fcdern sein Wesen gehabt. Fast m\u00f6chte man es eine Evangelisationswoche nennen. Mit einer lieblichen, gut besuchten Versammlung, welche die ganze Nacht dauerte, schloss diese Zeit ab, und Paulus musste aufbrechen. Da gerade, nach dem langen, gesegneten Zusammensein mit den Br\u00fcdern, fasste ihn der innere Wunsch, eine Zeitlang allein zu sein. Die Br\u00fcder waren k\u00f6stliche Leute, aber eine andere Begleitung war ihm jetzt noch n\u00f6tiger: mit Gott allein sein. Wenn wir doch dem zarten Antrieb des Heiligen Geistes immer folgen m\u00f6chten, der uns nach den herrlichsten Konferenzen und Versammlungen mahnt, jetzt nach dem Segen der br\u00fcderlichen Gemeinschaft auch den Segen der Einsamkeit mit Gott zu genie\u00dfen! Paulus hatte sich &#8211; wenn wir menschlich reden d\u00fcrfen &#8211; in Troas ganz ausgegeben. Alles, was ihm auf dem Herzen lag an Trost, Mahnung und Warnung, hatte er gesagt. Sollte er nun die Unterhaltung auf der Reise immer weiter und weiter fortsetzen? Dann k\u00f6nnte der gesalbteste Knecht Gottes allm\u00e4hlich zum Schw\u00e4tzer herabsinken, wenn er es so machte. Stattdessen wechselte jetzt die br\u00fcderliche Unterhaltung mit einer Zeit der Stille. Gleicht nicht die Arbeit manches Christen einer viel bewegten, zum Teil \u00fcberreichlich besetzten Troaswoche? Wann kommen nun die stillen, einsamen Fu\u00dfwege nach Assos? Sagt an, woran liegt es, dass mancher Bruder, den man fr\u00fcher gern h\u00f6rte, weil sein Wort voll Kraft und aus der Tiefe der Schrift gesch\u00f6pft war, jetzt mehr leere Worte bringt und an innerer Kraft zur\u00fcckgeht? Liegt es nicht am Unterlassen der stillen Wege von Troas nach Assos? Wie kann ein Arbeiter voll Geistes bleiben, wenn er von einer Arbeit zu der anderen geht, ohne dazwischen wie Jesus den einsamen Bergesh\u00fcgel zu besteigen oder wie Daniel seine stillen Zeiten zu haben? Ach, wie ist der Feind gesch\u00e4ftig, die fruchtbaren Christen, die er nicht anders f\u00e4llen kann, in solche Vielgesch\u00e4ftigkeit zu jagen, dass allm\u00e4hlich vor lauter Versammlungen und Unterredungen die wichtigste Unterredung mit Gott zu kurz kommt. Jemand z\u00e4hlte einmal einem anderen erfahrenen Bruder die gro\u00dfe Zahl seiner Versammlungen und Sprechstunden auf. Jener aber antwortete: \u201aUnd wann ist die Zeit, wo du einmal schweigst\u2018? Als Paulus nachher wieder den Mund in Milet \u00f6ffnete, da ging eine neue, g\u00f6ttliche Kraftflut durch seine Worte in die Herzen. Da merkst du, wozu er den einsamen Weg benutzt hat.<br \/>\n* Wie traf Paulus seine Anordnung? Der Text sagt: \u201aEr hatte es also befohlen\u2018. Paulus war sicher kein befehlshaberischer Mensch. Man sieht aus seinem Brief an Philemon (und aus vielen anderen Stellen), dass er tausendmal eher bittet und w\u00fcnscht, bevor er befiehlt. Aber diesen Wunsch, jetzt eine Zeitlang allein zu sein, kleidet Paulus in Befehlsform. Nicht, als ob er sich damit \u00fcber seine Reisegenossen erhoben h\u00e4tte wie ein herrschs\u00fcchtiger Tyrann, sondern nur, um gar keinen Zweifel dar\u00fcber zu lassen, dass er jetzt unbedingt Stille brauche. Wie einst Jesus die J\u00fcnger von sich \u201atrieb\u2018, um allein auf dem Berg zu beten (Mk 6,45f), so n\u00f6tigte Paulus seine geliebten Gef\u00e4hrten, ihn jetzt eine Zeitlang allein zu lassen. Wenn wir doch mehr Bestimmtheit in solcher Sache zeigten! Wenn man uns von \u00e4u\u00dferen Vorteilen etwas abziehen will, so wollen wir ruhig bleiben. Will man uns aber unsere Stille zum Gebet nehmen, so lasst uns bei aller Sanftmut auch Festigkeit zeigen!<br \/>\n* F\u00fcr wie lange galt diese Anordnung? Lasst uns beachten, wie weit diese Anordnung reichte! Paulus wollte bis Assos gehen und dann wieder zu den Br\u00fcdern sto\u00dfen. Also nur eine Zeitlang, ein bis zwei Tage, ging Paulus f\u00fcr sich. Wir m\u00fcssen uns vor \u00dcberspannung nach zwei Seiten h\u00fcten: Einmal gibt es Christen, die fast nie allein mit Gott sind, andererseits solche, die immer nur den Segen der Stille r\u00fchmen und die gro\u00dfen Vorteile der br\u00fcderlichen Gemeinschaft untersch\u00e4tzen. Beides ist not. Wer zu lange allein bleibt, kann in besondere Versuchungen Satans hineinkommen. Ich traf einen Bruder, der mir sagte: \u201aIch gehe \u00fcberhaupt auf keine Konferenz oder dergleichen mehr, sondern erbaue mich nur in der Stille\u2018. Einige Jahre sp\u00e4ter sah ich ihn wieder mit ver\u00e4ndertem Gesicht und h\u00f6rte, wie er in eine schw\u00e4rmerische Bewegung hineingeraten sei. Ach, was sind wir schwache Menschen, die des Heilandes Bewahrung auf allen Seiten brauchen! Gott gebe uns zur rechten Zeit einsame Wege und zur rechten Zeit wieder Anschluss an gesegnete Br\u00fcder, damit wir den richtigen Kurs innehalten und in seinem Reich fruchtbar werden\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 286-288)!