Johannes

Predigthilfe vom 2. Januar 2022 – Johannes 6, 37-40

Predigtthema:         Zu Jesus kommen heißt satt werden

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Es ist immer sehr wertvoll im Auge zu behalten, dass Johannes vor allem Jesus als den Messias herausstellen möchte. Joh 20,30+31 betonen das nochmals sehr deutlich. Ebenfalls ist es hilfreich, wenn man das ganze Kapitel im Zusammenhang liest. Es ist das erste von sieben Ich-bin-Worten, die Jesus hier sagt. Im 6.Kapitel finden wir ebenfalls einen Wechsel. Einen Wechsel von den Wundern Jesu hin zu den Reden Jesu. In Kapitel 6 lesen wir das fünfte Wunder Jesu von den insgesamt sieben im Johannesevangelium beschriebenen. Es ist also ein Wechsel von den Taten hin zu den Worten Gottes. Das Volk hatte die Möglichkeit den Sohn Gottes zu sehen und darf ihn nun auch hören. Unten eine Liste der Wunder und Worte Jesu.

Wunder Jesu:

  • Wandlung von Wasser zu Wein; 2,1-11
  • Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten; 4,46-54
  • Heilung eines Kranken am Teich Bethesda; 5,1-18
  • Speisung der 5000; 6,1-14
  • Jesus geht auf dem See; 6,16-21
  • Heilung eines Blindgeborenen; 9,1-7
  • Auferweckung des Lazarus; 11,1-45

Ich-bin-Worte:

  • Brot des Lebens; 6,35
  • Licht der Welt; 8,12
  • Die Tür; 10,9
  • Gute Hirte; 10,12
  • Auferstehung und das Leben; 11,25
  • Weg, Wahrheit und das Leben; 14,6
  • Der Weinstock; 15,1+5

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Beten und den Text wiederholt lesen
  • Fritz Rienecker; Alexander Schick, Lexikon zur Bibel
  • William Barclay; Johannesevangelium 1
  • Werner de Boor; Wuppertaler Studienbibel, Das Evangelium nach Johannes
  • William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament
  • Maier, Gerhard, Edition C Bibelkommentar NT, „Johannesevangelium Teil 1“, Band 6, Hänssler Verlag.

Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bietet z.B. auch die MacArthur Studienbibel (unter S.1500f).

Gern kann man auch folgende Predigt dazu anhören auf YouTube: www.youtube.com/watch?v=RWkFVsJpUMM

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Kurz vorher redet Jesus zur Volksmenge und gibt ihnen das erste Ich-bin-Wort weiter, von denen wir im Johannesevangelium insgesamt sieben finden. Das sind Wahrheiten, die Jesus dem Volk ungefiltert präsentiert, um seine Göttlichkeit klarzumachen.

Jesus bezeugt immer wieder, dass er der Messias ist (5,36) und dass das Volk allein durch ihn die Sündenvergebung erlangen kann. Was wir jedoch oft beobachten können ist, dass das Volk zwar Jesus und seine Wunder will, aber mit seiner Theologie nicht einverstanden ist. Genauso ist es auch hier in Johannes 6. Er speist 5000 Menschen, er geht auf dem Wasser – doch als die Leute mehr von ihm wollten, kamen sie mit seinen Worten nicht mehr klar und verließen ihn sogar (6,66).

V37:

Im gesamten Abschnitt wird deutlich, dass Jesus auf dieser Erde ist, um den Willen seines Vaters zu tun. Deutlich geht das auch aus Joh 3,16 hervor, wo der Vater den Sohn sendet und sich der Sohn nicht allein dafür entscheidet.

Natürlich wissen wir, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist eins in drei sind. Sie sind eins im Willen und doch drei in den Aufgaben. Daher war es natürlich auch Jesu Wunsch, seine Geschöpfe zu retten.

Daher fällt es Jesus auch nicht schwer hier auf der Erde ausschließlich Gottes Wunsch zu erfüllen.

Jesus beschreibt hier einen Vorgang, der für uns Menschen nicht leicht zu verstehen ist.

Alles, was mir der Vater gibt – wird kommen.

