1.Johannes

Predigthilfe vom 25. Dezember 2021 (Christfest) – 1. Johannes 3, 1-10

Monatsthema: Jesus, der Gottessohn  

Predigtthema: Jesus, der Sieger über den Teufel 

Gottesdienst Einleitung:  1Mo 3,15; 1Kor 15,54-57; Kol 2,13-15 (Vorschläge zur Textlesung) 

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!  

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext  

„Und solches schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.“ 1Joh 1,4 

„… unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ 1Joh 5,4 

Der 1.Johannesbrief erinnert daran, dass Christen viel Anlass zu Freude haben!  

Ausgangspunkt dieser Freude ist die Liebe des Vaters.  

Höhepunkt ist der Sieg des Sohnes.  

Zielpunkt ist die Gemeinschaft Gottes mit Menschen durch den Heiligen Geist.  

Johannes geht darum in seinem Brief auf folgende Themen ein: 

  1. Die Wahrheiten über die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch  

Wie schon in seinem Evangelium, legt Johannes den Schwerpunkt auf die Gottesbeziehung. Es ist das Alleinstellungsmerkmal des christlichen Glaubens gegenüber allen anderen Religionen, dass Gott als Vater Gemeinschaft mit dem Menschen als seine Kinder gewollt, gesucht und geschaffen hat (1Joh 1). Gottes Liebe macht den Weg frei in diese Gottesbeziehung, indem er sich selbst für den Menschen hingibt (1Joh 2,1; 3,16; 4,19). Wer in diese Beziehung eintritt wird gerettet und wer darin bleibt und lebt, erweist sich als Kind Gottes! Diese Gemeinschaft mit Gott verändert den Christen maßgeblich. Geprägt von der Gottesbeziehung, zeigt sich eine neue Einstellung und ein neues Verhalten gegenüber der Sünde und der Welt.  

  1.  Das Angefochtensein als Kind Gottes in der Welt  

Der alte Johannes kannte die Herausforderung und Gefahren gut, die ein Christ in dieser Welt bekommt, wenn er mit Gott lebt. Auch wenn er um den Sieg weiß, den Christen im Glauben an Jesus haben verschweigt Johannes nicht die verschiedenen Ursachen, die eine Beziehung zu Gott gefährden. Liebevoll und mahnend nennt er:  

  1.  Die Verführung durch Irrlehren. Johannes weiß um falsche Lehrer (nennt sie Antichristen), welche die zentralen Heilstatsachen verdrehen und die Menschwerdung Jesu und seine leibhaftige Auferstehung leugnen.  
  1.  Die Verführung durch die Welt. Johannes zeigt die Polarität von Gott und der Welt auf. Entweder Freund Gottes und Feind der Welt oder umgekehrt (1Joh 2,15-17). Wer sich gegen das Wertesystem der Welt stellt (Lust, Macht und Ehre), bekommt die Ablehnung der Welt zu spüren (1Joh 3,13ff). Kinder Gottes stehen in einem geistlichen Kampf mit der Sünde, der Welt und dem Teufel. Ein „Ja“ zur Gemeinschaft mit Gott beinhaltet ein „Nein“ zur Gemeinschaft mit der Welt. Entsprechend der Gemeinschaft, die ich pflege, werde ich auch geprägt.  
  1. Der herrliche Sieg Jesu für die Kinder Gottes in dieser Welt  

Trotz aller Gefahren der Verführung, die Kinder Gottes erleben, strahlt der Sieg Jesu hervor.  

