Jahresthema: Wie Menschen neu werden
Monatsthema: Leben nah bei Jesus – Jesus für uns
Predigtthema: Kennzeichen Liebe
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal „fromm-deutsche“ Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und „normaler“ übersetzt sind.
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Wir befinden uns im Johannesevangelium kurz vor der Kreuzigung Jesu. Dieses Evangelium hat gegen Ende eine extreme Verdichtung – ab Kapitel 12,12 befinden wir uns in Jerusalem. Das Geschehen dort beschreibt den Palmsonntag. Im Gegensatz zu den anderen Evangelien haben wir im Johannesevangelium nicht die Berichte des öffentlichen Handelns in Jerusalem während der Passionswoche, sondern Johannes berichtet uns hauptsächlich die Gespräche, die Jesus ausschließlich mit seinen Jüngern in dieser Zeit hatte. Ab Kapitel 13 ist Jesus nur noch mit seinen Jüngern unterwegs. Unserem Abschnitt geht die Fußwaschung Jesu voraus (Joh 13,1-17) sowie die Identifikation der Person, die Jesus verraten würde (Joh 13,18-30). Unser Abschnitt hat als Kerninhalt das Erkennungszeichen Liebe – Liebe soll das Markenzeichen von uns Christen sein. Jesu selbst ist hier das Vorbild und gerade der vorangehende Text der Fußwaschung vermittelt das. Jesus, der bereit, ist auch niedrige Dienste zu tun. Jesus, der bereit ist zur Vergebung.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Bevor ich mit dir etwas in die Details zum Text gehen will, möchte ich dich einladen den Text erst einmal in aller Ruhe zu lesen. Am besten, du liest den Text einmal in der Luther-/Elberfelderübersetzung und danach in einer neueren Übersetzung (Ich empfehle Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), oder Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ)). Ich persönlich mache es meistens so, dass ich den Text ausdrucke und beim Lesen schon ein paar Anmerkungen, Unterstreichungen oder Fragezeichen mache. Das hilft mir dann, den Text besser zu verstehen und ich bin fokussierter auf den Gedankengang des Textes.
Gute Hilfen in der Vorbereitung leisten folgende Dinge:
- MacArthur Studienbibel -> ist sehr zu empfehlen, da sie sehr bibeltreu ist und sogar gratis (www.sermononline.de) als pdf zur Verfügung steht.
- Die Ryrie-Studienbibel -> nicht ganz so umfangreiche Textkommentierung wie die von MacArthur, aber kann ergänzend mit hinzugezogen werden.
- https://dasbibelprojekt.visiomedia.org/ Hier findest du kurze Videoclips über das Matthäusevanglium. Diese helfen einen Gesamtüberblick über den Brief zu bekommen.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Die Verherrlichung von Vater und Sohn
Dieses Wort dominiert unseren Abschnitt. Es kommt 5mal vor. Unten in der Worterklärung wird es etwas genauer beschrieben. „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht“ – Jesus steht unmittelbar vor dem Kreuz. Noch an diesem Abend wird er abgeführt werden und am nächsten Tag nachmittags, 15 Uhr, gekreuzigt werden. Doch genau deswegen ist Jesus ja in die Welt gekommen! Er kam genau wegen diesen Stunden auf diese Welt. Es ging immer darum, für diese Welt zu sterben. (Vgl. Joh 12,24) Joh 12,27f: „Jetzt ist meine Seele voll Unruhe. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. 28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.“ Genau jetzt passiert es – jetzt wird Jesus seinen Auftrag erfüllen und das werden, was in Joh 1,29 steht: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ Es klingt faktisch paradox – aber genau diese Erniedrigung Jesus ist seine Verherrlichung, seine Erhöhung. Gott, der Vater, wird durch die Heilstat Jesu verherrlicht, d.h. gepriesen, erhöht. Hier müssen wir zwingend Texte wie Phil 2,9: „Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist,“, oder Jes 53,12: „Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ“ lesen. Spannend ist auch der Zusatz in V31: „Und Gott ist verherrlicht in ihm.“ Das komplette Leben von Jesus hatte ein Ziel – Verherrlichung des Vaters. Den Vater zu ehren, ihn groß zu machen, seinen Willen tun. Wir finden etliche Stellen, die uns das bezeugen. Hier eine kleine Auswahl: Joh 4,34; Joh 5,19; Joh 6,38. Weil Jesus so lebt, wird Gott (der Vater) durch sein (=Jesu) Leben groß gemacht (verherrlicht). Und weil Gott durch das Leben von Jesus verherrlicht ist, wir er auch Jesus in sich selbst verherrlichen – so lesen wir das dann in V32a. Ich muss zugeben, es fällt in diesen Versen schwer den Überblick zu behalten und wir verstehen etwas davon, dass Jesus in Joh 10,30 sagt: „Ich und der Vater sind eins!