| Jahresthema: | Für ein gutes MITEINANDER |
| Predigtthema: | Einander lieben |
| Predigttext: | Römer 13, 8-10 |
| Autor: | Günther Ott |
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1 Überblick über das Jahresthema 2021
Ein gutes Miteinander, wer wünscht sich das nicht? Eine Gemeinschaft, die unser Leben bereichert, belebt und stärkt, wollen wir doch alle. Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir auf Gemeinschaft angelegt sind. Und obwohl wir uns nach Gemeinschaft sehnen und auch auf Gemeinschaft hin gemacht sind, erleben wir, dass menschliche Gemeinschaft sehr zerbrechlich ist und sehr leicht gestört oder sogar zerstört werden kann. Diese Herausforderung sehen wir auch im Miteinander von Christen in der Gemeinde und es ist aus diesem Grund immer wieder sehr wichtig darüber nachzudenken, wie Gemeinschaft gelingen kann, wie unser Miteinander von Gott geprägt, immer mehr wachsen kann.
In der Bibel sehen wir, dass es Gott ein großes Anliegen ist, dass seine Kinder in seinem Sinne Gemeinschaft leben und er gibt uns viele Aufforderungen, wie Miteinander gelingen kann. In unserem Jahresthema wollen wir im Jahr 2021 (jeweils am letzten Sonntag des Monats) dieses Miteinander bedenken und uns von Gott prägen lassen. Unser großer Wunsch ist es, dass unsere Gemeinden dadurch gemeinsam in ihrer Beziehung zu Jesus und auch in ihrer Beziehung zueinander wachsen. Und wir beten, dass durch die Art wie sie miteinander leben auch für andere immer mehr sichtbar wird, welcher Herr sie zusammengeführt hat.
Umrahmt wird dabei unser Jahresthema von der großen Aufforderung, die Jesus seinen Jüngern mitgibt (Joh 15) und die auch Paulus aufgreift (Röm 13,8-10), dass wir uns als Kinder Gottes untereinander lieben sollen (Januar & Dezember). Unter diesem Oberthema lassen sich schlussendlich alle anderen Themen, die wir unter dem Jahresthema behandeln, zusammenfassen. Die Liebe, die Jesus auf unvergleichliche Weise vorgelebt hat ist eine Liebe, die bereit ist, sich für den anderen hinzugeben. Eine Liebe, die ein großes Zeugnis für unseren Gott ist.
- Diese Liebe äußert sich zunächst darin, dass wir als Kinder Gottes bereit sind, uns gegenseitig in Liebe anzunehmen (Februar), weil wir wissen, dass Christus derjenige ist, der uns in Liebe angenommen hat.
- Weiter zeichnet sich dieses Miteinander in Liebe dadurch aus, dass Kinder Gottes bereit sind einander zu dienen (März). Auch dies hat Jesus vorgelebt und war bereit sein Leben als Lösegeld für uns zu geben.
- Ein liebevolles Miteinander lebt auch davon, dass wir aufeinander achten und uns dazu ermuntern im Glauben wirklich dran zu bleiben (April) und in der Heiligung zu leben.
- Für eine gute Gemeinschaft ist es zudem wichtig unnötige Konflikte zu vermeiden und sorgfältig darauf zu achten, andere nicht auf falsche Weise zu provozieren (Mai).
- Echtes Miteinander unter Glaubensgeschwistern lebt auch davon, dass wir füreinander im Gebet einstehen (Juni), weil wir genau wissen, wie abhängig wir alle davon sind, dass unser Herr uns führt, leitet und bewahrt.
- Zu diesem füreinander einstehen, gehört natürlich auch, dass wir als Kinder Gottes umeinander wissen, die Verbindung zueinander suchen und so als Nachfolger Jesu eine Einheit bilden (Juli).
- Weil wir auch als Christen immer wieder untereinander schuldig werden, ist auch das Thema Vergebung ein sehr wichtiger Grundstein für ein gutes Miteinander (August). Auch hier haben in Jesus Christus das große Vorbild, was Vergebung bedeutet. Und gleichzeitig ist Jesus derjenige, der echte Vergebung erst ermöglicht, weil er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist.
- Geistliches Miteinander beinhaltet auch, dass wir lernen uns in eine geistliche Gemeinschaft einzuordnen. Dazu gehört, dass wir verstehen, wie Gott sich das Miteinander unter seinen Kindern vorgestellt hat und die Bereitschaft sowohl demütig Verantwortung zu übernehmen wie auch sich auf eine gute geistliche Weise unterzuordnen (September).
- Das Leben als Christ ist kein Sprint, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem es immer mal wieder auch Durststrecken gibt. Auch hier braucht es ein gutes geistliches Miteinander, um uns immer wieder zu einem Leben in der treuen Nachfolge anzuspornen und nicht müde zu werden die Liebe Gottes in die Welt zu tragen (Oktober).
