{"id":1662,"date":"2009-05-25T12:54:03","date_gmt":"2009-05-25T10:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=483"},"modified":"2009-05-25T12:54:03","modified_gmt":"2009-05-25T10:54:03","slug":"predigthilfe-vom-28-6-2009-apostelgeschichte-17-16-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-28-6-2009-apostelgeschichte-17-16-34\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 28.6.2009 &#8211; Apostelgeschichte 17, 16-34"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: In der Gemeinde des Herrn leben<br \/>Predigtthema: Die Auseinandersetzung akzeptieren<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: Apostelgeschichte 17, 16-34<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B. Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. 7. Aufl. Liebenzell: VLM, 1996. S. 181-209 (nachfolgend zum Teil in den Predigttipp eingearbeitet) und Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil \/ Edition C Bibelkommentar 9. Neuhausen: H\u00e4nssler, 1990. S. 158-169.<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Bei unserem Predigttext handelt es sich um eine ausf\u00fchrliche Predigt an Heiden, die in der Hauptstadt der griechischen Philosophie gehalten wird. Exemplarisch k\u00f6nnen wir hier lernen, wie die Auseinandersetzung mit einer heidnischen Religi\u00f6sit\u00e4t zu f\u00fchren ist und was eine evangelistische Predigt ausmacht. Die Vertreibungs- und Verfolgungssituation von Apg 17,1-15 wird nun weiter fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>A. Die Auseinandersetzung akzeptieren, aber mit welcher Motivation? (V. 16-21)<\/p>\n<p>Beachten: Die Missionsstrategie wird nicht ge\u00e4ndert, zuerst erfolgt die Synagogenpredigt. Paulus setzt sich mit drei Kontexten in Athen auseinander: Synagoge (= \u201aKirche\u2018) \u2013 Agora (= \u201aMarktplatz\u2018) \u2013 Areopag (= \u201aUniversit\u00e4t\u2018).<\/p>\n<p>\u201ePaulus betrachtet die Stadt Athen (V. 16):<br \/>\n1. Worauf Paulus beim Anschauen der Stadt besonders achtete &#8211; Die Stadt Athen war eine herrliche Stadt. Aus V. 21 erfahren wir, dass viele fremde Personen aus anderen L\u00e4ndern kamen, die Stadt zu besuchen. Das war nicht zu verwundern. Sie bot sehr vieles. An \u201agoldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht\u2018 (V. 29), fehlte es nicht. Allerlei sch\u00f6ne Tempel und Alt\u00e4re (V. 23) zierten die Stra\u00dfen. Der ber\u00fchmte Areopag (\u201aRichtplatz\u2018, V. 22) wurde von Tausenden besucht. Das Auge des Paulus hat auf allen diesen Sehensw\u00fcrdigkeiten geruht. Er ging. wie andere Ausl\u00e4nder durch die Stadt hindurch und schaute alles an. Und doch betrachtete er die Stadt ganz anders als andere Besucher. Ihm war es nicht um Augenweide und Bereicherung an Kunstkenntnissen zu tun. Ihm kam es auf etwas ganz anderes an. Er suchte zu erkunden, wie es in dieser Stadt in der wichtigsten, inneren Beziehung aussehe. Wie es mit der Gotteserkenntnis in Athen st\u00fcnde, darauf war das Augenmerk des Paulus bei dem Durchwandern der Stadt gerichtet. Dementsprechend war auch das Resultat seines Betrachtens ein ganz anderes als das der meisten Besucher. Mochten Tausende von Ausl\u00e4ndern bei dem Anblick Athens unter dem Eindruck stehen: Welch eine herrliche Stadt!, so stand Paulus in erster Linie unter dem Eindruck: Welch eine abg\u00f6ttische Stadt! Wie voll ist sie doch von G\u00f6tzenbildern! Wie blind sind diese Menschen doch in der wichtigsten Frage, die es gibt! Die \u00e4u\u00dfere Pracht des Ortes hatte ihn nicht so geblendet und bestochen, dass er dessen innere D\u00fcrftigkeit nicht durchschaut hatte. \u201aEr sah die Stadt so gar abg\u00f6ttisch!\u2018 So wie jener Knecht Gottes die Stadt Athen betrachtete, so sieht der Herr auch unsere St\u00e4dte, D\u00f6rfer und H\u00e4user an. Er kennt die Orte mitten in der Christenheit; die zwar keine G\u00f6tzenalt\u00e4re an den Stra\u00dfen zeigen, aber dennoch unter das Urteil fallen: \u201aEr sah jenen Ort so gar abg\u00f6ttisch\u2018.<br \/>\n2. Welche Gef\u00fchle durch den Anblick der Stadt in Paulus erweckt wurden &#8211; Es gibt Menschen, die das ganz kalt l\u00e4sst, wenn sie um sich her die schrecklichste Abg\u00f6tterei sehen. Sie glauben, es sei genug, wenn sie selbst nur au\u00dferhalb dieser heidnischen Finsternis stehen (1Mose 4,9). Dies war nicht die Stellung des Paulus. Ihn lie\u00df der Anblick jener vielen G\u00f6tzenbilder nicht gleichg\u00fcltig. Eine heilige Entr\u00fcstung erfasste sein Herz dabei. \u201aEr ergrimmte im Geist\u2018. Was sagt uns dieses Ergrimmen des Paulus in Athen? Es beweist uns den Eifer des Apostels f\u00fcr die Ehre seines Gottes und sein Interesse f\u00fcr das Heil der Menschen. Wenn Paulus nicht die Sache des Herrn so voll und ganz zur seinigen gemacht hatte, dann w\u00e4re sein Gem\u00fct nicht in solche Wallung geraten beim Anblick der zahlreichen G\u00f6tzenalt\u00e4re. Nun aber konnte er nicht ruhig dabei bleiben, wenn er sah, wie die Ehre, die dem Herrn allein zukam, den G\u00f6tzen gegeben wurde und wie zahllose Menschen ohne die rechte Gotteserkenntnis dahinlebten. Die Herzensstellung, welche sich in diesem Ergrimmen zeigt, ist das Geheimnis einer gesegneten und fruchtbaren Arbeit im Reiche Gottes. Sie besch\u00e4mt unseren Mangel an heiligem Eifer und unsere Lauheit beim Anblick der uns umgebenden S\u00fcndenmacht (vgl. Hes 9,4; Lk 19,41).