{"id":1712,"date":"2010-06-08T11:16:31","date_gmt":"2010-06-08T09:16:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=533"},"modified":"2010-06-08T11:16:31","modified_gmt":"2010-06-08T09:16:31","slug":"predigthilfe-vom-20-6-2010-apostelgeschichte-19-1-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-20-6-2010-apostelgeschichte-19-1-20\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 20.6.2010 &#8211; Apostelgeschichte 19, 1-20"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen Zeiten<br \/>Predigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; zur Klarstellung<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Apostelgeschichte 19, 1-20<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Die Apostelgeschichte wird durch 5 wiederkehrende Formulierungen in 6 Hauptabschnitte strukturiert (Apg 6,7; 9,31; 12,24; 16,5; 19,20). Mit Apg 19,20 endet von der f\u00fcnfte gro\u00dfe Abschnitt der Apostelgeschichte und aus diesem Grund markiert dieser Vers auch den Abschluss unseres Predigttextes (Apg 19,1-20).<br \/>\nIm Predigttext werden Erweckungssituationen geschildert, die sich nach der \u00dcberwindung von Widerstand eingestellt haben (vgl. hierzu das Monatsthema: \u201eKurshalten in st\u00fcrmischer Zeit\u201c). Damit es zu diesen verschiedenen Erweckungssituationen kam, war es n\u00f6tig, dass durch Paulus verschiedene Klarstellungen vorgenommen wurden, vor allem im Hinblick auf vorhandene religi\u00f6se Vorpr\u00e4gungen (vgl. Predigtthema: Auf Kurs bleiben \u2013 zur Klarstellung). In Apg 19,1-20 werden drei verschiedene \u201ereligi\u00f6se\u201c Gruppen erw\u00e4hnt. Da ist zum einen das von Johannes dem T\u00e4ufer her angeregte \u201eT\u00e4ufertum\u201c (19,1-7 = Johannesj\u00fcnger), dann das \u201eJudentum\u201c (19,8-10) und das \u201eHeidentum\u201c (19,11-20). Paulus f\u00fchrt im Hinblick auf diese drei religi\u00f6sen Gruppierungen in allen drei F\u00e4llen eine Klarstellung herbei, damit die einzigartige Bedeutung von Jesus im Hinblick auf den Empfang des Geistes (V. 1-7), die Verk\u00fcndigung des Evangeliums (V.8-10) und die Auswirkungen des Glaubens (V. 11-20) deutlich wird (= Predigtthema).<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.<br \/>\n* Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus, 1980. S. 340-353.<br \/>\n* Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil. Edition C-Bibelkommentar Bd. 9. Neuhausen: H\u00e4nssler, 1990. S. 188-205.<br \/>\n* Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. Herausgegeben von Arno Pagel. 7. Aufl. Lahr: VLM, 1996. S. 238-256 (nachfolgend in Ausz\u00fcgen).<\/p>\n<p>V. 1: \u201e* Unser Vers erw\u00e4hnt in beachtenswerter Weise zwei gesegnete Reichsgottesarbeiter. Zwei M\u00e4nner arbeiten hier gleichzeitig im Weinberg Gottes. Jeder kommt in das Arbeitsfeld des andern hinein und setzt dessen Arbeit fort: Apollos wirkt in Korinth, wo Paulus vorher gewesen war, und Paulus kommt nach Ephesus, wo Apollos bis dahin gewirkt hatte. Auch das hat uns etwas zu sagen. Unser Heiland braucht gar mancherlei Werkzeuge bei seinem gro\u00dfen Tempelbau. Der eine soll die Arbeit des anderen erg\u00e4nzen. Einer muss pflanzen, der andere begie\u00dfen (1Kor 3,6). Es gibt nur einen einzigen Baumeister droben, aber viele Knechte [drunten], die er benutzt.<br \/>\n* Die Reise des Paulus nach Ephesus war die Erf\u00fcllung eines von ihm gegebenen Versprechens. Bei seiner letzten Durchreise hatte er den J\u00fcngern in Ephesus gesagt: \u201aWill&#8217;s Gott, so will ich wieder zu euch kommen\u2018 (18,21). Diese Zusage l\u00f6st er ein. Auch wir wollen gegebene Versprechungen halten, und uns h\u00fcten, Hoffnungen zu erwecken, die wir nicht erf\u00fcllen. Es macht der Sache des Herrn Unehre, wenn ein Arbeiter im Reich Gottes da und dort Zusagen gibt, die er ohne ganz klare und zwingende Gr\u00fcnde nicht erf\u00fcllt (Spr 25,14).<br \/>\n* In Ephesus angekommen, fand Paulus etliche J\u00fcnger. Jeder pflegt auf seinen Reisen das zu finden, was zu ihm passt und ihn interessiert. Der Weltmensch findet bald seine Vergn\u00fcgungslokale, der Leichtsinnige hat schnell Anschluss an Leute, die ihm \u00e4hnlich sind. Paulus findet Menschen, die nach Gott fragen. Sie sind ihm noch wichtiger als allerlei Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt. Wahre Gotteskinder freuen sich auf ihren Wanderungen, wenn sie \u201aetliche J\u00fcnger finden\u2018. Bei ihnen finden sie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Dinge des Reiches Gottes, die ihnen die Hauptsache sind (Ps 50,18; 1Petr 4,4; Ps 1,1)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 238f).