{"id":1648,"date":"2009-03-04T12:19:27","date_gmt":"2009-03-04T10:19:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wbb-online.de\/pt\/pt.asp?id=467"},"modified":"2009-03-04T12:19:27","modified_gmt":"2009-03-04T10:19:27","slug":"predigthilfe-vom-22-3-2009-2-mose-34-1-35-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-22-3-2009-2-mose-34-1-35-7\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 22.3.2009 &#8211; 2.Mose 34, 1 &#8211; 35, 7"},"content":{"rendered":"<p><strong>Monatsthema: In der Korrektur des Herrn leben<br \/>Predigtthema: Heimkehr<\/p>\n<p><strong>Bibelstelle: 2.Mose 34, 1 &#8211; 35, 7<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Thomas Richter<\/strong><\/p>\n<p>Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren (Hinweise hierzu unter &#8222;6. Hilfen zur Auslegung und Anwendung&#8220;).<\/p>\n<p>1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG<\/p>\n<p>Mose hatte Israel &#8222;alle Worte des Herrn und alle Rechtsbestimmungen&#8220; kundgetan und das Volk hatte darauf bekannt: &#8222;Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun und gehorchen&#8220; (2Mose 24,1-11). Darauf stieg Mose allein auf den Berg Sinai hinauf, um die Gesetzestafeln zu empfangen (24,12-18). Aber w\u00e4hrend Mose oben auf dem Berg die Gesetzestafeln empfing, bricht das Volk im Tal bereits die Ordnungen Gottes (32,1-6). Als Zeichen des Bundesbruches zerbricht Mose die Tafeln des Gesetzes (32,15-24), tritt aber in den &#8222;Riss&#8220; zwischen dem Volk und dem Herrn, indem er F\u00fcrbitte f\u00fcr das Volk mitten im Gerichtshandeln Gottes \u00fcbt (32,7-14; 32,25-33,6). Nur \u00fcber Mose kann das Volk in dieser Situation noch mit dem Herrn in Verbindung treten (33,7-23). Damit das Volk wieder heimkehren (= Predigtthema) kann zum Herrn, ersetzt der Herr die zerbrochenen Tafeln des Gesetzes und erneuert den Bund mit Israel (2Mose 34,1-35,3). So folgt auf Gottes geoffenbarte Herrlichkeit gegen\u00fcber Mose nun seine gew\u00e4hrte Vergebung gegen\u00fcber dem Volk und seine wiedergespiegelte Herrlichkeit gegen\u00fcber Mose.<\/p>\n<p>Die Predigttexte im M\u00e4rz veranschaulichen uns an Hand des Volkes Israel, dass nur eine &#8222;Bekehrung&#8220; Leben erm\u00f6glicht. Der Prozess der Bekehrung umfasst die Bereitschaft und den Vollzug der Abkehr (32,1-14), Auskehr (32,15-35), Umkehr (33,1-23), Heimkehr (34,1-35,3) und R\u00fcckkehr (35,4-36,7). Die einzelnen Predigttexte sind von daher immer nur Bestandteile eines gr\u00f6\u00dferen Zusammenhangs (Bekehrung), den es vor Augen zu stellen gilt, damit wir auch wirklich &#8222;in der Korrektur des Herrn leben&#8220; (= Monatsthema). Aber wo der Herr korrigierend ins Leben eingreift (= den &#8222;Rotstift&#8220; ansetzt), da wird Bekehrung m\u00f6glich. Entsprechend dem gegenw\u00e4rtigen Standort im Prozess der Bekehrung f\u00e4llt sein zurechtbringendes und korrigierendes Handeln unterschiedlich aus.<\/p>\n<p>2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN<\/p>\n<p>A. Gottes erneut gew\u00e4hrte Vergebung (34,1-10)<\/p>\n<p>Der Herr begleitet seine Kinder nicht wie ein Polizist, der Kriminelle bewacht, sondern wie ein Vater, der seine Kinder erzieht. Was in 33,19-23 verhei\u00dfen wurde, geht nun in Erf\u00fcllung, weshalb in den V. 6f davon auszugehen ist, dass der Herr hier selbst redet (vgl. 33,19).