<br \/>\n3. Das heilige Ergrimmen des Paulus darf mit dem s\u00fcndlichen Grimm unserer Natur nicht verwechselt werden (Jak 1,19f; Eph 4,31) &#8211; Es gibt allerlei Ingrimm, der uns erfassen kann. Von manchem Grimm gilt das Wort des sterbenden Erzvaters Jakob an seine Sane Simeon und Levi: \u201aVerflucht sei ihr Zorn, dass er so heftig ist, und ihr Grimm, dass er so st\u00f6rrig ist\u2018 (1Mose 49,5-7; vgl. Kap. 34). Wenn dem David beim Empfang der abweisenden und h\u00f6hnischen \u201aNabalsantwort\u2018 die Zornesader derart schwillt, dass er alles, was m\u00e4nnlich ist in Nabals Haus, umbringen will, so ist das menschliches Ergrimmen, das niemand, auch er selbst nicht, billigen kann (1Sam 25,21f. 32-34). Wenn Petrus das Ohr des Malchus abschl\u00e4gt (Joh 18,10) und Abisai dem fluchenden Simei gleich den Kopf abrei\u00dfen will (2Sam 16,9), so beweisen diese Geschichten, dass man nicht jedem gut gemeinten Ergrimmen gleich trauen darf, sondern allen Grund hat, gegen das eigene Herz recht misstrauisch zu sein. Es gibt auch einen \u201aKainsgrimm\u2018, der aus der H\u00f6lle stammt (1Mose 4,5; Joh 3,12). Derselbe steckt viel tiefer in uns, als wir denken, und kann sich sogar recht fromme M\u00e4ntelchen umh\u00e4ngen und als Eifer f\u00fcr Gott erscheinen. Derselbe Paulus, der hier in Athen \u00fcber die Abg\u00f6tterei ergrimmte, hielt es einstmals f\u00fcr heiligen Grimm, als er gegen die gl\u00e4ubigen Christen wie ein wildes Tier \u201amit Drohen und Morden schnaubte\u2018. Und heute noch glaubt mancher, dass es ein heiliger Zorn sei, der ihn treibe, gegen die J\u00fcnger Jesu zu k\u00e4mpfen, weil er weder die Schrift noch sein eigenes Herz recht erkannt hat.<br \/>\na) Das heilige Ergrimmen eifert nicht f\u00fcr das eigene, sondern f\u00fcr Gottes Interesse (Joh 2,17) &#8211; Weil wir uns so leicht \u00fcber uns selbst t\u00e4uschen und unseren s\u00fcndlichen Grimm f\u00fcr heiligen Zorn halten k\u00f6nnen, deshalb tut es dringend not, nach bestimmten biblischen Kennzeichen zu forschen, durch die man ein heiliges Ergrimmen von dem s\u00fcndlichen Zorn unterscheiden kann. Das erste Kennzeichen eines heiligen Ergrimmens besteht darin, dass dieses niemals f\u00fcr eigenes, pers\u00f6nliches, sondern nur f\u00fcr g\u00f6ttliches In\u00acteresse eifert. Wenn im Herzen des Paulus grimmige Gef\u00fchle aufgestiegen waren im R\u00fcckblick auf die neidischen Gegner, die ihn von Ber\u00f6a vertrieben hatten, so w\u00e4re dies kein heiliger Zorn, sondern eine Anwandlung von Rachsucht gewesen. Oder wenn ihn der Unmut dar\u00fcber erfasst hatte, dass die sehnlichst erwartete Ankunft von Silas und Timotheus sich so lange verz\u00f6gerte, so hatte dies Gef\u00fchl in der menschlichen Ungeduld seinen Ursprung gehabt. Oder wenn er einige Tage sp\u00e4ter dar\u00fcber erregt worden w\u00e4re, dass man ihn auf offenem Marktplatz in Gegenwart anderer Leute einen Lotterbuben nannte, so w\u00e4re dies eher gekr\u00e4nkte Eigenliebe als g\u00f6ttlicher Zorn gewesen. Aber Paulus ergrimmte weder \u00fcber alte noch \u00fcber neue pers\u00f6nliche Kr\u00e4nkungen, auch nicht \u00fcber Geduldsproben, sondern \u00fcber die gro\u00dfe Zahl der G\u00f6tzenbilder, welche Gottes Ehre sch\u00e4digten. Das war heiliger Grimm. Wenn heute bei uns einer dar\u00fcber ergrimmt, dass der Nachbar \u00fcber seinen Acker f\u00e4hrt oder ein anderer B\u00f6ses \u00fcber ihn redet und dergleichen, so k\u00f6nnen wir gewiss sein, dass dies solcher Zorn ist, von dem das Apostelwort gilt: \u201aAIle Bitterkeit und Grimm und Zorn sei ferne von euch\u2018 (Eph 4,31). Wenn aber ein bew\u00e4hrter Christ dar\u00fcber entr\u00fcstet ist, dass von einflussreichen Personen unserm Heiland die Krone geraubt wird, die ihm geb\u00fchrt, so ist solches Ergrimmen ganz anders zu bewerten. Wollen wir Nachfolger dessen sein, der in heiligem Grimm den Tempel reinigte, so lasst uns sorgf\u00e4ltig darauf acht haben, dass auch \u201ader Eifer um sein Haus\u2018 und nicht der um unser eigenes uns \u201afresse\u2018 und fortrei\u00dfe!