{"id":1711,"date":"2010-06-01T13:06:59","date_gmt":"2010-06-01T11:06:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=532"},"modified":"2010-06-01T13:06:59","modified_gmt":"2010-06-01T11:06:59","slug":"predigthilfe-vom-13-6-2010-apostelgeschichte-18-18-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-13-6-2010-apostelgeschichte-18-18-28\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 13.6.2010 &#8211; Apostelgeschichte 18, 18-28"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen Zeiten<br \/>Predigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; trotz Unverst\u00e4ndnis<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Apostelgeschichte 18, 18-28<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Der Predigttext (Apg 18,18-28) beschreibt das Ende der zweiten und den Beginn der dritten Missionsreise. Auf der einen Seite wird uns die Notwendigkeit der Dienstkontinuit\u00e4t vor Augen gef\u00fchrt (am Beispiel des Paulus) und auf der anderen Seite wird uns die Notwendigkeit der Dienstunterst\u00fctzung vor Augen gef\u00fchrt (am Beispiel von Aquila + Priszilla und von Apollos). Beides ist n\u00f6tig, dass das Evangelium verk\u00fcndigt und ausgebreitet werden kann. Aber damit wir auf diesem Kurs bleiben k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir lernen, Unverst\u00e4ndnis zu \u00fcberwinden (= Predigtthema). Hierbei ist zu beachten, dass wir immer als \u201eLernende\u201c (= J\u00fcnger) mit dem Herrn auf seinem Weg gehen.<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.<br \/>\n* Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus, 1980. S. 332-340.<br \/>\n* Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil. Edition C-Bibelkommentar Bd. 9. Neuhausen: H\u00e4nssler, 1990. S. 178-188.<br \/>\n* Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. Herausgegeben von Arno Pagel. 7. Aufl. Lahr: VLM, 1996. S. 229-238.<\/p>\n<p>Zur Vorbereitung der Predigt empfehlen wir das Anh\u00f6ren (im Sinne von Apg 17,11b) der textbezogenen Predigt mit praktischen Anwendungen von Wolfgang Nestvogel mit dem Titel \u201eEinsatz in Ephesus\u201c (Predigt vom 17.01.2010 unter http:\/\/begh.podspot.de\/?page=5).<\/p>\n<p>A) Paulus bleibt auf dem Weg (V. 18-23)<\/p>\n<p>V. 18-21: \u201eEs gab bei den Israeliten mancherlei Gel\u00fcbde, welche im Alten Testament h\u00e4ufiger erw\u00e4hnt werden (4Mose 30; 3Mose 27,2-25; 5Mose 23,22-24). Welcher Art das Gel\u00fcbde des Paulus war, ob es einem Nasir\u00e4atsgel\u00fcbde \u00e4hnlich war, wie manche glauben, (4Mose 6), wissen wir nicht. Wir wollen uns deshalb an die einfache Tatsache halten, dass Paulus ein Gel\u00fcbde getan hatte und dasselbe hier erf\u00fcllte. Auch f\u00fcr uns gilt es treu zu sein in dem, was wir Gott gelobt haben [\u2026]. Wenn wir in schwerer Krankheitszeit oder in drohender Gefahr f\u00fcr unser eigenes oder unserer Angeh\u00f6rigen Leben oder bei drohendem Verlust unseres Eigentums das Gel\u00fcbde irgendeiner besonderen Dankbarkeit getan haben, so lasst uns nicht verziehen, dasselbe einzuhalten. Jakob erf\u00fcllte sein Gel\u00fcbde, das er nach dem Traum von der Himmelsleiter getan hatte (1Mose 28,20-22). Er zog wieder nach Bethel und baute dort seinen Altar (1Mose 35,1-7). Hanna brachte ihren Samuel zum Dienst in die Stiftsh\u00fctte, wie sie es gelobt