- Geistliche Durststrecken und Herausforderungen können immer wieder auch entmutigend sein und auch hier ist es ein Geschenk Gottes, dass er uns als Glaubensgeschwister zusammengestellt hat. So können wir uns gegenseitig ermutigen die richtige Ausrichtung zu behalten und den Blick auf Jesus, auf sein Werk und auf seine Wiederkunft nicht zu verlieren (November).
Schlussendlich bleibt die Liebe, das Oberthema, das unser Miteinander zusammenhält. Wenn wir aus der Liebe Jesu leben, wenn seine Liebe unser Leben prägt, wird dies auch in einem guten Miteinander unter Glaubensgeschwistern, in der Liebe zueinander sichtbar werden. Bildlich dargestellt könnte das Thema so aussehen: Unser „Miteinander“ ist eine Frucht mit verschiedenen Beeren, die sich ergänzen und von denen jede einzelne sehr wichtig ist. Im Laufe des Jahres werden wir die einzelnen Beeren nacheinander betrachten.

Eine PowerPoint-Vorlage mit der Grafik findet ihr unter: https://christusbund.sharepoint.com/:p:/s/medien/EQTQFa12LktBqBCcQsW9qmcBi9et5hf-ZzzoObTt-zou1g?e=Xauf41
2 Hinweise zum Textverständnis
2.1. Zum Kontext
Unser Text steht im Kontext des Römerbriefs.
William MacDonald erkennt im Wesentlichen 3 große Abschnitte:
- Kap. 1-8 Lehre: Das Evangelium Gottes
- Kap. 9-11 Die Heilszeiten: Das Evangelium und Israel
- Kap. 12-16 Unsere Verantwortung: Die Auswirkungen des Evangeliums auf unser alltägliches Leben
Warren W. Wiersbe beschreibt diese 3 Abschnitte folgendermaßen:
- Kap. 1-8: Gottes Gerechtigkeit und Errettung
- Kap. 9-11: Gottes Gerechtigkeit und Israel
- Kap. 12-16 Gottes Gerechtigkeit und das praktische Leben als Christ
Es wird deutlich, dass unser Text (13,8-10) im praktischen Teil des Briefes vorkommt. Paulus zeigt in diesem 3.Teil auf, was der Heilige Geist in Menschen bewirken will (nachdem sie zum Glauben an Jesus gekommen sind) und wie das neue Leben des Christen ganz praktisch wird.
In Röm.13 geht Paulus davon aus, dass wir durch eine Wiedergeburt „Bürger des Himmels sind (vgl. Phil.3,20; Eph.2,19). Solange wir aber noch hier in dieser Welt leben, haben wir auch irdische Verpflichtungen. Dazu gehört, dass Christen loyale Staatsbürger sind (Tit.3,1), solange der Staat nicht Dinge verlangt, die gegen Gottes Willen sind (vgl. Apg.5,29). Das Leben und Verhalten der Christen in dieser Welt soll grundsätzlich von Liebe zum Nächsten geprägt sein, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in sein Herz durch den Heiligen Geist (Röm.5,3). Diese Liebe macht nicht an der Gemeindegrenze halt, sondern will ganz allgemein den Nächsten erreichen – eben ganz praktisch denjenigen, dem der Christ in seinem Lebensbereich und Alltag begegnet.
Und so zeigt Paulus in Röm.13,8-10 einen Zusammenhang zwischen dem Geliebtsein und dem Lieben des Nächsten (V.8), einen Zusammenhang zwischen dem Gebotehalten und dem Lieben des Nächsten (V.9) und einen Zusammenhang zwischen dem Gutestun und dem Lieben des Nächsten (V.10).
2.2 Zu den Versen
2.2.1 Vers 8
Wir müssen den Text im Zusammenhang sehen: Gerade hat Paulus in den Versen zuvor davon gesprochen, jedem das zu geben, was man schuldig ist: „So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.“ (13,7). Diese Art von „Schulden“ können und sollen möglichst beglichen werden: „seid niemand etwas schuldig“ (13,8a). Hier soll möglichst keine Schuld bleiben.
Paulus spricht nun von einer Art „Schuld“, die lebenslang da sein wird: die Liebe. Das große Maß der Liebe, das wir von Gott bekommen haben, wirkt wie eine Art Verbindlichkeit. Es wäre zu wenig, diese Liebe nur für uns zu nehmen, als wären wir die Endverbraucher. Vielmehr ist diese Liebe so groß, dass wir auch davon weitergeben können und sollen. Dazu kommt: „So Gott mir, so ich dir.“ Weil Gott uns lebenslänglich liebt, sind auch wir unseren Nächsten eine lebenslange Liebe schuldig.
In Röm.5,5 zeigt Paulus die Grundlage der steilen Aufforderung, einander zu lieben: „die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist…“ Nur durch Geist Gottes sind wir fähig einander zu lieben.