“ Vater und Sohn sind zu unterscheiden (in ihren Aufgaben z.B.) und doch sind sie eins. V32b: „und er wird ihn sogleich verherrlichen.“ Der Vater wird das zeitnah tun. Er wird Jesus den Thron geben. Wir sagen das ja so im Apostolikum. „Er sitzt zur Rechten Gottes.“ Eine interessante Stelle in diesem Zusammenhang der Verherrlichung Jesu aufgrund seines Leidens und Sterbens ist sicherlich Dan 7,13f: „Ich schaute in Visionen der Nacht: Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. 14 Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum ⟨so⟩, dass es nicht zerstört wird.“ Diese Handlung findet exakt im Anschluss an die Himmelfahrt Jesu (Apg 1) statt. Es ist ein prophetisches Wort auf diese Situation geschrieben. Jesus geht von der Erde in den Wolken des Himmels (Apg 1,9). Es ist quasi die Himmelfahrt aus der Himmelperspektive. Was passiert dann? Jesus, der Menschensohn in Dan 7,13, kommt zu dem Alten an Tagen – es ist Gott, der Vater. Jetzt ist V14 wichtig: Ihm wurde gegeben – Jesus bekommt hier den Thron Gottes. Herrschaft, Ehre und Königtum. In der LXX, der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des ATs lesen wir an der Stelle auch von Herrlichkeit – doxa. Ihm, Jesus, wurde alle Herrlichkeit gegeben.
Jesu Herrlichkeit und unsere Herrlichkeit?
Wir lesen hier, dass Jesus verherrlicht = erhöht, geehrt werden wird vom Vater, weil er den Kreuzesweg geht! Spannend in diesem Zusammenhang der Herrlichkeit ist auch, dass der Begriff auch im Zusammenhang mit uns Christen vorkommt. Röm 8,29f: „Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene ist unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht“. Hier werden tolle Dinge gesagt über diejenigen, die an Jesus Christus glauben. Wir haben eine Bestimmung – Jesus gleichförmig zu sein. Das heißt zum einen, absolut gerecht zu sein – ja, die Gerechtigkeit Gottes (=die Gerechtigkeit, die Gott besitzt) zu haben. So lesen wir es in Röm 3,22. Auf der anderen Seite heißt es auch, die Herrlichkeit Gottes, die wir aufgrund unserer Sünde verloren haben (Röm 3,23: „denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes“), wieder zu bekommen. Christen sind verherrlichte Menschen – so steht es in Röm 8,30. Aus der Sicht Gottes sind diese Dinge längst schon Realität – Gott steht außer der Zeit. Für uns werden sie noch sichtbare Wahrheit werden, dann, wenn Jesus kommt. Wier lesen z.B. Phil 3,21: „der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird ⟨und⟩ seinem Leib der Herrlichkeit gleichförmig ⟨machen wird⟩, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“. Jesus hatte einen erhabenen, unfehlbaren Körper nach seiner Auferstehung – er war ein neues Wesen. Ein Mensch, aber ein total veränderter. Genau diese Art von Erhöhung werden wir auch haben. Röm 8,18: „Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“. Dazu noch Röm 8,21: „dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“. Gott wird seinen Kindern Herrlichkeit geben. Er wird uns herrlich machen (erhöhen, Ehre geben) weil wir seine Kinder sind. Ich gebe zu, was das dann konkret heißt, bleibt in gewissem Maße offen. Weitere Stellen sind 1Kor 2,7; 1Kor 15,43; 2Kor 3,18; 2Kor 4,17; Kol 1,27; usw. In 2Kor 3,7 wird das tolle Beispiel von Mose erwähnt. Mose war in der Gegenwart Gottes und er strahlte. Genauso wird es am Ende sein. Wir werden in der Herrlichkeit Gottes sein und diese Herrlichkeit wird auf uns übergehen und wir werden sie reflektieren. Man könnte sagen: Es ist eine Abhängigkeitsherrlichkeit! Und zusammenfassend muss man sagen: Weil Jesus seine Herrlichkeit verlassen hat und Sterblichkeit annahm und am Kreuz starb (Phil 2,5ff), können wir, die wir aktuell sterblich sind und die Herrlichkeit Gottes verloren haben, die Herrlichkeit durch Christus besitzen. Doch genau wie Jesus durch Leiden in die Herrlichkeit ging, müssen auch wir durch mancherlei Leiden (Röm 8,17; 1Petr 4,13) und Bedrängnis (Agp 14,22) in die Herrlichkeit Gottes eingehen.