<\/p>\n<p>A) Abl\u00f6sung \u2013 Klarstellung im Hinblick auf den Empfang des Geistes (V. 2-7)<\/p>\n<p>V. 2-7: \u201eDas Zusammentreffen des Apostels mit den zw\u00f6lf Johannesj\u00fcngern soll uns besch\u00e4ftigen. Gar verschieden sind jene J\u00fcnger beurteilt worden. Lasst uns versuchen, ihnen gerecht zu werden, indem wir beide Seiten, ihr Gutes und ihre M\u00e4ngel, n\u00e4her ins Auge fassen:<br \/>\n* Paulus findet etwas Gutes bei ihnen: Sie werden \u201aJ\u00fcnger\u2018 genannt, gingen also nicht mit der Welt auf dem breiten Weg dahin. Auch beweisen die Worte des Paulus: \u201aDa ihr gl\u00e4ubig geworden seid\u2018, dass er zumindest einen Anfang von Glaubensleben bei ihnen anerkannte. Das will bei dem h\u00f6chst mangelhaften Unterricht, den sie offenbar gehabt haben m\u00fcssen, schon viel hei\u00dfen. Anstatt \u00fcber diese Leute gleich den Stab zu brechen und sie wegen ihres Mangels zu verurteilen, lasst uns sie lieber zuerst sch\u00e4tzen und anerkennen, dass sie bei dem geringen Licht, welches sie besa\u00dfen, sich doch schon von der Welt abzusondern und der kleinen Herde Christi anzuschlie\u00dfen suchten. Viele Tausende in der Christenheit haben ungleich gr\u00f6\u00dfere Kenntnis des g\u00f6ttlichen Heilsweges, stehen aber im Gehorsam gegen die erkannte Wahrheit weit hinter den Johannesj\u00fcngern zur\u00fcck. Viele, die alles das wissen, was jenen unbekannt war, sind in der Praxis viel zu stolz, sich dem H\u00e4uflein der J\u00fcnger des Herrn anzuschlie\u00dfen. Wohl dem, der dem Licht folgt, das er empf\u00e4ngt. Solchem wird Gott weiteres Licht zur rechten Zeit zuflie\u00dfen lassen (Lk 12,47f; Mt 11,23f; Lk 16,10).<br \/>\n* Paulus vermisst bei ihnen etwas: Neben der Anerkennung des Guten bei den Johannesj\u00fcngern gilt es auch, auf ihren Mangel zu achten. Paulus vermisst etwas bei ihnen. Woran lag das? Wir k\u00f6nnen aus dem Verlauf des Gespr\u00e4chs erkennen, dass sich diese zw\u00f6lf J\u00fcnger in ganz besonderer Weise an ein menschliches Werkzeug im Reich Gottes, n\u00e4mlich an Johannes den T\u00e4ufer, angeschlossen hatten. Von der gro\u00dfen Bu\u00dfbewegung, die von diesem Mann ausging und die sich weithin erstreckte, wurden auch sie erfasst. Entweder durch Johannes selbst oder einen seiner J\u00fcnger empfingen sie einen Segen, blieben dann aber allzu sehr bei dem T\u00e4ufer stehen. Dadurch entstand eine gewisse Enge und Einseitigkeit bei ihnen. \u201aEng\u2018 waren sie in ihrer Erkenntnis, die sich einseitig auf die Bu\u00dfpredigt des Johannes gr\u00fcndete. \u201aEng\u2018 waren sie in ihrem Umgang und ihrer Gemeinschaft, denn wenn sie mit einem weiteren Kreis lebendig gl\u00e4ubiger Christen Verbindung gehabt h\u00e4tten, so w\u00e4re die nachher von ihnen bezeugte Unkenntnis unm\u00f6glich gewesen. \u201aEng\u2018 muss auch ihre Segenswirkung nach au\u00dfen gewesen sein, denn der treffliche Menschenkenner und scharfe Beobachter Paulus f\u00fchlte bei ihnen sofort den Mangel an Kraft und F\u00fclle des Heiligen Geistes. Die herrlichen Geistesgaben, welche damals in der Gemeinde wohnten, fehlten ihnen ganz. Was sagt uns der Anblick dieses ihres Mangels? Er ruft uns zu: Man kann in seinem Leben vieles innerlich erfahren haben, man kann ein Verehrer gro\u00dfer Gottesm\u00e4nner sein, man kann einem kleinen engen Kreis von J\u00fcngern angeh\u00f6ren und dennoch die rechte F\u00fclle von Gotteskraft, die der Herr uns geben m\u00f6chte, nicht in Besitz haben. Deshalb gilt es, nicht stehenzubleiben bei dem, was wir bisher empfangen haben. Es gilt uns das Josuawort: \u201aWie lange seid ihr so l\u00e4ssig, dass ihr nicht hingeht, das Land einzunehmen, dass euch der Herr, euer V\u00e4ter Gott, gegeben hat?\u2018 (Jos 18,3). Lasst uns nicht ausruhen auf fr\u00fcheren Erweckungszeiten und Glaubenserfahrungen, sondern tief eindringen in die ganze Gnadenf\u00fclle, die uns in Christus geschenkt ist, und die Ermahnung des Paulus befolgen: \u201aWerdet voll Geistes!\u2018 (Eph 5,18; vgl Offb 3,2; Phil 3,13f; Kol 1,11).<br \/>\n* Paulus hilft ihnen zu dem, was ihnen fehlte: Wie wichtig ist doch die richtige Behandlung unvollkommener J\u00fcnger. Bei Paulus kann man diese Kunst lernen. Lasst uns die Weisheit beachten, mit der er bei diesen Johannesj\u00fcngern vorging.<br \/>\ni) Er verachtete sie nicht wegen ihres Mangels. Er kr\u00e4nkte sie nicht mit halb sp\u00f6ttischem Hinweis auf das, was ihnen gebrach. Er lie\u00df sie f\u00fchlen, dass er sie als J\u00fcnger und Gl\u00e4ubige anerkenne. Er ging in seiner Anerkennung aber auch nicht zu weit. Vielmehr deutete er ihnen an, dass es einen inneren Besitz gebe, der ihnen noch fehle. Aber sein Hinweis auf diesen Mangel hatte gar nichts Verletzendes oder Beleidigendes, weil er mit liebevoller Anerkennung ihres Glaubens verbunden war. Wenn wir nicht von oben herunter, sondern in br\u00fcderlicher Liebe an die Seelen herantreten, kann Gott solchen Dienst segnen (Spr 11,2;Joh 13,14).<br \/>\nii) Nicht mit eigenen Worten gibt er ihnen die entscheidende Ermahnung, deren sie bedurften (V. 4), sondern mit Johannesworten (\u201aJohannes sagte dem Volk, dass sie glauben sollten\u2018). Von Johannes nahmen sie ja alles gern an. Seine J\u00fcnger wollten sie sein. Nun sollten sie sich auch von diesem Gottesmann weiter weisen lassen. Die Liebe sucht sich den richtigen Weg zu dem Herzen des Mitbruders.<br \/>\niii) Das Erteilen der ihnen bis dahin fehlenden christlichen Taufe und das Auflegen der H\u00e4nde beweist, dass Paulus ihre innere Echtheit nicht bezweifelte. Bei der Aufrichtigkeit dieser J\u00fcnger w\u00e4re ein Misstrauen oder bedenkliches Z\u00f6gern nicht am Platz gewesen. So durfte er auch die Freude erleben und sehen, wie sie die fehlenden Gaben des Heiligen Geistes bekamen und mit neuen Zungen den Herrn verherrlichen konnten. Nun hatte er an ihnen rechte Helfer und Mitarbeiter f\u00fcr die ernste Arbeit, die ihm in Ephesus noch bevorstand. Wie falsch w\u00e4re es gewesen, wenn jemand diese J\u00fcngerschar durch eine unfreundliche, misstrauische und schroffe Behandlung in die Bahn einer engen Sekte getrieben h\u00e4tte. Wie leicht kann das geschehen, wenn die Weisheit des Paulus in der Seelenbehandlung fehlt (1Kor 13,7; 2Kor 5,14)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 239-241).