Das „untereinander lieben“ gilt sicher für die Gemeinde. Christen sollen sich untereinander lieben, wie Jesus es auch gebietet (Joh.15,12). Aber diese Liebe überschreitet auch die Gemeindegrenzen. So wie Gott jeden Menschen liebt, so soll auch die Liebe im Herzen der Christen jedem Nächsten gelten. Und wie diese Liebe ganz praktisch werden kann, das zeigen uns u.a. die Gebote.
2.2.2 Vers 9
Die aufgeführten Gebote sind aus dem „zweiten Teil“ der 10 Gebote. Dieser zweite Teil sucht den Nächsten in besonderer Weise auf. Wer in der Spur der Gebote unterwegs ist, der wird dem Nächsten Gutes tun, wird ihn lieben.
Paulus kommt auf die Gebote zu sprechen, weil Liebe und Gebote zusammengehören. Wer liebt, der merkt, dass die Gebote Ausdruck der Liebe sein werden. Wer die Gebote hält, der merkt, dass er damit dem Nächsten nichts Böses tun wird (vgl. Vers 10). Paulus richtet hier das Gesetz wieder auf, aber nun unter der Herrschaft des Geistes. Es geht nicht mehr darum, das Gesetz als Heilsweg zu sehen, sondern als Weg des neuen Lebens.
Kein Mensch kann von sich aus die Gebote halten. Das hat nur Jesus getan – und er erfüllt das Gesetz für uns, wenn es darum geht, gerecht vor Gott zu werden. Wir leben hier aus Gnade. Ein Mensch, der aus Gnade lebt, wird versuchen, den Willen Gottes zu tun, d.h. sich an den Geboten zu orientieren und sie möglichst zu halten, denn das ist gut. In der Kraft des Heiligen Geistes kann die Umsetzung auch gelingen, wenn auch aufgrund der menschlichen Schwachheit nur bruchstückhaft und wachstumsmäßig.
2.2.3 Vers 10
Ein Mensch, der die Liebe Gottes erlebt hat und in dem die Liebe Gottes ausgegossen ist, der wird auch entsprechend gegenüber seinem Nächsten leben. Der Nächste in Israel war vor allem der, der zum Volk gehörte (vgl. 3.Mose 19,18; vgl. auch Mt 5,43). Jesus sprengt diese Grenze. Der Nächste bei Jesus ist der, der dich braucht (Lk.10,25-37). Und so sind Christen aufgefordert, diese Welt zu lieben, wie sie auch Gott liebt – bzw. den Nächsten, wie ihn Gott auch liebt.
2.3 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
Wiersbe, Warren W. Römerbrief (in: Kurzkommentar zum Neuen Testament.
Krimmer, Heiko. Römerbrief (in: Edition C Bibelkommentar)
Witmer, John A., Römer (in: Das Neue Testament erklärt und ausgelegt)
MacDonald, William, Römer (in: Kommentar zum Neuen Testament)
3. Verstehen, worum es geht
3.1 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Das Thema „einander lieben“ war schon im Januar 2021 als Thema behandelt worden. Es lohnt sich, die Predigthilfe dazu nachzulesen. Allerdings ging es im Januar mehr um die Liebe zu den Geschwistern. In Röm. 13 geht der Blick der Liebe darüber hinaus auf jeden Nächsten, auf eine verlorene Welt.
Davon spricht auch Weihnachten, das wir derzeit feiern. Es ist der 2.Weihnachtsfeiertag. Wir feiern das „Fest der Liebe“. Volkstümlich wird daran gedacht, dass wir einander Gutes tun sollen in diesen dunklen Tagen. Das ist auch gut und richtig. Aber wir Christen wissen, dass wir einander und diese verlorene Welt nicht lieben könnten, wenn Gottes Liebe nicht zu uns gekommen wäre in Jesus, der am Kreuz für uns Menschen sterben wird (1.Joh.4,10). Gottes Liebe gilt allen Menschen. Auch unsere Liebe soll allen Menschen gelten und sollte nicht bei „unseren Lieben“ stehenbleiben.
3.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Geht es um die Liebe in der Gemeinde oder um die Liebe zu jedem Nächsten in einer verlorenen Welt? Der Kontext macht deutlich, dass es verkürzt wäre, wenn wir bei uns und unseren gemeindlichen Kreisen stehenbleiben würden.
4. Sagen, wo es hingeht
4.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Hörer sollen ganz neu dazu ermutigt werden, sich von der Liebe Gottes in Bewegung setzen zu lassen und den Nächsten aktiv zu lieben.
4.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Einander lieben – Weihnachten bedeutet: die Liebe Gottes erleben – und weitergeben
4.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Einander lieben
- Wie Gott mir
- So ich dir
Einander lieben
- Gottes Liebe kam zu uns
- Gottes Liebe kommt durch uns hindurch zum Nächsten
Einander lieben
- Die Liebe Gottes wird (an Weihnachten) allen Menschen zuteil.
- Davon soll auch unser Leben reden.
Einander lieben
- Weil wir selber geliebt sind
- Weil wir den Nächsten lieben sollen
(Günther Ott)