hatte, obwohl sie sicherlich in ihrer Mutterliebe dieses Kind gern bei sich behalten h\u00e4tte (1Sam 1,11+27f; vgl. Ri 11,30-39). Auch Paulus handelte in Kenchre\u00e4 nach seinem Gel\u00fcbde. Nur in einem Fall haben wir unser Gel\u00fcbde nicht zu halten: Wenn dasselbe einem klaren Wort oder Willen Gottes zuwider ist, dann sind wir nie und nimmer an dasselbe gebunden [\u2026]. W\u00e4hrend Paulus an vielen Orten in den Synagogen mit den abscheulichsten Verw\u00fcnschungen \u00fcberh\u00e4uft wurde, bat man ihn in der Synagoge zu Ephesus, er m\u00f6ge doch noch l\u00e4nger dableiben. Wie wohltuend muss dem Apostel diese Bitte gerade in der Synagoge gewesen sein!<br \/>\n* Die Veranlassung dieser Bitte: Paulus hatte trotz aller b\u00f6sen Erfahrungen, die er immer wieder in den Synagogen gemacht hatte, auch trotz der \u00fcblen Behandlung an seinem letzten Wirkungsort Korinth (V. 4-6) dennoch sich in Ephesus gleich wieder in dieses gottesdienstliche Haus seines Volkes begeben und dort geredet. Alle fr\u00fcheren und die zuletzt neu hinzugekommenen Kr\u00e4nkungen hatten ihn nicht aus der Liebe herausbringen k\u00f6nnen. Seine Geduld war wohl auf harte Proben gestellt worden. Aber er hatte in diesen Proben durchgehalten. Mancher w\u00e4re an seiner Stelle nicht mehr in die Synagoge gegangen. Aber Paulus lie\u00df sich nicht erbittern, sondern hoffte und liebte weiter. Solche Liebe gewinnt die sch\u00f6nsten Siege im Reich Gottes. Durch sie kam es zu dieser Bitte in Ephesus. Vielleicht bringen wir uns um manche k\u00f6stliche Erfahrung und manchen lieblichen Sieg durch unsere Ungeduld und unseren Mangel an Liebe, weil wir uns nach erfahrenen Kr\u00e4nkungen so schnell zur\u00fcckziehen. Wollen wir liebliche Erfahrungen machen, so lasst uns von der ausdauernden Liebe des Paulus etwas lernen. Die stammt aus Jesu Liebe.<br \/>\n* Die Bedeutung dieser Bitte: Es ist f\u00fcr die Freunde des Reiches Gottes wichtig, dass sie die Kennzeichen einer herannahenden g\u00f6ttlichen Erweckungs- und Gnadenzeit nach der Schrift erkennen und solche Zeit benutzen lernen. Ephesus stand vor einer (in Apg 19 beschriebenen) gro\u00dfen Erweckung. Wo zeigt sich die erste Spur dieser anbrechenden Zeit? Wir sehen sie in der hier ausgesprochenen Bitte (\u201asie baten ihn, dass er l\u00e4ngere Zeit bei ihnen bliebe\u2018), die uns ein wenig in die Herzen jener Zuh\u00f6rer hineinblicken l\u00e4sst. In dem starken Verlangen nach der lauteren Speise des g\u00f6ttlichen Wortes merken wir zuerst das gute Ackerland f\u00fcr den Samen des Evangeliums. Paulus wird in der Bitte jener Epheser einen g\u00f6ttlichen Hinweis zur Missionsarbeit in dieser Stadt erkannt haben. Wenn er auch sein klar erkanntes Ziel der Heimreise nicht aufgeben konnte und durfte, so war ihm doch f\u00fcr die Zukunft ein Arbeitsfeld gezeigt worden, dem er m\u00f6glichst bald zustrebte.<br \/>\n* Die Beantwortung dieser Bitte: In der Beantwortung dieser Bitte verband Paulus Festigkeit, Freundlichkeit und Vorsicht. Fest und bestimmt lehnte er f\u00fcr jetzt ab (\u201aer willigte nicht ein\u2018). Freundlich und bereitwillig versprach er dem Wunsch f\u00fcr die Zukunft entgegenzukommen (\u201aich will wieder zu euch kommen\u2018). Vorsichtig f\u00fcgt er die wichtige Bedingung hinzu, die wir bei keinem Zukunftsplan vergessen d\u00fcrfen: \u201aSo der Herr will\u2018. Wie oft mangelt uns die eine oder andere dieser Eigenschaften bei den Entscheidungen, die wir zu treffen haben\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 229-231).