<br \/>\nb) Das heilige Ergrimmen ist nicht mit Hass, sondern mit erbarmender Liebe verbunden (2Mose 32,7-35). Ein zweites Kennzeichen des heiligen Ergrimmens ist, dass es nicht mit Hass gegen den Fehlenden, sondern mit erbarmender Liebe gegen ihn verbunden ist. Das Beispiel von dem Ergrimmen des Mose bei dem goldenen Kalb kann uns das besonders deutlich zeigen. Als dieser Knecht Gottes von dem Berge herabstieg und das Volk bei seiner Gesetzes\u00fcbertretung in lustigem Tanz sah, erfasste ihn ein heiliger Ingrimm (\u201aer ergrimmte mit Zorn\u2018, V. 19), so dass er die Gesetzestafeln zerbrach, das Kalb mit Feuer zerschmolz und strenges Gericht \u00fcbte. Wollen wir diesen Grimm des Mose recht verstehen und ist es uns darum zu tun, dass unser Ergrimmen \u00fcber alle heutige Abg\u00f6tterei so rein und heilig sei wie das seinige, so d\u00fcrfen wir einen Zug in jener Geschichte nicht vergessen: Bevor Mose im Grimm das goldene Kalb zu Pulver zermalmte, hat er vorher auf einsamer Bergesh\u00f6he zu Gott um Erbarmen f\u00fcr die verirrten T\u00e4nzer gefleht. Mancher Grimm w\u00fcrde wohl anders aussehen oder g\u00e4nzlich erl\u00f6schen, wenn solche F\u00fcrbitte einer Zornes\u00e4u\u00dferung vorausginge. Mose trat wohl zornig auf gegen die leichtfertigen und frechen \u00dcbertreter des g\u00f6ttlichen Gesetzes, aber sein innerster Herzensgrund war mit erbarmender Liebe zu dem verirrten Volk erf\u00fcllt, wie auch die nachfolgende F\u00fcrbitte so herrlich zeigt (V. 32). Er hasste den Frevel, aber er suchte das Beste der Frevler. So handelt der heilige Grimm. Er stammt von dem, der die Liebe ist und verleugnet diesen Ursprung nicht, wenn er echt ist. Auch Paulus hegte bei seinem Ergrimmen in Athen keinerlei Hass im Herzen, wie sein treues Bem\u00fchen um das Heil der Athener zur Gen\u00fcge beweist.<br \/>\nc) Das heilige Ergrimmen raubt nie die ruhige \u00dcberlegung, sondern treibt zu weisem und besonnenem Handeln &#8211; Noch ein drittes Kennzeichen des heiligen Ergrimmens soll uns besch\u00e4ftigen. Man erkennt es an der Klarheit des Geistes, an der Ruhe, Besonnenheit und Weisheit der Handlungen, zu denen es antreibt. Der falsche, s\u00fcndliche Zorn macht die Menschen blind und unweise (Spr 29,22). Wie t\u00f6richt wollte doch David in seinem menschlichen Ingrimm gegen Nabal handeln (1Sam 25,13.22)! Wie viel Fehler werden durch \u00fcbereiltes Ergrimmen gemacht auf dem Gebiet der Erziehung, der Seelsorge, des Strafens, bei der Wortverk\u00fcndigung und anderswo! Immer wieder erf\u00e4hrt man: \u201aDas Gesetz richtet nur Zorn an\u2018 (R\u00f6m 4,15). Wie weise und besonnen handelte dagegen der in heiligen Ingrimm geratene Paulus zu Athen! W\u00e4re sein Grimm ein fleischlicher gewesen, so h\u00e4tte er vielleicht einige G\u00f6tzenalt\u00e4re jener Stadt besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt. Aber wie er sp\u00e4ter in Ephesus \u201akein L\u00e4sterer der G\u00f6ttin Diana\u2018 war (Apg 19,37), so vermied er auch hier eine derartige Kampfesart gegen das Heidentum. Der Ingrimm des Heiligen Geistes gab ihm die beste Waffe der klaren, besonnenen und entschiedenen Wortverk\u00fcndigung in die Hand und auf die Lippen. So lasst uns denn vorsichtig sein im Gebiet unserer Gef\u00fchlswalIungen und sie nach Gottes Wort pr\u00fcfen! Der Herr aber reinige unsere Herzen von jedem s\u00fcndlichen Grimm und erf\u00fclle uns zur rechten Stunde mit dem g\u00f6ttlichen Feuer, das in Paulus beim Anblick der G\u00f6tzenalt\u00e4re entbrannte! (Christlieb, Apostel Paulus, S. 181-185).<\/p>\n<p>Nutzbringende Wartezeit:<br \/>\n1. Paulus sammelte in der Wartezeit Kenntnisse, die dem Bau des Reiches Gottes zugute kamen. Im Leben der einzelnen Christen kommen bisweilen Zeiten und Umst\u00e4nde vor, wo man in besonderer Weise auf Warten angewiesen ist. Wenn man in der Fremde durch Verkehrsst\u00f6rungen nicht weiterreisen oder in der Heimat wegen der Witterung seinem Beruf nicht nachkommen kann, wenn man durch einen allgemeinen Streik gezwungen ist, mit seiner Arbeit aufzuh\u00f6ren, so mussf man auf den Zeitpunkt warten, wo sich diese Umst\u00e4nde \u00e4ndern. Da kann f\u00fcr manche die Frage entstehen: Was fange ich mit dieser Wartezeit an? Viele sind mit der Beantwortung dieser Frage schnell fertig. Sie vertr\u00e4umen oder vertr\u00f6deln solche Stunden oder Tage auf allerlei Weise, wenn sie nicht gar dieselben noch schlimmer verwerten. Wie aber beantwortet ein Nachfolger Jesu diese Frage? Er glaubt doch in allen Lagen an eine g\u00f6ttliche Vorsehung. Kein Zuganschluss geht verloren, keine Arbeitsm\u00f6glichkeit wird ihm genommen, ohne den Willen seines himmlischen Vaters. Er nimmt also auch im Gegensatz zur ungl\u00e4ubigen Welt solche oft recht unangenehm oder langweilig erscheinende Wartezeit aus Gottes Hand an und