Der Vater ist hier der Aktive. Er führt den Menschen zu Jesus. Gott führt seine Schafe zum guten Hirten (Joh 10). Er weiß genau, dass der gute Hirte sein Leben lassen wird für die Schafe. Er weiß genau, dass keines seiner kostbaren Schafe verloren gehen wird, denn der gute Hirte geht den Schafen nach und bringt sie wieder zurück zu Herde.

Und was zu mir kommt.

Hier wird das Handeln des Menschen beschrieben. Der Menschen ist in der gesamten Rettungsaktion Gottes komplett passiv. Das gibt auch der Grundtext im griechischen her. War der Vaters vorher als Geber der Aktive, ist der Mensch als kommender der Passive.

Es ist allein Gottes Handeln mit den Menschen, um ihnen Ewiges Leben zu geben. Es ist nichts, das man sich ergreifen kann, verdienen kann oder selbst erarbeiten kann.

Für die Rettung der Seele kann der Mensch rein gar nichts tun! Und das ist ein beruhigender Gedanke. Eine beruhigende Tatsache.

Beruhigend deshalb, dass wir Menschen uns nicht abrackern müssen, um diese Gnade anzunehmen, dass wir uns nicht selbst präsentieren müssen, um gut dazustehen. Es ist das Werk Gottes, das wir einfach im Glauben annehmen dürfen. Die Rettung der Menschen ist Gotteswerk!

Das werde ich nicht hinausstoßen.

Jesu Reaktion ist dann natürlich ebenfalls göttlich. Das Wort, das hier verwendet wird, wird in den Evangelien meist für das Austreiben von Dämonen und bösen Geistern gebraucht. In Johannes 2,15 treibt Jesus die Händler aus dem Tempel. Auch hier wird dieses Wort gebraucht. Es ist eher etwas Negatives, es wird gebraucht wenn man etwas loshaben möchte, wenn man jemanden loshaben möchte. In Gal 4,30 wird die Magd fortgetrieben, die nicht den wahren Erben hatte (Hagar und Ismael).

Jesus begegnet uns nicht so. Er wird jemanden, der sündenbeladen und reumütig vor ihn kommt niemals wegschicken. Er wird die Schafe, die der Vater ihm gibt, niemals negativ behandeln. Er liebt sie und wird sie in seine Herde aufnehmen.

Daher dürfen wir mutig und dankbar vor Gott kommen und die Vergebung seines Sohnes annehmen!

V38:
Wie schon erwähnt, ist Jesus auf diese Erde um den Willen seines Vaters zu tun. Es war nicht eine egoistische Sache des Sohnes und keine Kurzschlussreaktion.

Wir lesen von diesem Rettungsplan in 1.Pet 1,20. Schon vor Grundlegung der Welt hat der Vater diesen Weg geplant und bringt ihn nun zur Vollendung (Joh 17,11).

Daher fügt sich der Sohn diesem Plan willig ein und erfüllt das, was wir Menschen nicht können – die Vergebung der Sünden.

V39+40:

Was die Menschen damals unter dieser Auferweckung verstanden haben könnten, können wir heute nicht mit Gewissheit sagen. Nachdem wir heute jedoch die komplette Schrift haben, können wir aus dieser Aussage wiederum eine große Hoffnung schöpfen.

Die Gläubigen kennen die Gesamtheit aller geoffenbarten Schriften. Es ist ein allumfassender Begriff, der die Zeit umfasst, in der die Erlösten auferweckt werden (viermal spricht der Herr davon in dieser Rede: V. 39.40.44.54; und einmal Martha: 11,24), und auch die Zeit des Gerichts der nicht Geretteten vor dem großen weißen Thron (Joh 12,48).

Wenn wir also Jesus als den sehen und annehmen, wie er sich vorstellt, haben wir ewiges Leben!

  • Johannes 10,27-30
  • Johannes 14,6

John MacArthur beschreibt abschließend passend:

Dieser Vers (40) hebt die menschliche Verantwortung bei der Errettung hervor. Obschon

Gott souverän ist, wirkt er durch den Glauben, so dass ein Mensch an Jesus als den Messias und Sohn Gottes glauben muss, der allein den einzigen Weg zur Errettung anbietet (vgl. 14,6). Allerdings ist auch der Glaube ein Geschenk Gottes (Röm 12,3; Eph 2,8.9). Die Souveränität Gottes und die menschliche Verantwortung mit dem Verstand zu erfassen, ist für den Menschen unmöglich, aber dennoch sind in den Gedanken Gottes beide Seiten vollkommen miteinander verbunden.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Wir müssen den Text im Zusammenhang sehen. Am Besten wäre es, wenn man das ganze Kapitel einmal am Stück durchliest. Die Juden kamen nämlich, um Jesus zu befragen. Ist er wirklich der Messias? Bewirkt er die Wunder, von denen prophezeit wurde?