<\/p>\n<p>Unser Predigtabschnitt verdeutlicht, dass die zw\u00f6lf M\u00e4nner im christlichen Sinne noch nicht getauft waren, da in der Schrift ein deutlicher Unterschied zwischen der Johannestaufe und der Jesustaufe gemacht wird (beachte hierzu Apg 1,5):<br \/>\n&#8211; Zuerst erfolgt die Befragung \u00fcber die Johannestaufe: \u201eWassertaufe zur Bu\u00dfe\u201c (V. 2+3),<br \/>\n&#8211; dann erfolgt die Belehrung \u00fcber die Jesustaufe: \u201eGeistestaufe durch Glaube\u201c (V. 4-7).<br \/>\nIm Hinblick auf die Anwendung des Predigttextes ist zu beachten, dass die Johannestaufe also keine christliche Taufe war, da sie nicht im Namen Jesu vollzogen wurde und die zw\u00f6lf M\u00e4nner deshalb \u201eungetauft\u201c waren. Aus diesem Grund handelt es sich in diesem Abschnitt auch nicht um eine \u201eWiedertaufe\u201c. Heilsgeschichtlich haben wir zu beachten, dass die hier genannten zw\u00f6lf J\u00fcnger sich noch in einem geistlichen Zustand befinden, der dem der J\u00fcnger Jesu vor Pfingsten gleicht. Das Glaube und Geistempfang nun nach Pfingsten nicht mehr getrennt werden kann, verdeutlicht der Predigttext (heilsgeschichtlich wird hier noch einmal der \u00dcbergang vom AT zum NT markiert durch Paulus \u2013 bei Petrus vgl. Apg 8,4-25; 10f). Im Zentrum einer heilsgeschichtlich orientierten Schriftauslegung steht von daher in diesem Abschnitt das Thema der \u201eGeistestaufe\u201c (= Geistempfang). Aus diesem Grund beachten wir drei Aspekte:<\/p>\n<p>\u201ei) Der Mangel: Es gibt mancherlei Mangel. Wenn die Achsa in ihr Erbteil einzieht und sieht, es fehlen Wasserquellen, so hat sie wohl Ursache, vom Esel zu steigen und den Vater um das Fehlende zu bitten (Jos 15,18f). Wenn jene Witwe bei Elisa im Hause nur einen leeren \u00d6lkrug hat, aber keinen Tropfen \u00d6l, so ist das ein empfindlicher Mangel (2K\u00f6n 4,2). [\u2026]. So war es bei den zw\u00f6lf Johannesj\u00fcngern in Ephesus. Ihnen fehlte der Heilige Geist. Paulus muss dies mit g\u00f6ttlichem Scharfblick erkannt haben. Er wusste: \u201aSo trocken, saft- und kraftlos sehen wahre Geistesmenschen nicht aus\u2018. Was finden g\u00f6ttlich gesch\u00e4rfte Augen bei uns? Welcher Mangel dr\u00fcckt uns wohl am meisten: der an \u00e4u\u00dferen Reicht\u00fcmern oder der an himmlischen Zufl\u00fcssen?<br \/>\nii) Die Abhilfe: Nachdem Paulus den Mangel durchschaut hatte, legte er den Johannesj\u00fcngern die Frage vor: \u201aHabt ihr den Heiligen Geist empfangen?\u2018 Damit f\u00e4ngt die Abhilfe oft an, dass ein Bruder das, was uns gebricht, in Liebe uns zum Bewusstsein bringt. Die Gefragten damals waren nicht beleidigt, sprachen auch nicht: \u201aWir sind reich und haben gar satt\u2018, sondern sie bekannten ihre Armut und v\u00f6llige Unkenntnis in dieser wichtigen Sache ganz willig. Lasst uns jeden inneren Mangel offen eingestehen! Nur dem Hochmut wird dies schwer. Dies Eingestehen ist der erste Schritt zur Heilung. Mit der Klarstellung des Mangels damals war die Abhilfe noch nicht geschaffen. Wie kam diese denn? Hat Paulus etwa die Johannesj\u00fcnger angeleitet, jetzt sofort um die F\u00fclle des Heiligen Geistes zu beten? Nein, das tat er hier nicht. Vielmehr verwies er sie mit gro\u00dfer Weisheit, aber auch mit aller Bestimmtheit auf Christus und brachte sie dahin, dass sie allein auf ihn schauten und ihm vertrauten. Er brauchte die Worte des von ihnen verehrten Lehrers Johannes und zeigte, wie gerade dieser kein anderes Ziel im Auge gehabt hatte, als die Menschen zum Glauben an Christus zu f\u00fchren. So bewies er ihnen, dass sie die Worte ihres eigenen Lehrmeisters nie wahrhaft befolgt hatten, sondern zu ihrem eigenen inneren Nachteil bei der Person des Johannes stehen geblieben waren, anstatt sich durch ihn zu Jesus selbst f\u00fchren zu lassen. Sobald die Johannesj\u00fcnger diesen Irrtum erkannten und von der Person des Johannes zum Heiland selbst weitergingen, sobald sie an Jesus in Wahrheit glaubten und diesen Glauben durch die Taufe bekannten, konnte ihr Herz mit dem erf\u00fcllt werden, was ihnen bis dahin gefehlt hatte [\u2026].<br \/>\niii) Und heute? Wenn wir auf unsere Zeit blicken, so m\u00fcssen wir sagen: Tausende von Christen befinden sich in dem Zustand, in dem sich jene zw\u00f6lf Johannesj\u00fcnger befanden. Wie viele gibt es doch, die vielleicht in gro\u00dfer Verehrung an gesegneten Gottesm\u00e4nnern h\u00e4ngen! Aber das Wort dieser M\u00e4nner, das auf lebendige Gemeinschaft mit Christus hinzielt, befolgen sie nie wahrhaft. Zur \u201agroben Welt\u2018 geh\u00f6ren sie nicht mehr, vor Gottes Wort haben sie eine gewisse Achtung, aber zu lebendigen Geistesmenschen werden sie nicht. Ihr Christentum bleibt best\u00e4ndig zwischen T\u00fcr und Angel. Ungl\u00e4ubig sind sie nicht, aber die Fr\u00fcchte des wahren Glaubens sieht man auch nicht bei ihnen. Es fehlt ihnen die rechte Verbindung mit Christus. Sie h\u00e4ngen nicht an ihm wie die Rebe am Weinstock. Deshalb bleibt ihr Christentum stets auf dem alten eingerosteten Fleck stehen. M\u00f6ge der Herr uns allen klar machen, dass der gr\u00f6\u00dfte Mangel das Fehlen des Heiligen Geistes ist und dass der Herzensglaube an Christus der einzige Weg zur Abhilfe ist!