Johannes

Predigthilfe vom 1. Januar 2022 – Johannes 6, 30-37

Predigthilfe für den 1.1.2022   Neujahr 

Monatsthema: Jahreslosung: Zu Jesus kommen. 

Predigtthema: Zu Jesus kommen heißt satt werden 

Gottesdienst Einleitung:  Mat 11,28; Ps 102,1ff; Jes 55,1f (Vorschläge zur Textlesung) 

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!  

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext  

Die Jahreslosung 2022 ist entnommen aus dem Johannesevangelium:  

 „(und) Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Joh. 6,37 

Dieses Bibelwort bildet den zweiten Satzteil, dem eine wichtige Aussage vorausgeht.  

„Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; 

und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Joh. 6,37 

Dieses unscheinbare Verbindungswort „und“ ist wichtig zu beachten, um die Kernaussage Jesu richtig einzuordnen und anwenden zu können. Die Einladung Jesu, dass alle Menschen zu ihm kommen dürfen, ja sollen – steht im Mittelpunkt des Kontextes. Dieses Bibelwort spricht weniger von einer Prädestination, wie viele meinen. Vielmehr geht es darum, dass jeder Mensch eingeladen ist zu ihm, dem Brot des Lebens, zu kommen und an ihn zu glauben. 

Wenngleich auch das Geheimnis vom Zusammenspiel des freien Menschenwillens und der Souveränität Gottes in den Versen auftaucht, so bleibt es uns zutiefst verborgen und gibt keinen Raum für Spekulationen oder calvinistische Lehrsysteme. 

Die Tatsachen bleiben unauflöslich nebeneinander bestehen:  

  • Jeder der zu Jesus kommt wird vom Vater gezogen.  
  • Jeder der zu Jesus kommt ist eine Gabe des Vaters. 
  • Jeder der den Vater gewähren lässt, kommt zu Jesus.  
  • Jeder der zu Jesus kommt wird nicht abgelehnt. 
  • Jeder der den Namen des Herrn anruft wird gerettet werden. 
  • Jeder kann die Liebe zur Wahrheit annehmen. 
  • Jeder ist Bestandteil im Willen Gottes zur Rettung. 
  • Jeder ist Gegenstand der Liebe Gottes. 
  • Jeder, der an ihn glaubt wird nicht zuschanden werden. 
  • usw. 

Es bedarf einer genauen Betrachtung des Kontextes und des Zusammenhangs, damit die wunderbare Zusage und die offene Tür in der Jahreslosung erkannt und verstanden wird. Das ganze Johannesevangelium ist der Aufruf an den freien Willen des Menschen, zu Jesus zu kommen und an ihn zu glauben. Diesen Grundton, sollen auch wir verkündigen.  

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund 

Maier, Gerhard, Edition C Bibelkommentar NT, „Johannesevangelium Teil 1“, Band 6, Hänssler Verlag. 

Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Matthäus bis Apostelgeschichte“ Band I, CLV. 

Henry, M., Apostelgeschichte–Offenbarung, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag. 

MacDonald, W., Kommentar zum Neuen Testament, 7. Auflage., Bielefeld: CLV. 

Fruchtenbaum, Arno.d, Jeschua- Das Leben des Messias aus messianisch-jüdischer Perspektive, Düsseldorf: CMV 

  1. Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

Nach der wundersamen Brotvermehrung (Joh 6,1-21) sah das Volk nur auf die materielle Versorgung – aber Jesus macht deutlich, dass der Mensch mehr braucht. Sowohl das Zeichen der Brotvermehrung als auch das Zeichen vom Manna in der Wüste, sollte dem Volk die Notwendigkeit an geistlicher Nahrung aufzeigen. Stattdessen erwarteten sie aber von Jesus, dass er ihnen noch mehr irdische Nahrung verschafft. Doch beide Wunder deuten auf eine tief geistliche Wahrheit hin.  