Der Heilsplan – Jesu Zukunft
„Kinder, noch eine kleine Weile bin ich bei euch; ihr werdet mich suchen, und wie ich den Juden sagte: Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen, so sage ich jetzt auch euch.“
Jesus hatte das zu den Juden in Jerusalem auf dem Laubhüttenfest gesagt in Joh 7,33ff: „Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch, und ich gehe hin zu dem, der mich gesandt hat. 34 Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. 35 Es sprachen nun die Juden zueinander: Wohin will dieser gehen, dass wir ihn nicht finden sollen? Will er etwa in die Zerstreuung der Griechen gehen und die Griechen lehren? 36 Was ist das für ein Wort, das er sprach: Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und: Wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen?
Jesu Erdenzeit war eine begrenzte Zeit. Wir wissen, dass der öffentliche Dienst von Jesus im Alter von 30 Jahren begann (Lk 3,23) und dass Jesus etwa 3 Jahre mit seinen Jüngern unterwegs war. Darauf kann man kommen, wenn man die Festbesuche (Passah) zusammenzählt. Interessant ist dabei der Vergleich zu den Leviten im AT. Auch ihr Dienst begann im Alter von 30 Jahren (4Mo 4,3). Nach Jesus Auferstehung lesen wir, dass er noch 40 Tage unter den Jüngern war (Apg 1,3). Danach ist Jesus in den Himmel aufgefahren. Er hatte das mehrfach angekündigt und auch deutlich gemacht, dass es besser ist, wenn er geht, denn dann kann Tröster kommen. Joh 16,7: „Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.“ Jesus redet vom Parakleten, von dem, der wörtlich „an die Seite gerufen ist“. Wer ist er? Er ist nach dem Johannesevangelium niemand anderes als der persönliche Christus in jedem Gläubigen (Joh 16,13-15, Gal 2,20, usw.). Wenn wir diese Stellen lesen, dann verstehen wir, warum es besser war, dass Jesus ging. Denn so kann er jetzt gleichzeitig bei allen Gläubigen sein und das Wort „Siehe ich bin bei euch alle Tage“ bewahrheitet sich. Jesus kündigt auch hier an, dass er seine Jünger verlassen wird und nicht mehr wie bisher sichtbar und leibhaftig mit ihnen unterwegs sein kann.