<\/p>\n<p>V. 22f: Hier \u201ewerden uns drei Besuche von Paulus berichtet, die auch f\u00fcr unser Christenleben ihre Bedeutung haben:<br \/>\n* Zuerst sein Besuch bei der Muttergemeinde in Jerusalem (denn diese ist mit dem Ausdruck &#8222;die Gemeinde&#8220; gemeint). Dieser erste Besuch beweist uns, wie sehr dem Paulus daran gelegen war, das Band mit der ersten christlichen Gemeinde und damit auch das Band mit der Gesamtchristenheit aufrecht zu erhalten. Es schien manchmal, als wollte sich dieses Band lockern. In Jerusalem bestand eine streng gesetzliche Richtung, welche die Arbeit des Paulus nicht ohne Misstrauen ansah (15,5; 21,20f). Demgegen\u00fcber sagt Paulus nicht etwa: Es ist mir ganz gleichg\u00fcltig, was diese oder jene Christen in Jerusalem \u00fcber mich denken. Vielmehr suchte er, wo er nur konnte, alle Misstrauenswolken durch pers\u00f6nliche F\u00fchlungnahme mit der Gemeinde in Jerusalem zu zerstreuen. Er handelte damit ganz im Sinne Jesu, dem die Einigkeit aller seiner J\u00fcnger so besonders am Herzen lag (Joh 17,21; vergleiche Eph 4,3-6). Lasst auch uns immer darauf bedacht sein, das Band mit allen Gotteskindern zu pflegen und zu befestigen und aller Zertrennung entgegenzuarbeiten.<br \/>\n* Sein zweiter Besuch galt Antiochien. Weshalb ging er dorthin? Hier war der Kreis, in welchen die g\u00f6ttliche F\u00fchrung ihn einst hineingestellt hatte. Dorthin hatte ihn Barnabas in die Arbeit berufen (11,25f). Hier wohnten die Beter, welche durch g\u00f6ttliche Erleuchtung zuerst seine Aufgabe in der Heidenwelt erkannt hatten. Von hier war er einst ausgesandt worden (13,1-3). Wenn Paulus im Lauf der Jahre noch so gro\u00dfe und wichtige Wirkungskreise gefunden hatte, so besuchte er doch immer wieder diese Gemeinde, mit der er durch seine F\u00fchrung in allererster Linie verwachsen war (14,26-28). Auch wir wollen niemals eine Verbindung, die Gott uns durch unsere Lebensf\u00fchrung in besonderer Weise wichtig gemacht hat, gering achten und vernachl\u00e4ssigen, sondern dankbar festhalten und zu beiderseitiger St\u00e4rkung pflegen (1Sam 23,16-18).<br \/>\n* Die dritte Missionsreise des Paulus beginnt mit seinem Besuch der Gemeinden in Galatien und Phrygien. Auch dieser Besuch hat uns etwas zu sagen. Die J\u00fcnger in Galatien und Phrygien waren geistliche Kinder des Paulus. Er hatte sie auf seiner fr\u00fcheren Missionsreise (Apg 14) f\u00fcr den Herrn gewinnen d\u00fcrfen. Diese seine geistlichen Kinder lie\u00df er nicht ohne Pflege. Er trieb nicht immer nur Missions- und Evangelisationsarbeit zur Gewinnung neuer Seelen. Er verwandte auch bestimmte Zeit auf die Befestigung der Gl\u00e4ubigen (vgl. 14,22; 16,4). Wie wichtig ist doch auch diese Arbeit, wo man \u201adie Schwachen st\u00e4rkt\u2018 (Hes 34,4; Sach 11,16) und \u201adie L\u00e4mmer weidet\u2018 (Joh 21,15). Vor Menschen mag diese Arbeit nicht so in die Augen fallen wie die erste Missionierung an manchem Ort. Der Erfolg l\u00e4sst sich nicht so nach au\u00dfen erkennen oder zahlenm\u00e4\u00dfig ausdr\u00fccken. Aber ihr Wert ist nicht kleiner. Noch einmal sei erinnert an das Wort von Rektor Dietrich, der einmal zum Schreiber dieser Zeilen sagte: \u201aEs gibt viele in unserer Zeit, die herumreisen und Raketenfeuer anz\u00fcnden wollen. Aber es gibt wenige, die Kinder pflegen wollen. Und doch ist diese Geduldsarbeit so dringend n\u00f6tig\u2018. Paulus pflegte auch die geistlichen Kinder\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 231-233).