  • Es gibt zwei Arten von Nahrung: die natürliche und die geistliche! 
  • Die natürliche Ernährung erhält uns das irdische Leben am Leben. 
  • Die geistliche Ernährung gibt uns dauerhaft das ewige Leben.  
  • Beides ist ein Geschenk Gottes, das Gott dem Menschen umsonst gibt. 
  • Es erinnert an das Prophetenwort: „kommt und nehmt umsonst“ Jes 55,2 

Jesus kam, um das Wort Gottes und das Werk des Vaters zu erfüllen. Der Abschnitt zeigt, wie Jesus dem Volk erklärt, wie sie wirklich satt werden. 

Bei Jesus wird man sitt und satt 

  1. Der Hunger nach mehr im Leben 

Mehr haben, mehr sehen, mehr besitzen,….mehr, mehr, mehr. Der Mensch scheint, was die irdischen Bedürfnisse angeht, ein Nimmersatt zu sein. So war es auch nach der Brotvermehrung Jesu – obwohl zwölf Körbe übrigblieben, erwarteten die Menschen nun wieder so ein Wunder. Der Hunger nach Sättigung des irdischen Lebens war nicht zu stillen. Die Unersättlichkeit offenbart eine tiefe Sehnsucht nach mehr im Leben. Selbst wer alles hat, dem fehlt noch viel.  

  • Bei der Stillung unserer wahren Bedürfnisse geht es um mehr als die natürliche Nahrung.  
  • Jesus zeigt dem Menschen, warum er mehr im Leben braucht.  

V.30 Typisch Mensch: Wir wollen noch mehr 

Man könnte meinen, Wunder und ausreichender Lebensunterhalt würden die Menschen zum Glauben an Jesus führen. Statt Jesus zu glauben fragte das Volk nach weiteren Beweisen für den Glauben. Man könnte zugutehalten, dass die Frage auch ein berechtigtes und prüfendes Interesse zeigt. Denn es könnte ja jeder kommen und behaupten, er sei Christus (1Joh 4,1; Mt 24,5). Problem war aber, dass JESUS bereits das ZEICHEN der Brotvermehrung gewirkt hatte und vielmehr jetzt ihre Motivation aufdeckte (Joh 6,25-29), warum sie nicht glaubten! Nur einen Tag später (V.22) wollten sie wieder ein Wunder sehen, wieder nur selbst für das irdische Leben profitieren. Statt jetzt zu glauben, forderten sie Jesus provokant heraus.  

V. 31 Eine sehr provokante Frage – und was tust du? Jesus machte mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen satt (Joh 6,10). Das Volk war begeistert, wollte ihn zum König machen – aber eine kritische Zuhörerschaft (vermutlich die Schriftgelehrten) provozierten Jesus. Sie selbst stellten mit dem Brotvermehrungswunder einen Bezug zum Manna-Wunder in der Wüste her. Dabei verglichen sie Mose mit Jesus und stellten Mose Gott gleich. „Mose“ gab dem Volk Brot vom Himmel, ohne Hilfe von fünf Broten oder Fischen. Mose macht aus nichts viel und das täglich 40 Jahre lang – du aber brauchst fünf Brote und Fische, um einmal aus wenig etwas mehr zu machen. Wer bist du und was kannst du, dass wir glauben.  

Dabei legten sie wohl absichtlich die Schriftstelle von Ps 78,24 falsch aus, denn zu klar steht dort, dass Gott der HERR es war, der dem Volk das Manna gab (2Mo 16,4.15; 5Mo 8,3).  

->  Es gibt oft voreingenommene und kritische Zuhörer, die das Eigentliche verpassen, weil sie Jesus innerlich bereits ablehnen. 

