Jahresthema: Geistlich leben in verschiedenen Lebensphasen
Predigtthema: Vor Grundlegung der Welt: Von Gott geliebt und gewollt
Predigttext: Psalm 139
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Spurgeon: Die Schatzkammer Davids (Bd.5), S. 4934-5006. (https://clv.de/clv-server.de/wwwroot/pdf/256372-5.pdf)
* Schneider: Das Buch der Psalmen. In: Wuppertaler Studienbibel (Bd. AT6), S.194-203.
* Mebus: Die Psalmen. Eine Auslegung für die Praxis, S.495-499. (https://www.bibelkommentare.de/get/cmt.634.pdf)
1.2 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Psalm 138 ist recht deutlich gegliedert. Verse 1-6 drehen sich um Gottes Allwissenheit, Verse 7-12 handeln von Gottes Allgegenwart. Von Vers 13-18 staunt David darüber, wie wunderbar Gott ihn gemacht hat. In den Versen 19-22 unterstreicht David seine Ablehnung der Feinde Gottes und er schließt den Psalm in Vers 23 und 24 mit der Bitte, dass Gott sein Leben prüft und führt.
1.2.1 Gottes Allwissenheit (V.1-6)
David beginnt diesen Psalm, indem er Gott beim Namen nennt. Es ist Gottes Größe, die er besingt, es geht um Gottes Wesen. Spurgeon schreibt hierzu: „Wollen wir Gott in einer wirklich seiner würdigen Weise loben, so müssen wir den Inhalt unserer Lobpreisungen aus der Fülle seines Wesens schöpfen.“ (Schatzkammer S.4935)
Gott besitzt vollkommene Kenntnis über das Leben von David. Um dies zum Ausdruck zu bringen beschreibt David Gottes Kenntnis über sein Leben mit Gegensatzpaaren (Sitzen –Aufstehen; Wandeln – Liegen; hinten – vorne). Damit will er ausdrücken, dass auch alles, was zwischen diesen Gegensätzen liegt, in Gottes Kenntnis eingeschlossen ist.
David schließt diesen Abschnitt, indem er einen Einblick gibt, wie er mit dem Wissen, dass Gott sein Leben bis ins Kleinste kennt, umgeht. Er erkennt, dass er diese Eigenschaft Gottes nicht erfassen kann. Sein Verstand wird überstiegen. So geht es uns als begrenzten Geschöpfen immer wieder, wenn wir dem allmächtigen Gott begegnen. Seine Größe übersteigt uns und bringt uns zum Staunen, aber sie bewirkt auch eine „heilige Ehrfurcht“ vor diesem gewaltigen Gott.
Es ist eine Tragödie, dass Menschen immer wieder dieses „Nicht begreifen können“ als Grund für ihren Zweifel angeben. Sollte es nicht gerade umgekehrt sein? Was wäre das für ein Gott, den wir im Ganzen verstehen könnten. Lasst uns Gott immer wieder gerade wegen seiner unfassbaren Größe glauben und ihn anbeten.
1.2.2 Gottes Allgegenwart (V.7-12)
David stellt mit Staunen fest, dass es im ganzen Universum keinen Ort gibt, an dem er Gott entrinnen könnte. Das betrifft alle Bereiche des irdischen Lebens. Der Ort der Morgenröte ist der äußerste Osten, das Meer liegt von Israel aus gesehen im Westen. Egal welche Richtung man auf dieser Erde einschlägt, Gott ist da. Der Prophet Jona musste Jahrhunderte nach David feststellen, wie wahr die Worte dieses Psalms sind. Auch verborgen im Bauch des Schiffes war er vor Gott nicht verborgen. Aber nicht nur die irdische Welt hat David im Blick. Er kennt auch tiefe innere Finsternis. David musste erleben, wie Feinde sein Leben dunkel machten, wie er sich selbst durch Ungehorsam in Finsternis stürzte. Und doch durfte er erleben, dass auch in dieser Finsternis Gott bei ihm ist. Er sieht die Finsternis und strahlt mit seinem Licht in die Finsternis hinein. In Psalm 23 nennt David zwei Formen der Finsternis: Das Tal des Todesschattens und das Angesicht der Feinde. Und jeweils darf David erleben: Mein Gott ist da, er lässt mich nicht allein.