<\/p>\n<p>B) Apollos lernt auf dem Weg (V. 24-28)<\/p>\n<p>V. 24f: \u201eIn Apollos lernen wir einen reichgesegneten Arbeiter im g\u00f6ttlichen Weinberg kennen (1Kor 1,12; 3,6+22; 16,12). Drei St\u00fccke waren es vor allem, die ihn zu solch brauchbarem Werkzeug des Herrn machten:<br \/>\n* Seine Inbrunst: Er war ein \u201aberedter\u2018 Mann. Diese Beredsamkeit war nicht etwa nur eine nat\u00fcrliche Begabung. Solche gibt es auch bei vielen Gegnern des wahren Christentums. Seine Beredsamkeit floss aus innerer Herzensliebe zu der g\u00f6ttlichen Wahrheit, die er vertrat. Er redete nicht kalt und trocken von einer Lehre, die er nur mit dem Verstand erfasst hatte, sondern er sprach mit einem inneren Eifer und einer heiligen Glut, die auch andere nicht kalt lie\u00df, sondern entz\u00fcndete und mit fortriss (R\u00f6m 12,11; vgl Offb 3,15).<br \/>\n* Seine Schriftkenntnis: Sodann war er in Gottes Wort zu Haus. Er war \u201am\u00e4chtig in der Schrift\u2018. Nicht im Vertrauen auf seine alexandrinische Bildung zog er in den Kampf hinein (so sehr diese ihm auch von Nutzen sein konnte), sondern mit dem teuren Wort Gottes, das allein die Herzen bezwingt. Er hatte die Kraft dieses Buches an seinem eigenen Herzen geschmeckt. Nun ging er mit dieser Waffe an andere Seelen heran und \u00fcberwand sie. Wohl allen Arbeitern im Reich Gottes, die dieses beste Schlachtschwert besitzen. Andere Waffen reichen nicht aus (Ps 119,97-100+111; Eph 6,17).<br \/>\n* Seine Demut: Vor allem aber war Apollos ein dem\u00fctiger Mann. Trotz seiner reichen inneren und \u00e4u\u00dferen Gaben verschm\u00e4hte er es nicht, sich von den einfachen Handwerkern Aquila und Priscilla unterweisen und das geben zu lassen, was ihm noch an christlicher Erkenntnis fehlte. Er hielt es nicht f\u00fcr weit unter seiner W\u00fcrde, als gebildeter Mann von schlichten Zeltwebern noch etwas zu lernen. Die Anerkennung, die ihm bei seiner gro\u00dfen Redebegabung ohne allen Zweifel da und dort zuteil geworden war, hatte ihn nicht zu dem Wahn verleitet, dass er einer weiteren Belehrung nicht mehr bed\u00fcrfe, sondern selbst alles am besten wisse. Apollos, der wie wenige den Platz eines Redners und Lehrers in der Synagoge ausf\u00fcllen konnte, setzte sich auch gern als H\u00f6rer auf die Schulbank, um von zwei Leuten, die an \u00e4u\u00dferer Bildung sicherlich weit unter ihm standen, zu lernen. Diese Demut des Apollos ist noch wichtiger als seine \u00fcbrigen Vorz\u00fcge. Die gesegnetsten Werkzeuge im Reiche Gottes sind durchaus nicht immer die, welche die gl\u00e4nzendsten Gaben haben, sondern vielmehr die, welche klein und niedrig bleiben und den Sch\u00fclersinn nicht verlieren. An ihnen erf\u00fcllt sich das Wort, welches auch von Apollos gilt: Wer sich sagen l\u00e4sst, den l\u00e4sst man auch allezeit wiederum reden (Spr 21,28; 12,1; 11,2b; 29,23; 1Petr 5,5)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 233f).