Jesaja

Predigthilfe vom 31. Dezember 2019 – Jesaja 49, 13-16

Predigtthema:         Gott vergisst uns nicht

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Es ist wahrscheinlich, dass kaum einer der Zuhörer den Text aus Jesaja 49 kennen wird. Auch wird kaum jemand den Hintergrund des Textes kennen. Daher ist es wichtig, sich kurz Zeit zu nehmen, um zu erklären was der Text sagen will und in welchem Zusammenhang er steht. Hierfür empfiehlt es sich zur Vorbereitung das gesamte Kapitel 49 zu lesen.

Einige Ausleger gehen von einer sehr großzügigen Einteilung des Jesaja-Buches aus. Sie teilen den Propheten in genau zwei Teile. Der erste Teil geht über die Kapitel 1-39 und der zweite Teil umschließt die Kapitel 40-66. Der zweite Teil, in dem sich auch unser Text befindet, spricht über die Hoffnung und den Trost für Israel. Unser Kapitel reiht sich in eine Erzählung über den Gottesknecht, den Messias ein. Dabei bildet das Kapitel 49 einen Beginn für eine weitere kleine Unterteilung, die von Kapitel 49-57 geht. Hierbei wird mit besonderem Fokus über den Gottesknecht und Zion gesprochen.

Das Kapitel 49 beginnt also den Erzähl-Reigen über den Messias. Gestartet wird dabei sehr euphorisch und hoffnungsvoll. Hoffnung macht sich breit und die Menschen können Mut schöpfen, denn ihre Erlösung naht!

Wenige Kapitel später, in Jesaja 53, sehen wir den leidenden Gottesknecht. Er litt, damit wir Frieden haben können. Er trug unsere Schuld, damit wir leben können.

Und um diesen Knecht und seine Hoffnung für die Menschen geht es nun in unserer Predigt. Unser Ziel soll es sein, den Blick der Zuhörer auf die Hoffnung, die Jesus bringt zu verweisen. Er ist das Zentrum unseres Lebens und der Anker in einer sich schnell wandelnden Zeit.

Er möchte das auch für jeden Einzelnen im kommenden Jahr sein.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

*   Kommentar von Gaebelein zum AT

*   Kommentar von William MacDonald zum AT

*   Kommentar von Walvoord Band 2

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

„In den Versen 8 bis 13 lesen wir vom künftigen Wirken Christi als König. Wenn dieses Ereignis stattfindet, werden die Himmel singen und die Erde sich freuen. Zions gegenwärtige Klage (Vers 14) wird mit Verheißungen der Wiederherstellung beantwortet.“

Gaebelein AT; S952

V 13:

In unseren deutschen Übersetzungen wird Kapitel 49 von V 1-13 eingeteilt und gehört somit noch zur vorherigen Textgruppe. Hier geht es darum, dass sich der Messias den Menschen offenbart. Poetisch wird hier die Natur aufgefordert, sich zu freuen. Der Grund liegt darin, dass Gott sich seinem Volk zugewandt hat. Aus V 12 geht hervor, dass Gott aus allen Enden der Erde sein Volk zu sich sammeln wird. Das ist ein Grund der Freude. Das ist ein Moment der Liebe – Jesus der Messias ist da!

Diese Freude wird beim zweiten Kommen Jesu auf die Erde sichtbar werden. Das Volk Israel hatte den Messias bei seinem ersten Kommen nicht angenommen und wurde daher für eine Zeit „beiseitegesetzt“. Doch die letztendliche Wiederherstellung des Volkes findet beim zweiten Kommen des Herrn statt. Und deshalb soll (wird) alle Welt in Jubel ausbrechen!

V 14:

Dieser Jubel aus den Versen 12 und 13 richtet sich mitten in eine Trauer. Es ist die Trauer Zions, die sagt, dass sich der Herr von ihnen abgewandt haben muss. Zu lange warteten sie nun schon auf Rettung. Zu lange schwieg Gott und ließ das Volk scheinbar alleine. Zion lag brach, ohne Gott und ohne Retter. Zu lang war die Leidenszeit der Nation.