Gesetz und Gebote – der Alte und Neue Bund
„Ein neues Gebot gebe ich euch“. Jesus, darfst du das? Bist du denn überhaupt befugt das zu tun? Solche Fragen kommen einem schnell, wenn man die Geschichte Israels kennt. Gott gibt Mose am Sinai das Gesetz (Torah) – Die Weisung Gottes. Ist das nicht ausreichend? Wieso braucht es ein neues Gebot? Wir müssen hier zwingend heilsgeschichtlich denken. Das Gesetz am Sinai besiegelt den Alten Bund – Den Bundesschluss Gottes mit dem Volk Israel. Er galt nicht für alle Menschen und alle Nationen, sondern für das Volk Israel und wer sich dem Volk anschließen wollte. Es galt 2Mo 19,6ff: „Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde. 6 Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst. 7 Darauf ging Mose hin, rief die Ältesten des Volkes ⟨zusammen⟩ und legte ihnen all diese Worte vor, die ihm der HERR geboten hatte. 8 Da antwortete das ganze Volk gemeinsam und sagte: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun!“ Der Bund des Gesetzes ist aber nicht der finale Plan Gottes für alle Menschen, denn zu Abraham wurde ja gesagt: „und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ (1Mo 12,3) und „In deinem Samen (Singular) werden sich segnen alle Nationen der Erde“ (1Mo 22,18). Durch Abraham und das Volk Israel wird dieses Versprechen erfüllt. Wenn wir dazu Gal 3 lesen, bekommen wir eine wichtige Erklärung! Das Sinaigesetz ist niemals gegeben worden als Heilsweg – also als eine Anweisung, damit Menschen in den Himmel kommen. Nein es ist ein Einschub Gottes bis der „eine Same“ kommt – der Messias. Gal 3,11: „Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn »der Gerechte wird aus Glauben leben“ – Der Weg „Gerechtigkeit aus Glauben“, der schon zu Abrahamszeiten galt (1Mo 15,6), macht das Gesetz nicht ungültig. Sondern das Gesetz hat einen Zweck. Gal 3,17ff: „Dies aber sage ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das vierhundertdreißig Jahre später entstandene Gesetz nicht ungültig, sodass die Verheißung unwirksam geworden wäre. 18 Denn wenn das Erbe aus ⟨dem⟩ Gesetz ⟨kommt⟩, so ⟨kommt es⟩ nicht mehr aus ⟨der⟩ Verheißung; dem Abraham aber hat Gott ⟨es⟩ durch Verheißung geschenkt. 19 Was ⟨soll⟩ nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt – bis der Nachkomme[9] käme, dem die Verheißung galt“. Menschen sollen durch das Sinaigesetz erkennen, dass sie Übertreter sind, Sünder sind. Gal 3,24: „Also ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt werden“- Das Gesetz (z.b. 10 Gebote) soll Menschen dazu bringen zu erkennen, dass sie Sünder sind und dass sie einen Erlöser brauchen. Der Erlöser ist es, durch den Gottes Segen zu jedem kommt, der glaubt (Gal 3,12f). Gottes Segen = Gottes Aufnahme in seine Familie = Gott meint es gut mit einem und tut Gutes. Damit gilt auch: Das Ziel des Gesetzes ist dann erfüllt, wenn ein Mensch zu Jesus umkehrt. So müssen wir u.a. Röm 10,4 verstehen: „Denn das Endziel des Gesetzes ist Christus, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit“. Christen sind nicht mehr unter Gesetz, sondern dem Gesetz bereits gestorben und unter der Gnade (Röm 6,14). Heilsgeschichtlich bedeutet das, dass Mose nicht der entscheide Mittler und das Sinaigesetz nicht das Maß aller Dinge sind – Sie waren Wegbereiter des Messias – Jesus Christus. 5Mo 18,15: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören“. Es kommt ein zweiter Mose und auf den muss das Volk hören. Wer die Bergpredigt aufmerksam liest entdeckt: Jesus tritt hier in dieser Autorität auf. Er zitiert aus dem Sinaigesetz und ergänzt bzw. definiert es neu. Z.B. Mt 5,21: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch…“ Jesus kommt und setzt mit seinem Blut den Neuen Bund ein. So sagt er es beim letzten Abendmahl (Lk 22,20). So verstehen wir auch den Verglich in Joh 1,17: „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Mit Jesus kommt der lang ersehnte Bund der Gnade, die Gerechtigkeit aus Glauben – so wie es Abraham erlebt hat. Das erfüllt sich in Jesus und wird greifbar für jeden Menschen. Deswegen darf Jesus in dieser Funktion des Bundesstifters/und Sohn Gottes neue Gebote erlassen, die für diesen Neuen Bund gelten. Was im Alten Bund bereits angelegt ist (Liebe Gott und liebedeinen Nächsten) erfüllt sich nun im Neuen Bund und wird zum zentralen Gebot. „Liebt einander“. Diese Aussage Jesus wird dann in den Briefen des Paulus ausgeführt z.B. in Röm 13,8ff: „Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn das: »Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren«, und wenn es ein anderes Gebot ⟨gibt⟩, ist in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe“. Die göttliche Eigenschaft der Liebe (agape – unten erklärt) soll dann auch das Markenzeichen der Kinder Gottes sein. Der Neue Bund gründet also auf die Heilstat Jesu am Kreuz und schenkt uns die Gotteskindschaft – wir werden erben des Segens Gottes.