<\/p>\n<p>In V. 6b geht der Herr eine Selbstverpflichtung ein, die auf drei Merkmalen seines Wesens beruht:<br \/>\na) Er ist der Erbarmende: &#8222;barmherzig&#8220; &#8211; der hebr. Ausdruck &#8222;rachum&#8220; meint w\u00f6rtl. die Empfindungen einer Frau, die schwanger ist und zum erstenmal das Kind im Mutterleib sp\u00fcrt. Das wendet nun Gott auf sich an und verdeutlicht, dass er nicht kalt und unbewegt bleiben kann, wenn er an seine verlorenen und verirrten Kinder denkt. Hier kommt die ganze g\u00f6ttliche Zuwendung zur menschlichen Schwachheit zum Ausdruck.<br \/>\nDeshalb ist er auch der Gn\u00e4dige, denn w\u00e4hrend das Erbarmen die G\u00fcte ist, die eine Mutter der Frucht ihres Leibes erweist, so ist &#8222;gn\u00e4dig&#8220; nun ein Ausdruck der v\u00e4terlichen G\u00fcte. Er wird nicht m\u00fcde wieder aufzuhelfen und zurecht zu bringen.<br \/>\nb) Er ist der Langm\u00fctige &#8211; w\u00f6rtl. &#8222;lang an den Nasenl\u00f6chern = langsam zum Zorn&#8220;. Der Herr hat einen langen Atem (= Geduld). Wir sind oft ungeduldig mit den Menschen, aber der Herr hat Geduld mit uns und davon leben wir<br \/>\nc) Er ist der Treue und der Wahre &#8211; w\u00e4hrend wir oft wackeln, steht unser Herr.<\/p>\n<p>Nach V. 7b ist zu beachten, dass Vergebung die Bestrafung nicht einfach aufhebt, &#8222;aber diese Bestrafung ist auch nicht mehr Gericht, sondern ist Erziehung Gottes. Weigert euch nicht dagegen! Diese Folge meiner S\u00fcnde l\u00e4sst Jesus mir deshalb, weil ich auf diese Weise klein bleibe, und &#8218;Gottes Kind werden&#8216; hei\u00dft &#8218;klein bleiben&#8216;. Ein Kind ist doch klein! Willst du gro\u00df werden bei Jesus? Dann bist du nicht mehr bei ihm! So bleibe ich klein und werde ein Kind, das Ihn t\u00e4glich braucht. Calvin, der Genfer Reformator, sagte einmal: &#8218;Die Gl\u00e4ubigen f\u00fcrchten die Beleidigung Gottes durch unsere S\u00fcnde mehr als seine Strafe.&#8216; Ein gewaltiges Wort!&#8220; (Walter Tlach, Predigten in der Ordnung des Kirchenjahres. S. 187)!<\/p>\n<p>Was Mose vom Herrn geh\u00f6rt hat, ist die Herrlichkeit Jahwes und deshalb f\u00e4llt er vor dieser &#8222;Gewichtigkeit&#8220; nieder um dem Herrn die Ehre zu erweisen, die ihm geb\u00fchrt (V. 8)<\/p>\n<p>In V. 9 ist auf die Pronomen zu achten. Mose betet im Hinblick auf die Schuld: &#8222;Vergib uns aber dennoch unsere Schuld und S\u00fcnde&#8220;. Obwohl er sich nicht des Ungehorsams gegen Gott schuldig gemacht hatte, identifizierte sich Mose mit dem Volk (vgl. Esra 9, Dan 9). Mose nimmt das was der Herr sagt ernst und macht sich daran fest (vgl. V. 9 mit V. 7a).<\/p>\n<p>In V. 10 k\u00fcndigt der Herr an, dass er Wunder tun will. &#8222;Das Wort wunderbar hat im Hebr\u00e4ischen einen Unterton, den wir im Deutschen nicht mehr so empfinden. Das Wort bedeutet zun\u00e4chst einfach &#8218;unbegreiflich&#8216;. Das ist ein kleiner Unterschied. Das hei\u00dft: Jesus f\u00fchrt oft unbegreifliche Wege. Ein Unfall, ein Leid, eine K\u00fcndigung im Betrieb, eine gescheiterte Ehe &#8211; das ist unbegreiflich. Und erst nach langen Jahren sehe ich: Unbegreiflich war es, ja aber es ist wunderbar ausgegangen&#8220; (vgl. Jes 28,29b; nach Tlach, S. 187).