-> Es gibt leider auch falsche Erwartung an den Glauben an  Jesus (z.B. Wohlstandsevangelium) 

  1. Jesus bietet mehr  

V. 32 Eine einladende Antwortet – Gott der Vater sandte das wahre Brot  

Wohl geplant, nimmt Jesus den Bezug zum Manna auf und korrigiert erstaunlicherweise sehr liebevoll ihre Aussage. Jesus macht klar, dass Gott ihnen hier und jetzt viel mehr anbietet als die Väter in der Wüste von Gott bekamen. Jesus sagt:  

  • Mein Vater gibt – Jesus bekennt sich als Sohn Gottes (wie schon in Joh 5) 
  • gibt Euch – Gott, der Vater bietet den Zuhörern das göttliche Manna an.  
  • Wahres Brot vom Himmel – Jesus selbst ist die Erfüllung des Manna.  

Die Diskussion ist evtl. eine Fortsetzung von Johannes 5,17-30. Jesus bezeugt bereits, dass er vom Vater gesandt wurde, um die Werke zu tun, die der Vater ihm zu tun sagte. Auch wenn es eine von Jesus-weg-Bewegung gab, lädt Jesus verständnisvoll ein, ihm zu vertrauen. 

V. 33 Eine deutliche Erklärung – der, welcher vom Himmel kommt ist es  

Jesus macht deutlich, dass der Mensch mehr braucht als Brot aus Weizen und Mehl. Um diese geistliche Nahrung zu beschreiben, gebraucht er mehrere Bezeichnungen: 

  • Das Brot vom Himmel – deutet auf seine Herkunft (vgl. Jak 1,7; Joh 5,36).  
  • Das Brot Gottes – deutet auf den Geber  
  • Das wahre Brot – deutet auf das Wirkliche/Echte  
  • Das Brot des Lebens – deutet auf die Wirkung  
  • Das Brot der Welt – deutet auf die Empfänger  

Brot ist das Grundnahrungsmittel zum irdischen Leben für alle Menschen. Es wird zum Sinnbild für das wahre Brot, das zum ewigen Leben nötig ist.  

-> Jesus personifiziert das Brot Gottes („ist derjenige“) und deutet es auf sich.  

-> Dieses Brot (Jesus) ist nicht nur für Israel bestimmt, sondern für die ganze Welt. 

V.34 Eine aufrichtige Bitte – gib uns allzeit dieses Brot 

Die Zuhörer scheinen verstanden zu haben, dass sie dieses Brot allezeit benötigen. Aber ist das nicht etwas, was Gott schon längst weiß, dass wir es benötigen? Es erinnert z.B. an:  

  • Die täglich notwendige Versorgung in der Wüste (2Mo 16,13ff).  
  • Aber auch an die Tatsache, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt (vgl. 5Mo 8,3, das Jesus in Mt 4,4 zitiert).  
  • An das Vaterunser: Gib uns unser tägliches Brot (Mt 6,11). 

V. 35-36 Eine klare Antwort – ich bin das Brot des Lebens 

Diese Verse bilden den Kernpunkt der Aussage Jesu. Es ist das erste der sieben „Ich bin Worte“ im Johannesevangelium. Sie offenbaren bildhaft wer Jesus ist. ER ist das wahre Brot Gottes, die echte Speise, die wirklich satt macht! 

Auch wenn die Zuhörer immer noch die materielle Nahrung im Kopf hatten, so wird deutlich, dass Jesus von der geistlichen Nahrung spricht.  

Jesus bietet mehr: WER zu ihm kommt, bekommt mehr – er wird für immer sitt und satt. Wie schon bei der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4), will Jesus die Seele der Menschen sättigen, ihren inneren geistlichen Hunger stillen. 

-> Hunger und Durst ist auch ein Grundbedürfnis der Seele und des Geistes. 

-> Jesus ist gekommen, dass sie satt werden und nicht mehr hungern und dürsten.  

Es ist der Ausblick auf eine ewige Genugtuung und Stillung aller Bedürfnisse, wie es die Propheten vorhersagten (Jes 49,10) und es sich in der Ewigkeit völlig erfüllen wird (Off 7,16; 21,6). Auch Jesus verkündigt schon diese Seelenstillung in der Bergpredigt (Lk 6,21). In Jesus wird diese geistliche und seelische Hungersnot gestillt.  