\u201c (Alfred Christlieb).<\/p>\n<p>B) Losl\u00f6sung \u2013 Klarstellung im Hinblick auf die Verk\u00fcndigung des Evangeliums (V. 8-10)<\/p>\n<p>V. 8: \u201eLasst uns auf die Art, die Dauer und den Inhalt derselben achthaben:<br \/>\n* Die Art seiner Predigt wird mit dem Ausdruck beschrieben: Er predigte frei, d.h. freim\u00fctig, mit innerer Freiheit und Freudigkeit. Diese freim\u00fctige Verk\u00fcndigungsweise ist gerade an diesem Ort, wo er redete, merkw\u00fcrdig. Er sprach in der Synagoge. Dieser Ort h\u00e4tte ihm &#8211; menschlich gesprochen &#8211; die Freudigkeit rauben und ihn mit Furcht und Sorge erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Wie schlecht war es ihm fr\u00fcher gerade in den Synagogen ergangen! Welch \u00fcble Erfahrungen hatte er dort gemacht! Welch ein Hass von Seiten der Juden pflegte dort zu entstehen! Trotzdem sehen wir ihn voller Freim\u00fctigkeit das Wort von Jesus reden. Gott nimmt ihm alle Furcht. Er st\u00e4rkt ihn mit Mut und Kraft. So kann Gott seine Knechte gerade an solchen Orten, wo sie vielleicht das Schlimmste zu erwarten haben und sich auf alles gefasst machen m\u00fcssen, mit getrostem Sinn und Freimut erf\u00fcllen (4,13+31;  Eph 6,19).<br \/>\n* Auch die Dauer seiner dortigen Wirksamkeit ist beachtenswert. Ein Vierteljahr durfte er dort zeugen. Nicht immer war ihm so lange Aufenthaltszeit in den Synagogen verg\u00f6nnt. In Antiochien entstand schon in der zweiten Woche seiner Wirksamkeit eine Verfolgung (13,44-51). In Thessalonich durfte er nur \u201adrei Sabbate\u2018 Christus verk\u00fcndigen, dann brach der Sturm los (17,2ff). So geh\u00f6rt Ephesus zu den Orten, wo er verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig lange an dem gottesdienstlichen Ort seines Volkes den Samen des Wortes ausstreuen durfte. So kann Gott an gef\u00e4hrlichen Orten nicht nur seinen Knechten volle Freudigkeit schenken, sondern auch die Macht der Feindschaft so lange zur\u00fcckhalten, bis seine Absicht voll und ganz erreicht ist.<br \/>\n* Der Inhalt der Predigt war ein \u201aLehren und Bereden vom Reiche Gottes\u2018. Die gro\u00dfen Reichspl\u00e4ne Gottes, die in Jesus erf\u00fcllt werden, legte er ihnen dar und forderte sie zum Eingehen in diese Gedanken Gottes auf. Dies sei auch heute noch der Inhalt aller evangelischen Predigt\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 242f).<\/p>\n<p>V. 9: \u201eDie Zahl der Juden, welcher der Arbeit des Paulus entgegentraten, war nicht gro\u00df. Es waren nur \u201aetliche\u2018. Viele waren offenbar f\u00fcr das Evangelium gewonnen worden. Viele erkannten die Wahrheit des von Paulus verk\u00fcndigten Wortes an. Aber einige lehnten sich dagegen auf und verstockten sich. Und diese kleine Zahl der feindseligen Leute, diese \u201aetlichen\u2018 waren schuld daran, dass Paulus die Synagoge verlie\u00df und der Leuchter des Evangeliums von dieser St\u00e4tte genommen wurde. Wie kann doch eine geringe Zahl \u00fcbel gesinnter Menschen f\u00fcr eine ganze Gegend oder Gemeinde viel Schlimmes anrichten! Als Martin Boos in Gallneukirchen (\u00d6sterreich) eine herrliche Erweckung erleben durfte und fast die ganze Gemeinde dem Evangelium freundlich gesinnt zu werden schien, da waren es einige wenige Feinde, die ihn so lange verklagten, bis er von seiner Beh\u00f6rde von dort entfernt wurde. Dass doch niemals aus unserer Mitte jemand zu diesen \u201aetlichen\u2018 geh\u00f6re! Ihre Verantwortung ist furchtbar (Gal 5,9; Jer 38,22; 2Tim 2,17; Apg 15,24).<br \/>\nWie stellte sich Paulus zu der ausbrechenden Feindschaft in der Synagoge? Er vermied drei Gefahren, in die Knechte Gottes in \u00e4hnlichen Lagen leicht hineingeraten k\u00f6nnen:<br \/>\n* Wenn Menschen (wie jene \u201aetliche\u2018) sich innerlich verh\u00e4rten und dem Wort Gottes \u201aungehorsam\u2018 (w\u00f6rtlich) sind, so entsteht leicht f\u00fcr den Prediger die Gefahr, in ein unfruchtbares Streiten und Disputieren hineinzugeraten. Er glaubt, solche Leute durch seine Gr\u00fcnde doch noch \u00fcberzeugen zu k\u00f6nnen. Wenn aber Zuh\u00f6rer sich derart verstocken, dass sie den g\u00f6ttlichen Heilsweg \u00f6ffentlich schm\u00e4hen, so gilt es sehr oft, sich still zur\u00fcckzuziehen. Auch Paulus \u201awich von ihnen\u2018. Solches Weichen war keine feige Flucht, sondern dem\u00fctige Nachfolge dessen, der nicht schrie noch rief (Jes 42,2; vgl. Jer 28,11c; 1Tim 6,5c).<br \/>\n* Sodann gilt es an eine zweite Gefahr zu denken: Man darf nicht die jung erweckten und bekehrten Seelen den Einfl\u00fcssen solcher L\u00e4sterzungen aussetzen. Paulus \u201asonderte ab die J\u00fcnger\u2018. In treuer F\u00fcrsorge f\u00fcr die Herde suchte er alles zu vermeiden, was ihnen inneren Schaden bringen konnte. Auch heute ist es oft n\u00f6tig, die anvertrauten Seelen \u201aabzusondern\u2018 von solchen Orten und Kreisen, wo der Weg des Heils geschm\u00e4ht wird. Das m\u00fcssen auch gl\u00e4ubige V\u00e4ter und M\u00fctter im Blick auf ihre Kinder bedenken (2Kor 6,14-18).