  • Der Sieg über die Sünde 1Joh 1,7+ 2,2; 3, 
  • Der Sieg über die Welt 1Joh 2,15-17; 5,4 
  • Der Sieg über die Verführung 1Joh 2,18-27,4,4 
  • Der Sieg über den Teufel 1Joh 2,14; 3,8; 
  • Der Sieg über den Hass 1Joh 3,13-18 
  • Der Sieg über die Selbstzweifel 1Joh 3,19-24 
  • Der Sieg über den Bruderstreit 1Joh 2,8ff; 3,14; 4,20 
  • Der Sieg über den Tod 1Joh 3,1-2; 5,12-13 

Im heutigen Textabschnitt geht es um den ersten Teil von Kapitel drei, der sich so gliedern lässt. Kapitel 3 Das Leben der Kinder Gottes 

3,1-2 Kinder Gottes werden mal Jesus sehen 

3,3-12 Kinder Gottes sündigen nicht 

3,13-18 Kinder Gottes werden in der Welt gehasst 

3,19-24 Kinder Gottes leben im Glauben und in der Liebe 

(Ergänzend zu den Allgemeinen Hinweise – Siehe auch Predigthilfe vom 24.12.2022) 

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund 

Krimmer, Heiko, Edition C Bibelkommentar NT, „Johannesbriefe““, Band 21, Hänssler Verlag. 

Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Timotheus bis Offenbarung“ Band III, CLV. 

Henry, M., Apostelgeschichte–Offenbarung, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag. 

MacDonald, W., Kommentar zum Neuen Testament, 7. Auflage., Bielefeld: CLV. 

Remmers, A., Die Bibel im Überblick leicht bearbeitete Auflage., Hückeswagen: CSV. 

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

1Joh 3 beschreibt das Leben der Kinder Gottes, die von der Gemeinschaft mit Gott und vom Sieg in Jesus Christus geprägt sind. Es zeigt die praktischen Auswirkungen auf Christen, die in Gott bleiben und dem Sieg Jesu vertrauen.  

Passend zum Christfest könnte man das Thema wählen:  

Weihnachten – die Geburt eines Siegers 

Sie verschafft uns: 

  1. Eine grandiose Stellung – wir sind Kinder Gottes 

3,1 Der wunderbare Heilsplan zur Rettung der Menschen beginnt mit der Liebe Gottes. Gott der Vater hat die Welt so geliebt,…(Joh 3,16). Der Vater sandte den Sohn (Joh 5,36; 6,57; 8,16.18 usw.). Gott der Vater beweist seine Liebe, als wir noch Sünder waren (Röm 5,8), Gottes Liebe ist mit uns (2Kor 13,13). 

Es ist eben diese Liebe des Vaters, die uns das Privileg gibt, Kinder Gottes zu sein.  

Dabei geht es nicht nur um die Stellung, die sich hinter dem Begriff „Kind Gottes“ verbirgt. Vielmehr geht es um die enge Beziehung, in die uns der Vater aufnimmt (vgl. 1Joh 1,3). 

Weil Gott, der Vater uns liebt: 

  • bekamen wir das Anrecht, Kinder Gottes zu werden (Joh 1,12) 
  • dürfen wir Abba lieber Vater sagen (Röm 8,15) 
  • sind wir Erben und Miterben Christi (Röm 8,17) 
  • sind wir zur Auferstehung und Herrlichkeit bestimmt (Röm 8,21)  
  • sind wir Kinder seines Reiches (Mt 13,38) 
  • Sind wir Kinder des Lichts (Eph 5,8) 

Doch mit diesem Privileg folgt auch eine Entfremdung von den Kindern der Welt.  

So wenig, wie die Welt den Sohn Gottes erkannte (1Joh 3,13; Vgl. Joh 1,9-12), so wenig erkennt auch die Welt die Kinder Gottes nicht. Das soll uns nicht entmutigen, denn der in uns ist, ist ja größer (1Joh 4,4). Kinder Gottes vergessen allzu schnell, welche Stellung sie ohne Jesus hatten. Ohne Jesus waren wir:  

  • Kinder des Zorns (Eph 2,1) 
  • Kinder der Nacht (1Thess 5,4) 
  • Kinder des Teufels (Joh 8,44) 
  • Kinder des Bösen (Mt 13,38) 

Was für ein grandioser Herrschaftswechsel. Gottes Liebe nimmt uns mit allen Konsequenzen in eine neue Vertrauensbeziehung auf. Einerseits werden wir fremd in der Welt, andererseits Erben der Herrlichkeit Gottes.  