pr\u00fcft nach der Schrift, wie solche nutzbringend angewandt werden kann. Des Paulus Aufenthalt in Athen kann uns eine Antwort auf diese Frage geben. Dort sehen wir den Apostel ebenfalls warten. Er wartete auf seine beiden Mitarbeiter Silas und Timotheus. Offenbar wollte er urspr\u00fcnglich seine Missionsarbeit erst nach deren Ankunft beginnen. Was machte er nun in der Zwischenzeit, \u201ada er zu Athen wartete? Er vertrieb sich die Zeit nicht durch ziel- und zweckloses Umherwandern. Er zerstreute sich nicht durch unn\u00fctzes Besehen von allen m\u00f6glichen \u00e4u\u00dferen Sachen, deren es in Athen genug gab. Vielmehr sehen wir ihn, wie er aufmerksam. die mannigfachen Alt\u00e4re betrachtet, ihre Inschrift liest und auf diese Weise Kenntnisse sammelt, die nicht nur der Vermehrung seiner allgemeinen Welt- und Menschenkenntnis, sondern ganz besonders der nachfolgenden Arbeit im Reiche Gottes dienen. Auch wir k\u00f6nnen oft durch aufmerksames Beobachten und n\u00fctzliches Lesen eine Wartezeit fruchtbringend ausf\u00fcllen (vgl. Eph 5,16).<br \/>\n2. Paulus gab in der Wartezeit solchen Gedanken im Herzen Raum, die dem Bau des Reiches Gottes zugute kamen. Welch falsche und verkehrte Gedanken und Gem\u00fctsbewegungen dringen oft gerade in Wartezeiten in unser Inneres ein! Bald rei\u00dft uns die Ungeduld mit sich fort, die nicht warten kann, bis das Erwartete endIich eintrifft; bald fasst uns der \u00c4rger \u00fcber die, welche vielleicht die Wartezeit verschuldet haben. Wie manche Gefahr des Missmutes, des Neides oder der L\u00fcsternheit entsteht auch dadurch, dass man in solcher Zeit mehr als sonst in der Umgebung Beobachtungen anstellt! Wir nehmen oft gerade im Umherblicken unbewusst allerlei schlimme Einfl\u00fcsse in unser Seelenleben auf, die schlecht wieder zu vertreiben sind. Auch das Gedanken- und Gem\u00fctsleben des wartenden Paulus war vielen Versuchungen ausgesetzt. Der R\u00fcckblick auf die bisherigen Erfolge konnte hochm\u00fctige Gef\u00fchle in ihm wecken. Der Gedanke an seine Verfolger konnte den Sorgengeist wachrufen. Der Anblick der Hindernisse f\u00fcr das Reich Gottes legte ihm die Verzagtheit nahe, und die Begegnungen mit geachteten Philosophen konnten ihn neidisch machen, wenn er ihr Ansehen mit seiner eigenen Verachtung verglich. Hatte er solchen Gedanken Raum gegeben, so w\u00fcrden diese ihn innerlich geschw\u00e4cht und zur Arbeit f\u00fcr Gott unt\u00fcchtig gemacht haben. Aber statt dessen \u00f6ffnete er sein Herz f\u00fcr jene g\u00f6ttliche Betr\u00fcbnis und heilige Entr\u00fcstung \u00fcber all die Gottentfremdung, die er vorfand. Das gereichte seiner Missionsarbeit zur F\u00f6rderung. Lasst uns gerade in Wartezeiten aber unser Gem\u00fcts- und Gedankenleben wachen und beten, dass wir nicht geschw\u00e4cht, sondern gest\u00e4rkt werden f\u00fcr den wichtigsten Dienst, der unsere Aufgabe bildet (Mt 26,41; Ps 119,148; Jer 4,14)!<br \/>\n3. Paulus kn\u00fcpfte solche Gespr\u00e4che an, die dem Bau des Reiches Gottes zugute k\u00e4men. Nicht nur durch Sammeln n\u00fctzlicher Kenntnisse und durch das Bewegen guter Gedanken, sondern auch durch richtige Gespr\u00e4che und Unterhaltungen hat Paulus die Wartezeit in Athen trefflich ausgenutzt. Er redete mit Juden und Griechen vom Heiland (vgl. V. 18b). Wie lieblich solche Ausnutzung einer Wartezeit ist, daf\u00fcr ein Bei\u00acspiel: Dem Missionar Nommensen von Sumatra war einst auf der Heimreise nach Europa ein Schiff fortgefahren, das er benutzen wollte. Er sah eine unangenehme Wartezeit am Hafen vor sich und erwog, wie er sie auskaufen solle. Da fiel ihm ein, dass nach einer Zeitungsmeldung eine schlimme Mordtat dort vorgekommen war und der M\u00f6rder an diesem Orte seiner Hinrichtung entgegensehe. Er beschloss, diese Wartezeit zu einem Besuch bei diesem M\u00f6rder zu benutzen und mit ihm von Jesus zu reden. Als er die Erlaubnis hierzu erlangt hatte, ging er zu dem Mann, der zwar anfangs v\u00f6llig unzug\u00e4nglich schien, aber allm\u00e4hlich dem Einfluss Nommensens und dem des guten Hirten sich entschloss und zu einer wirklichen Herzenserneuerung kam. Die Gespr\u00e4che mit diesem M\u00f6rder waren die beste Ausnutzung einer Wartezeit am Hafenplatz. Dort erf\u00fcllte sich in lieblicher Weise das Wort: \u201aDes Gerechten Mund ist ein Brunnen des Lebens\u2018 (Spr 10,11; vgl. Kol 4,6; Spr 16,24). (Christlieb, Apostel Paulus, S. 185-187).<\/p>\n<p>Zum Nachdenken: \u201eErst wenn Sie so sehen, wie Paulus sah, k\u00f6nnen Sie f\u00fchlen wie er und erst wenn sie f\u00fchlen wie er, k\u00f6nnen Sie sprechen wie er\u201c (John Stott)!