<\/p>\n<p>B. Gottes erneut gew\u00e4hrte Wegweisung (34,11-28)<\/p>\n<p>Nach erneuten 40 Tagen in Gottes Gegenwart bringt Mose nun die &#8222;Zehn Gebote&#8220; (V. 28) zur\u00fcck. Eine gewaltige Gabe Gottes, denn sie zeigen nicht nur den rechten Weg, sondern auch das der Herr wieder zu seinem Volk redet. Zur Bedeutung des Redens Gottes vgl. 5Mose 32,47; R\u00f6m 10,17. &#8222;Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Scho\u00df ist, der hat ihn kundgemacht&#8220; (Joh 1,17f).<\/p>\n<p>C. Gottes erneut gew\u00e4hrte Herrlichkeit (34,29-35,3)<\/p>\n<p>Mose erf\u00e4hrt nun eine doppelte Beglaubigung durch den Herrn: Durch das Wort in seinen H\u00e4nden und den Glanz auf seinem Angesicht. Wer in der Gegenwart des Herrn lebt und beim Herrn verweilt, der erf\u00e4hrt eine Ver\u00e4nderung. Das Wort Gottes selbst unterliegt keinen Ver\u00e4nderungen, aber der Glanz auf Moses Angesicht war nicht von Dauer. Doch wenn er wieder in seiner N\u00e4he geweilt hat, lag der Abglanz der Gegenwart des Herrn wieder auf ihm. Bei Mose konnte man feststellen, woher er kam &#8211; ist das bei uns auch so?<\/p>\n<p>&#8222;Warum trug Mose einen Schleier? Nicht deshalb, weil er das Volk \u00e4ngstigte, sondern weil sich die Herrlichkeit verfl\u00fcchtigte (2Kor 3,13). Die Juden sahen diese Herrlichkeit als etwas Wunderbares und Aufregendes, doch was w\u00fcrden sie sagen, wenn sie w\u00fcssten, dass sie langsam wich? Wer folgt schon gerne einem F\u00fchrer, der seine Herrlichkeit verliert? Deshalb ging Mose in das Zelt, um mit Gott zu sprechen, und die Herrlichkeit kehrte zur\u00fcck, aber dann trug er wieder den Schleier, damit das Volk nicht sah, das die Herrlichkeit verschwand&#8220; (Erkl\u00e4rungsversuch von Warren W. Wiersbe. Sei befreit: In der Nachfolge Gottes zur Freiheit gelangen. S. 171).<\/p>\n<p>Hansj\u00f6rg Br\u00e4umer dagegen schreibt: &#8222;Im allt\u00e4glichen Umgang entzog Mose den Glanz seines Angesichts den Blicken der Israeliten. Er verh\u00fcllte sein Gesicht, um &#8217;nicht Neugier und Vorwitz zu provozieren&#8216; Das Bedecken seines Angesichts ist ein Ausdruck der Bescheidenheit und Demut des Mose. Von Mose hei\u00dft es sp\u00e4ter: &#8218;Er war dem\u00fctiger als alle Menschen der Erde&#8216; (4Mose 12,3). Mose prahlte nicht mit seinem Glanz, er benutzte auch seinen Glanz nicht um zu blenden&#8220; (S. 361).<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung von Br\u00e4umer f\u00fcgt sich gut in den unmittelbaren Kontext (34,30b) und das Verst\u00e4ndnis von Wiersbe in 2Kor 3,13 erscheint etwas eigenwillig (vgl. zu 2Kor 3,13 die Erkl\u00e4rungen der MacArthur Studienbibel). Allerdings sollte der Frage nach dem Schleier kein breiter Raum in der Predigt einger\u00e4umt werden, da diese Frage gegen\u00fcber dem, was Mose in der Gegenwart Gottes erf\u00e4hrt, sekund\u00e4r ist (vgl. 4Mose 12,7f; Joh 1,14.17f; 15,9-7; 2Kor 4,6).<\/p>\n<p>3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nur heimkehren zum Herrn, weil der Herr selbst uns heimsucht. So setzt eine Heimkehr zuerst eine Heimsuchung voraus. Zuerst muss der Herr herabsteigen, damit Mose wieder hinaufsteigen kann um das rettende Wort Gottes f\u00fcr das Volk wieder neu zu empfangen. Eine zweite Chance ist m\u00f6glich, aber nur weil der Herr uns entgegenkommt.