<\/p>\n<p>V. 26: \u201eUnser Text l\u00e4sst uns nicht nur einen Blick tun in die Demut des Apollos, der sich von Aquila und Priscilla etwas sagen l\u00e4sst, sondern auch in die Weisheit dieses Ehepaares, mit der es den Apollos belehrte. Nicht jeder h\u00e4tte sich dazu geeignet, diesen bedeutenden Redner auf das, was ihm noch fehlte, in der richtigen Weise aufmerksam zu machen. Wie wichtig ist doch die Kunst, andere Menschen zu belehren, dass sie etwas von uns annehmen. Wie selten wird sie gefunden. Von Aquila und Priscilla k\u00f6nnen wir etwas von dieser heiligen Kunst lernen. Drei Hinweise k\u00f6nnen wir aus ihrem Verhalten lernen, indem wir beachten: wann, wo und wie sie den Apostel unterwiesen:<br \/>\n* Erst nachdem sie ihn pers\u00f6nlich geh\u00f6rt, also aus eigener Anschauung Vorz\u00fcge und M\u00e4ngel dieses Gottesknechtes kennengelernt hatten, sprachen sie mit ihm (\u201ada ihn aber Aquila und Priscilla h\u00f6rten\u2018). Wollen wir andere belehren, so lasst uns dieselben zuerst so kennenlernen, dass wir imstande sind, ein eigenes Urteil \u00fcber sie zu gewinnen und ihnen gerecht zu werden.<br \/>\n* Nicht vor versammeltem Publikum, nicht in der Versammlung der Synagoge widersprachen sie ihm irgendwo oder machten ihn dort auf die gro\u00dfe L\u00fccke in seiner Erkenntnis aufmerksam, vielmehr suchten sie ein stilles Zusammensein mit ihm zu erreichen, was ihnen auch gelang. (Sie \u201anahmen ihn zu sich\u2018). Welch zartes Taktgef\u00fchl liegt doch in der Wahl dieses Ortes ihrer Unterweisung. Lasst auch uns niemals einem von Gott gesegneten Werkzeug in Gegenwart anderer Menschen, etwa in der Versammlung, in liebloser Weise entgegentreten. Wir verschlie\u00dfen uns dadurch vielleicht selbst eine T\u00fcre, die uns offenstehen k\u00f6nnte.<br \/>\n* Bei ihrer Unterweisung kn\u00fcpften Aquila und Priscilla an das an, was Apollos schon an richtiger Erkenntnis des g\u00f6ttlichen Weges besa\u00df. Sie stellten sich nicht so, als ob das, was Apollos bis dahin erkannt hatte, noch gar nichts wert w\u00e4re. (Sie \u201alegten ihm den Weg Gottes noch tiefer aus\u2018). Demut und Liebe gaben ihnen die richtige Weisheit ins Herz und auf die Lippen. Man merkt, dass sie nicht umsonst so lange in der Gemeinschaft des Paulus gelebt hatten. Gott gebe uns von der Weisheit dieses Ehepaares ein reiches Ma\u00df! (Jak 1,5)\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 234f).<\/p>\n<p>V. 27f: \u201eBei der Abreise des Apollos nach Achaja sandten die Christen von Ephesus ein Empfehlungsschreiben f\u00fcr Apollos dorthin. Sie ermunterten die Christen Achajas zur freundlichen Aufnahme des Apollos.<br \/>\n* Dieses Empfehlungsschreiben zeigt uns die Verbindung zwischen den Christen der verschiedenen L\u00e4nder. Zwischen Ephesus und Achaja lag ein weites Meer. Man h\u00e4tte denken k\u00f6nnen: Was gehen die Christen auf der einen Seite des Meeres die auf dem anderen Ufer an? Aber so dachten jene Br\u00fcder nicht. Die \u00e4u\u00dfere weite Entfernung hinderte die innere N\u00e4he und Verbundenheit nicht. Sie traten miteinander in Briefwechsel. Sie \u00fcbersandten ihnen Nachricht von dem Segen, den sie durch Apollos gehabt hatten. Sie sorgten daf\u00fcr, dass jene Br\u00fcder gleich Bescheid wussten \u00fcber den neuen Ank\u00f6mmling. Es war ihnen wichtig, dass jene desselben Segens durch Apollos teilhaftig w\u00fcrden. Gl\u00e4ubige Christen gehen einander etwas an. Sie gehen nicht kalt aneinander vor\u00fcber wie die Welt. Sie kennen sich \u201aals die Unbekannten und doch bekannt\u2018. Jeder ist darauf bedacht, dem anderen zum Segen zu verhelfen. Sie warnen sich untereinander, sie empfehlen diesen und jenen, je nachdem es am Platze ist. Wohl allen, die sich auch in dieser Liebeskette befinden, welche die Gl\u00e4ubigen aller L\u00e4nder umschlingt (R\u00f6m 16,1; 2Tim 4,14f).