David blickt nicht nur auf das irdische Leben und die Nöte der Welt. Er beginnt in Vers 8 mit den Extremen Himmel und Tod. Nicht nur im Himmel, auch im Tod und im Totenreich ist Gott da. David weiß, dass sein Gott ihn nie verlassen wird, auch wenn die Stunde seines Todes gekommen ist.
1.2.3 Gottes souveräne Schöpfermacht (V.13-18)
David blickt auf seine eigene ganz persönliche Geschichte und er darf erkennen: Schon vor meiner Geburt war ich in Gottes guten Händen. David weiß, dass Gott ihn bis ins innerste Detail gemacht hat. Er jubelt über Gottes wunderbare Schöpfermacht. Aber es ist eben nicht nur das Schaffen an sich. David erkennt, dass Gott sein ganzes Leben, jeden einzelnen Tag in seiner Hand hat und das noch bevor ein einziger dieser Tage geschehen war. Nicht einmal die Tage im Mutterleib sind Gott verborgen. Natürlich weiß David auch um seine Verantwortung, die er als Mensch hat, doch gleichzeitig sieht und bekennt er Gottes große Souveränität. Er weiß, dass sein Leben unter Gottes Willen und seiner Führung steht. Gott kennt den Anfang und das Ende von Davids Tagen und er weiß auch, was diese beinhalten.
Wieder beschreibt David, wie seine Reaktion auf diese Erkenntnis aussieht. In Vers 17 sehen wir, dass die Übersetzungen auseinandergehen. Das hebräische Wort, das die Gedanken Davids näher beschreibt, kann mit schwer, schwierig oder kostbar übersetzt werden. Alle Aspekte würden in diesen Zusammenhang recht gut passen. In Vers 6 spricht David über die Erkenntnis Gott und nennt sie wunderbar und gleichzeitig zu hoch für ihn. Dies passt auch in Vers 17 sehr gut. Gottes Gedanken übersteigen unseren menschlichen Horizont, sie sind zu schwierig für uns. Doch gleichzeitig sind es unendlich kostbare Gedanken über uns. Wieder sehen wir, wie David, der König und Liederdichter, der Mann nach Gottes Herzen, über die Größe seines Gottes staunt und ihn anbetet.
Der letzte Satz in Vers 18 ist wieder schwierig zu verstehen. Die meisten Übersetzungen geben ihn wieder im Sinne von: „Ich erwache und bin noch bei dir“. David würde damit zum Ausdruck bringen, dass Gott stets bei ihm und er stets bei Gott ist, sogar am Morgen nach der Nacht ist er immer noch bei Gott.
Die Alternative ist eine Übersetzung mit: „Wäre ich zum Ende gekommen, wäre ich immer noch bei dir“. Bei dieser Übersetzung würde David gewissermaßen die Klammer, die er in Vers 16 mit dem Mutterleib geöffnet hat, in Vers 18 mit dem Begriff „Ende“ wieder schließen. Damit würde er betonen vom ersten Augenblick bis zur letzten Sekunde gilt, dass Gott immer bei mir ist.
Beide Auslegungen ergeben Sinn, die erste scheint jedoch die näherliegende zu sein.
1.2.4 Die Ablehnung der Feinde Gottes (V19-22)
Die Verse 19-22 erscheinen uns als heutige Leser dieses Psalms sehr gewöhnungsbedürftig. Es scheint uns, als würden sie der Liebe Gottes und seiner Aufforderung zur Feindesliebe widersprechen. Und doch sind sie folgerichtig für diesen Psalm. David singt über die Größe Gottes, über seine Abhängigkeit von Gott in seinem ganzen Leben. David richtet sein Leben ganz auf diesen Gott aus.