<\/p>\n<p>Diesen Schwerpunkt gilt es in der Predigt aufzuzeigen, wobei auch dieser atl. Text wieder christologisch (vgl. 2Kor 3,12-18; 4,6) zu verk\u00fcndigen ist (von Mose zu Christus; vgl. 5Mose 18,15+18 mit Apg 3,18-23; 7,37; 5Mose 34,10).<\/p>\n<p>Da der Text sehr lange ist, empfiehlt es sich den Schwerpunkt auf die Verse 1-10 + 29-35 zu legen und den Mittelteil nur im \u00dcberblick wiederzugeben &#8211; allerdings sollte er wegen dem strukturellen Aufbau des Gedankenganges (vgl. Predigtgliederung) nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Die Empfehlung lautet die Verse 11-28 inhaltlich zu b\u00fcndeln und nur die Verse 27f als Zusammenfassung zu lesen. Der Vorschlag f\u00fcr die Textlesung im Gottesdienst lautet damit: 2Mose 34,1-10 + 27-35.<\/p>\n<p>4. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNG<\/p>\n<p>Zum Einstieg: &#8222;Eines Sonntagmorgens weckte eine Mutter ihren Sohn und sagte ihm, es sei Zeit, zur Kirche zu gehen, worauf er antwortete: &#8218;Ich geh da nicht hin&#8216;. &#8218;Warum nicht?&#8216;, fragte sie. &#8218;Ich nenne Dir zwei gute Gr\u00fcnde&#8216;, sagte er. &#8218;Erstens m\u00f6gen die mich nicht, und zweitens mag ich sie nicht&#8216;. Seine Mutter erwiderte: &#8218;Ich nenne dir zwei gute Gr\u00fcnde, warum du zur Kirche gehen solltest. Erstens bist du 52 Jahre alt, und zweitens bist du der Pfarrer&#8216;.<br \/>\nEines Morgens erwachte Mose und wusste, es w\u00fcrde ein schwerer Tag werden. Vielleicht wollte er ebenso ungern an diesem Tag zum Gottesdienst wie jener Pfarrer. Aber ebenso wenig kam er darum herum. Es sollte ein sehr spezieller Gottesdienst werden, nur Gott und er, allein auf dem Berg Sinai, ein Gottesdienst f\u00fcr zwei Personen, das ist selbst f\u00fcr pommersche Verh\u00e4ltnisse eine \u00fcberschaubare Angelegenheit. Aber nicht das schreckte Mose ab. Er war ja schon \u00f6fter Gott allein begegnet. Was ihn abschreckte, war die Hoffnungslosigkeit dieses Gottesdienstes. Was sollte da herauskommen? Das Tischtuch zwischen Gott und dem Volk Israel war zerschnitten. Die Tafeln waren zerschlagen. Mose hatte das Volk aus dem \u00e4gyptischen Konzentrationslager befreit. Gott selbst hatte ihn dazu berufen und erm\u00e4chtigt. Gott hatte den \u00c4gyptern einen geh\u00f6rigen Schrecken eingejagt, sie eingesch\u00fcchtert, mit Plagen \u00fcberzogen. Gott hatte sie durch das Schilfmeer gef\u00fchrt und die Verfolger ertr\u00e4nkt. Gott hatte sie in der W\u00fcste versorgt. Gott hatte ihr Murren und Meckern klaglos ertragen, klagloser als Mose. Gott hatte ihnen ein neues Leben in einem Land versprochen, in dem Milch und Honig flie\u00dft, frei, Herren ihres eigenen Lebens, ohne Angst. Gott hatte selbst die Worte des Bundes in zwei Steintafeln gegraben: Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus \u00c4gypten befreit hat. Und er hatte ihnen zehn Regeln mit den Weg gegeben: So werdet ihr in der neuen Freiheit zurechtkommen: Achtet die Eltern, besonders die Alten. G\u00f6nnt Euch den freien Tag. Sch\u00fctzt das Leben, gerade das schwache. Respektiert Eigentum. Seid treue, verl\u00e4ssliche Ehepartner. Belastet euer Vertrauen nicht durch L\u00fcge. Neidet niemandem, was er hat. Und vor allem: Lasst Euch