  1. Eine grandiose Zukunft – wir werden ihn sehen, wie er ist 

3,2 „Wir sind nun Gottes Kinder“. Kinder Gottes können sich heute und jetzt dieser Stellung und Beziehung gewiss und klar sein. Noch nicht klar ist, welche unbeschreibliche Herrlichkeit ihnen bevorsteht. Bei aller Unwissenheit, was wir im Himmel einmal genau sein werden oder wie es genau sein wird, dürfen wir wissen. „Wir werden ihn sehen, wie er ist“. Kinder Gottes erwarten das Kommen Jesu, sehnen sich danach und wünschen sich, bei Jesus zu sein (Phil 1,23; 2Kor 5,8). Es ist der Wunsch nach ungetrübter Gemeinschaft, wo alle Anfechtungen überwunden sind und der Glaube das Ziel erreicht hat. Wo wir ihn sehen und uns unglaublich über ihn freuen werden (1Pet 1,8).  

  • Noch ist unser Leben in Christus verborgen (Kol 3,3). 
  • Noch tragen wir diesen Schatz in irdenen und zerbrechlichen Gefäßen (2Kor 4,7). 
  • Noch ist die Herrlichkeit nicht offenbart (Röm 8,18f). 
  • Noch ist die wahre Sohnesstellung nicht erfüllt (Röm 8,23). 
  • Noch sind wir im Leib der Niedrigkeit (Phil 3,21) und des Todes (Röm 7,24). 

Mit der Geburt des Siegers, wurde die Erlösung auf den Weg gebracht! Eine grandiose Zukunft in der Gegenwart Gottes erwartet uns. Das ist kein Wunschtraum, keine Illusion, sondern Gewissheit des Heils, die sich auf Gottes Wort gründet. „Wir werden ihm ähnlich sein“.  

Hinweis:gleich sein“ meint nicht eine völlig gleiche Identität haben, im Sinne von auch „Gott sein“. Es ist mehr ein ihm ähnlich“ oder „gleich“ sein, im Sinne von einem verherrlichten Leib und ein heiliger Charakter, wie Jesus ihn im Himmel besitzt.  

Die Wiederherstellung in die Gottesebenbildlichkeit, die seit dem Sündenfall verloren ging, wird zum Abschluss kommen. Der Prozess der Gleichgestaltung in das Bild Jesu hat mit der Wiedergeburt und Erneuerung des Geistes begonnen. Wir werden „sein wie er“, beschreibt die Erfüllung. Wir werden ganz die Christusart haben. Schon jetzt sollte es das Anliegen jedes Christen sein, immer mehr in sein Bild verwandelt zu werden (2Kor 3,18). Doch noch müssen wir täglich den alten Menschen ablegen und den Neuen anlegen (Eph 4,24). Dann aber, wenn wir wortwörtlich UMGEZOGEN sind, dann sind wir daheim im Himmel, wo auch er ist und wir ihm gleich sein werden (Phil 3,20f).  

3,3 Die Gewissheit, dass Gottes Kinder (a) eine Neue Stellung haben und (b) sich der grandiosen Herrlichkeit sicher sein dürfen, bewirkt eine Lebensveränderung. Gläubige leben vom Ziel herkommend, werden von Christus geprägt und von der Hoffnung und Herrlichkeit motiviert.  

  • Weil unsere Heimat und Bürgerrecht im Himmel ist (Phil 3,20), wollen wir uns jetzt schon auf Erden als würdige Himmelsbürger verhalten.  
  • Weil wir als Kinder Gottes einmal Christus gleich sein werden, wollen wir jetzt schon in der Christusähnlichkeit leben.  
  • Weil der HERR rein und heilig ist, wollen auch wir jetzt schon uns reinigen und heiligen (1Pet 1,16). 