<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>Unsere Predigt\u00fcbersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erh\u00e4ltlich) benennt als m\u00f6glichen Schwerpunkt f\u00fcr die Predigt das Thema \u201eGemeindedienst\u201c. Der Predigttext zeigt uns die Balance zwischen Einsamkeit, Gemeinschaft und Dienst auf, die wir ben\u00f6tigen, um auch im Alltag auf Kurs bleiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum Einstieg in die Predigt (oder zu V. 6b-12) sind evtl. ein paar humorvolle Anmerkungen zum \u201eKirchenschlaf\u201c hilfreich, um so die Aufmerksamkeit auf das Wort zu konzentrieren. Nachfolgend ein Beispiel von Prof. Michael Herbst als Anregung: Der \u201eKirchenschlaf soll nach allgemeiner \u00dcberzeugung der ges\u00fcndeste sein. Und es ist schon ein Trost f\u00fcr alle Prediger zu h\u00f6ren, was hier dem Paulus passiert ist. Er predigt, wie immer wortreich, klar und &#8211; vor allem lange. Reaktion: Erst d\u00f6st einer so langsam weg, der Kopf kippt zur Seite, dem Nachbarn auf die Schulter, dann ist lautes Schnarchen zu h\u00f6ren. Naja, sie hatten den ganzen Tag gearbeitet, arbeitsfreie Sonntage gab es n\u00e4mlich noch nicht. Und abends, immer sonntags abends kamen sie zusammen, um Gottesdienst zu feiern. Aber das war f\u00fcr manchen hart, und all denen, f\u00fcr die es hart war, hat Lukas in der Apostelgeschichte ein kleines Denkmal gesetzt: durch diesen jungen Mann, er hie\u00df \u00fcbrigens Eutychus. Nicht der mit dem Wolf tanzt, aber der beim Paulus einschlief, der Erfinder des Kirchenschlafs. Es wurde aber noch richtig dramatisch, der gute Eutychus rutschte n\u00e4mlich nach hinten und kippte aus dem Fenster, zwei Stockwerke tief. Unten blieb er wie tot liegen. Paulus musste ihn richtiggehend reanimieren. Der Fenstersturz von Troas! Und das Dollste ist: Danach hat er nicht etwa aufgeh\u00f6rt zu predigen, nach dem Motto: Genug f\u00fcr heute, schlaft lieber zu Hause weiter. Nein, er hat weitergepredigt, Lukas meint, er habe sogar noch lange gepredigt und sei erst beim Morgengrauen aufgebrochen. Ich hoffe, Ihr habt ein bisschen Zeit mitgebracht! Warum haben wir diese Geschichte geh\u00f6rt? Nun, zum einen ist der gute Eutychus eine Mahnung an alle Prediger: H\u00fctet euch davor, die Leute zu langweilen! Ein Professor f\u00fcr Praktische Theologie schrieb einmal, angesichts vieler langweiliger Predigten beneide er jene Kollegen, die mit offenen Augen schlafen k\u00f6nnen. Nach au\u00dfen aufmerksam wirken &#8211; nach innen in s\u00fc\u00dfesten Tr\u00e4umen. Und Eutychus ist eine Gebrauchsanweisung f\u00fcr Kirchenbesucher: Sinkt beim Kirchenschlaf lieber nicht nach hinten, sinkt lieber zur Seite und bettet euer Haupt auf dem Schoss des Nachbarn. Guckt mindestens, was hinter euch ist, bevor ihr wegd\u00f6st. Nein, im Ernst, es geht mir um etwas anderes: Wie haben die eigentlich Gottesdienst gefeiert, als die Kirche noch jung war? Wir wissen dar\u00fcber nicht viel, unsere Geschichte ist eine der ganz wenigen\u201c (aus einer Predigt zu Apg 20,6-12)!<\/p>\n<p>4. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Wie bleiben wir auf Kurs?<br \/>\na) Nachdenken &#8211; das Ziel im Blick behalten (V. 1-6a)<br \/>\nb) Nachsehen &#8211; die Gemeindeversammlung im Blick behalten (V. 6b-12)<br \/>\nc) Nachsinnen &#8211; sich selbst im Blick behalten (V. 13-16)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen ZeitenPredigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; im Alltag Bibelstelle: Apostelgeschichte 20, 1-16 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1715","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-apostelgeschichte"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-07-01 12:22:19","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1715"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1715\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}