Wie soll er sich da gegenüber Menschen verhalten, die Gott auf radikale Weise missachten und ablehnen? Wie soll sich Gott gegenüber solchen Menschen verhalten, die seine Autorität und Herrlichkeit mit Füßen treten?
Welche Menschen hat David in Vers 19 im Blick? Er beschreibt diese gottlosen Menschen auch als Blutmenschen, man könnte es auch mit mörderischen Menschen übersetzen. Es geht ihm hier also Menschen, die anderen Menschen das Leben nehmen. Da David in diesem Psalm nicht von seiner eigenen Not schreibt, von Angriffen der Feinde gegen ihn, scheint es um solche zu gehen, die andere Menschen zu bedrohen. Vers 20 scheint nahe zu legen, dass es sich zudem um gottlose Menschen handelt, die falsch von Gott reden, sich gegen ihn erheben und andere dadurch verführen. (V.21)
David hat sich diesem Gott so loyal verschrieben, dass diese Menschen, die sich so gegen Gott stellen auch seine Feinde sind. Spurgeon interpretiert den Hass Davids so:
„Sein Hass war rechter Art, denn er hasste nur diejenigen, die das Gute hassen. Darum schämt er sich seines Hasses nicht, sondern spricht davon offen vor Gott, in der festen Überzeugung, mit diesem Hass eine Tugend zu üben, der Gott selbst Zeugnis geben werde. Gewiss sollen wir alle Menschen lieben mit der Liebe des Wohlwollens; gottlosen Menschen jedoch die Liebe des Wohlgefallens zuzuwenden wäre ein Verbrechen. Niemand dürfen wir um seiner selbst willen oder wegen irgendeines Unrechts, das er uns zugefügt hat, hassen; aber einen Menschen darum zu hassen, weil er allem Guten widerstrebt und ein Feind aller Gerechtigkeit ist, das ist nicht mehr und nicht weniger als eine Pflicht, die uns obliegt. Je inniger wir Gott lieben, desto größer wird unsere Entrüstung werden über diejenigen, die ihm ihre Zuneigung verweigern.“ (Schatzkammer S.4954)
Auch Paulus kann in 1.Kor 16,22 formulieren: Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat, der sei verflucht! Maranatha!
Wie sieht es mit unserer Liebe und unserem Hass aus? Lieben wir alle Menschen, und wünschen wir ihnen, dass sie Gott wirklich kennenlernen und hassen wir zugleich alles, was sich gegen unseren Gott, der alles für uns ist, auflehnt? Das müssen wir immer wieder lernen, genauso wie wir immer wieder lernen müssen, die Dinge an uns zu hassen, die unserem Gott widersprechen.
1.2.5 Die Bitte um Prüfung (V.23-24)
Manche ordnen diese Verse noch dem vorhergehenden Abschnitt zu. Mir scheint hier die große Klammer zu den ersten Versen des Psalms zentral. David hat erkannt, wie Gott sein Leben in der Hand hält, wie er alles über ihn weiß, wie er ihn führt.
Und David wünscht sich mit aller Sehnsucht, dass Gott damit niemals aufhört, denn dann würde er aufhören sein Gott zu sein. David wünscht sich Klarheit über seine eigenen Motive. Er möchte, dass sein Leben im Einklang mit seinem Gott ist, dass alles Falsche aufgedeckt wird. David sehnt sich danach, dass Gott ihn von den bösen Wegen bewahrt, auf denen die Menschen gehen, von denen er in den Versen zuvor geredet hat und er ist sein Herzenswunsch, dass Gott ihn den guten und richtigen Weg bis in die Ewigkeit führt.