Nicht auf Grund von einem erzwungenen Gesetzeswerk, sondern angetrieben von der Liebe und dem Gehorsam zum Willen Gottes. Ein echtes Kind Gottes muss sich nicht reinigen, sondern Johannes stellt fest, dass ein Kind Gottes es tut – „der reinigt sich“

  1. Ein grandioser Sieg – wir müssen nicht mehr sündigen 

3,4 Maßstab für die Sünde ist Gottes Wort. Der Christ entledigt sich nicht dem Gesetz Gottes, sondern unterstellt sich ihm ganz. Wer Sünde tut, der übertritt Gottes Gebot und wird an Gott schuldig. Das ist aber nicht die Art der Kinder Gottes. Sie achten und beachten Gottes Wort! Die Kinder des Teufels dagegen sind Gesetzesübertreter und missachten willentlich Gottes Maßstab.  

3,5 Der Sieg über die Sünde – Jesus nahm die Sünde hinweg.  

Das Zentrum des christlichen Glaubens ist, dass Jesus der Sieger über die Sünde ist und alle Übertretungen am Kreuz gesühnt hat. Er trug die Sünde an seinem Leib selbst hinauf und hinweg (1Pet 2,24; Joh 1,29). Er war gekommen, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen (Heb 9,28). Er, der selbst ohne jede Sünde war und der von keiner Sünde wusste, hat uns errettet, indem er stellvertretend für uns starb (1Pet 2,22; Heb 4,15; 7,26f).   

3,6 Der Sieg über die Macht der Sünde – warum die Gemeinschaft mit Gott ein Verharren in der Sünde verhindert? Gott zu kennen und in ihm zu bleiben, ist Johannes so wichtig, dass er es immer wieder erwähnt. Aber „kennen“, meint mehr als nur von Gott wissen. „Kennen“ bedeutet mit Gott in einer innigen/vertraulichen Beziehung zu leben und auch zu bleiben. Wer in Gott bleibt, der sündigt auch nicht.  

Hinweis: „sündigt nicht“ meint, nicht in Sünde fortwährend leben (kontinuierlich). Der Christ und die Sünde, sind Gegensätze. Jegliche Erklärung, diese Tatsache abzuschwächen, wäre falsch. Natürlich fällt auch ein Christ in Sünde (punktuell), aber auch das bleibt falsch und lässt sich nicht beschönigen. 

Vielmehr darf der Sieg Jesu über die Sünde in Anspruch genommen werden. Jesus hat die Sünde überwunden und uns von der Last und Strafe der Sünde befreit. Jesus hat aber auch den Sieg über die Macht der Sünde vollbracht. Jesu Sündenwegnahme durchbricht das Lebensprinzip. Kinder Gottes, die erkannt (gesehen) haben, was Jesus für ihre Sünden am Kreuz erlitten hat, empfinden eine große Distanz und Abneigung zur Sünde. Das Kind Gottes nimmt Abstand, es sündigt nicht, nicht fortwährend. Wer ständig absichtlich und gewohnheitsmäßig sündigt (willentlich in der Sünde verharrt), beweist damit, dass er weder in Gott ist noch in ihm bleibt. Er hat weder mit den geistlichen Augen gesehen noch geistlich erkannt, was Jesus am Kreuz wegen der Sünde erlitten hat.  

3,7 Verführung ist da wo der Glaube keine Werke hat  

Ein Kind Gottes, das durch den Glauben an Gott gerechtfertigt ist, lebt im Tun. Wie schon Jakobus mahnt, dass Glaube und Werke vollkommen machen, so mahnt auch Johannes, dass Kinder Gottes Gerechtigkeit Gottes üben sollen. Hinweis:Gerechtigkeit tun/üben meint handeln, machen, bewirken oder schaffen. Wer Gottes Gerechtigkeit nicht tut, nicht nach Gottes Reinheit und Gerechtigkeit strebt, der ist nicht aus Gott geboren. Der Glaube muss sich in Werken der Gerechtigkeit beweisen (vgl. 1Joh 2,5; Jak 2,18-22). Es ist eine Verführung, wenn der rettende Glaube an Jesus auf ein bloßes Lippenbekenntnis oder auf eine private Glaubensbeziehung reduziert wird – ohne, dass der Glaube sichtbare Früchte trägt. 