<\/p>\n<p>B. Die Auseinandersetzung akzeptieren, aber mit welcher Reaktion? (V. 22-34)<\/p>\n<p>Beachten: Die Verk\u00fcndigung beginnt mit der Gotteslehre. Am Anfang steht die Frage nach dem Wesen Gottes. Im Gegensatz zu der Verk\u00fcndigung unter Juden (vgl. hierzu Apg 17,1-15), nimmt Paulus in der Verk\u00fcndigung nicht so stark Bezug auf die Schrift, sondern er beginnt mit der Natur als Ankn\u00fcpfungspunkt. Aber alles was er sagt, basiert auf der Schrift, dem ewig g\u00fcltigen Gotteswort.<\/p>\n<p>V. 24f: Im Gegensatz zum heidnischen G\u00f6tterkult, der Gott zu einem Empfangenden macht, betont Paulus das Wesen Gottes: Gott gibt, er empf\u00e4ngt nicht. Hier liegt ein fundamentaler Unterschied, den Paulus als Ankn\u00fcpfungs- und Einstiegspunkt w\u00e4hlt. Allerdings geht Paulus auch in seiner Verk\u00fcndigung an Heiden von einem Wissen um Gott aus, er setzt die Existenz Gottes voraus (vgl. R\u00f6m 1,18ff).<\/p>\n<p>Drei Hilfsmittel zu fruchtbarer Wortverk\u00fcndigung:<br \/>\n\u201eDas wichtigste Hilfsmittel zu fruchtbarer Wortverk\u00fcndigung ist die Salbung mit dem Heiligen Geist, das Gebet um Erleuchtung und Kraft aus der H\u00f6he. Ohne dies wird die beste Vorbereitung wenig helfen. Jedoch schlie\u00dft diese wichtigste Voraussetzung die Verwertung guter menschlicher Hilfsmittel durchaus nicht aus. Gerade bei dem Vortrag des Paulus in Athen k\u00f6nnen wir das beobachten. Bei diesem Meisterst\u00fcck einer wohldurchdachten und zielbewussten Predigt k\u00f6nnen wir drei Hilfsmittel erkennen, die dem Apostel dienen mussten und die auch heute noch bei dem g\u00f6ttlichen Zeugendienst treffliche Dienste tun k\u00f6nnen.<br \/>\nErstes Hilfsmittel: Unterredung mit Menschen \u00fcber g\u00f6ttliche Dinge &#8211; Paulus lie\u00df sich auf dem Marktplatz in Athen zuerst mit einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von Personen ins Gespr\u00e4ch \u00fcber den Weg zur Seligkeit ein. Bei diesen Gespr\u00e4chen h\u00f6rte er, was f\u00fcr Gedanken und Fragen die Athener besch\u00e4ftigten. Er lernte ihre Anschauungen kennen. Nachher sprach er in seiner \u00f6ffentlichen Rede gerade \u00fcber die Dinge, welche die Athener, auch die zahlreichen Philosophen unter ihnen, bewegten. Er predigte nicht \u00fcber Dinge, die ihnen ganz fern lagen. Man h\u00f6rte es seiner Rede an, dass er die richtige F\u00fchlung mit seinen Zuh\u00f6rern vorher gewonnen hatte. Er hatte gelernt, seine Zuh\u00f6rer zu verstehen. Deshalb verstanden seine Zuh\u00f6rer auch ihn. Auch heute noch k\u00f6nnen die Unterredungen \u00fcber g\u00f6ttliche Dinge, die seelsorgerlichen Gespr\u00e4che, allen Zeugen des Evangeliums ein treffliches Hilfsmittel zu verst\u00e4ndlicher und praktischer Wortverk\u00fcndigung werden (Mt 12,42).<br \/>\nZweites Hilfsmittel: Aufmerksames Beobachten dessen, was im Leben angetroffen wird &#8211; Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel zu fruchtbarer Wortverk\u00fcndigung wurde f\u00fcr Paulus die aufmerksame Beobachtung dessen, was er im Leben antraf. Gewiss war sein Inneres bei seinen G\u00e4ngen vor allen Dingen auf den Herrn selbst gerichtet. Aber diese treu-innige Gemeinschaft mit Gott lie\u00df ihn nicht etwa einseitig nur tief in sich gekehrt durch die Stra\u00dfen Athens dahinwandern, sondern machte ihn zugleich in gutem Sinne weltoffen. Er beobachtete das, was am Wege lag. Aber nicht so, dass er dadurch zerstreut und von Gott abgezogen wurde, sondern so, dass er g\u00f6ttliche Fingerzeige f\u00fcr seinen Dienst entdeckte. Es gibt eine falsche Weltoffenheit; die uns sch\u00e4digt und schw\u00e4cht. Aber die Weltoffenheit des Paulus war gesund und wurde zum Hilfsmittel f\u00fcr die Arbeit im Reiche Gottes. Der Anblick jenes Altars gab ihm Ausgangspunkt und Thema f\u00fcr seine Rede. So haben die Gottesknechte oft durch das, was sie auf ihren Wegen sahen oder h\u00f6rten, Stoff f\u00fcr ihre Wortverk\u00fcndigung erhalten. Spurgeon erz\u00e4hlt, wie einst der Anblick eines gesprenkelten Vogels, der von andersfarbigen V\u00f6geln gepickt wurde, ihm Licht \u00fcber den rechten Gegenstand seiner Predigt gab. Er sprach dar\u00fcber, wie die J\u00fcnger Jesu von den andersgearteten Weltmenschen gehasst und verfolgt werden m\u00fcssen. Ein anderes Mal bot ihm der Gang einer Gerichtsverhandlung, an der er w\u00e4hrend eines Sonnabends als Zeuge teilnehmen musste, Thema und Teile, um am folgenden Tage von dem k\u00fcnftigen Gericht, dem Ankl\u00e4ger, Verteidiger und Richter usw. zu reden. Samuel Zeller fand durch das Schild auf einem Bahnhof: \u201aVor Taschendieben wird gewarnt!\u2018 ein Thema und sprach l\u00e4ngere Zeit \u00fcber die Dinge, die uns innerlich um den wichtigsten Besitz bringen k\u00f6nnen. Wie hat Jesus selbst alle Beobachtungen in der Natur und im Menschenleben zu fruchtbarer Wortverk\u00fcndigung verwertet, z.B. die K\u00fcchlein, die Schafe und B\u00f6cke, den Weinstock, die Lilie, die Bauarbeit usw.! Lasst uns mit offenen Augen durchs Leben gehen und alles in den Dienst des himmlischen Meisters und seiner Sache stellen (Mt 6,26-30; Spr 30,24ff)!