Jesu Betonung liegt auf dem „zu mir kommen“ und „an mich glauben“. 

Sowohl das Kommen als auch der Glaube zielt auf JESUS hin.  

-> Es ist nicht egal, zu wem man kommt oder wem man glaubt! 

-> Die Befriedigung der Bedürfnisse findet der Mensch nur in der PERSON Jesu. 

Jesus bezeugt den Zuhörer, dass sie, obwohl sie sehen, obwohl sie offensichtlich zu ihm gekommen waren, ihm nicht glaubten. Denn sie waren ja nicht wegen ihm gekommen, sondern wegen der Wunder (Joh 6,26). 

-> Was ist es, was uns wirklich zu Jesus treibt? 

-> Warum suchen Menschen den Glauben an Jesus – welche Bedürfnisse suchen sie gestillt zu bekommen (irdische oder geistliche).   

  1. Jesus verliert nichts mehr 

V. 37 Eine klare Zusage – bei Jesus geht keiner verloren.  

Jesus wird keinen verlieren, der zu ihm gekommen ist und an in glaubt. Wer zu Jesus kommt, der kommt nicht vergebens. Jeder ist willkommen, jeder darf kommen – ganz unabhängig von seiner Geschichte, seiner Biographie, seiner Schuld und seinen Umständen (Mt. 11,28). 

Jesus wird nicht an dem Werk scheitern, das er vom Vater bekommen hat, sondern den Willen das Vater voll und ganz vollbringen. Auch Jesus empfängt alles was er hat aus der guten Hand seines Vaters. Dabei steht hinter dem, dass ein Mensch zu Jesus kommt ein liebevolles Ziehen des Vaters. Dieses innere Ziehen, drückt sich einmal darin aus, dass ein seelisches Verlangen (Durst und Hunger) nach Gott 

  • im Menschen angelegt ist (er ist nach dem Bilde Gottes geschaffen) 
  • im Menschen durch den Geist Gottes gewirkt wird. 

Wie eingangs schon erwähnt, ist der Hauptgedanke nicht Prädestination (Vorherbestimmung), sondern, dass wer zu Jesus kommt und an ihn glaubt, im Willen des Vaters steht.  

  • Es ist der Wille des Vaters, dass Menschen zu Jesus kommen.  
  • Wer zu Jesus kommt, ist für Jesus eine Gabe des Vaters.  
  • Es ist der Wille des Menschen, ob er zu Jesus kommt. 

Manche Ausleger behaupten, es gebe „eine bestimmte Zahl von Menschen, die Jesus Christus vom Vater gegeben sind“ – aber das ist aus dem Vers nicht zu entnehmen. Vielmehr wird deutlich, dass bei der Rettung sowohl die freie Entscheidung des Menschen als auch die Souveränität Gottes eine Rolle spielen.  

Vielmehr wird das Geheimnis der sicheren Heilszusage betont.  

Wer zu Jesus kommt, den wird er nicht hinausstoßen. Das meint sogar ein Hinaustreiben und Hinauswerfen. Welch ein fester und sicherer Halt und Trost, dass wer zu Jesus kommt offene Türen einrennt.  

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

Jesus greift ein unter der jüdischen Bevölkerung sehr bekanntes Ereignis aus dem 2.Mose auf. Die göttliche Versorgung des Volkes durch das Manna beim Auszug aus Ägypten. 

Manna – wird zum Bild für Jesus, der gekommen ist, um das Volk zu sättigen.  

  • Es war eine göttliche Speise. 
  • Es kam vom Himmel (Himmelsbrot). 
  • Es versorgte das Volk täglich. 
  • Es war reichlich für alle da. 
  • Es sorgte für das Überleben des Volkes in der Wüste. 
  • Es hörte nicht auf, wenn das Volk ungehorsam war.  