3,8 Der Sieg über den Teufel – Kinder Gottes sind durch Jesus befreit 

Wer Sünde tut, der zeigt, dass er immer noch ein Mensch der Sünde und des Teufels ist. Er steht unter der Herrschaft des Teufels und ist Sklave desselben. Von Natur aus ist jeder Mensch zuerst ein geistliches Kind des Teufels, denn er sündigt von Anfang an. Und Kinder machen es dem Vater nach – so sündigen alle und widerstreben dem, was Gott ist und sagt.  

Es gibt keinen Zwischenraum – entweder Kinder Gottes oder Kinder des Teufels (3,10). Dabei ist das Werk des Teufels von Beginn der Schöpfung an offenbar.  

  • Mit der Unwahrheit zerstört er die Gottesbeziehung (1Mo 3,15). 
  • Er ist ein Vater der Lüge (Joh 8,44). 

Doch der Sieg Jesu am Kreuz hat dem Teufel die Macht genommen und sein Werk zerstört. Der Sieg Jesu löst und befreit den Menschen aus der Macht Satans – darum wird Jesus mit Recht ER-LÖSER genannt. Hinweis: „zerstört“ meint wörtlich losmachen, losbinden oder auflösen, befreien.  

3,9 Wiedergeborene Kinder Gottes leben nicht in Sünde 

Keiner der aus Gott geboren ist „tut Sünde“. Es ist eine Mahnung und eine Feststellung zugleich. 1. Ein Mahnung, dass ein Kind Gottes nicht dauerhaft Sünde tut (Vgl.3,6). Christen können zwar noch sündigen, aber es ist ein Unterschied, ob jemand in Sünde fällt oder dauerhaft in der Sünde lebt und von ihr beherrscht oder geknechtet wird. Christen fallen in Sünde – sie leiden darunter und bitten Jesus um Vergebung, aber sie sind nicht gefangen in der Macht der Sünde. Sie legen Sünde ab und leben von der Gnade, ohne sie billig zu machen. Sie haben sich nicht mit der Sünde abgefunden, noch entschuldigen oder verharmlosen sie diese. 2. Eine Feststellung, dass die neue Natur des Wiedergeborenen nicht sündigen kann. Hinweis: „Er kann nicht sündigen“ meint, dass der von Gott geborene und geschaffene Mensch (2Kor 5,17; Eph 2,10) nicht sündigen kann. Jesus spricht vom gesunden Baum (Mt 7,17), der keine schlechte Früchte bringen kann. Als Kinder Gottes haben wir auf Erden zwei Naturen. Die Alte sündhafte Natur, die aus dem Fleisch geboren ist und Fleisch ist. Und die Neue Natur, die aus dem Geist geboren ist und Geist ist und nicht sündigen kann (Joh 3,3-7). Wer also sich der Sünde hingibt, darin lebt, sie unbekümmert praktiziert, beweist, dass er keine Neue Natur hat oder ein völlig fleischliches Leben führt. Der Geist Gottes bewirkt aber ein Leben im Geist (Röm 8,4.6.9). 

3,10 Bruderliebe als Kennzeichen der Kinder Gottes 

Der Sieg Jesus bezeugt sich auch in der Liebe zum Mitglaubenden. Er schafft klare Linien, wer mit und für Gott ist und wer gegen Gott ist. Er schafft aber auch klare Zusammengehörigkeit, so dass ein anderes Kind Gottes (Glaubensbruder oder -schwester) niemals als Feind betrachtet oder Gegenstand von Abneigung und Hass sein darf.  

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

Der Abschnitt enthält ein paar schwer verständliche Verse, der einige Stolpersteine enthalten und eine Erklärung benötigt. Im Besonderen sind es folgende Verse: 

V.2 Was meint, dass wir Jesus einmal gleich/ähnlich sein werden. 

V.6 Was meint Johannes, wenn er sagt, dass ein Christ nicht sündigt. Spricht er von einer Sündlosigkeit?  