<br \/>\nDrittes Hilfsmittel: Worte gro\u00dfer Denker und Dichter &#8211; Auf ein drittes Hilfsmittel macht uns V. 28 aufmerksam. Paulus verschm\u00e4ht es nicht, auch aus dem Schatz der griechischen Dichter und Denker ein Wort zu entnehmen, um seine Zuh\u00f6rer der Wahrheit n\u00e4her zu bringen. Mochten jene Dichter im \u00fcbrigen zur g\u00f6ttlichen Wahrheit stehen, wie sie wollten, eines war gewiss: Es lag in ihren Worten ein Ahnen von einem h\u00f6heren g\u00f6ttlichen Ursprung der Menschen. Daran konnte Paulus ankn\u00fcpfen, und er tat es. Diese griechischen Dichter mussten mithelfen, die Seelen zu Jesus zu f\u00fchren. Wenn Paulus solche Hilfsmittel nicht verwirft, brauchen wir dies auch nicht zu tun. Nur lasst uns dabei auf eines achten: Die Worte menschlicher Dichter nehmen in der Rede des Paulus eine dienende und nicht eine herrschende Stellung ein. Es gibt geistliche Reden, in denen sehr viel von Dichtern und Denkern, aber sehr wenig von Gott und dem Himmelreich die Rede ist. Die Verfasser solcher Reden haben kein Recht, sich auf die Predigt des Paulus in Athen zu berufen. Nie sollen unsere Predigten Menschen verherrlichen, auch nicht Poeten, sondern allein den Herrn. Wo aber das Wort eines anerkannten Dichters dazu geeignet ist, Seelen zum Heil zu locken, wollen wir es an der rechten Stelle gern benutzen. Lasst uns jedes gottgewollte und biblisch berechtigte Hilfsmittel zur Wortverk\u00fcndigung dankbar gebrauchen und dazu Paulus als Vorbild benutzen (vgl. Tit 1,12)!\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 193-195).<\/p>\n<p>Drei Fragen, die Paulus in seiner Predigt beantwortet:<br \/>\n\u201eErste Frage: Wer ist der unbekannte Gott? Drei Fragen lagen in der Inschrift jenes Altars. Drei Antworten gab Paulus in seiner Predigt. Die erste Frage lautete: Von wem stammt unser Leiden? Wer ist es, der es \u00fcber uns verh\u00e4ngt und Macht hat, es hinweg zu nehmen? An welchen Gott m\u00fcssen wir uns deshalb wenden? Paulus zeigt seinen H\u00f6rern den, von dem alles herkommt, von dem wir ganz abh\u00e4ngig sind. W\u00e4hrend die Griechen in ihren falschen heidnischen Vorstellungen immer an mancherlei besondere G\u00f6tter der einzelnen L\u00e4nder und Gegenden dachten, zeigt ihnen Paulus den einen Gott, der die ganze Welt geschaffen hat, der alle Menschengeschlechter in seiner Gewalt hat. Damit f\u00fchrt er sie aus ihren engen, beschr\u00e4nkten und falschen Vorstellungen heraus zu einer herrlichen Weite und Klarheit des Blickes. Der wahre Gott ist nicht der Gott eines Landes und Geschlechtes, sondern aller L\u00e4nder. Jedem Volk wird Ziel und Grenze von ihm bestimmt. Das hat auch uns etwas zu sagen. Wenn wir auch alle von der heidnischen Anschauung der Vielg\u00f6tterei frei sind, so haben wir doch gerade durch den furchtbaren Weltkrieg 1914-1918 oft zu sehr vergessen, dass Gott nicht der Gott eines Volkes, sondern aller V\u00f6lker der Erde ist. Gott hat sie alle geschaffen und waltet \u00fcber ihnen allen. Wenn unser Land verkleinert und beschnitten wurde, so wollen wir nicht \u00fcber Menschen z\u00fcrnen, sondern an dem Wort festhalten: Gott, der ein Herr ist Himmels und der Erde, hat Ziel gesetzt und vorgesehen, wie lang und wie weit die einzelnen V\u00f6lker wohnen sollen. Von ihm kommt auch unser Leid. Er hat es verh\u00e4ngt und hat Macht, es wegzunehmen. Dieser Sch\u00f6pfer der ganzen Welt und Leiter aller ihrer Geschicke,  das ist \u201ader unbekannte Gott\u2018, an den wir glauben.<br \/>\nZweite Frage: Was will der unbekannte Gott? &#8211; Die Athener hatten durch jenen Altarbau auch bewiesen, dass sie sich in v\u00f6lliger Unwissenheit \u00fcber den Willen Gottes befanden. Deshalb entspricht Paulus einem Bed\u00fcrfnis seiner Zuh\u00f6rer, wenn er ihnen Licht dar\u00fcber gibt, was der unbekannte Gott will. Er fasst den ganzen Willen Gottes f\u00fcr die Menschen in dem einen Wort zusammen: \u201a&#8230; dass sie den Herrn suchen sollten\u2018. Es ist von allergr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr uns, dass wir die Absicht, auf die Gott bei uns hinzielt, verstehen. Bekommen wir Licht \u00fcber dieselbe und gehen darauf ein, so werden wir gl\u00fcckliche und gesegnete Menschen. Verstehen wir sie nicht und handeln ihr entgegen, so werden wir unbefriedigte und ungl\u00fcckliche Leute. Hier wird uns Licht \u00fcber das Ziel, welches Gott bei uns verfolgt, gegeben. Bei allen seinen Taten in Sch\u00f6pfung und Weltregierung arbeitet der Herr darauf hin, dass er selbst von uns gesucht wird. Die Leute, welche ihn suchen, sind auf der richtigen F\u00e4hrte. Von dem K\u00f6nig Josia hei\u00dft es: \u201aDa er noch ein Knabe war, fing er an zu suchen den Gott seines Vaters David\u2018. Er ging den gottgewollten Weg (2Chr 34,3). Wenn das Suchen unseres innersten Herzens auf andere Ziele, z.B. Geld, Lust, Ehre und dergleichen gerichtet ist, so erz\u00fcrnen wir Gott und handeln seinem Willen entgegen. Suchen wir aber ihn, so d\u00fcrfen wir uns freuen, denn wir sind auf dem g\u00f6ttlichen Pfad. \u201aEs freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen\u2018 (Ps 105,3; vgl. Jes 55,6; Amos 5,4-6).