<br \/>\n* Aber auch eine traurige Seite hat dieses Empfehlungsschreiben: Wenn jeder fremde Bruder und Redner damals ganz und voll vertrauensw\u00fcrdig gewesen w\u00e4re, so bedurfte es gar keines derartigen Schreibens. Aber schon in jener Zeit gab es auch \u201afalsche Br\u00fcder\u2018 (2Kor 11,26; Tit 1,10f). Weil solche sich da und dort einschlichen, konnte man nicht jedem aus der Ferne kommenden Bruder ohne weiteres mit Vertrauen begegnen. Dieses Empfehlungsschreiben deutet geradezu darauf hin, dass Christen in der Zulassung fremder, unbekannter Redner vorsichtig sein mussten. Auch bei uns gilt es: Lasst uns nicht jeden fremden Bruder und Redner unbesehen in unsere Kreise aufnehmen, besonders, wenn es sich um den Diener der Wortverk\u00fcndigung handelt. Schon manchmal ist Trennung und Spaltung entstanden durch allzu vertrauensselige Aufnahme fremder Br\u00fcder. Es ist viel besser, zuerst von Christen, welche den betreffenden Bruder schon l\u00e4nger kennen, Auskunft zu erbitten, ob er auch einer vertrauensvollen Aufnahme wert ist.<br \/>\n* Dieses Empfehlungsschreiben kann deshalb f\u00fcr jeden Arbeiter im Reich Gottes auch die stille Mahnung enthalten, so zu wandeln und zu arbeiten, dass er das Vertrauen der Br\u00fcder seines Arbeitsfeldes gewinnt und von denselben an anderen Pl\u00e4tzen empfohlen werden kann. Wer in Demut und Einfalt dem Herrn dient wie Apollos, der wird sicherlich &#8211; wie er &#8211; ein gutes Zeugnis aus dem Bruderkreis mitbringen, in dem er gestanden hat. Dagegen wird ein solcher, der das Seine sucht, gern herrschen will und Trennung verursacht, nicht leicht f\u00fcr andere Orte empfohlen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDie kurze Schilderung der weiteren T\u00e4tigkeit des Apollos l\u00e4sst uns eine dreifache Wirkung seiner Arbeit erkennen: Dieselbe brachte den Gl\u00e4ubigen Hilfe (\u201aer half viel denen, die gl\u00e4ubig geworden waren\u2018), den Gegnern des Evangeliums Niederlagen (\u201aer \u00fcberwand die Juden best\u00e4ndig\u2018) und unserem Herrn Jesus Christus Ehre und Anerkennung (\u201aer erwies \u00f6ffentlich, dass Jesus der Christus sei\u2018). Das sind Kennzeichen gesegneter Arbeit. Solche findet man bei den Reformatoren und allen wahren Gottesm\u00e4nnern immer wieder. Wie manche Reichsgottesarbeit bringt den Gl\u00e4ubigen nicht Hilfe, sondern allerlei Kummer und erweckt ihnen ernste Bedenken. Einer anderen mangelt die Durchschlagskraft, welche die Feinde \u00fcberwindet, eine dritte bringt der eigenen Partei mehr Ehre und Anerkennung als dem Heiland. Wo aber ein rechter, von Gott gesandter Zeuge wirkt, da freuen sich die Gl\u00e4ubigen und sp\u00fcren eine Hilfe durch seine Arbeit; die Feinde aber f\u00fcrchten sich und merken, dass ihrer Sache Abbruch getan wird. Aber dem Namen Jesu wird mehr und mehr