Liebe – Unser Markenzeichen
Die Worte Jesu in unserem Abschnitt sind eine logische Konsequenz. Wer dem Neuen Bund folgt und an Jesus glaubt, der wird nach Joh 1,12 ein Kind Gottes. Damit gehört er zur himmlischen Familie – er ist adoptiert worden. Jetzt geht es darum nach den Maßstäben Gottes und nicht nach den der Welt zu leben (Röm 12,2). Was ist das Markenzeichen unseres Vaters im Himmel? Liebe – bedingungslose, hingebungsvolle Liebe. Joh 3,16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Diese Liebe fordert nicht, sie gibt. Sie wird sichtbar am Kreuz. Wenn wir Menschen wissen wollen, ob dieser Gott uns wirklich liebt, dann müssen wir zum Kreuz schauen. Johannes schreibt es uns mal so deutlich in 1Joh 4,9f: „Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. 10 Hierin ist die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.“
Wer jetzt also zu diesem Gott gehört, sein Kind ist, der sollte diese Eigenschaft Gottes, Liebe, ausleben lernen. Können wir das überhaupt? Nein, aus uns heraus nicht! Aber in Röm 5,5 steht: „denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist“. Gottes Geist in uns will uns dazu befähigen und der Ausgangspunkt ist immer der, dass wir zuerst die Liebe selber erlebt haben und sie dann an die anderen weitegeben. 1Joh 4,19: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ Jesus sagt es ja genauso in unserem Abschnitt: „Wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt.“ Gemeinde – Liebe sollte draufstehen und drin sein. Wenn Menschen zu uns kommen, dann sollten sie diese bedingungslose Liebe am eigenen Leib erfahren.
Liebe – Unser Erkennungszeichen
„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“. Die Menschen um uns herum werden Christen erkennen, nämlich an ihrem Umgang miteinander. Ist das so? Sind wir anders als unsere Mitmenschen? Wir sind also ein großer Hinweis auf Jesus Christus, wenn wir untereinander Opferbereitschaft und Hingabe leben. Das ist ein sehr praktischer Punkt, denn die Frage ist: Wie zeigt sich diese Liebe untereinander und wo kann sie gesehen werden? Sicherlich nicht nur im Gottesdienst – denn da sind ja unsere Mitmenschen nicht. Es geht um das Miteinander der Christen im Alltag, im „echten“ Leben. Man hilft sich, wenn ein Projekt ansteht! Man ist da, wenn jemand krank ist. Man greift sich unter die Arme, wenn Not da ist. Hier sind wir Christen tatsächlich gefordert in einer immer zunehmend unpersönlichen und individualistischen Welt.
1.4 Struktur des Abschnittes:
Wir haben nur 5 Verse. V31-32 reden von der Verherrlichung sowohl des Sohnes als auch des Vaters. V33 gibt einen Ausblick auf das Ableben/Himmelfahrt Jesu – er wird sterben und dann auffahren in den Himmel und die Jünger können ihm nicht folgen. V34-35 gibt Jesus ein neues Gebot, das ein Erkennungsmerkmal sein soll für alle Christen – Liebe.
1.5 Wichtige Begriffe:
Ich möchte versuchen euch ein paar Begriffe aus dem Text zu erläutern, die mir wichtig erscheinen.