V.7 Sind Sünder vom Teufel, wie ist das zu verstehen? 

V.9 Gleiches findet sich in den Worten, „der kann nicht sündigen“. Was ist damit gemeint?  

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Weihnachten und wir erinnern uns an die Geburt eines Kindes in einem Stall in Bethlehem. Für viele Menschen nicht mehr nachvollziehbar, was Christen für einen Hype um diese Geburt machen. Die Geburt mag idyllisch und traditionell schön sein, aber irgendwie scheint sie doch auch nicht gerade außergewöhnlich, glorreich oder gar siegreich zu sein.  

Doch völlig verkannt wird, dass hier der Sieger schlechthin geboren wird. Jesus, der Sohn Gottes kommt auf diese Welt – unscheinbar, (fast) wie jeder andere Mensch auch – und doch ganz anders. In ärmlichen Verhältnissen unter bedauerlichen Umständen, von der Welt abgeschoben in die hinterste Ecke einer Scheune. Und doch vom Heiligen Geist gezeugt und von gewaltigen Zeichen der Himmelswelt begleitet. 

  • Ein Engel, der die Geburt des Sieges ankündigt – (er wird sein Volk retten Mt 1,21) 
  • Eine Engelschaar, die die Geburt bejubelt und besingt (Lk 2,14) 
  • Ein Stern, der die Weisen zum König führt (Mt 2,10) 
  • Eine Geburt, die die Welt und ihre Zeit verändert hat (wir haben heute 2021 n.Chr.) 

Wie einfach und ärmlich es auch aussah, die Geburt war in Wirklichkeit prächtig und siegreich. Jesus, der Sieger über Sünde, Tod und Teufel kam auf die Welt und hat die Erlösung auf den Weg gebracht.  

Die Geburt eines Siegers 

Das ist eher selten oder gab es noch nie, dass Eltern vor der Geburt bereits wissen, dass ihr Kind einmal Weltmeister, Sieger oder Goldmedaillengewinner werden würde. Eltern wünschen sich das vielleicht, dass ihre Kinder einflussreiche und erfolgreiche Persönlichkeiten werden, aber sie werden es nie gewiss wissen.  

Doch an Weihnachten war das anderes. Jesus der Sieger ist geboren und die Eltern (Maria und Joseph) wussten es schon vor der Geburt (Lk 1,32+35). Maria trägt den Messias, den Retter, den Sieger der Welt in ihrem Bauch. Eine wahrlich außergewöhnliche wertvolle Fracht auf einem Esel. 

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung) 

Sowohl die Geburt als auch der Tod Jesu am Kreuz wirken nicht gerade siegreich.  

Doch Gottes Weg zum Sieg ist anders als wir uns das vielleicht vorstellen.  

Es ist Gottes bescheidene Art, dass er sich in Schwachheit als ein neugeborenes Baby und durch einen zum Tode verurteilten Verbrecher als siegreicher Heiland der Welt offenbart. Gottes Schwachheit erscheint der Welt als Niederlage – aber in Wirklichkeit ist es der Sieg über das zerstörerische Werk des Teufels (Kol 2,15).  

Beispiele für Anwendungsfragen:  

  • Bist du ein Kinder Gottes und wie sieht deine Gottesbeziehung aus? 
  • Ist dir die Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit eine Motivation, mit Jesus zu leben?  
  • Sehnen wir uns nach der Wiederkunft Jesu, um ihn zu sehen? 
  • Von welcher Gemeinschaft/Beziehung werde ich geprägt? 
  • Ein „Ja“ zur Gemeinschaft mit Gott, bedeutet ein „nein“ zur Gemeinschaft mit der Welt. 
  • Gibt es Beziehungen, Gewohnheiten oder Sünden, von denen ich Abstand nehmen und mich trennen muss? 
  • Christ und Sünde passen nicht zusammen. Wo entschuldige oder beschönige ich Sünde in meinem Leben?  
  • Wo lassen wir zu, dass der Teufel sein Werk weiter tun kann. Wo gibt es in meinem Leben Streit, Zerstörung von Gemeinschaft, Gesetzesübertretung, wo Lüge, Falschheit, Widerstand gegen Gottes Willen, Heuchelei.   
  • Der Sieg Jesu ist vollbracht. Die Macht der Sünde und des Teufels ist gebrochen – in Jesus sind wir von seinen Werken er-löst. Wo sollte ich ganz neu im Glauben den Sieg Jesu in Anspruch nehmen? 