Ehre gemacht. Lasst uns bitten, dass Gott Arbeiter in seine Ernte sende, welche diese dreifache Segensspur des Apollos zur\u00fccklassen (Mt 9,36-38). Der Anblick der so reich gesegneten Arbeit des Apollos weckt unwillk\u00fcrlich den Wunsch in uns, bei der T\u00e4tigkeit f\u00fcr Jesus in die Segensbahnen dieses Mannes hineinzukommen. Wie aber ist dies m\u00f6glich? Unser Textwort deutet uns ein dreifaches Geheimnis der gesegneten Arbeit an:<br \/>\n* Die Quelle der Apollosarbeit war Gnade: Nicht durch seine gro\u00dfen Redegaben, nicht durch seine Klugheit im Beweisen und dergleichen, sondern \u201adurch die Gnade\u2018 half er den Gl\u00e4ubigen. Wo liegt der tiefste Grund, weshalb manche Arbeit im Reiche Gottes nicht mehr Frucht bringt? Der Fehler steckt in vielen F\u00e4llen darin, dass in eigener Kraft gearbeitet wird. Deshalb wollen wir dankbar sein, wenn Gott seine Werkzeuge oft auch leiblich auf das tiefste dem\u00fctigt und zerbricht. Je schw\u00e4cher und \u00e4rmer wir in uns selbst werden, desto mehr lernen wir aus der Quelle des Apostels zu sch\u00f6pfen und \u201adurch die Gnade anderen zu helfen\u2018.<br \/>\n* Das Mittel der Arbeit des Apollos war die Schrift: Durch diese \u00fcberwand er die Feinde und bewies ihnen, dass Jesus der Messias ist. In unserer Zeit sucht man mit allerlei Kunst- und Ersatzmitteln die Christusfeindschaft zu bek\u00e4mpfen. Zuletzt wird man merken, dass nur diese Waffe des g\u00f6ttlichen Wortes sich als siegreich erweist (Eph 6,17).<br \/>\n* Das Ziel der Arbeit des Apollos war das richtige: Er wollte nur eins, n\u00e4mlich Menschen dahin bringen, dass sie Jesus als ihren Heiland erkannten und ann\u00e4hmen. Er lehrte Christus und nichts als Christus. Wenn eine Arbeit aus dieser Quelle flie\u00dft, mit diesem Mittel k\u00e4mpft und dieses Ziel verfolgt, so ist sie in den rechten Bahnen, zu denen Gott sich bekennen kann\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 235-238).<\/p>\n<p>Fazit: \u201eDiese Stelle malt uns in kurzen Worten das reich gesegnete Leben des Apollos vor Augen:<br \/>\n* Die Wurzeln seines Segens: Lagen diese etwa in seiner nat\u00fcrlichen, besonders reichen Begabung und Beredsamkeit? Wir wollen solche Gaben nicht verachten, doch gibt es Tausende von begabten Rednern, die Menschenmassen in das Verderben f\u00fchren. Ein anderes ist wichtiger. Apollos war nicht nur \u201aberedt\u2018, sondern auch \u201am\u00e4chtig in der Schrift\u2018. Hier haben wir eine Segenswurzel von gro\u00dfer Bedeutung. Er war mit seiner Begabung in die Schrift hineingegangen. Dort hatte er graben und g\u00f6ttlich denken gelernt. Oh, dass wir gl\u00e4nzend veranlagten Leuten in der Gemeinde Jesu, die eine Apollosbegabung haben, zurufen k\u00f6nnten: \u201aIns Bibelwort hinein!\u2018 Wer mit der Schrift recht umgehen lernt, der hat die Segensquelle gefunden, die wir alle am n\u00f6tigsten brauchen.