<br \/>\n* Eine dritte Gefahr besteht darin, dass die Knechte Gottes durch die ausbrechende Feindschaft entmutigt und verzagt werden k\u00f6nnen. Wie sehr Paulus diese Klippe vermied, zeigt der Schluss unseres Textes. Statt \u00e4ngstlich die Verk\u00fcndigung von Jesus jetzt aufzugeben, predigte er an einem anderen Ort jeden Tag auf das mutigste weiter. Man sieht, dass er kein Feigling war, der sich einsch\u00fcchtern lie\u00df. Aus der Synagoge ging er wohl fort. Aber die Predigt von Jesus setzte er eifrig fort. Lasst uns bei ausbrechender Feindschaft (besonders in Erweckungszeiten) diese Bahnen des Apostels beibehalten (Ps 40,10-12)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 243-245).<\/p>\n<p>V. 10: \u201e* Die Dauer der Wortverk\u00fcndigung in der Tyrannusschule betrug zwei Jahre. Im Vergleich mit der Arbeitszeit des Apostels an anderen Orten war diese T\u00e4tigkeit in Ephesus besonders lang. Ephesus wurde durch diese ausgedehnte Wirksamkeit des Apostels gewisserma\u00dfen vor vielen Orten bevorzugt und mit ihm die ganze (r\u00f6mische) Provinz Kleinasien, deren Hauptstadt Ephesus war. Aus einem ganz bestimmten Grund ist diese Bevorzugung des kleinasiatischen Landes beachtenswert: Als Paulus beim Beginn der zweiten Missionsreise in Kleinasien Missionsarbeit treiben wollte, wurde ihm dies von Gott verwehrt (16,6). Damals schien Kleinasien von Gott zur\u00fcckgesetzt zu werden. Es sah aus, als ob Gott dieses Land weniger lieb habe als andere Gegenden. Aber nun wird dieser damals benachteiligt scheinende Landstrich wie kein zweiter mit einer Gnadenzeit bedacht. Er erf\u00e4hrt eine Heimsuchung, die ihresgleichen sucht. Das soll uns zur Lehre dienen. Gott kann wohl eine Zeitlang ungerecht erscheinen in der Austeilung seines Wortes in V\u00f6lkern, L\u00e4ndern und Gegenden. Wer aber warten lernt, der darf hier schon oft die Gerechtigkeit und Weisheit Gottes triumphieren sehen (5Mose 32,4; Ps 145,17; 2Sam 22,26f).<br \/>\n* Der Inhalt wird in dem Ausdruck \u201adas Wort des Herrn Jesu\u2018 kurz zusammengefasst. Die Reden des Paulus hatten also bei aller Vielseitigkeit einen Inhalt, ein Ziel, einen Mittelpunkt. Immer war und blieb es \u201adas Wort von Jesus\u2018. Dabei lasst uns bei aller Darbietung des Wortes Gottes in gro\u00dfen und kleinen Kreisen gedenken (Apg 8,35; 9,20+28; 16,31; 17,2f; 18,5;  Gal 3,1).<br \/>\n* Die Wirkung bestand darin, dass sich dieses Wort durch die ganze r\u00f6mische Provinz Kleinasien (das ist unter Asien zu verstehen) ausbreitete. Von diesen Predigten gilt das, was man sp\u00e4ter von Luthers Thesen im Jahre 1517 sagte: \u201aDie Engel trugen sie durchs ganze Land\u2018. Wie kann doch von der treuen Arbeit an einem einzigen Platz eine m\u00e4chtige Wirkung auf die weiteste Umgegend ausgehen! Wenn Gott hinter dem Wort steht, so ist seine Tragweite unberechenbar gro\u00df. Manche Kirche und manches Versammlungshaus ist schon eine solche \u201aTyrannusschule\u2018 geworden, von der Segensstr\u00f6me in das ganze Land ausgingen (1Sam 3,19-21; Mt 3,5)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 245f).<\/p>\n<p>C) Erl\u00f6sung \u2013 Klarstellung im Hinblick auf die Auswirkungen des Glaubens (V. 11-20)<\/p>\n<p>V. 11-17: \u201eDie S\u00f6hne des Skevas:<br \/>\n* Ihre Herkunft und ihr Beruf: In Zeiten der Erweckung pflegen auch unn\u00fcchterne und bedenkliche Begleiterscheinungen aufzutreten. Solche fehlen auch hier in Ephesus nicht, wie die ernste und lehrreiche Geschichte dieser sieben Skevass\u00f6hne beweist. Lehrreich ist schon die Betrachtung ihrer Herkunft. Sie entstammten dem alttestamentlichen Gottesvolk und noch dazu der Familie eines leitenden Priesters in diesem Volk. Wie m\u00fcsste von Leuten solcher Abstammung eine Ehrfurcht vor dem g\u00f6ttlichen Gesetz und zumindest seine \u00e4u\u00dferliche Befolgung erwartet werden. Aber das Gegenteil war bei diesen der Fall. Sie ergriffen einen Beruf, der in direktem Gegensatz zu den g\u00f6ttlichen Geboten stand (5Mose 18,10f). Mit allerlei zauberhaften Mitteln und Formeln suchten sie Heilungen zu erzielen, die ihnen einen reichen Gewinn sichern sollten. In jenen heidnischen L\u00e4ndern waren solche Leute sehr begehrt. Aber niemals h\u00e4tte ein gesetzestreuer Jude und erst recht nicht der Sohn eines Lehrers im g\u00f6ttlichen Gesetz Derartiges tun d\u00fcrfen. Wir sehen hier, dass die \u00e4u\u00dfere Abstammung von einem Volk, das mit Gott bekannt ist, oder einem Vater, der ein Lehrer des g\u00f6ttlichen Wortes ist, uns keineswegs vor ung\u00f6ttlichen Wegen und schweren Verirrungen sch\u00fctzt. Die Kinder derer, die berufsm\u00e4\u00dfig mit dem Heiligen zu tun hatten, sind gar manches Mal in traurige Bahnen hineingeraten (1Sam 2,12-22). Gott bewahre alle Kinder von Predigern vor den Wegen dieser Skevass\u00f6hne!<br \/>\n* Ihre S\u00fcnde: Diese S\u00f6hne des Skevas kamen in Ephesus mit dem Christentum in Ber\u00fchrung. Sie erfuhren die Heilungswunder des Paulus an Kranken und Besessenen (V. 11f). Was war die Frucht dieses Anblicks? Beugten sie sich etwa unter die sich hier offenbarende g\u00f6ttliche Macht? Nein! Zu innerer Umkehr wollten sie die g\u00f6ttlichen Kr\u00e4fte nicht nutzen, sondern nur zu ihrem \u00e4u\u00dferen Vorteil. Sie glaubten in den Worten des Paulus eine neue Zauberformel zu finden, die sie ihren Zwecken dienlich machen wollten. Darauf lief ihr Versuch hinaus. Von einer Anerkennung Jesu als den Messias, von einer Unterwerfung unter ihn war bei ihnen keine Rede. Aber gern wollten sie durch diesen Jesusnamen noch bessere Erfolge erzielen und gute Gesch\u00e4fte machen. Solch unlautere Art muss zuschanden werden. Wer den Namen Jesu zu seinem Heil annehmen und ihm untertan werden will, der darf die Balsamkraft derselben an Seele und Leib erfahren. Wer aber diesen teuren Namen seinen selbsts\u00fcchtigen Zwecken dienstbar machen m\u00f6chte, den wird Gott richten (2Mose 20,7; Apg 8,21).