Diese Worte sind kein Zitat aus einer vergangenen Zeit, sondern die Sicht des Volkes selbst zu jener Zeit. Doch, dass diese Worte im Text auf die Vergangenheit angewandt werden, zeigt, dass es nun vorbei ist. Rettung ist da. Gott verheißt seinem Volk hier Erlösung und Erbarmen durch den angesprochenen Messias!

V 15:

Wie so häufig gebraucht die heilige Schrift Beispiele aus dem praktischen Leben der Menschen. Wie unwirklich scheint es, dass eine Mutter, egal unter welchen Umständen, ihr Kind einfach vergisst. In der Geschichte des verlorenen Sohns kommt dieser Gedanke, wenn auch durch einen Vater beschrieben, erneut auf. Kinder können ihre Wege gehen. Diese Wege können den Eltern viel Schmerz und Kummer bereiten. Doch niemals wird eine Mutter ihren Sohn vergessen.

Jedoch im Vergleich mit der göttlichen Liebe des Vaters im Himmel, scheint sogar die Liebe einer Mutter klein zu sein. Gott hat niemals vergessen. Er hat nicht, tut es nicht und wird es auch nie!

Gottes Geduld und Atem ist viel größer als der der Menschen. Daher ist es Gott auch nicht möglich, sein Volk zu vergessen und dieses zu retten.

V16:

Diese Metapher deutet wahrscheinlich auf einen Brauch der damaligen Zeit hin. Ausleger sagen, dass die Juden, die auf Reisen gingen oder auch aus einer Stadt wegzogen, sich die Umrisse der Stadtmauern ihrer Heimatstadt auf ihre Handflächen gravieren ließen. Dies diente dazu, dass sie niemals vergessen sollten woher sie kommen. So wurden sie stets an ihre Heimat erinnert.

Gott präsentiert sich hier als genau der, der sich stets an sein Volk erinnern lässt. Allezeit hat Gott die Mauern seines Volkes vor Augen. Er hatte sie nie vergessen.

Er verpflichtete sich ja selbst dazu.

„Und so wie der neue Himmel, den ich schaffen werde, und die neue Erde für immer bestehen bleiben“, spricht Jahwe, „so werdet auch ihr als Volk nie untergehen und vergessen sein“. Jesaja 66, 22

Gewissermaßen erinnert uns dieses Bild auch an den Vers aus Jesaja 49,16:

„Siehe, in meine Hände habe ich dich eingezeichnet; deine Mauern sind allezeit vor mir.“

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Gaebelein schreibt dazu im AT-Kommentar S.952:

Das ganze Kapitel bildet den Schlüssel zu dem Abschnitt, der hier beginnt. Der Diener Jahwes, der Herr Jesus Christus, steht im Vordergrund. Wir sehen ihn als

den von den Seinen Verworfenen, der betrauert, dass er vergeblich gearbeitet habe. Die schließliche Folge seines Wirkens wird prophetisch beschrieben. In den Eingangsversen spricht er von seiner Berufung. Jakob zu Gott zurückzubringen, das ist der Grund, weshalb er inmitten der Seinen erschienen ist. Aber Israel ist nicht umgekehrt, denn sie haben ihn verworfen (Vers 5). Das Volk hat ihn verabscheut. Israels Umkehr wurde nicht bei seinem ersten Kommen vollzogen, und die Nation wurde beiseitegesetzt. Durch ihren Fall kam das Heil zu den Heiden. Das wird in den Versen 6 und 7 völlig offenbar.

Sein ganzes Volk, seien es Juden oder Heidenchristen, darf sich auf das zweite Kommen des Herrn freuen. Wir sollen sogar auf das Ereignis „hinfiebern“ und uns gegenseitig mit diesem Ereignis trösten (1.Thessalonicher 4,15-18).

Die Gewissheit, dass Jesus wiederkommen wird, schenkt Trost in Angst und Trauer und Freude im Blick auf die Zukunft.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Nun, es ist mal wieder Silvester. Für viele ein emotionsloses und ereignisloses Fest. Für Andere ein Grund zur Feier. Für Dritte ein Grund, sich Vorsätze zu fassen und für viele Andere ein Grund zum Nachdenken und reflektieren. Wieder ist ein Jahr rum. Wieder ist die Zeit verflogen. Wieder habe ich nichts erreicht, oder meine Pläne gingen nicht auf. Wieder waren meine Vorsätze nichts als gute Vorsätze.