nicht mit anderen G\u00f6ttern ein, die euch nie helfen werden. All das hatte Gott getan. Was hatte er unterlassen, ihnen seine G\u00fcte und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zu beweisen? Nichts! Und der Dank? Noch w\u00e4hrend Gott dem Mose die Tafeln \u00fcbergab, waren sie untreu geworden. Gott war ihnen einfach zu fern und zu unsichtbar. Sie wollte Gott greifbar. Und Gott greifbar &#8211; das hie\u00df: sie nahmen allen Schmuck, alles Gold, das sie hatten und gossen sich einen sichtbaren Gott, ein goldenes Kalb, um das sie tanzen konnten. Und wie sie tanzten. Und dann blieb es nicht beim Tanzen. Sie verehrten das Kalb, der Alkohol floss, die Grenzen schmolzen. Gottes Entt\u00e4uschung war ma\u00dflos, sein Schmerz gewaltig, und aus Entt\u00e4uschung und Schmerz wurde Zorn. Und Mose zerschlug die beiden Tafeln, die von Gott eigenh\u00e4ndig beschrieben waren, am Fu\u00df des Berges. Das ist der Stand der Dinge.<br \/>\nMachen wir uns nicht vor: Die zerschlagenen Tafeln sind doch eindeutig; da geht nichts mehr. Es gibt solche letzten Schritte: da wirft einer den Ring, den es bei der Hochzeit gab als Zeichen der Liebe und Treue, in den Fluss. Es ist vorbei mit Liebe und Treue. Da fordert eine die Liebesbriefe zur\u00fcck, die sie ihm einst schrieb und \u00fcbergibt sie den Flammen. So verdichten sich die Dinge, wenn alles aus und vorbei ist. Und Mose wei\u00df: Es ist aus und vorbei. Wir sind treulos gewesen und Gott hat uns gek\u00fcndigt.<br \/>\nUnd nun soll er noch einmal rauf auf den Berg, ganz allein, in der K\u00fchle des Morgens, nur er. Er geht hinauf, Gott kommt herab. Er ist da und doch nicht zu packen, verborgen in der Wolke, nicht sichtbar und nicht fassbar wie das Kalb. Mehr bekommen wir auf Erden eben nicht.<br \/>\nDas ist die Ausgangsbasis. Wir kehren gleich zu Mose und seinem seltsamen Morgengottesdienst zur\u00fcck. Zuvor will ich eine Frage mit Euch durchspielen: GIBT ES EINE ZWEITE CHANCE?<br \/>\nDas ist die Frage. Und wer sie jetzt schnell und fromm mit \u201cja\u201c beantwortet, hat sie noch nicht in aller H\u00e4rte gestellt bekommen. Gibt es eine zweite Chance im Leben? [&#8230;]<br \/>\nIn allen irdischen Zusammenh\u00e4ngen ist das h\u00f6chst unsicher: Wer betrogen hat, dem wird gek\u00fcndigt. Der Job ist weg. Wer fest h\u00e4ngt, h\u00e4ngt fest. Fehlstarts f\u00fchren zur Disqualifizierung. Kinder gehen ihrer Wege. Schulden m\u00fcssen bezahlt werden. Lebensstile k\u00f6nnen die Gesundheit irreparabel sch\u00e4digen. Partner lassen sich scheiden. [&#8230;]. Zweite Chancen sind rar. Und bei Gott? DER GOTT DER ZWEITEN CHANCE<br \/>\nDas ist das eine, das ich Euch heute sagen m\u00f6chte. Schaut auf diesen Herrn. Mose steigt also zum Berg hinauf. Und Gott steigt zum Berg hinunter. In der Wolke spricht er zu Mose, bevor Mose auch nur den Mund aufmacht. Und noch einmal stellt sich Gott selbst vor und kl\u00e4rt die Verh\u00e4ltnisse: &#8230;&#8220; (nach Michael Herbst: http:\/\/www.greifbar.net\/GreifBarPlus-132.128.0.html).<\/p>\n<p>Zu V. 7: &#8222;Wir k\u00f6nnten ja sagen: Nun gut, Gott k\u00fcndigt uns nicht die Freundschaft. Er gibt immer wieder zweite, dritte und tausendste Chancen. Aber wie ist es nun mit der falschen Berufswahl, der zerbrochenen Liebe, den Kindern auf falschen Wegen, den finanziellen Schulden, der verspielten Gesundheit? Das wird doch nicht einfach heil, wenn wir mit Gott wieder im Reinen sind, oder?