Nach rabbinischer Sicht sollte der Messias, wenn er kommt doppelt Manna geben. Jesus kam tatsächlich und gab doppelt – doppelt im Sinne von irdischer und geistlicher Nahrung.  

Wichtig ist, dass die Zuhörer den Bogen erkennen, wie Jesus die irdischen/materiellen Erwartungen auf die geistlichen/seelischen Bedürfnisse lenkt.  

Es geht um mehr als das materielle Leben, es geht um die Sättigung des inneren Menschen.  

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Neujahr – Dankbar sein, dass Gott uns immer wieder satt macht 

Dankbar, dass Gott uns wieder ein Jahr so gut versorgt hat – Rückblick. 

Dankbar, dass Gott auch dieses Jahr für uns sorgen wird – Ausblick. 

Dankbar, dass Gott uns auch innerlich versorgt – Einblick. 

Die Hungersnot in der Welt ist groß 

Man könnte Beispiele aufzeigen, dass viele Menschen in der Welt nicht satt werden und keine Grundversorgung haben. Es ist eine wirkliche Not, dass Staatengemeinschaften ambitioniert sind das Weltklima zu retten und das Weltall zu erobern, aber es nicht schaffen, die Weltbevölkerung mit Brot zu ernähren. Diese Not ist furchtbar und mit nichts abzuschwächen. Wenn aber die zeitliche Not schon so ein Gewicht hat, wie schwer wiegt dann die geistliche Hungersnot, die in der Welt herrscht. Diese eigentliche geistliche Not der Welt ist ja noch größer und folgenschwerer – da geht es um die Ewigkeit. 

Satt werden nur mit 2G – wenn nicht mehr jeder kommen darf 

Um in einer Gastronomie satt zu werden braucht es mittlerweile die Erfüllung gewisser Kriterien. Je nach Infektionslage ist die Gastronomie nur zugänglich mit 2G. So umstritten das Thema auch ist und uns alle beschäftigt (außer man isst nur zuhause und geht nicht gern essen), ist es eine Ausgrenzung. Wie gut, dass es bei Gott keine Ausgrenzung gibt. Jeder darf zu Jesus kommen und satt werden.  

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung) 

Was ist die Motivation, warum Menschen an Jesus glauben oder religiös sind?  

Viel haben eine falsche Vorstellung vom Glauben an Jesus. Die Erwartungen sind oft auf das Diesseits, statt auf das Jenseits gerichtet. Sie liegen oft im materiellen Bereich, statt im geistlichen. Manche Menschen vergessen im Sorgen oder Genießen der materiellen Güter, den Hunger ihrer Seele zu stillen (siehe Beispiel unten). 

Jesus korrigiert die falsche Erwartungshaltung von Menschen, die am Glauben interessiert sind. Es geht nicht um ein Wohlstandsevangelium. In der Jesusnachfolge geht es nicht um materielle Vorteile oder Stillung leiblicher und irdischer Bedürfnisse. So was führt schnell zu einer falschen geistlichen Erwartung (Jesus schenkt Erfolg, Wohlstand, Gesundheit usw.) Der Glaube an Jesus ist kein Wohlstandevangelium! Vielmehr geht es Jesus um die Stillung wahrer menschlicher Bedürfnisse. 

  • Jesus bietet das Brot des Lebens an, aber es gibt keinen Essenszwang. 
  • Welche falschen Erwartungen verbinden Menschen mit dem Glauben an Jesus? 
  • Was hält Menschen ab, zu Jesus zu kommen? 
  • Was lässt uns vergessen, dass wir unseren geistlichen Hunger stillen? 
  • Was macht es mit den Menschen, wenn sie hören, dass jeder willkommen ist? 
  • Wie großherzig ist doch der HERR, dass jeder zu ihm kommen darf? 

3. Sagen, wo es hingeht 

  1.  Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

Wir wollen verdeutlichen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt.  