Den meisten Zuhörern gehen auf jeden Fall viele Gedanken durch den Kopf. Vielleicht war es ein gutes Jahr, in dem ich Gott nähergekommen bin. Vielleicht hatte Gott einige Prüfungen für mich, durch die ich gewachsen bin. Vielleicht habe ich mich auch sehr fern gefühlt von Gott und hinterfrage mich, ob ich diesen Gott der Bibel überhaupt richtig kenne. Dazu kommen natürlich auch die Fragen, was das nächste Jahr bringen wird? Wie wird es finanziell weitergehen? Was hat Gott mit der Gemeinde vor? Wie werde ich meiner Rolle als Vater oder Mutter gerecht? Gibt es überhaupt eine gute Zukunft bei der wirtschaftlichen Lage? Wird es bei all der Gottlosigkeit im Land überhaupt noch eine Zukunft für uns Christen geben?

Die Aufgabe des Predigers sollte sein, nicht nur mit dieser Predigt, den Blick der Gemeinde auf Gott und seine Größe auszurichten. Wir sollten bei all den Fragen, die wir im Alltag haben, Gott machen lassen. Er soll derjenige sein, der uns Ruhe, Frieden und Hoffnung gibt. Wer sonst, wenn nicht Gott, kann uns wirklich zufriedenstellend helfen und mit unseren Sorgen umgehen?

Paulus sagte: Sorgt euch um nichts, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Philipper 4,6

Ich denke das sollte unser Ziel sein mit dieser Predigt. Unsere Sorgen und Nöte, unser Dank und unsere Hoffnung bei Gott suchen, finden und nehmen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Wenn Gott sein Volk, das Jahrhunderte auf den Messias warten musste und nun weitere zwei Jahrtausende wartet, nicht vergessen hat, dann hat er uns in unserem Leben auf der Erde auch nicht vergessen.

„Ist etwa meine Hand zu kurz, um zu erlösen, oder ist bei mir keine Kraft, um zu erretten?“ Jesaja 50,2b

  1. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Roger Liebi. Es ist eine Einleitung in die Jesaja Bücher Kapitel 49-52. Diese Botschaft findet ihr unter folgendem Link: https://www.youtube.com/watch?v=lonahfsWt4M

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Ich halte die Predigt, weil Gottes Sohn meinen Mangel ausfüllen kann und mir ein Leben in voller Genüge geben will und dies ebenso kann! Phil 4,19; Johannes 10,10.

Mit Gott vor Augen brauche ich keine Angst vor der Zukunft zu haben, was auch immer diese für mich bereithält. Ich bin in Gottes Händen, denn er kann mich nicht vergessen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Gott kümmert sich um jedes Problem. Auch wenn nun ein neues Jahr ansteht, kann ich ruhig bleiben. Denn Gott ist nicht vergesslich wie wir Menschen. Er ist nicht schwach und inkonstant. Er ist treu und mächtig. Und in Jesus können wir Ruhe finden!

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) (V.13) Freude über Gott

b) (V.14) Fragen an Gott

c) (V.15+16) Staunen über Gott

oder: Aus Gottes Sicht

a) (V.13) Meine Liebe für euch

b) (V.14) Mein Handeln an euch

c) (V.15+16) Mein Versprechen für euch

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

  • Spruch:

Gott kennt dein Gestern, gib ihm dein Heute, er kümmert sich um dein Morgen.

  • Frage:
    • Welche Dinge können wir niemals vergessen?
      • Schlimmes; Gutes; Frohes…
    • Wir vergessen diese Dinge nicht, weil sie vielleicht einschneidend waren. Weil es Entscheidungen waren, die unser ganzes Leben beeinflussen.
    • Genauso einschneidend war Gottes Rettungstat für ihn und seine Versprechen können ihn nicht gereuen.
      • Daher wird er uns nicht vergessen!
  • „Meinen Namen wird aus seinen Handflächen auch die Ewigkeit niemals tilgen. Er bleibt eingeschrieben auf seinem Herzen, mit Schriftzeichen unauslöschlicher Gnade“.
    • Augustus Toplady

(Valentin Töws)