<br \/>\n* Das Wachstum seines Segens: Es gibt Segensmenschen, die abnehmen und verflachen, sei es durch Hochmut, den ihr Erfolg mit sich bringt, sei es durch irgendwelche Untreue. Apollos dagegen nahm an Segen zu. Wodurch? Es sind keine Leidensschulen erw\u00e4hnt, durch die oft die gesegnetsten Werkzeuge Gottes innerlich weiter und tiefer gef\u00fchrt werden. Wohl aber ist uns ein anderes wichtiges Mittel zum Wachstum des Segens genannt: Apollos lie\u00df sich von einfachen Br\u00fcdern und Schwestern etwas sagen. Er nahm es von Aquila und Priscilla gern an, dass sie ihm den Weg Gottes noch tiefer auslegten. Demut hat hundert Gelegenheiten zur F\u00f6rderung, an denen der Hochmut stolz vorbeigeht. Apollos sagte nicht: \u201aIhr armen Laien und Teppichweber, meint ihr etwa, ihr k\u00f6nntet mich, den beredten und in der Schrift m\u00e4chtigen Mann, noch etwas lehren? Setzt euch lieber mir zu F\u00fc\u00dfen!\u2018 Oh nein, er konnte sich auf die Schulbank setzen. Das ist der Weg zum Wachstum des Segens.<br \/>\n* Das Ziel des Segens: Was erreichte Apollos? Brachte er es etwa mit all seinen Gaben zu einer einflussreichen oder gewinnbringenden Stellung? Davon h\u00f6ren wir nichts. Aber etwas viel Gr\u00f6\u00dferes erlangte dieser Mann. Er half den Gl\u00e4ubigen, indem er viele Juden, die erst widerstrebten, durch die Schrift \u00fcberzeugte, dass Jesus der Christus (Messias) ist. Welch k\u00f6stliche Frucht! Wie viele gehen dahin mit den gl\u00e4nzenden F\u00e4higkeiten eines Apollos! Aber sie stellen dieselben nur in den Dienst des Gewinnstrebens und der eitlen Ehre. Wie viel herrlicher ist doch das Ziel, das Apollos erreichen durfte! Dasselbe d\u00fcrfen auch wir selbst im stillsten und verborgensten Kreise ins Auge fassen. So helfe uns Gott, dass auch wir im Wort Gottes wurzeln, von den Br\u00fcdern uns sagen lassen und Menschen f\u00fcr den Heiland werben! (Alfred Christlieb).<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>Unsere Predigt\u00fcbersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erh\u00e4ltlich) benennt als m\u00f6glichen Schwerpunkt f\u00fcr die Predigt das Thema \u201eGlaubenskorrekturen\u201c. Am Beispiel des Paulus erkennen wir, dass es Situationen gibt, wo der Kurs nicht ver\u00e4ndert werden darf, aber andere Mitarbeiter die Arbeit weiterf\u00fchren m\u00fcssen und k\u00f6nnen. Am Beispiel des Apollos erkennen wir, dass der Kurs zwar stimmen kann, aber auf dem Weg neue Erkenntnisse gewonnen werden k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Beide bleiben so auf dem Kurs des Evangeliums. Paulus erf\u00e4hrt Unverst\u00e4ndnis \u00fcber seinen Weg und bei Apollos ist an einer Stelle Unverst\u00e4ndnis im Evangelium zu \u00fcberwinden. Durch beide \u201eBr\u00fcder\u201c k\u00f6nnen wir entdecken, wie auch wir mit den unterschiedlichen Formen von \u201eUnverst\u00e4ndnis\u201c (= Predigtthema) umgehen k\u00f6nnen, so dass das Evangelium im Lauf nicht gehindert wird.<\/p>\n<p>4. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Auf Kurs bleiben?<br \/>\na) Unverst\u00e4ndnis \u00fcber den Weg \u2013 Paulus bewahrt den Fortgang (V. 18-23)<br \/>\nb) Unverst\u00e4ndnis im Wort \u2013 Apollos erf\u00e4hrt den \u00dcbergang (V. 24-28)<\/p>\n<p>oder nach Wolfgang Nestvogel: Einsatz in Ephesus<br \/>\na) Ein bekehrter Traditionalist aus Tarsus<br \/>\nb) Ein begabter Hei\u00dfsporn aus Alexandria<br \/>\nc) Ein bew\u00e4hrtes Ehepaar aus Rom<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: Kurs halten in st\u00fcrmischen ZeitenPredigtthema: Auf Kurs bleiben &#8211; trotz Unverst\u00e4ndnis Bibelstelle: Apostelgeschichte 18, 18-28 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren. 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