Jesus tut im Johannesevangelium viele Wunder, um klarzumachen, dass er nicht nur den Anspruch hat der Messias zu sein, sondern auch um klarzumachen, dass er der Messias ist! Allein in Kapitel 6 lesen wir von zwei Wundern, die er kurz hintereinander tut (V 11+19-21).

Die Menschen erlebten den Messias hautnah. Er redete die Worte Gottes, stillte ihren Hunger und diskutierte mit ihnen. Ein Tag davor hat er eine große Menge satt gemacht und nun wollten sie wissen, ob er wirklich der Messias ist. Sie waren vergesslich und sensationslustig. Eigentlich wollte das Volk mehr die Wunder als den Messias.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Das neue Jahr startet. Wie bereits im letzten Jahr sehen wir uns zu Beginn des neuen Jahres mit einigen Unsicherheiten konfrontiert.

Es ist daher sehr wichtig, dass wir Jesus in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen. Wir müssen es lernen, dass unser Leben nicht auf Entscheidungen von Umständen, Politikern oder der Gesellschaft beruht – sondern auf Jesus selbst! Nur er gibt uns Ruhe und Frieden, nur er gibt uns Sicherheit und Ewigkeit.

Wenn wir zu ihm kommen wird er uns niemals wegschicken, sondern wir werden Ruhe für unsere Seelen finden (Mt 11,28+29).

Wichtig ist, dass Jesus in unserem Text ganz klar herausstellt, dass er nicht seinen eigenen Willen tut, sondern den Willen des Vaters. Er sucht stets danach dem gerecht zu werden, wofür er hier auf der Erde ist.

Dasselbe darf auch unser Anspruch sein – 2.Kor 5,15.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

2.Kor 5,15, ist hier für mich eine hervorragende Anwendung. Aus welchem Grund sind wir hier auf der Erde? Wie würden wir das Jahr 2022 gestalten, wenn wir wüssten, es wäre unser letztes Jahr?

Ebenso ist auch die Gewissheit hervorzuheben, dass Jesus niemanden ausstoßen wird, der zu ihm kommt. Wir dürfen dem Erlösungswerk Jesu voll und ganz vertrauen. Wir dürfen die Liebe Jesu über alles stellen und uns in seine liebevollen Arme legen!

Gerade zum Jahresanfang darf das unsere Ausrichtung sein. Die sogenannten „guten Vorsätze“ in „geistliche Vorsätze“ ummünzen. Nicht nach Erfolg, sondern nach Vertrauen streben. Nicht nach weltlichen, sondern nach geistlichen Sicherheiten suchen (1.Pet 1,18+19).

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Es ist allein Jesus, der uns den Weg frei macht zum Vater. Es ist allein Jesus, der den Willen des Vaters tut, um uns zu erlösen.

Unsere Reaktion darf daher der Gehorsam aus Liebe sein.

3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1.  V 37 Jesu Art
  2.  V 38 Jesu Gehorsam
  3.  V 39+40 Jesu Treue

Oder:

  1.  Jesu Liebe als Vorbild
  2.  Jesu Gehorsam als Vorbild
  3.  Jesu Treue als Vorbild

3.3 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

In folgendem Video beschriebt ein Mann, wie er seinem großen Idol begegnet. Er tut dafür alles. Er nimmt Strapazen und Kosten auf sich, um nur einen kleinen Moment mit seinem Star zusammen zu sein und um ein Foto zu bekommen.

Bei Jesus ist das anders. Er nimmt alle Strapazen auf sich, um ewig mit uns zusammen zu sein. Er schmeißt uns nicht raus, er will auch nicht nur kurz ein Foto mit uns, sondern er will die Ewigkeit mit uns verbringen.

(Valentin Töws)