<br \/>\n* Ihre Strafe: Ihre Strafe erfuhren die Skevass\u00f6hne durch ein besch\u00e4mendes Wort und durch eine noch besch\u00e4mendere Tat des Geistes, der aus dem Besessenen redete. Zuerst durch ein Wort. Wir m\u00f6chten keinem empfehlen, sich mit Stimmen abzugeben, welche aus dem Gebiet der Finsternis kommen. Wo aber Gottes Wort uns einen Blick in dieses geheime Gebiet tun l\u00e4sst, da wollen wir seine Belehrung dankbar annehmen. Hier ist dies der Fall. Wir vernehmen Worte eines Geistes aus dem Abgrund (die deutlich von dem Wort des armen Besessenen selbst unterschieden werden konnten). Wir lauschen gleichsam einer Predigt aus der H\u00f6lle. Diese Predigt kann uns eine Wahrheit unausl\u00f6schlich in die Seele einpr\u00e4gen, n\u00e4mlich die Wahrheit, dass man auch im Reich der Finsternis genau unterscheiden kann zwischen dem, was echt und nicht echt ist. Vor Jesus selbst und denen, die in seiner Vollmacht stehen, muss sich der Feind zur\u00fcckziehen. Aber vor Menschen, die diesen Namen nur im Mund f\u00fchren, weicht er keinen Schritt zur\u00fcck. Er spottet ihrer. Wir h\u00f6ren aus den Worten des b\u00f6sen Geistes etwas vom Hohngel\u00e4chter der H\u00f6lle \u00fcber alle, die ohne g\u00f6ttlichen Auftrag etwas gegen das Reich der Finsternis ausrichten wollen. Vor Jesus und Paulus haben die D\u00e4monen wohl Achtung, aber vor den Skevass\u00f6hnen niemals. Was n\u00fctzt ihnen ihre Abstammung von einem Hohenpriester, wenn sie selbst von priesterlichem Sinn und Wesen nichts in sich haben! Was helfen ihnen ihre richtigen Worte von dem &#8222;Jesus, den Paulus predigt&#8220;, wenn sie von dem Geist dieses Heilandes nichts in Bu\u00dfe und Glauben empfangen haben! Tr\u00f6sten d\u00fcrfen wir uns der Achtung, welche Jesus und seine wahren Knechte bis in die Welt der unreinen Geister hinein genie\u00dfen. Aber pr\u00fcfen wollen wir uns, ob nicht auch uns das Wort des b\u00f6sen Geistes gilt: \u201aJesus kenne ich wohl, wer aber seid ihr?\u2018 (Eph 6,10-17; Lk 10,17; 11,20-23). Zu dem besch\u00e4menden Wort kam noch eine besch\u00e4mende Tat. Die Beschw\u00f6rer bekamen den grausamen und zerst\u00f6rungslustigen Charakter des b\u00f6sen Geistes an ihrem Leib zu erfahren. Der Besessene wurde in furchtbarer Weise gegen sie t\u00e4tlich. Blo\u00df und verwundet mussten sie fliehen. Der Anblick dieser so j\u00e4mmerlich fl\u00fcchtenden Skevass\u00f6hne kann uns gr\u00fcndlich davor warnen, jemals in eigener Kraft und K\u00fchnheit irgendetwas gegen Satans Macht ausrichten zu wollen. Ohne g\u00f6ttlichen Schutz sind wir da v\u00f6llig verloren. Dieser Anblick kann uns auch warnen, die Taten eines Gottesmannes nachmachen zu wollen. Was Paulus in g\u00f6ttlichem Auftrag tun muss, darf ein anderer nicht ohne weiteres auch versuchen. Endlich warnt uns dieses Schauspiel vor jedem Missbrauch des teuren Jesusnamens zu selbsts\u00fcchtigen Zwecken. \u201aDer Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht\u2018 (2Mose 20,7). Wie leicht k\u00f6nnen wir in einem dieser Punkte in die Bahnen der Skevass\u00f6hne geraten (Joh 15,4f; 2Kor 3,5; Lk 22,33f)! Die Strafe des Skevass\u00f6hne erh\u00f6hte sich noch durch die \u00f6ffentliche Schande, welche sie traf. Das ganze Ereignis, ihr kl\u00e4glich gescheiterter Versuch, mit den Worten des Paulus etwas zu erreichen, kam unter die Leute und wurde Tagesgespr\u00e4ch. Wie peinlich muss es diesen Hohenpriesters\u00f6hnen gewesen sein, dass \u201adasselbe allen kund wurde, die in Ephesus wohnten\u2018. Man wies gleichsam mit Fingern auf sie. W\u00e4hrend sie gehofft hatten, durch eine erfolgreiche Beschw\u00f6rung im Ansehen zu wachsen, verloren sie nun an Achtung. Ja, sie mussten sogar erfahren, dass durch ihre ganze Unternehmung der ihnen sonst so verhasste Jesusname zu gro\u00dfer Anerkennung kam. Der ganzen Einwohnerschaft bem\u00e4chtigte sich eine heilsame Furcht. Man erkannte in dem Schicksal der Beschw\u00f6rer ein Gericht und merkte, dass man mit dem Namen Jesu nicht leichtfertig umgehen d\u00fcrfe, sondern ihn zu achten habe. Wie glaubensst\u00e4rkend ist doch die Beobachtung, dass Gott auch das Treiben von gottlosen Menschen seinen Reichszwecken dienstbar machen und zur Verherrlichung des Jesusnamens benutzen kann (Ps 119,91; Dan 6,26-28; Apg 8,1+4)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 247-250).<\/p>\n<p>V. 18f: \u201eUnter den einzelnen Bildern, die uns der Geist Gottes aus der gro\u00dfen Erweckungsbewegung in Ephesus aufbewahrt hat, befindet sich auch dieses ergreifende Bild \u00f6ffentlicher S\u00fcndenbekenntnisse. Viele unter den Gl\u00e4ubigen \u201abekannten und verk\u00fcndigten, was sie getrieben hatten\u2018. Wir treten im Geist in diese Zeugnisversammlung hinein. Wir beobachten und lauschen, was es zu sehen und zu h\u00f6ren gibt.