<br \/>\nDritte Frage: Wie finde ich den unbekannten Gott? Unter den bisherigen Worten des Paulus mochte es wohl manchem aufrichtigen Zuh\u00f6rer bange zumute geworden sein. Der Apostel hatte die Torheit ihres G\u00f6tzendienstes dargelegt. Damit war das Leben der Athener als ein verirrtes hingestellt und ihr Gottesdienst als ein falscher und vergeblicher verurteilt. Es musste die Frage in den Herzen entstehen: Wie k\u00f6nnen wir das Verfehlte gutmachen? Wie k\u00f6nnen wir die Gunst dieses wahren Gottes erlangen und mit ihm in die rechte Gemeinschaft kommen? Hierauf geht nun Paulus ein und beantwortet auch jene dritte Frage: Wie kann man mit der Gottheit vers\u00f6hnt werden? Er zeigt zuerst das, was auf g\u00f6ttlicher Seite n\u00f6tig ist, damit dieses Ziel zustande komme, und sodann das, was auf menschlicher Seite erforderlich ist. Von Gottes Seite wird ein gro\u00dfer Gnadenerlass angeboten. Er kommt den Menschen mit wunderbarer Huld entgegen. Die ganze Zeit der Unwissenheit soll \u00fcbersehen werden. Des bisherigen Lebens mit seinen Irrungen, S\u00fcnden und dunkelsten Flecken soll nicht gedacht werden. Welch eine Barmherzigkeit Gottes! Auf Seiten des Menschen ist nur eins not: \u201aGott gebietet allen Menschen an allen Enden, Bu\u00dfe zu tun\u2018. Bu\u00dfe hei\u00dft Sinnes\u00e4nderung. Nicht Religionsformen, nicht Mienen oder Worte, sondern Herz und Leben m\u00fcssen ge\u00e4ndert werden, indem man nicht mehr seinen eigenen, sondern Gottes Willen zur Richtschnur nimmt. Der Weg der Bu\u00dfe ist nicht nur f\u00fcr die Athener, sondern f\u00fcr alle Menschen der Weg zu Gott. Wer von Bu\u00dfe und Bekehrung nichts wissen will, der beh\u00e4lt in seinem Herzen den Altar: \u201aDem unbekannten Gott\u2018.\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 198-200).<\/p>\n<p>Dreierlei Zuh\u00f6rer in Athen:<br \/>\n\u201eErste Zuh\u00f6rergruppe: Die Sp\u00f6tter &#8211; Nach der Rede des Paulus auf dem Areopag k\u00f6nnen wir drei Klassen von Zuh\u00f6rern beobachten, die sich heute noch bei mancher Wortverk\u00fcndigung wiederfinden. Zuerst machten sich die Sp\u00f6tter bemerkbar. An dem Wort \u201aAuferstehung der Toten\u2018 haben sie sich gesto\u00dfen. Das war ja etwas \u00dcbernat\u00fcrliches. Ein Redner, der dem gebildeten Publikum von Athen solchen Glauben zumutete, war in ihren Augen r\u00fcckst\u00e4ndig. Mit dem Augenblick, wo Paulus dieses Wort gebraucht hatte, war ihr Urteil \u00fcber den ganzen Vortrag fertig. Ein Mann, der einen derartigen Ausdruck brauchen konnte, war bei ihnen abgetan und erledigt. Sie hielten es gar nicht f\u00fcr der M\u00fche wert, den Schluss des Vortrags anzuh\u00f6ren, sondern unterbrachen Paulus mit ihrem bei\u00dfenden Spott. Es war ihnen unbegreiflich, wie jetzt noch, wo das Licht der griechischen Bildung \u00fcberall anerkannt war, jemand an eine Auferstehung glauben konnte. Auch heute noch gibt es mitten in der Christenheit \u00e4hnliche Zuh\u00f6rer, die so verstrickt sind in eine ungl\u00e4ubige, materialistische Weltanschauung, dass jede Erw\u00e4hnung von etwas \u00dcbernat\u00fcrlichem ihren Widerspruch hervorruft. Sie wissen es ganz genau, dass mit dem Tode alles aus ist. Alles, was sie mit ihrem Verstand nicht begreifen k\u00f6nnen, wird von ihnen ins L\u00e4cherliche gezogen. Sie w\u00e4hnen sich hoch erhaben \u00fcber solchen \u201aK\u00f6hlerglauben\u2018 (1Kor 1,18-25; 2Kor 4,3f; 2Tim 3,8f; Spr 21,24).<br \/>\nZweite Zuh\u00f6rergruppe: Die Entscheidung aufschieben &#8211; Eine zweite Gruppe von Zuh\u00f6rern war nicht so taktlos und benahm sich nicht so ungebildet wie die erste. Sie bestand aus denen, welche die Entscheidung hinausschoben. Sie sagten: \u201aWir wollen dich davon weiter h\u00f6ren\u2018. In dieser zweiten Gruppe m\u00f6gen solche gewesen sein, die im tiefsten Grunde den Standpunkt der Sp\u00f6tter teilten, aber aus R\u00fccksicht auf Paulus ihre ablehnende Stellung etwas vornehmer bem\u00e4ntelten und verbargen. Es werden aber auch solche darunter gewesen sein, die einen tieferen Eindruck von dem Zeugnis des Paulus empfangen hatten. Aber es fehlte ihnen die innere Kraft, der Stimme der Wahrheit zu folgen. Jedenfalls