Verherrlichen (doxazo)
Der Begriff dominiert unseren Abschnitt. Exakt 5mal lesen wir davon. Doxa ist die Herrlichkeit und kann auch mit Ehre, Glanz, Ruhm übersetzt werden. Hier wird er als Verb gebraucht – verherrlichen. Das wiederum kann man so übersetzen: preisen, ehren, rühmen, erheben. Es kommt speziell im Johannesevangelium 23mal vor. Die Verherrlichung des Messias liegt gerade in seiner Erniedrigung und seinem Gehorsam bis zum Tod. Weil er das tut, wird ihn sein Vater verherrlichen – erhöhen, ehern, rühmen etc. Phil 2,5-10 ist hier der Paradeabschnitt.
Liebe, lieben (agape)
Liebe oder lieben – Form Agape – kommt in unserem Abschnitt 4mal vor. Das Neue Testament ist in griechischer Sprache geschrieben. Diese kennt mehrere Begriffe für unser deutsches Wort Liebe. U.a. kennt sie die eros, die körperliche Liebe. Sie kennt die philia, die Geschwisterliebe/Bruderliebe und sie kennt die agape. Ich habe folgende Definition der Agapeliebe gefunden: „Tatsächlich ist die Liebe, welche das N. T. bezeugt, etwas Neues, nicht Neigung oder Leidenschaft, sondern Wille und innerer Drang zum Wohlmeinen und Wohltun bis zur selbstmitteilenden und selbstverleugnenden Hingabe. Nicht in der Humanität hat sie Ursprung, Art und Kraft, sondern: daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat.“
Liebe ist also ein Entschluss. Es ist eine willentliche Entscheidung, dem anderen Gutes zu tun selbst dann, wenn nichts zurückkommt. Es ist eine selbstlose Liebe. Der beste Vers dafür: Joh 3,16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt (agape), dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Diese göttliche Liebe (agape) zeichnet sich nicht nur nette Gefühle aus, die Gott für diese Welt hatte. Nein, sie zeichnet sich dadurch aus, dass Gott bereit war das wertvollste was er hatte zu geben – seinen einzigen Sohn – und das wohlwissend, dass viele Menschen diesen Sohn ablehnen werden. Diese Liebe, die Gott kennzeichnet, soll uns Christen kennzeichnen.
Gebot (entole)
Kann man auch mit Befehl, Auftrag oder Gesetz übersetzen. Gebote sind Anweisungen Gottes, die wir im Gesetz Gottes finden. Das Gesetz (torah = Weisung) besteht aus Geboten. So lesen wir z.B. in Mt 22,36: „Lehrer, welches Gebot ⟨ist⟩ groß im Gesetz?“. Gebote beantworten die Frage, wo nach sich der Mensch richten soll. Das Gesetz im Hebräischen (Torah) muss man im Prinzip mit Weisung oder Wegweisung übersetzen. Gott gibt uns im Gesetz durch seine Gebote wichtige Wegweisungen.
2. Verstehen, worum es geht
Auf der einen Seite zeigt unser Text uns Jesu Verherrlichung – seine Erhöhung! Weil er dem Plan Gottes treu ist, wird er über allen stehen. Auf der anderen Seite geht es um das Markenzeichen eines Christen – Liebe. Natürlich ist Jesus das Vorbild. Er hat uns geliebt bis zum Ende (Joh 13,1). Wir wollen uns in der Predigt von der Liebe Jesu anspornen lassen, um über das neue Gebot nachzudenken: Einander lieben wie Jesus uns geliebt hat.