<br \/>\n* Wer bekennt? Die Redenden sind \u201aviele aus den Gl\u00e4ubigen\u2018. Es hat je und dann unnn\u00fcchterne Menschen gegeben, welche aus dem \u00f6ffentlichen Bekenntnis vergangener S\u00fcnden ein Gesetz machen wollten, das sie heilsverlangenden Seelen auferlegten. Wer solches tut, darf sich niemals auf diese Stelle berufen. Hier reden nicht etwa Menschen, welche durch das Bekenntnis ihr Gewissen entlasten und zum Glauben oder irgendeinem Segen gelangen wollen. Hier reden Menschen, welche ihr Gewissen entlastet haben und gl\u00e4ubig geworden sind. Sie bekennen also nicht aus Gewissensnot, sondern aus freudigem Zeugendrang und Bekennermut. An dieser k\u00f6stlichen Gnaden- und Geisteswirkung unseres Gottes wollen wir uns laben und erquicken, aber nicht dasselbe in ein dr\u00fcckendes Gebot verwandeln, wodurch unsere Freudigkeit gel\u00e4hmt werden w\u00fcrde (Gal 5,18; Eph 2,3; 1Tim 1,13).<br \/>\n* Was wird bekannt? Nun lasst uns h\u00f6ren,  was dort geredet wird. Wie gern redet der nat\u00fcrliche Mensch von dem, was andere getrieben haben. Dar\u00fcber kann man oft stundenlange Gespr\u00e4che, auch \u00f6ffentliche Reden h\u00f6ren. Die Welt wird eben von einem Verkl\u00e4ger beherrscht, der seine Lust daran hat, auf die S\u00fcnden anderer hinzuweisen. Nun aber treten wir in eine Versammlung, wo nicht Satan, sondern der Geist Gottes die Redenden erf\u00fcllt. Wie ganz anders lauten hier die Worte! Nicht bei\u00dfende geh\u00e4ssige Reden gegen die Fehler der anderen vernimmt man hier. Die Redner sprechen von ihren eigenen S\u00fcnden. Sie beschuldigen sich selbst. Sie bekennen ihre dunkle Vergangenheit. Welche Berge von Schuld, welche dunklen Fluten von S\u00fcnde liegen in den Worten \u201awas sie getrieben hatten\u2018 umschlossen, besonders wenn wir an die in Ephesus herrschende Zauberei (V. 19), oder an den von Paulus selbst erw\u00e4hnten fr\u00fcheren Wandel der Epheser \u201ain den L\u00fcsten des Fleisches\u2018 (Eph 2,2f) denken (wozu die w\u00fcsten Dianafeste in dieser Stadt sehr viel Anlass und Versuchung boten). Es mag ersch\u00fctternd gewirkt haben, was man hier zu h\u00f6ren bekam. Dieses offene Bekenntnis beweist die Demut der Redenden und die Echtheit des Glaubensfeuers, das hier in Ephesus brannte (Eph 5,8).<br \/>\n* Warum \u00d6ffentlichkeit? Weshalb aber traten sie mit diesen Bekenntnissen so \u00f6ffentlich hervor? Weshalb erz\u00e4hlten sie dieselben nicht lieber im kleinsten Kreis naher Freunde und gl\u00e4ubiger Christen (Sie \u201abekannten und verk\u00fcndigten\u2018)? W\u00e4re dieses \u00f6ffentliche Heraustreten mit solchen Bekenntnissen ein eigenes sich Hervordr\u00e4ngen in fleischlicher K\u00fchnheit gewesen. oder w\u00e4re es durch menschliches Treiben und Dr\u00e4ngen veranlasst worden, dann m\u00fcsste man es sicherlich als falsch verurteilen. Nun aber gewinnt man aus unserem Text den klaren Eindruck: Hier hat Gott sich Zeugen erweckt. so wie sie f\u00fcr jene Zeit und jenen Ort n\u00f6tig waren. Diese Bekenntnisse werden f\u00fcr manche Seelen in Ephesus viel n\u00fctzlicher und erwecklicher gewesen sein, als viele Belehrungen und Predigten. Wie fesselnd muss die Wirkung f\u00fcr einen in S\u00fcnden gebundenen Zuh\u00f6rer gewesen sein, wenn er hier Leute sah und h\u00f6rte, die in seinen Ketten auch einst gelebt und nun Befreiung in Jesus erfahren hatten und die Freude der Gotteskindschaft auf dem Antlitz trugen. Das konnte ihm einen Stachel mit Widerhaken ins Herz hineinwerfen und zur Nachfolge ermutigen wie kaum etwas anderes. Danken wir Gott auch f\u00fcr solche Werbemittel, wenn sie aus Demut flie\u00dfen und von oben gewirkt sind (Apg 26,9-11; Neh 9,1-3)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 250f)!<\/p>\n<p>V. 20: \u201eDer abschlie\u00dfende Satz in der Schilderung der Erweckungszeit weist uns auf dreierlei hin:<br \/>\n* Welches ist die verborgene Kraft, die der ganzen Segenszeit zu Grunde lag? Nicht Menschenwort, nicht nat\u00fcrliche Begabung, sondern \u201ades Herrn Wort\u2018 hatte diese Bewegung hervorgerufen. Menschliche Reden m\u00f6gen sch\u00f6ne Augenblickserfolge hervorbringen. Ewigkeitswirkungen wie hier kommen nur durch Gottes Wort. Deshalb sei es unser Anliegen, dass in allen Gemeinden und Versammlungsh\u00e4usern das Menschenwort weniger und das g\u00f6ttliche Wort mehr werde.<br \/>\n* Wie entfaltet sich diese Gotteskraft? Die kurze Zusammenfassung von der Geschichte dieser Gnadenzeit antwortet: \u201aDas Wort des Herrn wuchs\u2018. Es mehrte sich. Wie eine Pflanze von Tag zu Tag gr\u00f6\u00dfer wird, wie ein Bau, dem ein Stein nach dem anderen beigef\u00fcgt wird, so entfaltet sich die Kraft des g\u00f6ttlichen Wortes wachst\u00fcmlich in Ephesus. Ganz still und klein fing es damit an, dass jene zw\u00f6lf Johannesj\u00fcnger gesegnet wurden. Dann kamen neue Gnadenwirkungen in der Judenschule. Endlich steigerte sich der Zudrang zum Lebenswort im Saal des Tyrannus, bis durch ganz Kleinasien das Wort von Jesus durchdrang. Ein seliges Wachsen! Herr, lass auch in unserem Land dein Volk nicht abnehmen, sondern wachsen.