3. Sagen, wo es hingeht 

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

Erkenne Gott als den liebenden Vater. Gottes Liebe machte uns zu Gottes Kindern.  

Erkenne Jesus als den Sieger. In Jesus haben wir den Sieg über die Macht der Sünde, des Teufels und des Todes.  

Erkenne die Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Aus ihr heraus wächst eine tiefe Sehnsucht nach ungebrochener Gemeinschaft mit Gott – ein Wünschen, Jesus zu sehen, wie er ist und ihm gleich zu werden.  

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt? 

Die Hoffnung und Naherwartung auf die Wiederkunft Jesu und die Begegnung mit ihm, bewirkt im Kind Gottes:  

  • jetzt schon eine Vorfreude auf die Begegnung mit Jesus 
  • jetzt schon ein sich Reinigen und Vorbereiten auf Jesus  
  • jetzt schon ein sich Absondern von der Sünde und dem Bösen 

Der Sieg Jesu zeigt:  

  • dass er uns die Gotteskindschaft ermöglicht hat 
  • dass er uns teilhaben lässt an seiner Herrlichkeit  
  • dass er uns jetzt schon von der Macht der Sünde und des Teufels befreit hat. 

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

Weihnachten – die Geburt eines Siegers 

Sie verschafft uns 

  1. eine grandiose Stellung – wir sind Kinder Gottes 
  1. eine grandiose Zukunft – wir werden ihn sehen, wie er ist  
  1. einen grandiosen Sieg – wir müssen nicht sündigen 

Jesus ist Sieger, darum  

  1. sind wir Kinder Gottes  
  1. sind wir voller Hoffnung 
  1. sind wir ganz befreit  

Die herrliche Auswirkung des Sieges Jesu:  

  1. Eins sein  
  1. Gleich sein  
  1. Rein sein 

Nach Warren W.Wiersbe 

  • Gott der Vater liebt uns 
  • Gott der Sohn starb für uns 
  • Gott der Heilige Geist lebt in uns 

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

Der neue Vater 

»Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.« Dieser Spruch ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet und enthält sehr viel Wahres. Die Vaterschaft kann sich auf drei Bereiche beziehen: der biologische Vater (Erzeuger), der rechtliche Vater (Elternrecht) und der soziale Vater (übernimmt persönliche umsorgende Verantwortung). Leider hat unsere Gesellschaft den Drang dazu, auf den eigenen Spaß mehr Wert zu legen, als der Verantwortung des »wahren Vaters« nachzukommen. Selbstverwirklichung, die Karriere oder Trägheit sind es, die viele Väter davon abhalten, Pflichten zu übernehmen. Deshalb kennen viele Kinder ihren Vater nur als ihren Erzeuger oder als den, der das Erziehungsrecht besitzt. Manche erlebten einen Vater, der seine Verantwortung wahrgenommen hat und sein Bestes tat, sein Kind gut zu prägen. Andere hingegen hatte im Prinzip nur einen biologischen Vater, der die Beziehung zu seinem Kind weder pflegte noch suchte, seine Verantwortung leugnete und die Familie im Stich ließ. 

Egal, welchen Vater man hat…. manche Enttäuschungen und Verletzungen… sitzen tief. Mit Gott dürfen wir erfahren, was wirkliche Vaterliebe ist, unabhängig davon, wie sehr irdische Väter enttäuschen. Gott will eine väterliche Beziehung, weil er jedes seiner Kinder über alles liebt. Er hört zu, er sagt was gut ist und will nur das Beste für uns. 

(Entnommen aus: Leben ist mehr, von Gabriel Herbert) 

(Klaus Eberwein)