Es gibt Grundbedürfnisse des Menschen, die gehen weit über die leiblichen und materiellen Dinge hinaus.  

Gerade in unserer Zeit erleben wir immer mehr Menschen mit seelischer Erschöpfung.  

Die Not des inneren Menschen nimmt zu, weil die geistliche Speise verloren gegangen ist und der Glaube an Gott ganz allgemein in der Gesellschaft in den Hintergrund gedrängt wurde.  

Es geht darum, die verloren gegangene Speise den Menschen wieder zu verkündigen, auf dass sie seelisch und geistlich sitt und satt werden.  

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt? 

Jesus ist für unsere Seele da!  

Die Betonung auf den notwendigen geistlichen Speisen darf natürlich das Bedürfnis nach leiblichen Dingen nicht ersetzen. Es braucht immer auch eine Ausgewogenheit zwischen der nötigen Stillung irdischer Bedürfnisse und übertriebener Sicherheit. Weder Habsucht noch Sorgengeist soll uns bestimmen (1Tim 6,8). Es ist unser Auftrag auch für die Grundbedürfnisse von Bedürftigen Sorge zu tragen (Jak 2,14ff; Gal 6,9). 

Doch die Stillung der eigentlichen Bedürfnisse, nach denen sich der Mensch sehnt, hat Gott sich selbst vorbehalten. Nur beim Schöpfer selbst kommt das Geschöpf zur Ruhe.  

Jesus und sein Wort bleiben darum die Grundnahrung für ein geistliches Leben auf Erden.  

Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras; 

ja, ich habe vergessen, mein Brot zu essen. 

Psalm 102,5 

Siehe, es kommen Tage, spricht GOTT, der Herr, da werde ich einen Hunger ins Land senden; nicht einen Hunger nach Brot, noch einen Durst nach Wasser,  

sondern danach, das Wort des HERRN zu hören 

Amos 8,11 

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

Nur bei Jesus wird man sitt und satt 

  1. Der Hunger nach mehr 
  1. Jesus bietet mehr  
  1. Jesus kann mehr  

Wer zu Jesus kommt 

  1. …hat Hunger nach mehr  
  1. …wird wirklich satt 
  1. …rennt offene Türen ein  

Nach G.Maier 

Was können wir von Jesus erwarten 

  1. Falsche Erwartungen  
  1. Mehr als Manna 
  1. Kann ausgerechnet Jesus diese Erwartung erfüllen? 

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

„Ich lag einmal“, erzählt Sundar Singh, „in einer wunderschönen Blumenwiese und konnte mich an all der Pracht nicht sattsehen. Da kam ein Mann und rief mir zu, ich möchte doch weggehen; denn es sei schon mancher in diesen Blumen gestorben. ‚Wie‘, erwiderte ich, ‚Sind sie denn giftig?‘ ‚Nein, aber die Blumen seien so schön, dass die Leute um all der Schönheit essen und trinken vergessen hätten und nach und nach kraftlos eingeschlafen seien, um nicht mehr zu erwachen.‘ „Ist es nicht so“, fährt der Sadhu fort, „mit den Gütern dieser Welt? Gewiss sind sie nicht giftig. Aber viele vergessen über ihrer Pracht den Hunger und den Durst ihrer Seele.“ 

Beispiel- und Stoffsammlung für die Verkündigung, Martin Haug, 1941, Beispiel 2021 

Glauben empfangen wir von Gott immer nur so viel, wie wir für den gegenwärtigen Tag gerade brauchen. Der Glaube ist das tägliche Brot, das Gott uns gibt. 

Dietrich Bonhoeffer 

Mit den Psalmen der Bibel ist es wie mit dem Brot. Über Brot kann man diskutieren, man kann es analysieren, chemisch in seine Bestandteile auflösen …, doch nur dem, der das Brot isst, gibt und stärkt es das Leben. 

Erich Zenger 

(Klaus Eberwein)