<br \/>\n* Den H\u00f6hepunkt dieser Entfaltung zeigen uns die Worte: Es wuchs \u201am\u00e4chtig und nahm \u00fcberhand\u2018. Die Anerkennung des Namens Jesu in der ganzen Stadt (V. 17), das \u00f6ffentliche Bekenntnis vergangener S\u00fcnden (V. 18) und das Verbrennen der wertvollen Zauberb\u00fccher (V. 19) bewies, wie \u201adas Wort mit g\u00f6ttlicher St\u00e4rke an Ausbreitung und Kraft zunahm\u2018 (w\u00f6rtlich). Die Siegeskraft des Evangeliums wurde so stark, dass die Macht des Heidentums vor ihm nicht standhalten konnte. Wie zu Noahs Zeiten die Gerichtsfluten \u201a\u00fcberhand nahmen\u2018 (1Mose 7,18), so nahmen hier die Segensfluten \u00fcberhand. Das ist das Sch\u00f6nste, was einer Gegend widerfahren kann. Je n\u00e4her wir der Zeit kommen, in der \u201adie Ungerechtigkeit \u00fcberhand nehmen wird\u2018 (Mt 24,12), desto mehr lasst uns fortfahren zu bitten, dass Gottes Wort \u00fcberhand nehmen m\u00f6chte, bis die Zeit kommt, wo einst \u201adie Erde voll werden wird von Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt\u2018 (Hab 2,14; Jes 11,9)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 255f).<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>Unsere Predigt\u00fcbersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erh\u00e4ltlich) benennt als m\u00f6glichen Schwerpunkt f\u00fcr die Predigt das Thema \u201eGlaubensabgrenzungen\u201c. Von daher ist im Rahmen der Predigt zu entfalten, wie der konkrete Ausdruck des Glaubens im Kontrast zum bisher Gewohnten seine Konturen ver\u00e4ndert. Allerdings ist im Hinblick auf die Apostelgeschichte zu ber\u00fccksichtigen, dass die Apg auch heilsgeschichtlich einmalige \u201eSondersituationen\u201c kennt. Das hei\u00dft, dass nicht der beschriebene Ablauf der Ereignisse das auch heutige g\u00fcltige Muster f\u00fcr die Anwendung des Textes enth\u00e4lt, sondern der durch die berichteten Ereignisse dargelegte und heilsgeschichtlich verstandene gesamtbiblische Zusammenhang. Vor allem im Hinblick auf den Empfang des Geistes ist dies im Rahmen der Apostelgeschichte deutlich zu erkennen und in der Verk\u00fcndigung zu ber\u00fccksichtigen. Der Empfang des Heiligen Geistes an Pfingsten hat ein \u201estufenweises\u201c Missionsprogramm ausgel\u00f6st (Apg 1,8). Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass an diesen Grenz\u00fcberschreitungen der Empfang des Heiligen Geistes besonders betont wird. Den Anfang markierte das Pfingstereignis in Jerusalem mit dem von nun an universalen Empfang des Geistes (vgl. Apg 2,1-13 mit Joel 3,1-5), als Kennzeichen des von Jesus gestifteten Neuen Bundes (vgl. Lk 22,20 mit Jer 31,31-34). Da Petrus von Jesus im \u00fcbertragenden Sinne die \u201eSchl\u00fcsselgewalt\u201c zum Eintritt in das Reich Gottes erhalten hat (Mt 16,18; vgl. Joh 21,15-19), wird seine Anwesenheit in der Apostelgeschichte auch besonders betont, wenn die Grenzen des Gottesvolkes des Neuen Bundes nun schrittweise erweitert werden und als \u201eg\u00f6ttliche\u201c Best\u00e4tigung ein \u201eerneuter\u201c korporativer Geistempfang (wie an Pfingsten) f\u00fcr die gl\u00e4ubigen Juden (Apg 2,1-41), Samaritaner (Apg 8,14-17) und Heiden (Apg 10,44) erfolgt. Der besonders betonte Empfang des Heiligen Geistes best\u00e4tigt die Zugeh\u00f6rigkeit zum Volk Gottes (vgl. Apg 10,44-48 mit 11,15-18). Die Ereignisse in Apg 10+11 markieren das Ende der besonderen Mission des Petrus, da mit der Best\u00e4tigung der M\u00f6glichkeit des Geistempfangs f\u00fcr die \u201eHeiden\u201c sein besonderer Auftrag erf\u00fcllend zum Abschluss gekommen ist. Nun beginnt die Mission bis an die Enden der Erde (vgl. Mt 28,18-20 mit Apg 1,8). Diese besondere Betonung des Geistempfangs erfolgt in der Apostelgeschichte zum Teil aber gerade als Ausnahme von der Regel (z.B. Glaube ohne Geistempfang). Diese Ausnahmen (z.B. Apg 8) werden aber als heilsgeschichtlich einmalige Ereignisse verst\u00e4ndlich und f\u00fcgen sich z.B. unter der Beachtung der betreffenden Personen und Berufungen (z.B. Petrus) in das biblische Grundschema ein (R\u00f6m 8,9+14; 1Kor 12,13; Eph 1,13f).<br \/>\nDer normalerweise unmittelbare Zusammenhang von Geisterf\u00fcllung und Glaube wird an zwei Stellen im NT markant durchbrochen (Apg 8,14-25; 19,1-7). In beiden F\u00e4llen erfolgt der Geistempfang in Verbindung mit apostolischer Handauflegung (Apg 8,17; 19,6). Auff\u00e4llig ist, dass der im NT normative Zusammenhang von Glaube und \u201eGeisttaufe\u201c nur dann durchbrochen wird, wenn \u201eK\u00f6rperschaften\u201c ins Blickfeld treten (Samaritaner) bzw. aus dem Blickfeld verschwinden (Johannesj\u00fcnger), die in einem besonderen Verh\u00e4ltnis zum Volk Israel und zur Mission Jesu stehen. Aus diesem Grund ist auch in unserem Predigttext zwischen dem normativen Inhalt (= Notwendigkeit des Geistempfangs) und der beschriebenen Form zu unterscheiden. Im Predigttext wird somit der \u00dcbergang vom Alten zum Neuen Bund im Wirken des Apostels Paulus noch einmal abschlie\u00dfend und endg\u00fcltig markiert und best\u00e4tigt (vgl. Apg 19,1-7 mit Lk 16,16; Mt 11,12f).<\/p>\n<p>4. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Auf Kurs bleiben zur<br \/>\na) Abl\u00f6sung \u2013 Klarstellung im Hinblick auf den Empfang des Geistes (V. 1-7)<br \/>\nb) Losl\u00f6sung \u2013 Klarstellung im Hinblick auf die Verk\u00fcndigung des Evangeliums (V. 8-10)<br \/>\nc) Erl\u00f6sung \u2013 Klarstellung im Hinblick auf die Auswirkungen des Glaubens (V. 11-20)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen ZeitenPredigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; zur Klarstellung Bibelstelle: Apostelgeschichte 19, 1-20 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren. 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