stellte diese Gruppe eine weitere, Besch\u00e4ftigung mit der Lehre des Paulus in Aussicht. Wenn dieses Vorhaben verwirklicht wurde, so d\u00fcrfen wir f\u00fcr diese Leute Hoffnung haben, zumal durch die Unterbrechung jener Sp\u00f6tter der Name Jesus noch gar nicht genannt und die Herrlichkeit seiner Gabe noch nicht gezeigt war. Die k\u00f6stliche Perle hat ihnen noch gar nicht in ihrem Glanz voll und ganz leuchten k\u00f6nnen. Ob aber alle diejenigen, die es hier versprachen, wirklich sp\u00e4ter weiteren Aufschluss \u00fcber die g\u00f6ttliche Wahrheit bei Paulus suchten und fanden, das be\u00aczweifeln wir ernstlich. Wer wei\u00df, ob nicht manche von ihnen sp\u00e4ter bald durch diese und jene Freunde von der F\u00e4hrte, die Paulus gezeigt hatte, abgelenkt und in die Bahnen ihres altgewohnten Heidentums zur\u00fcckgef\u00fchrt wurden? Jedenfalls ist es ein ernstes Ding um das Aufschieben nach empfangenen Segenseindr\u00fccken (Apg 24,25; Ps 95,6-11).<br \/>\nDritte Zuh\u00f6rergruppe: Etliche wurden gl\u00e4ubig &#8211; Wir wenden uns jetzt zur dritten und sch\u00f6nsten Gruppe. Gott sei Dank, es gab in Athen nicht nur Sp\u00f6tter und Schwankende, sondern auch solche, welche die Wahrheit annahmen und gl\u00e4ubig wurden. Wenn es auch nicht \u201aeine gro\u00dfe Menge\u2018 war wie in Ikonion (Kap 14,1) oder in Thessalonich (Kap 17,4), wenn auch nicht \u201aviele\u2018 glaubten wie in Ber\u00f6a (Kap 17,12), so waren es doch immerhin \u201aetliche\u2018, die gl\u00e4ubig wurden. Wir wollen nicht meinen, es m\u00fcsse \u00fcberall gro\u00dfe Zahlen von Bekeh\u00acrungen geben, wenn ein Zeuge voll Geist und Leben an einem Ort auftritt. Lasst uns aus der Verschiedenheit der Erfolge bei Paulus etwas lernen! Wie die J\u00fcnger nicht jeden Tag ganze Scharen von Fischen fingen, so dass die Netze zerrissen und Schiffe davon sanken (Lk 5,4-7), sondern sp\u00e4ter gewiss auch f\u00fcr geringeren Erfolg dankbar waren, so geht es auch in der Menschenfischerei verschieden zu. Nicht auf die Gr\u00f6\u00dfe, sondern auf die Echtheit eines Erfolges kommt es an. Lasst uns niemals geringe Zahlen verachten, sondern vielmehr dankbar auch f\u00fcr wenige sein, die das Wort aufnehmen und selig werden (Mt 13,31f; Mt 11,25f)!\u201c (Christlieb, Apostel Paulus, S. 207f).<\/p>\n<p>Zum Nachdenken: Wie sieht meine Reaktion auf die Predigt des Wortes Gottes aus? Ablehnung \u2013 Aufschub \u2013 Annahme?<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>Unsere Predigt\u00fcbersicht 2009 (beim Gemeinschaftsleiter erh\u00e4ltlich) benennt als m\u00f6glichen Schwerpunkt f\u00fcr die Predigt das Thema &#8222;Herausforderung&#8220;.<\/p>\n<p>Nach Armin Baum (zu V. 22-31): Das Evangelium f\u00fcllt eine Leerstelle der heidnischen Theologie (V. 22f). Weil Gott der transzendente Sch\u00f6pfer der Welt ist, sind Tempel und Kulthandlungen seinem Wesen unangemessen (V. 24f). Dass Gott den Lauf der Welt lenkt, bietet Heiden Anlass, nach ihm zu suchen (V. 26f). Weil Gott und Mensch einander \u00e4hnlich sind, sind Gottesbilder dem Wesen Gottes unangemessen (V. 28f). Weil Gott am j\u00fcngsten Tag Gericht halten wird, m\u00fcssen alle Menschen Bu\u00dfe tun (V. 30f).<\/p>\n<p>In Apg 17,16-34 entdecken wir die Ankn\u00fcpfungspunkte (V. 16-21), den Inhalt (V. 22-31) und die Reaktion (V. 32-34) auf eine evangelistische Predigt.<\/p>\n<p>4. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung akzeptieren, aber mit welcher<br \/>\nA. Motivation? (V. 16-21)<br \/>\na) F\u00fchlen \u2013 aber was empfinden wir noch? (V. 16a)<br \/>\nb) Sehen \u2013 aber was sehen wir noch? (V. 16b)<br \/>\nc) Reden \u2013 aber was sagen wir noch? (V. 17-21)<br \/>\nB. Reaktion? (V. 22-34)<br \/>\na) Erkennen &#8211; Gott ist der allm\u00e4chtige Sch\u00f6pfer (V. 21-25)<br \/>\nb) Erkennen &#8211; Gott ist der liebevolle Vater (V. 26-29)<br \/>\nd) Erkennen &#8211; Gott ist der gerechte Richter (V. 30f)<br \/>\nc) Erkennen &#8211; Gott ist der bestimmende Herr (V. 32-34)<\/p>\n<p>oder nach Wilhelm Wagner (Predigtvorbereitung f\u00fcr den 11.09.1988):<br \/>\nA. Die Situation erkennen<br \/>\nB. Sich den Fragen stellen<br \/>\nC. Die Fakten klarstellen<\/p>\n<p>oder nach John MacArthur:<br \/>\nA. Erkenne, dass Gott ist!<br \/>\nB. Erkenne, wer Gott ist!<br \/>\nC. Erkenne, was Gott gesagt hat!<\/p>\n<p>oder nach John Stott:<br \/>\nA. Was Paulus sah!<br \/>\nB. Was Paulus empfand!<br \/>\nC. Was Paulus tat!<br \/>\nD. Was Paulus sagte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: In der Gemeinde des Herrn lebenPredigtthema: Die Auseinandersetzung akzeptieren Bibelstelle: Apostelgeschichte 17, 16-34 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. 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