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
(Überlegungen zum Predigtanlass / Hörer / Liedvorschläge)
Wie gehen wir Christen miteinander um? Sind wir im Ort als große Familie sichtbar, die sich gegenseitig hilft und unterstützt? Oder gleichen wir dem Sportverein, indem wir ausschließlich das gleiche Hobby haben – nämlich Jesus? Gerade in dieser Zeit ist es wichtiger denn je, dass wir uns als große Familie Gottes sehen und auch so leben. Familie ist füreinander da.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Jesus redet kurz vor seinem Tod wichtige Worte an seine Jünger… Wir befinden uns an der Schwelle zum Neuen Bund, der mit Tod, Auferstehung und schließlich Pfingsten beginnt.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Unser Text gibt und ein Gespräch Jesu wieder. Wir haben keine Prosa oder sonstige Textgattung.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir wollen mit der Predigt letztlich praktisch werden. Jesus ist unser Vorbild. Er hat uns gedient und damit den Vater verherrlicht. Weil er das getan hat, hat ihn der Vater verherrlicht. Liebe war seine Motivation. Wir als seine Jünger sollen dem Lehrer (Jesus) nacheifern.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Kennzeichen Liebe (Vorschlag vom Verband)
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Kennzeichen Liebe
- Unser Vorbild – Jesus (V31-32)
- Unser Auftrag – Lieben (V34)
- Wie sieht lieben im Alltag aus?
Zu 1. Unser Vorbild Jesu
Wir wollen in diesem Punkt die Verse 31-32 mit den oben gegebenen Hinweisen entfalten. Jesus ehrte (verherrlichen) den Vater, weil er bereit war aus selbstloser Liebe den Weg ans Kreuz als Unschuldiger für die Schuld der ganzen Welt zu gehen. Diese Liebe ist für uns kaum zu erfassen und zu begreifen. So oft lieben wir, weil wir etwas davon haben. Wir lieben selektiv. Aber Jesus ist anders. Er liebt, weil es der Wille Gottes ist. Er liebt, weil er sich dazu entschieden hat. Seine Liebe kostet ihn etwas – mehr noch! Seine Liebe zu uns Menschen fordert von ihm das ultimative! Er muss seinen Platz beim Vater aufgeben und in die Gottverlassenheit (Ausruf am Kreuz) gehen. Wir können kaum nachempfinden, was das für den Sohn Gottes bedeutet haben muss. Doch nur so konnte der Vater uns, seine abtrünnigen Geschöpfe, für Zeit und Ewigkeit gewinnen. Das Prinzip Jesus, durch Erniedrigung zur Erhöhung, ist dabei unser Vorbild. Mk 10,45 – Jesus kommt um uns zu dienen. Das ist ganz praktische Liebe.
Zu 2. Unser Auftrag – Lieben (V34)
Jesus sagt, dass wir uns genauso lieben sollen, wie er uns geliebt hat. Seine Liebe ging bis ans Äußerste – so haben wir das gerade angesehen. Unmöglich? Ja, von uns aus ist das nicht möglich. Es muss von innen heraus geschehen durch den Geist Gottes. Wir wollen in diesem Punkt darauf hinweisen, dass Liebe unter den Geschwistern keine Option, sondern Kerngeschäft ist. Lieben wir uns so? Gehen wir so miteinander um? Röm 5,5 und Hebr 12,2-3 sollten hier im Vordergrund stehen. Wir können nur Lieben, weil unser der HG dazu befähigt. Auf der anderen Seite muss diese Liebe aus einer lebendigen Jesusbeziehung kommen. Wer lernt sich in der Liebe Jesu zu sonnen, der wird motiviert auch andere zu lieben. Wir können auch über den Punk der Adoption reden. Wir sind adoptierte Königskinder, die eigentlich von der Straße kommen. Wir müssen diese neue Verhaltensart erst erlernen. Auch hier müssen wir gnädig mit anderen Geschwistern umgehen, wenn manchmal diese Liebe noch nicht so in Reinkultur gelebt wird.
Zu 3. Wie sieht lieben im Alltag aus?
Vielleicht können wir hier „Gemeinde-individuell“ denken. Wie könnte die Gemeinde vor Ort ihre Liebe untereinander leben? Was würde das konkret bedeuten? Wie könnten Menschen in der Nachbarschaft davon ergriffen sein und damit Jesus sehen? Können wir in der Gemeinde diakonische Dienst anbieten? Was tun wir aktuell schon an ganz praktischen Liebediensten? Besuchen wir die Alten? Unterstützen wir unsere jungen Familien? Nehmen wir die einsamen auf und geben wir ihnen eine Heimat?
(Manuel Nowak)