<br \/>\nEine bittere und eine s\u00fc\u00dfe Auskunft: Ich habe mich gequ\u00e4lt mit diesem Vers: Aber ungestraft l\u00e4sst er niemand, sondern sucht die Missetat der V\u00e4ter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied! Mehr als einmal habe ich gedacht: nimm einen anderen Text! Straft Gott? Wie passt das zu seinem Erbarmen, seiner Gnade, Geduld und Treue? Kommt jetzt das Kleingedruckte?<br \/>\nIch wei\u00df es nicht. Ich ringe mit diesem Vers. Aber ich habe einen ersten Zugang, und vielleicht steckt damit etwas Trost in diesen harten Worten: Wenn wir mit unseren Br\u00fcchen und N\u00f6ten heimkehren zu Gott und offene Arme vorfinden, dann bleibt eben doch, was wir lebten, an uns h\u00e4ngen, und zuweilen schleppen wir die Lasten unserer V\u00e4ter und M\u00fctter mit uns, und zuweilen geben wir selbst Lasten an unsere Kinder und Kindeskinder weiter. Und ganz offensichtlich nimmt Gott das alles nicht einfach weg. Wir liegen in Gottes Armen, aber leben nicht im Schlaraffenland. Die Fehlstarts, die wir uns geleistet haben, bleiben Teil unseres Lebens. Die Folgen unserer falschen Entscheidungen geh\u00f6ren weiter zu der Form, die unser Leben angenommen hat. Mose wird das gelobte Land nicht sehen, die Hauptschuldigen der Aff\u00e4re um das Goldene Kalb werden gerichtet. Das gilt im Gro\u00dfen wie im Kleinen: wir, die Kinder und die Enkel, leben mit den Folgen der Schuld unserer V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter. Wir k\u00f6nnen das nicht von uns schieben als Deutsche. Uns widerfuhr gro\u00dfe Gnade, 1945 Befreiung von der selbstgew\u00e4hlten Diktatur, Neuanfang, wir wurden wieder zugelassen zur V\u00f6lkergemeinschaft. Uns widerfuhr Gnade von Gott, aber zugleich tragen wir an der Schuld und Strafe. Vertreibung, Misstrauen bei Nachbarn, Reparation, Teilung der Heimat. Wir trugen an Schuld und Strafe. Und das zu Recht. Und Geschichte geschieht nicht, ohne dass Gott sie zul\u00e4sst und lenkt. Auch im Kleinen gilt das: Er nimmt nicht einfach weg, was geschah. Es bleibt unser Leben. Wenn wir zur Beichte gehen, wird bereinigt, was uns von Gott trennte, wenn wir aufeinander zugehen, werden Beziehungen gekl\u00e4rt. Und doch m\u00fcssen die irdischen Schulden bezahlt werden. Es bleibt unser Leben. Und manches geben wir wiederum weiter an unsere Kinder, nicht nur Gutes, auch Lasten, N\u00f6te, Einschr\u00e4nkungen. Das h\u00f6rt erst auf, wenn Jesus kommt und alles neu macht, oder wenn wir gehen und in Gottes Reich heimkehren. Bis dahin ist es unser Leben: auch dass wir tragen an dem, was war. Das ist das Bittere.<br \/>\nUnd das S\u00fc\u00dfe: Gottes letztes Wort ist nie seine Strafe. Gottes gr\u00f6\u00dfte Tat ist nicht, was der uns aufl\u00e4dt und zumutet, was er auf uns lasten l\u00e4sst. Denn in allem sagt er: Und doch lasse ich Dich nicht. Mich jedenfalls sollst Du auf Deiner Seite wissen. Und das ist mehr als Worte. Und so steht neben diesem bitteren Satz \u00fcber Strafe etwas Neues: Wunder k\u00fcndigt Gott dem Mose an. Gro\u00dftaten seiner Macht. Kreative \u00dcberraschungen. Unerwartbare T\u00fcr\u00f6ffnungen. Unverdiente zweite Chancen auch im Irdischen. Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen, mit dem wir nicht mehr rechneten. Denn der Gott der zweiten Chancen meint es ernst: Wir sind heimgekehrt, wir haben ja gesagt zu den Lasten, die wir dennoch tragen mussten, und pl\u00f6tzlich \u00f6ffnet er eine neue T\u00fcr: nach allem Scheitern finden wir eine neue Liebe, beruflich tun sich unerwartete Chancen auf, das verlorene Kind \u00f6ffnet einen Spalt seines Herzens, Schulden schmilzen dahin, nach unserem Fehlstart werden wir erneut auf die Laufbahn gerufen und d\u00fcrfen noch einmal starten. Unser Volk erfuhr Vers\u00f6hnung mit Frankreich, Polen und Israel. Und die Mauer fiel. Der Gott der zweiten Chance hat M\u00f6glichkeiten, von denen wir kaum zu tr\u00e4umen wagen. Mose darf hineinschauen ins verhei\u00dfene Land, und das halsstarrige Volk zieht noch einmal durch einen Fluss, hinein ins gelobte Land, v\u00f6llig unverdient und ungeschuldet. Der Gott der zweiten Chance hat es getan&#8220; (nach Michael Herbst: http:\/\/www.greifbar.net\/GreifBarPlus-132.128.0.html).<\/p>\n<p>Zu V. 29ff: &#8222;Mose ging hinein vor dem Herrn, um &#8218;mit ihm zu reden&#8216;! Er begehrte, in Gottes N\u00e4he zu sein und suchte zuerst den Herrn selbst. Von dem jungen Bodelschwingh las ich es: Der Kleine konnte nicht einschlafen. So ging er auf dem dunklen Flur und sah noch Licht in Vaters Arbeitszimmer. Er trat ein, stand im T\u00fcrrahmen, und Vater fragte ihn: &#8218;Was willst du, mein Junge? Er antwortete: &#8218;Nichts, Vater; ich wollte nur zu dir!&#8216; Diese N\u00e4he Gottes ist heilsam, da weht die gute Luft tiefen Vertrauens; da ist Erholung im Frieden Gottes. Das brauchen wir mehr als alles andere&#8220; (entnommen aus Karl Heinz Kn\u00f6ppel. Auf dem Weg mit Gottes Volk. S. 151f).<\/p>\n<p>5. PREDIGTGLIEDERUNG<\/p>\n<p>Heimkehr ist m\u00f6glich, denn<br \/>\na) der Herr geht den Weg zu uns (34,1-10)<br \/>\nb) der Herr zeigt den Weg f\u00fcr uns (34,11-28)<br \/>\nc) der Herr ver\u00e4ndert uns auf dem Weg (34,29-35,3)<\/p>\n<p>Gottfried Voigt:<br \/>\na) Er macht einen neuen Anfang<br \/>\nb) Er vergibt alte Schuld<br \/>\nc) Er geht mit in die Zukunft<\/p>\n<p>6. HILFEN ZUR AUSLEGUNG UND ANWENDUNG<\/p>\n<p>Hansj\u00f6rg Br\u00e4umer. Das zweite Buch Mose: Kapitel 19-40. Wuppertaler Studienbibel. Wuppertal: R. Brockhaus, 1999. S. 346-363.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatsthema: In der Korrektur des Herrn lebenPredigtthema: Heimkehr Bibelstelle: 2.Mose 34, 1 &#8211; 35, 7 Verfasser: Thomas Richter Ein Predigttipp enth\u00e4lt Hilfestellungen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und ersetzt deshalb nicht das eigenst\u00e4ndige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren (Hinweise hierzu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-1648","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2-mose"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-20 11:16:45","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":{}},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1648","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1648"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1648\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}