- Verstehen, worum es geht
Mit Psalm 139 beginnen wir die Reihe: Geistlich leben in verschiedenen Lebensphasen. In den folgenden letzten Sonntagen im Monat, werden wir betrachten, wie Nachfolge Jesu durch die verschiedenen Phasen eines Lebens hindurch gelebt werden kann. Psalm 139 bietet für eine solche Reihe einen guten Startpunkt, weil David eben ganz grundsätzlich darüber nachdenkt, wie sein Leben in Gottes Hand geborgen ist.
David staunt über die Größe Gottes und bringt diese Größe Gottes in eine wunderbare Beziehung zu seinem eigenen Leben.
Wie wir und unsere Hörer mit dieser Größe Gottes umgehen, hängt entscheidend von unserer Vertrauensbeziehung zu Gott ab. Gottes Allmacht, Allwissenheit und seine Allgegenwart können für jemanden, der Gott nicht kennt durchaus bedrohlich wirken. Für Kinder Gottes sind diese Eigenschaften Gottes dagegen ein Grund zur Freude und Anbetung, aber eben auch eine Motivation zur treuen Nachfolge.
Deshalb wird es in der Predigt wichtig sein, Gottes Einladung zu dieser Vertrauens- / Liebesbeziehung zu betonen.
David unterstreicht in diesem Psalm Gottes „Ja“ zu uns Menschen. Er hat uns erdacht und gewollt schon im Mutterleib, schon bevor einer unserer Tage hier auf der Erde überhaupt stattgefunden hat. Dieses grundsätzliche „Ja“ Gottes befreit uns als seine Geschöpfe natürlich nicht von der Verantwortung zu einem Leben in der Beziehung zu Gott, im Vertrauen auf Jesus. Wir haben es nicht mit einem Freibrief zu tun, was David ja auch dadurch unterstreicht, dass er einige Verse über die Feinde Gottes schreibt.
Gerade dieses „Ja“ Gottes ist für die Predigthörer, die sich selbst nur schwer annehmen können, sehr wichtig. Wir dürfen bezeugen, dass Gott sie ganz genau kennt. Er wird von keinem ihrer Fehler oder Schwächen überrascht sein. Und obwohl Gott uns so genau kennt, sehnt er sich nach einer Beziehung zu uns Menschen, er wünscht sich, dass wir zu ihm umkehren.
Sehr aktuell ist in diesem Zusammenhang auch das Thema Abtreibung. Psalm 139 zeigt unmissverständlich, wie der Mensch in Gottes Autorität eingreift, wenn er sich zum Herrn über Leben und Tod aufschwingt. Auch ungeborenes Leben, ist Leben das Gott geschaffen hat, und es ist eben nicht das Recht von Menschen, ein solches Leben zu beenden.
Wir sehen in diesem Psalm das Staunen Davids über Gottes Größe, das Staunen über Gottes „Ja“ zu uns. Dieses Staunen sollte in der Predigt auch zum Ausdruck kommen. Lasst uns in der Vorbereitung auf diese Predigt darum beten, dass uns Gott ganz neu eine tiefe Erkenntnis seiner Größe schenkt und dass diese Erkenntnis unser Leben und auch unser Reden prägt.
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigthörer sollen neu daran erinnert werden, wie abhängig sie in ihrem Leben von Gottes „Ja“ zu ihnen sind. Diese „Ja“ Gottes soll sie in die Anbetung führen, aber auch den Wunsch wecken, das Leben ganz in Gottes Hände zu geben und ihm zu folgen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Vor Grundlegung der Welt: Von Gott gewollt
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Gott kennt mich durch und durch (V.1-6)
b) Gott lässt mich niemals allein (V.7-12)
c) Gott hat schon vor allen Zeiten ja zu mir gesagt (V.13-18)
d) Bin ich bereit mich ganz diesem Gott hinzugeben? (V.23-24)
(Tobias Schurr)